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Börsen-Philosophie braucht Fragen!
Ausgabe vom 23.03.2026
Börsen-Philosophie braucht Fragen!
von Torsten Ewert
Manche altgedienten Börsianer erscheinen uns Anlegern fast als Philosophen. Zumindest haben Leute wie André Kostolany oder Warren Buffett Orakelsprüche in die Welt gesetzt, mit denen man sich als „normaler“ Anleger schwertut. Und Trader-Legende George Soros hat tatsächlich eine Art Börsen-Philosophie entwickelt („Reflexivität“).
Philosophisches statt „vernünftiger“ Analysen?
Damit setzen sie eine Tradition fort, die schon etliche Jahrzehnte besteht. Schließlich sind alle sogenannten Börsenweisheiten sehr nahe dran an Binsenweisheiten: „Der Markt hat immer Recht“ ist so eine. Wir alle haben schon Situationen erlebt, in denen „der Markt“ nicht Recht hatte, sondern seine Meinung letztlich doch noch geändert hat.
Und wer dann den vermeintlichen Börsen-Schlaumeiern à la Kostolany, Soros oder Buffett ein „Siehste!“ entgegenhält, erntet oft nur ein mildes Lächeln und erhält die wenig hilfreiche Antwort „Bis dahin hatte der Markt aber doch Recht – und du hast falsch gelegen!“. Was uns vor allem dann zum Verstummen bringt, wenn wir in der Phase, als der Markt noch „falsch“ lag, auf das „Richtige“ – also das Gegenteil – gesetzt und damit Geld verloren haben…
Nun werden sich einige von Ihnen fragen, wie ich angesichts der jüngsten Turbulenzen derartigen „Bullsh…“ von mir geben kann. Wäre jetzt nicht eine tiefgehende Analyse nötig – wie, wieso, wohin und wann es weitergeht?
Börsenregeln für Unberechenbares
Na ja, das habe ich mit meinen beiden Artikeln vom Mittwoch und Freitag getan. Und was hat’s gebracht? Wer will, kann beide „falsch“ nennen: Das bullishe Bild vom Mittwoch hat sich bis Freitag ins Gegenteil verkehrt und das bearishe Bild vom Freitag scheint heute schon wieder hinfällig zu sein – obwohl es heute Vormittag noch gar nicht danach aussah.
In solchen, völlig unberechenbaren Situationen helfen dann mitunter doch ein paar Börsenregeln. So hat in meiner Anfangszeit mal ein erfahrener Börsianer geraten: „Verkaufe nie am Montagvormittag!“ Anders als manche anderen Regeln leuchtet diese sofort ein: Wenn am Wochenende irgendeine Hiobsbotschaft eingeht, können die Börsianer erst am Montag reagieren.
Und dann kommt es oft zu Panikreaktionen bzw. Verkäufen, die neue Verkäufe auslösen, also zu stark fallenden Kursen. Erst, wenn diese Panikwelle abebbt, eventuelle sogar eine Erholung einsetzt, sieht man (eventuell) klarer und sollte reagieren. Und wer langfristig anlegt, wie ich (was ich auch in den Aktien-Perlen und vor allem im Geldanlage-Brief tue), sollte ohnehin öfter mal Kurs- und Tickerband abschalten.
Einfach mal abschalten!
Und genau das habe ich heute Vormittag getan (und lieber an Verbesserungen meiner Strategien gefeilt). Denn nach den Nachrichten vom Wochenende war mir klar, dass es Montagmorgen an den Börsen heiß hergehen wird: Irans Raketen, die plötzlich rund doppelt so weit fliegen können, wie bislang gedacht, und Trumps 48-Stunden-Ultimatum an Iran kurz darauf, hatten das unzweifelhafte Potenzial, die Kurse am Montag in den Keller zu schicken.
Und so ist es tatsächlich zunächst gekommen:

Doch als ich dann gegen 13.30 Uhr an die Börse zurückkehrte, um zu schauen, ob und wann ich ein paar meiner geplanten Verkäufe vornehmen müsste, traute ich meinen Augen nicht: Da wo, am Morgen noch dicke Minuszeichen prangten, glänzte nun alles in positivem Grün! Und in den Index-/Future-/CFD-Charts sah ich einen fulminanten Kurssprung (siehe Pfeil im Chart).
Donald Trumps nächstes TACO?
Schnell fand ich dazu auch die passende Meldung im stock3-Live-Ticker:
„Donald Trump gibt bekannt, dass die USA und der Iran konstruktive Gespräche über eine vollständige Beilegung ihrer Feindseligkeiten geführt haben und er das Kriegsministerium angewiesen hat, alle geplanten Militärschläge gegen iranische Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen. Die Aussetzung steht unter dem Vorbehalt des Fortschritts der laufenden Verhandlungen.“
Nun gab es kurz danach schon wieder Berichte, wonach Iran solche Gespräche dementiert. (Oder vielleicht auch nur, dass diese „gut“, produktiv“ oder „konstruktiv“ sind). Daher ist auch schon wieder vom nächsten „TACO“ die Rede.
Fragen muss man stellen!
Wie auch immer – meine „schöpferische Pause“, die ich schon am Wochenende begann, hat mich zu einigen Fragen geführt. Wie in der Philosophie kommt es auch an der Börse oft auf die Fragen an. Die Antworten können unterschiedlich ausfallen, was dann zu unterschiedlichen Szenarien führt, für die man sich – je nach Wahrscheinlichkeit – Maßnahmen überlegen kann oder muss.
Hier also mein persönlicher Fragenkatalog:
1. Kann es sein, dass die USA und Israel keinen Plan haben, wie sie diesen Krieg gewinnen bzw. beenden können? Gut, diese These ist nicht neu, aber die Meldung von heute verstärkt diesen Eindruck nochmals.
Dazu folgende Anekdote aus dem Vietnamkrieg: Als 1968 die Pariser Gespräche zwischen Vietnam und den USA begannen, die zum Kriegsende führen sollten, haben sich die Vietnamesen angeblich eine Villa für ein Jahr gemietet, weil sie lange und zähe Verhandlungen erwarteten. Die Amerikaner zogen dagegen in Hotels, weil sie nur mit wenigen Wochen Verhandlungsdauer rechneten. Zu einem Abkommen kam es aber erst 1973, also nach 5 Jahren! Und wir sollen jetzt glauben, dass die USA dieses Mal in 5 Tagen ein Ergebnis zustande bringen?
2. Kann es sein, dass Iran dagegen eine sehr konsistente Strategie verfolgt, die eigenen Gegenschläge zu eskalieren, je mehr und je länger ihre Gegner gegen das Land anrennen? Zunächst waren es – neben der sofortigen De-facto-Blockade der Straße von Hormus – „nur ein paar“ Drohen und Raketen, die eher symbolische und wenig gravierende Schäden angerichtet haben. Dann wurden Angriffe verstärkt gegen Nachbarstaaten und dabei insbesondere gegen deren Energieinfrastruktur geführt. Bisheriger Höhepunkt: die Zerstörung der Gasproduktion in Katar für mindestens 3 Jahre. Dafür muss man schon genau wissen, wohin man zielen und treffen muss – also vorbereitet sein.
Zuletzt gab es Drohungen Irans gegen weitere Energieanlagen in der Region und vor allem die Wasserversorgung (die in Trockenregionen wie dem Nahen Osten überlebenswichtig ist). Sollte man solche Drohungen angesichts der bisherigen Erfahrungen nicht ernst(er) nehmen?
3. Wie kann es sein, das Iran „plötzlich“ Raketen mit rund doppelter Reichweite hat, als bisher bekannt war? Und warum wirken selbst die hochgelobten und fast schon legendären Geheimdienste Israels und der USA überrascht davon? Könnte es sein, dass die Raketen für die Abschüsse in Richtung Diego Garcias nur „zusammengeklempnert“ waren? (Sehr zielgenau waren sie jedenfalls nicht.) Falls es also nur ein (einmaliger) Einschüchterungsversuch war, könnte er von langer Hand geplant gewesen sein. Was könnte dann Iran sonst noch vorausschauend geplant haben?
4. Ist es wahrscheinlich, dass sich Iran, wo man offenbar überzeugt ist, noch das eine oder andere Ass im Ärmel zu haben, mir nichts, dir nichts auf Verhandlungen und Ultimaten einlässt?
5. Haben die USA und Israel also überhaupt eine andere Wahl als entweder unverrichteter Dinge (aber möglichst gesichtswahrend) wieder abzuziehen oder tatsächlich früher oder später eine Bodenoffensive zu beginnen? Und welche Option werden sie am wahrscheinlichsten wählen?
6. Und jetzt die Gretchenfrage für alle Anleger: Je nach den Antworten auf diese Fragen – ist all dies in den Kursen wirklich schon eingepreist? Oder anders gefragt: Welches Szenario scheint der Markt (inzwischen wieder) eingepreist zu haben? Und für wie wahrscheinlich halten wir es, dass es dazu kommt?
Fragen + Antworten = Szenarien
Wie eingangs schon gesagt: Der Markt hat immer Recht, kann aber seine Meinung schnell ändern, wie wir schon gesehen haben. (Vielleicht tut er das auch schon – die Kurse fallen nämlich schon wieder zurück; siehe roter Pfeil im Chart.) Wir dürfen jetzt alle gemeinsam über diese und andere Fragen nachdenken und uns überlegen, welche Vorkehrungen im eigenen Depot eventuell sinnvoll sind.
Und bevor Sie nun mich nach den „richtigen“ Antworten fragen: Richtige Antworten gibt es nicht (bzw. die werden wir erst viel später wissen). Und nein, einfach sind weder die Antworten noch die Maßnahmen, die zu maximalem Erfolg (oder besser: minimalen Schaden) führen. Aber das eigene Fragenstellen und Nachdenken über die Antworten bleibt niemandem erspart. Nur so können Sie die Meinungen der anderen – auch meine! – besser einordnen und lassen sich weder vom Medienspektakel noch von den Märkten überrumpeln.
Mit besten Grüßen
Ihr Torsten Ewert
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