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Ein historisches Ereignis
Ausgabe vom 06.05.2026
Ein historisches Ereignis
von Torsten Ewert
Die folgende Nachricht hat keine größeren Schlagzeilen gemacht: An der Küste Kaliforniens ist am vergangenen Sonntag der letzte Supertanker aus dem Persischen Golf eingetroffen, der es noch vor der Blockade durch die Meerenge von Hormus geschafft hat.
Nur eine Fußnote in der Geschichte des Iran-Kriegs von 2026?
Und vielleicht bleibt diese Nachricht tatsächlich nur eine Fußnote in der Geschichte dieses Krieges, von dem vor allem die Aktienmärkte derzeit offenbar einpreisen, dass er bald vorbei ist und sich dann die Ölversorgung aus dem Nahen Osten wieder normalisieren kann.
Aber vorerst verzeichnen wir mit dem Anlegen dieses „Letzten Tankers“, der New Corolla im Frachthafen von Long Beach ein historisches Ereignis: Das 333 Meter lange und 60 Meter breite Riesenschiff, das unter der Flagge von Hongkong segelt, wurde am 24. Februar im Irak beladen, also wenige Tage bevor die USA und Israel den Krieg gegen Iran begannen. Ein Fass der irakischen Ölsorte Basrah Medium kostete damals 69,59 $. Derzeit notiert der Preis bei gut 120 US-Dollar.
Damit haben die letzten 2 Mio. Fass Vorkriegs-Öl ihr vorläufiges Ziel erreicht und werden am Tankerterminal des Raffinerie-Betreibers Marathon Petroleum in den kommenden knapp 2 Wochen gelöscht und danach zu Benzin, Diesel, Kerosin und anderen Produkten verarbeitet.
Zur Einordnung: Diese 2 Mio. Barrel entsprechen knapp 2,5 % der bis Februar üblichen täglichen weltweiten Fördermenge. (Inzwischen fehlt wegen der Blockade laut Schätzungen die Hälfte der Menge aus dem Persischen Gold oder 10 bis 12 % des Volumens.)
Die USA sind nicht so immun, wie oft behauptet wird
Dieses Ereignis wirft zudem ein bezeichnendes Licht auf die oft geäußerte Meinung, dass die USA ja weitgehend unabhängig von Importen sind. Das stimmt generell nur bedingt und für Kalifornien schon gar nicht: Kalifornien importiert rund 75% des Ölbedarfs aus dem Ausland und Alaska. Vor dem Iran-Krieg beliefen sich die Einfuhren aus der Golfregion auf ca. 228.000 Barrel pro Tag. Der größte Teil stammte aus dem Irak, von wo 2025 knapp 18% der gesamten Importe Kaliforniens kamen. Weitere Lieferanten aus dem Nahen Osten waren Saudi-Arabien (8%) und die Vereinigten Arabischen Emirate (3%):

Quelle: California Energy Commission
Auch die USA kommen nicht ohne bedeutende Rohöleinfuhren aus, wie die folgende Grafik der wöchentlichen Ex- und Importe zeigt:

Quelle: U.S. Energy Information Administration
So stiegen die Exporte (grüne Kurve) erst ab 2017 signifikant an, als die Fracking-Volumina zunahmen. Die Importe (rot) gingen ab dann zurück. Es wurde aber stets mehr importiert als exportiert!
Das hat sich erst jetzt geändert: In der vorletzten Aprilwoche sprangen die Exporte auf den historischen Rekordwert von 6,4 Millionen Barrel pro Tag und damit erstmal über die importierte Menge des gleichen Zeitraums (5,7 Mio. Barrel pro Tag).
Kaliforniens Südkorea-Problem
Die US-Ölfirmen füllen damit offenbar eine Lücke, denn China, Thailand, Südkorea, Pakistan und andere Länder haben bereits ihre Exporte von petrochemischen Produkten wie Benzin eingeschränkt oder ganz eingestellt, um ihre eigene Versorgung zu sichern. Damit schlägt der Weltmarktpreis auch auf die USA als Erzeugerland durch – denn die Ölfirmen können abwägen, ob sie ihre Produkte auf dem Weltmarkt oder im eigenen Land verkaufen. Und das hängt nicht zuletzt vom Preis ab, der sich damit angleicht.
Übrigens ist Kalifornien auch bei Treibstoffen stark auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Die mit Abstand größten Lieferanten von Benzin sind Südkorea, die Bahamas und Indien. Diese Länder sind aber nur Verarbeiter von Rohöl, das sie vorzugsweise aus dem Nahen Osten beziehen.
So ist Südkorea (!) einer der weltgrößten Produzenten von Kraftstoffen (z.B. Kerosin), obwohl das Land selbst kaum Öl produziert. Es hat aber riesige, hochmoderne Raffinerien, kauft Rohöl daher in großen Mengen günstig ein, veredelt es, und exportiert die raffinierten Produkte – ein klassisches „Value-Added"-Modell.
Durch den Iran-Krieg haben Südkorea und die Welt – und damit auch Kalifornien bzw. die USA – ein Problem, denn Südkoreas Raffinerien beziehen rund 70 % ihres Rohöls aus dem Nahen Osten. Konkret kamen 62 % der gesamten Rohölimporte Südkoreas im Jahr 2025 durch die Straße von Hormus. Das Land versucht nun, durch alternative Quellen wenigstens die Mengen des Vorjahres zu halten, aber ob das gelingt, bleibt offen.
USA: Hohe Benzinpreise trotz hoher Produktion
Und so ist es kein Wunder, dass in Kalifornien, wo die Benzinpreise aufgrund dieser Importproblematik ohnehin traditionell hoch sind, auch aktuell die höchsten Benzinpreise aufgerufen werden. Selbst im abgelegenen Hawaii muss man weniger berappen:

Quelle: American Automobile Association (Preisangaben pro Gallone Benzin, ca. 3,8 Liter)
Der Ölboom in Texas, Louisiana, Oklahoma oder New Mexico hilft Import-Bundesstaaten wie Kalifornien somit wenig. Die Raffinerien an der US-Westküste müssen sich die ausgefallenen Mengen von ihren anderen Lieferanten sichern, vor allem aus Südamerika (siehe Diagramm ganz oben). Aktuell scheint das noch zu gehen. Doch je länger die Straße von Hormus blockiert bleibt, desto mehr verschärft sich der Kampf um die abnehmenden Mengen an globalen Energiemärkten.
Wann kommt der nächste reguläre Tanker?
Und selbst wenn der Iran-Krieg bald vorbei ist, wird die Normalisierung der Ölversorgung dauern – immerhin passieren normalerweise rund 40 Tanker die Straße von Hormus; seit Kriegsbeginn ist es höchstens eine einstellige Anzahl:

Quelle: hormuztracking.com
Und wie das aktuelle Beispiel der just eingetroffenen New Corolla zeigt, kann es zwei Monate dauern, bis die ersten neuen Schiffe an ihren Zielorten eintreffen. Und da in der Zwischenzeit die Schiffe fehlen, die neues Öl laden können, kann ein halbes Jahr vergehen, bis sich die Lieferketten wieder einspielen. Die spannende Frage ist also: Wann folgt dem letzten regulären Tanker aus dem Persischen Golf der nächste?
Was der Ölmarkt einpreist, aber der Aktienmarkt nicht
Am Ölmarkt wird damit offenbar noch nicht so bald gerechnet – der Ölpreis bleibt vorerst im Bereich von 100 Dollar (auch wenn heute wieder Gerüchte über eine bevorstehende Einigung zwischen USA und Iran die Runde machten):

Die Aktienmärkte ignorieren diese Aussichten allerdings weiterhin…
Mit besten Grüßen
Torsten Ewert
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