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Gold und Aktien mit ähnlichen Übertreibungen

Ausgabe vom 05.05.2026

Gold und Aktien mit ähnlichen Übertreibungen

von Sven Weisenhaus

Die jüngsten Meldungen zur Straße von Hormus müssten Gold als sicherem Hafen eigentlich tendenziell zu weiterem Schwung verhelfen. Doch stattdessen neigt der Goldpreis jüngst eher wieder zur Schwäche und setzt die Konsolidierung fort, die nach dem Rekordhoch vom 29. Januar begonnen hat.

Der Goldpreis neigt wieder zur Schwäche und setzt die Konsolidierung fort, die nach dem Rekordhoch vom 29. Januar 2026 begonnen hat.

Der Grund dafür liegt in Mittelabflüssen aus Gold-ETFs. Zwar freuten sich Fonds in den ersten 3 April-Wochen wieder über Zuflüsse, was den Goldpreis nach herben Kursverlusten zu einer Kurserholung verhalf, doch wurden zum Monatsende wieder Gold-Bestände abgestoßen, nachdem dies bereits im gesamten März der Fall war.

Vor allem Mittelabflüsse aus Gold-ETFs durch US-Anleger belasten den Goldpreis

Vor allem in den USA haben Anleger Geld aus Gold-ETFs abgezogen. Ein Grund dafür liegt wahrscheinlich in der extremen Rally am Aktienmarkt, die Ende März startete und vor allem bei US-Technologieaktien über den gesamten April anhielt. Wer braucht schon den sicheren Hafen Gold, wenn die Aktienkurse durch die Decke gehen und der Nasdaq 100 alleine im April um mehr als 15 % zulegen konnte?!

Der Nasdaq 100 hat alleine im April 2026 um +15,80 % zugelegt

Interessant ist allerdings, dass der Goldpreis zu Jahresbeginn zwar noch neue Rekorde erzielen konnte, mit einem Anstieg um fast +30 % bis auf 5.598,28 USD, nach herben Rücksetzern am Ende des 1. Quartals 2026 aber letztlich nur ein deutlich moderates Plus von +8,15 % übriggeblieben ist. Auch daran haben wohl insbesondere die Gewinnmitnahmen der US-amerikanischen ETF-Anleger Schuld.

Goldpreis steigt deutlich schneller als die Nachfrage

Insgesamt erreichte die weltweite Gold-Nachfrage im 1. Quartal 2026 aber dennoch einen neuen Rekordstand, was natürlich auch die Rekordjagd des Goldpreises erklärt. Allerdings lag die Gesamtnachfrage mit 1.231 Tonnen nur um 2 % über dem Vorjahreswert. Der Preis ist also weit stärker gestiegen als die nachgefragte Menge. Und das führte dazu, dass der Wert des nachgefragten Goldes um sagenhafte 74 % auf einen Rekord von 193 Milliarden US-Dollar zulegte.

Die Nachfrage einzelner Sektoren

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen lag dabei mit fast 474 Tonnen (+42 %) auf dem zweithöchsten Niveau seit Beginn der Aufzeichnungen. Vor allem asiatische Investoren trieben die Nachfrage weiter massiv an. Der Handelskrieg mit den USA lässt wohl weiterhin grüßen.

Die Käufe von goldgedeckten ETFs waren zwar ebenfalls ein Preistreiber, sie fielen wegen der erheblichen Abflüsse im März aber letztlich mit +62 Tonnen weit geringer aus als im ebenfalls sehr starken 1. Quartal 2025 (+230 Tonnen).

Und die Nachfrage nach Schmuck fiel sogar um -23 % zum Vorjahr, was wohl den stark gestiegenen Preisen geschuldet ist. Denn obwohl weniger Schmuck nachgefragt wurde, mussten die Käufer dennoch +31 % mehr ausgeben als im Vorjahreszeitraum.

Auch die Zentralbanken waren eher zurückhaltend. Sie kauften in den ersten 3 Monaten des laufenden Jahres nur +3 % mehr Gold als im Vorjahr. Die Nachfrage für technologische Zwecke stieg sogar nur um 1 % auf 82 Tonnen.

Gold-Nachfrage nach Sektoren

Angebot deckt die Nachfrage

Und wie sieht es mit dem Goldangebot aus? Das stieg im 1. Quartal im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls um 2 % auf 1.231 Tonnen und deckte somit exakt die Nachfrage. Dazu trug ein moderates Wachstum der Minenproduktion sowie einen Anstieg des Recyclings um 5 % bei.

Gold-Angebot je Quartal seit 1. Quartal 2025
(Quelle: gold.org)

Bei Edelmetallen herrscht eine ähnliche Übertreibung wie bei Aktien

Wenn sich Angebot und Nachfrage decken, dürfte es eigentlich keine großen Preisänderungen geben. Warum ist es trotzdem zu den starken Preissprüngen gekommen? Weil sich die Zusammensetzung der Nachfrage in den letzten Jahren stark verändert hat. Die Investitionsnachfrage übersteigt mittlerweile die Fertigungsnachfrage bei Weitem.

Mit anderen Worten: Es sind vor allem spekulative Investitionen, die den Goldpreis zu einer Rekordrally verholfen haben. Und somit herrscht auf dem Edelmetallmarkt derzeit eine ähnliche (charttechnische) Übertreibung wie am Aktienmarkt.

Wie geht es weiter?

Aber immerhin: Der Goldpreis befindet sich seit Januar in einer Korrektur bzw. Konsolidierung. Das ist aus charttechnischer Sicht „gesund“ und hilft, die überkaufte Lage abzubauen.

Grundsätzlich dürfte der Goldpreis weiterhin stabil bleiben. Denn angesichts der geopolitischen Entwicklungen werden sich die Käufe der Notenbanken in moderatem Tempo fortsetzen. Und auch die Industrie dürfte weiterhin auf „normale“ Weise ihren Bedarf decken. Aufgrund der hohen Goldpreise bleibt die Schmucknachfrage dagegen wohl gedämpft. Wie sich die Nachfrage nach Barren und Münzen sowie nach ETFs entwickeln wird, lässt sich hingegen weit weniger leicht prognostizieren.

Hält die Aktienmarktrally an, dürften es Gold-ETFs eher schwer haben, Mittelzuflüsse zu verzeichnen. Dagegen dürften Barren und Münzen weiterhin gefragt bleiben, solange die Ölpreise im Speziellen und die Inflation im Allgemeinen hoch sind. Ändern sich hier jeweils die Vorzeichen, dürfte dies den Goldpreis entsprechend beeinflussen. Ein Ende der Rally am Aktienmarkt könnte Gold wieder attraktiver erscheinen lassen, ein Ende des Iran-Kriegs die Funktion als sicherer Hafen hingegen in dieser Hinsicht obsolet machen.

Chartanalyse schlägt Fundamentalanalyse

Insgesamt bleibt der Goldpreis daher auf kurzfristige Sicht den spekulativen Kräften ausgesetzt. Und in einem solchen Fall schlägt die Charttechnik die Fundamentalanalyse. Also gilt mit Blick auf den Kursverlauf des Goldpreises:

Ein Anstieg über 4.660 USD kann die kurzfristige Abwärtsbewegung beenden. Bestätigt wird dies durch einen Bruch der Abwärtslinie (dünn rot) und vor allem der Folge tieferer Hochs.

Der Goldpreis neigt wieder zur Schwäche und setzt die Konsolidierung fort, die nach dem Rekordhoch vom 29. Januar 2026 begonnen hat.

Notierungen unterhalb von rund 4.400 USD können hingegen noch einmal für Abwärtsdruck sorgen und womöglich die Türe zur unteren Abwärtstrendkanallinie öffnen.

Aus meiner Sicht ist die Wahrscheinlichkeit für wieder steigende Kurse aber aktuell in etwa genauso groß wie für weiter fallende. Insofern sehe ich derzeit keine gute charttechnische Ausgangsbasis für einen Trade. Die soeben genannten Chartmarken sind daher eher für kurzfristige Spekulanten relevant, die ein Über- bzw. Unterschreiten mit einem entsprechenden Long-bzw. Short-Trade quittieren könnten.


Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr 
Sven Weisenhaus 
www.stockstreet.de

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