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Fed neigt zu Leitzinsanhebung – und stärkt den Dollar

Ausgabe vom 18.06.2026

Fed neigt zu Leitzinsanhebung – und stärkt den Dollar

von Sven Weisenhaus

Die erste Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) unter ihrem neuen Chef Kevin Warsh wurde mit Spannung erwartet. Insbesondere stellte sich die Frage, ob Warsh als verlängerter Arm des US-Präsidenten Donald Trump für sinkende Leitzinsen sorgen werde oder als unabhängiger Währungshüter auftreten würde. Und das Ergebnis ist ziemlich eindeutig: Die Fed neigt sogar stärker zu Leitzinsanhebungen.

Leitzins bleibt zunächst noch unverändert

Zunächst hat die Zentralbank aber erwartungsgemäß den Leitzins ein weiteres Mal nicht angerührt, trotz der Inflationssorgen durch die Energiekrise infolge des Iran-Kriegs. Der Zentralbankrat (FOMC) stimmte einstimmig für eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum 4. Mal in Folge in diesem Jahr bei 3,5 % bis 3,75 %.

Mindestens eine Zinsanhebung in der Zukunft

Für die Zukunft signalisierten die Währungshüter aber recht deutlich Zinserhöhungen. So wurde die Formulierung aus dem Statement gestrichen, wonach Zinssenkungen in diesem Jahr wahrscheinlich seien. Allerdings entfällt diese Forward-Guidance wohl grundsätzlich und die Erklärung erscheint (wohl auch zukünftig) insgesamt deutlich kürzer. Sie war dabei aber sehr fokussiert auf die Preisstabilität. Und auch auf der Pressekonferenz betonte der neue Fed-Vorsitzende auffällig oft und deutlich, dass die Zentralbank für Preisstabilität sorgen wolle. Zudem signalisieren die “dot plots” mindestens eine Zinsanhebung.

Während Fed-Chef Warsh entgegen der üblichen Praxis keine eigene Prognose für den Zinspfad vorlegte, gaben 9 von 18 FOMC-Teilnehmern an, dass mindestens eine Zinserhöhung im Jahr 2026 angemessen sei. Noch im März sprach sich kein FOMC-Mitglied dafür aus. Jetzt plädieren nur noch 8 für keine Änderung und lediglich 1 Mitglied für eine Zinssenkung. Die Medianprognose für den Leitzins zum Jahresende 2026 stieg von 3,375% im März auf 3,75%. Ende 2027 wird das Leitzinsband im Median bei 3,50 % bis 3,75 % gesehen, nach zuvor 3,00 % bis 3,25 %. Erst für Ende 2028 enthalten die aktuellen Projektionen eine (einzige) Leitzinssenkung.

Deutlich höhere Inflationserwartungen

Der Grund dafür dürfte sein, dass die US-Notenbank für das laufende Jahr mit einer deutlich höheren Inflation als bislang rechnet. Für 2026 erwartet die Zentralbank mittlerweile eine Teuerungsrate von 3,6 %. Im März, kurz nach dem Beginn des Iran-Kriegs, waren die Experten von 2,7 % ausgegangen. Sowohl für die Gesamt- als auch für die Kernrate wurden die Jahresendwerte 2026 um 0,6 Prozentpunkte nach oben revidiert. Im kommenden Jahr soll die Inflation auf 2,3 % abflauen, was 0,1 Prozentpunkte mehr wäre als bislang.

Solides Wachstum bei robustem Arbeitsmarkt

Daneben sagten die Zentralbanker für 2026 ein etwas langsameres Wachstum voraus, bei einem robusten Arbeitsmarkt. Die BIP-Prognosen für 2026 wurden konkret von 2,4% auf 2,2% leicht nach unten korrigiert. Im Statement heißt es, dass die Wirtschaft mit einem soliden Tempo wächst, trotz der erhöhten Unsicherheit aufgrund des Konflikts im Nahen Osten. Neu sind Hinweise auf das Produktivitätswachstum sowie die Investitionstätigkeit, die beide stark seien. Also braucht es auf absehbare Zeit auch keine Leitzinssenkung.

Entsprechende Reaktionen an den Märkten

Entsprechende Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Die (Geld-)Märkte preisen nun eine Zinserhöhung bis Oktober vollständig ein, wobei einer Erhöhung im September eine hohe Wahrscheinlichkeit beigemessen wird. Das drückte auf die Aktienkurse und sorgte für einen deutlich stärkeren US-Dollar.

USD/JPY bricht impulsiv nach oben aus

Vorgestern war dazu zu lesen, dass der USD/JPY die Hürde bei 160,46 Yen überspringen dürfte – und das sogar sehr impulsiv – sollte sich Kevin Warsh nicht deutlich für einen sinkenden Leitzins aussprechen. Und siehe da: die (Elliott-)Welle 5 ist in eine Verlängerung gegangen (siehe grüne Ellipse im Chart):

Der USD/JPY bricht in Folge des Zinsentscheids der US-Notenbank (Fed) nach oben aus

Wer dem Rat von vorgestern (siehe „USD/JPY: Nach der BoJ kommt es auf die Fed an“) gefolgt ist und sich mit einer Long-Position in den Markt gewagt hat, kann diese nun per Stop-Loss unterhalb des Ausbruchsniveaus absichern (bzw. den Stop-Loss dorthin nachziehen).

EUR/USD: Kursrutsch im Abwärtstrendkanal

Der EUR/USD hat durch den gestärkten US-Dollar zugleich ziemlich was auf die Mütze bekommen (siehe roter Pfeil im folgenden Chart).

Der EUR/USD gibt in Folge des Zinsentscheids der US-Notenbank (Fed) innerhalb seines Abwärtstrendkanals deutlich nach

Laut den Experten der Helaba müsste der Wechselkurs allerdings, gemessen an der Kaufkraftparität, deutlich höher stehen“, hieß es in der Analyse vom 2. Juni (siehe „Ins Sommerloch oder Ruhe vor dem Sturm?“) zu folgender Grafik:

Kursentwicklung des EUR/USD im Vergleich zur Kaufkraftparität

Und daher könnte ich mir vorstellen, dass Long-Positionen auf dem aktuellen Niveau, womöglich durch einen Nachkauf am März-Tief, zukünftig für einen Gewinn im Depot sorgen könnten.

Zu beachten ist allerdings, dass zwar auch die Europäische Zentralbank (EZB) zu Zinsanhebungen neigt, die Zinsdifferenz aber für den Dollar und gegen den Euro spricht. Und das gilt auch im Hinblick auf die Dynamik des Wirtschaftswachstums in den beiden Währungsräumen. Insofern ist der aktuelle Abwärtstrend (roter Trendkanal) verständlich.

Mit einer Long-Position würde man aktuell aber auch darauf setzen, dass es bei der Seitwärtsspanne der vergangenen 12 Monate bleibt.

Der EUR/USD steckt seit 12 Monaten in einer Seitwärtsspanne und nähert sich aktuell wieder dem unteren Ende

Erst wenn diese nachhaltig nach unten verlassen wird, haben sich Long-Positionen als Fehlversuch herausgestellt.

Übrigens: Die Kursentwicklungen am Devisenmarkt sind gut begründet, nachvollziehbar und rational. Sie sind damit ein wohltuendes Gegenbeispiel zu den irrationalen Übertreibungen in Teilen des Aktienmarktes. Und sie sind damit eine echte Alternative fürs Trading.


Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr 
Sven Weisenhaus 
www.stockstreet.de

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