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Ein heißer Herbst steht bevor +++ Strategie für Seitwärtstendenzen
Ausgabe vom 23.07.2026
Ein heißer Herbst steht bevor
von Sven Weisenhaus
Die EU hat heute (zwei) Strafen in Höhe von (insgesamt) 1 Milliarde US-Dollar gegen Google verhängt. Rechtsgrundlage dafür sind Verstöße des Unternehmens bzw. des Mutterkonzerns Alphabet gegen den „Digital Markets Act“ (DMA).
Trump schwingt wieder die Zoll-Keule
Die Verkündung dieses Urteils kommt zu einem brisanten Zeitpunkt. Denn US-Präsident Donald Trump ist gerade wieder in seinen „Zoll-Modus“ eingeschwenkt. In der Wochenausgabe des Börsenbriefs „Börse-Intern Premium“ war dazu heute früh bereits zu lesen, dass die USA nach Trumps Willen einen Zoll in Höhe von 50 % auf verschiedene kanadische Waren erheben sollen – als Vergeltungsmaßnahme für eine angebliche Diskriminierung US-amerikanischer Produkte durch Kanada.
Viele kanadische Produkte waren durch das USMCA-Handelsabkommen geschützt. Doch eine 6-jährige Überprüfungsfrist des Abkommens lief am 1. Juli aus und wurde nicht verlängert. Das nutzt Trump nun offenbar weitreichend aus.
Doch damit nicht genug: Offenbar gibt es zudem bereits Pläne für eine neue globale Zoll-Offensive. Denn auch eine vorübergehende Abgabe in Höhe von 10 % auf fast alle US-Einfuhren läuft aus – am morgigen Freitag, nach einer Frist von 150 Tagen. Unter einem neuen Vorwand sollen daher nun Ersatzzölle zwischen 10 % und 12,5 % erhoben werden.
Wird Trump auf die EU-Strafe reagieren?
Angesichts des aktuellen Urteils der EU gegen einen US-Konzern ist damit zu rechnen, dass die US-Zölle gegen die EU höher ausfallen könnten. Denn Donald Trump hatte mehrfach gesagt, dass er Strafen gegen US-(Tech-)Konzerne als Zölle verstehe – und zurückschlagen werde, sollte die EU diese verhängen. Steht dadurch nun auch ein bereits beschlossenes und umgesetztes Zollabkommen zwischen den USA und der EU wieder auf der Kippe?
Wie lange ignorieren Anleger noch negative Entwicklungen?
Während derartige Nachrichten und Risiken vor einiger Zeit noch für heftige Kursausschläge an den Börsen gesorgt hätten, wurden sie jüngst nur noch mit einem Achselzucken wahrgenommen. Das gilt auch für die aktuellen Entwicklungen im Iran-Krieg und den erneuten starken Anstieg der Ölpreise.
Die Nordsee-Sorte Brent hat heute die psychologisch wichtige Marke von 100 USD überschritten und notiert inzwischen mit einem Aufschlag von fast +45 % zum Tief vom Monatsanfang. Anfang vergangener Woche waren es noch „nur“ +25 %.

Der europäische Gaspreis (TTF) hat sich seit den US-Angriffen auf den Iran nahezu verdoppelt und mit 62,40 € pro Megawattstunde (MWh) den höchsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs erreicht.
Wird das Rote Meer auch noch blockiert?
Zu der erneuten Preisexplosion trugen Meldungen bei, wonach die Huthis im Jemen ein Embargo bzw. eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängen wollen. Laut Berichten setzte der Iran die Huthis unter Druck, die Meerenge Bab al-Mandab zu schließen, falls die USA ihre Angriffe auf iranische Infrastruktur fortsetzen würden.
In der Wochenausgabe des Börsenbriefs „Börse-Intern Premium“ ist dazu bereits zu lesen, dass Saudi-Arabien zwei Drittel seiner Vorkriegsexporte auf seine Exportterminals am Roten Meer umgeleitet und von dort aus verschifft hat. Damit trug das Königreich in den vergangenen Monaten dazu bei, dass die Ölpreise nicht stärker stiegen. Sollte diese Möglichkeit jedoch nicht mehr bestehen, ist mit deutlich weiter steigenden Energiepreisen zu rechnen.
Es bleibt also spannend, wie lange die Anleger diese Entwicklungen noch ignorieren werden. Ich denke jedenfalls, dass man nach dem heutigen Urteil der EU zumindest wieder mit erhöhter Aufmerksamkeit auf Reaktionen achten und mit potentiellen Kursausschlägen bei entsprechenden Meldungen von Trump rechnen sollte.
Trading-Strategie für Seitwärtstendenzen
von Sven Weisenhaus
Im „DAX Trading-Room“ von stock3 habe ich diesbezüglich heute geschrieben, dass es ein „heißer Herbst“ werden könnte – auch mit Blick auf die Saisonalität, die üblicherweise im Spätsommer/Herbst fallende Aktienkurse mit sich bringt (vor allem in US-Zwischenwahljahren). Die aktuelle Seitwärtstendenz des DAX wird daher wahrscheinlich nach unten aufgelöst.
Gewinnmitnahmen
Bei den Stockstreet-Börsenbriefen gab es vor diesem Hintergrund auch wieder einige Gewinnmitnahmen. Aus dem Depot des „Allstar-Trader“ wurden in den vergangenen 4 Wochen Aktien von Bayer (+59,2 %), Lufthansa (+10,6 %), Merck (+10 %), Henkel (+19,4 %) und Zalando (+15,3 %) verkauft.
Die Leser des Börsenbriefs können sich dadurch derzeit über eine Gesamt-Rendite von +14 % seit Jahresbeginn freuen. Zum Vergleich: Der DAX kommt im selben Zeitraum auf aktuell nur +1,11 %.
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Löst der DAX seine Seitwärtstendenz nach unten auf?
Die Wahrscheinlichkeit, dass der DAX seine Seitwärtstendenz nach unten auflösen wird, ist auch deshalb hoch, weil sich die gestrigen bullishen Signale wieder einmal als Fehlsignale entpuppt haben. Denn der deutsche Leitindex ist erneut deutlich unter die psychologisch sehr wichtige Marke von runden 25.000 Punkten zurückgefallen und hat dabei die Tageshochs vom Montag und Dienstag unterschritten (siehe rote Ellipse im folgenden Chart). Aus Sicht der Elliott-Wellen-Theorie sind solche Überschneidungen bearish.

Vorerst bleibt es damit aber noch schlicht bei der Seitwärtstendenz der vergangenen Tage und Wochen – und somit bei plötzlichen Richtungswechseln auf unterschiedlichen Niveaus sowie Fehlsignalen.
Problem für Trend- und Range-Trader
Im folgenden Chart (5-Minuten-Kerzen) ist das "Hin- und Hergespringe" des DAX noch besser zu sehen:

Das hektische Pendeln um die psychologisch sehr wichtige Marke von runden 25.000 Punkten (blau gestrichelte Linie) ist für Trend-Trader natürlich eine absolute Katastrophe.
Im Elliott-Wellen-Trading-Service von stock3 sowie im Chartanalyse-Dienst „Target-Trend-Spezial“ von Stockstreet hatte ich kürzlich geschrieben, man könne oberhalb des Tageshochs vom Dienstag einen spekulativen Long-Versuch wagen. Nach dem anschließenden Ausbruch nach oben gab ich den Rat, diesen Trade per Stop-Loss auf Einstiegskurs abzusichern. Heute wurde der Trade dort ausgestoppt – kein Gewinn und immerhin auch kein Verlust. Aber dieser Trade ist ein gutes (und zugleich frustrierendes) Beispiel dafür, dass derzeit einfach keine (längerfristigen) Ausbruchs- und Trend-Trades möglich sind im DAX, solange dieses „Seitwärtsgedaddel“ anhält.
Gleichzeitig ist es auch sehr schwer, die Seitwärtstendenz als Range-Trader zu nutzen, da sich der DAX an keine klare Spanne hält. So hatte sich der DAX vom Donnerstag vergangener Woche bis vorgestern von der 25.000er Marke nach unten gelöst, was klar bearish war. Und er bewegts sich auf einem niedrigeren Niveau seitwärts. Am Dienstag startete dann eine starke Aufwärtsbewegung, die einen Ausbruch nach oben zu ermöglichen schien, was bullish war. Doch heute befindet sich der DAX schon wieder weit unterhalb der Marke von runden 25.000 Punkten.
Trading-Strategie für die Seitwärtstendenz
Den Teilnehmern im „DAX Trading-Room“ hatte ich daher heute bereits folgende (alternative) Strategie vorgestellt: Man könnte darauf setzen, dass der DAX immer wieder zur 25.000er Marke zurückkehrt.
Also: Entfernt sich der DAX von der Marke in die eine oder andere Richtung, kann man eine kleine Position darauf setzen, dass er zurückkehrt. Entfernt er sich weiter, geht man eine weitere Position ein. Wird dann bei einem Rücklauf der Einstiegskurs der ersten Position erreicht, kann man eine Gewinnmitnahme bei der zweiten Position vornehmen und den „Gewinnstaffelstab“ an die erste Position übergeben. Wird die 25.000er Marke erreicht, ist die nächste Gewinnmitnahme drin.
Mit dieser Strategie kann man in der aktuellen Marktphase viele kleine Gewinne erzielen. Diese müssen allerdings ausreichen, um den einen (großen) Verlust zu kompensieren, der entsteht, wenn der DAX nachhaltig aus der Seitwärtstendenz ausbricht.
Das Problem: Je länger eine Seitwärtstendenz anhält, desto wahrscheinlicher wird deren Ende.
Vielleicht ist es für diese Strategie daher beim DAX jetzt schon zu spät. Aber: Die Kurse tendieren die meiste Zeit seitwärts. Dagegen halten Trendbewegungen relativ kurz an. Daher: Sobald sich die nächste Seitwärtstendenz abzeichnet, könnte man diese Strategie umsetzen.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
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