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Sanktionen gegen Iran +++ Bessent gegen Anleihemarkt +++ DAX-Ausbruch
Ausgabe vom 25.08.2026
US-Sanktionen gegen den Iran – große Worte, kleine Taten
von Sven Weisenhaus
US-Präsident Donald Trump und sein Finanzminister Scott Bessent hatten in den vergangenen Tagen von „Maßnahmen historischen Ausmaßes“ und der „verheerendsten Wirtschaftsoperation“ gesprochen, die jemals gegen ein Land veranlasst worden seien. Auf einer dazu anberaumten Pressekonferenz kündigte Bessent gestern unter anderem Sekundärsanktionen gegen Wirtschaftspartner des Irans an. Dabei blieb er viele Details schuldig – und damit deutlich hinter den geweckten Erwartungen zurück. Große Worte, kleine Taten – wie man es von der Trump-Regierung längst kennt.
Ölpreise geben deutlich nach
Die Ölpreise befanden sich daher bereits gestern auf dem Rückzug und setzen die Abwärtsbewegung heute fort – sogar in erhöhtem Tempo. Die US-Sorte WTI kostet aktuell weniger als 83 USD je Barrel und notiert damit auf einem für die Börsen weiterhin akzeptablen Niveau.

Allerdings sollte man sich nicht darauf verlassen, dass dies so bleibt. Denn eine Lösung des Iran-Konflikts und eine vollständige und nachhaltige Öffnung der Straße von Hormus sind weiterhin nicht in Sicht – im Gegenteil.
Anhaltendes Angebotsdefizit
Die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet für das Jahr 2026 daher mit einem Angebotsdefizit von 1,6 Millionen Barrel pro Tag (August-Bericht). Dass dieses Defizit nicht (viel) größer ausfällt, liegt an einem so starken Rückgang der Nachfrage, wie er zuletzt während der Corona-Pandemie im Jahr 2020 zu verzeichnen war. Das Ölangebot dürfte derweil in diesem Jahr wegen der Ausfälle in der Golfregion um insgesamt 4,3 Millionen Barrel pro Tag zurückgehen, so die Erwartung der IEA.
Auch das ist relativ moderat, wenn man bedenkt, dass die Rohölmengen, die am Persischen Golf produzierten werden, laut der Helaba im Sommer rund 9 Millionen Barrel pro Tag unter dem Niveau des Februars lagen. Und in der Straße von Hormus, die vor dem Ausbruch des Konflikts als wichtigste Transportroute für den globalen Ölhandel galt, ist der Schiffsverkehr seitdem eingebrochen. Ende 2025 passierten täglich rund 21,6 Millionen Barrel Öl die Meerenge. Laut Daten von Bloomberg wurden nach Beginn des Iran-Kriegs zeitweise nur noch etwa 300.000 Barrel pro Tag durch die Meerenge transportiert.
Wie hoch die aktuellen Mengen sind, die trotz der Blockade die Straße passieren, ist umstritten. US-Energieminister Chris Wright spricht von knapp 9 Millionen Barrel pro Tag. Unabhängige Analysten halten diese Schätzung jedoch für deutlich zu hoch und gehen von 3 bis 5 Millionen Barrel aus. Jedenfalls haben sich inzwischen auch längst alternative Lieferwege etabliert. Dennoch bleibt ein Angebotsdefizit bestehen.
Reserven schrumpfen in bedenklichem Tempo
Die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage wird durch den Abbau von Reserven gedeckt. Diese schrumpfen allerdings in bedenklichem Tempo.

Allein im Juli gingen die weltweiten Lagerbestände laut IEA um 69 Millionen Barrel zurück. Im August-Bericht bezifferte die Energieagentur die Abbaugeschwindigkeit seit Kriegsbeginn auf 2,7 Millionen Barrel pro Tag. Seit dem Ausbruch der Krise im Frühjahr wurden über 410 Millionen Barrel Öl aus den weltweiten kommerziellen und staatlichen Lagern entnommen. In Folge dieser Entwicklungen sind die Erdöllager so leer wie noch nie.
Kein akutes, aber ein zukünftiges Problem
Bis Ende Juli fielen die weltweiten Bestände auf unter 7,9 Milliarden Barrel. Somit ist das Problem der schrumpfenden Vorräte aktuell (noch) nicht akut. Es ist jedoch (nur) eine Frage der Zeit. Daher sollte man die Entwicklungen beobachten und das Problem im Hinterkopf behalten.
Trades auf den Ölpreis besser unterlassen
Übrigens: Trades auf die Ölpreise würde ich unterlassen. Die Volatilität ist einfach zu hoch. Zudem besteht die ständige Gefahr, dass die Preise durch eine Nachricht in die eine oder andere Richtung getrieben werden, es also zu plötzlichen Preissprüngen kommt. Laut Medienberichten sehen sich selbst Hedgefonds derzeit kaum in der Lage, sinnvoll am Ölmarkt aktiv zu sein. Warum sollte man es als Kleinanleger dann tun?
KI-Investitionen treiben die Renditen am Anleihemarkt
von Sven Weisenhaus
Clemens Schmale hat in der gestrigen „Börse-Intern“-Ausgabe darauf hingewiesen, dass der Anstieg der Renditen am (US-)Anleihemarkt aktuell nicht auf steigende Inflationserwartungen zurückzuführen ist (siehe „Welche Anleiherendite bringt Aktien zu Fall?“). Denn die Breakeven-Inflationsrate tendiert seitwärts. Passend dazu berichtete die DWS gestern, dass die Breakeven-Inflationsrate für 10-jährige US-Staatsanleihen genau auf dem Niveau des Durchschnitts vom Januar lag, also vor Beginn des Iran-Krieges.
Ein Grund für die stabilen Inflationserwartungen könnte sein, dass sich die Ölpreise zuletzt auf einem erträglichen Niveau bewegt haben (siehe oben). Stellt sich also die Frage, was für den (weltweiten) Renditeanstieg am Anleihemarkt derzeit verantwortlich ist.
Sorgen um die Staatsfinanzen
Mit Blick auf die aktuellen Meldungen über die gestiegenen Sorgen hinsichtlich der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen, die durch den Anstieg der US-Staatsverschuldung auf über 40 Billionen Dollar verstärkt wurden (siehe „40 Billionen: US-Verschuldung überschreitet wichtige Schwelle“), scheint eine Antwort auf diese Frage bereits gefunden.
Aus Sicht der DWS ist aber auch dieses Argument wenig überzeugend. Dazu verweist die DWS auf das nach eigenen Worten „aussagekräftigste Maß für die Kreditqualität, nämlich die Kosten für die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall der USA (auch CDS-Preise genannt)“. Diese seien „in den letzten Wochen trotz der Flut alarmistischer Schlagzeilen gesunken“, so die DWS.
Hoher Kapitalbedarf für KI-Investitionen
Was also treibt die Renditen weltweit derzeit immer weiter nach oben?

Die DWS liefert eine Antwort auf diese Frage: Es ist – neben den hohen Militärausgaben aufgrund der Kriege im Iran und in der Ukraine – der stark gestiegene Kapitalbedarf für KI-Investitionen.
Der Bau von Rechenzentren, in denen Künstliche Intelligenz (KI) betrieben wird, verschlingt Milliarden, ebenso die Herstellung und der Kauf von Chips, die Energieinfrastruktur, Cloud-Kapazitäten und andere langfristige Investitionen. In der Anfangsphase des KI-Booms wurden die dafür nötigen Investitionen primär über freie Cashflows und die Aktienmärkte finanziert. Inzwischen erfolgt ein zunehmender Anteil hingegen über Fremdkapital. Hyperscaler und das gesamte KI-Ökosystem begeben immer mehr Anleihen, um die Ausgaben zu stemmen.
Dabei gilt: Auch am Anleihemarkt bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Steigt also das Angebot durch die Ausgabe neuer Anleihen, sinkt der Preis bzw. der Kurs. Und fallende Kurse gehen bei Anleihen mit steigenden Renditen einher.
Emissionsvolumen KI-bezogener Anleihen: 500 Milliarden USD
Zacks Investment Research berichtet, dass der Anteil neuer, mit KI verbundener Investment-Grade-Anleihen rasant gestiegen ist und sich wie folgt entwickelt hat:
- 2024: etwa 1 % des Jahresangebots
- 2025: etwa 7 % des Jahresangebots
- 2026: etwa 18 % des bisherigen Jahresangebots
Laut Zacks emittierten Hyperscaler im Jahr 2025 weltweit Anleihen im Wert von rund 108 Milliarden US-Dollar. Im laufenden Jahr hat sich der Wert bislang bereits auf etwa 194 Milliarden US-Dollar fast verdoppelt.
Im gesamten KI-Ökosystem wird das kumulierte Emissionsvolumen KI-bezogener Anleihen seit Jahresbeginn auf fast 500 Milliarden US-Dollar geschätzt, wobei Hyperscaler etwa 40 % davon ausmachen.
Zur Einordnung: 500 Milliarden US-Dollar sind grundsätzlich ein ziemlich großer Batzen Geld. Und das gilt selbst für den US-Anleihemarkt, den größten und liquidesten der Welt, mit einem Volumen von 32 Billionen US-Dollar.
Bessent gegen den Anleihemarkt
Da hilft es dann auch nur bedingt, dass US-Finanzminister Scott Bessent die Bereitschaft erklärt hat, das Programm, das ursprünglich den Handel mit älteren Staatsanleihen erleichtern sollte, deutlich auszuweiten. Zur Erinnerung: Am Mittwoch hatte er angekündigt, das derzeitige Höchstvolumen von 2 Milliarden US-Dollar pro Maßnahme auf mindestens 4 Milliarden US-Dollar anzuheben. Nur einen Tag später hieß es, er sei bereit, das Volumen auf deutlich mehr als 4 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Zudem plane er Schritte, um die Staatsschulden zu reduzieren.
In diesem Zusammenhang finde ich das Bild sehr lustig, welches die Analysten der ING dazu gezeichnet haben. Ihrer Meinung nach ist die Lage in etwa so, „als würde man auf der Titanic die Liegestühle umstellen“.
Noch einmal: Der US-Anleihemarkt hat ein Volumen von 32 Billionen US-Dollar. 4 Milliarden sind daher lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein.
Ausufernde US-Schulden
Das gilt vor allem auch vor dem Hintergrund, dass der IWF das diesjährige Haushaltsdefizit der USA auf 7,5 % beziffert. Allein in den vergangenen 3 Monaten legten die Schulden des Staates um 1 Billion Dollar zu. Genauso viel müssen die USA bald nur für die Zinsen zahlen, die auf aktuell 40 Billionen Dollar Staatsschulden anfallen. Im vergangenen Jahr waren es laut dem Congressional Budget Office (CBO) bereits 970 Milliarden Dollar.
Die Zinslast ist inzwischen der drittgrößte Budgetposten nach den Ausgaben für das Gesundheitswesen und die Rentenversicherung. Und sie ist höher als die Verteidigungsausgaben. Die Zinsen verzehren inzwischen 19 % der Steuereinnahmen. Jeden Tag zahlen die USA derzeit 3 Milliarden Dollar Zinsen.
Setzt sich der aktuelle Verschuldungstrend fort, könnte der Schuldenstand bereits im Jahr 2029 auf 50 Billionen Dollar steigen. Schon jetzt bereiten sich Politiker auf einen erneuten parteipolitischen Konflikt um die Schuldengrenze des Kongresses vor. Diese liegt bei 41,1 Billionen Dollar und könnte schon im Herbst oder Winter wieder erreicht werden.
Wann kommt der Kipppunkt?
Solange die USA ihre Staatsschulden nicht tatsächlich reduzieren – im Jahr 2007 lag die Schuldenquote noch bei 65 % des Bruttoinlandprodukts, 2025 dagegen bereits bei 124 % – und die Anleiheemissionen unter anderem aufgrund des Kapitalbedarfs der KI-Unternehmen hoch bleiben, dürfte dies auch für die Renditen am Anleihemarkt gelten.
Wann dies zu einem Kipppunkt am Aktienmarkt führen könnte und welche Anleiherendite Aktien zu Fall bringt, steht in den Sternen. Jedenfalls sollte man sowohl die Ölpreise als auch die Anleiherenditen weiterhin genau im Auge behalten. Sollten beide wieder bzw. weiter steigen, könnte das die Aktienkurse belasten und eventuell sogar eine Korrektur auslösen. Bereits aus saisonaler Sicht wird eine solche zunehmend wahrscheinlich.
DAX testet und bestätigt bullishen Ausbruch
von Sven Weisenhaus
Der DAX kann diese Entwicklungen derzeit offenbar problemlos verkraften und sendet sogar neue bullishe Signale. Mit seinem jüngsten Rücksetzer hat er von oben auf das ehemalige Rekordhoch vom 6. Juli bei 25.900,10 Punkten zurückgesetzt. Dieses hat dabei als Unterstützung gedient und somit dem Angriff der Bären standgehalten (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart).

Geholfen hat dabei auch eine Konsolidierungslinie (rot gestrichelt). Und diese Kreuzunterstützung hat die Kurse wieder nach oben geschickt. Damit bleibt der DAX im oberen Bereich des Aufwärtstrendkanals. Das ist klar bullish zu werten.
Wichtige Marken auf der Oberseite
Durch die (schnelle) Rückeroberung des weißen Rechtecks oberhalb von 26.080 Punkten ist nun erneut die Mittellinie bei 26.435 Zählern das Kursziel der Bullen. Dort warten die oberen Aufwärtstrendkanallinien (grün) sowie eine Konsolidierungslinie (rot gestrichelt) wieder als Widerstände. Der DAX wird es also nicht leicht haben, ein weiteres Rekordhoch zu erreichen. Aufgrund der aktuellen Stärke des deutschen Leitindex kann dies dennoch gelingen.
Wichtige Marken auf der Unterseite
Fällt der DAX allerdings erneut in das blaue Rechteck unterhalb von 26.080 Punkten, muss man damit rechnen, dass das ehemalige Rekordhoch vom 6. Juli erneut angegriffen wird. Und häufig sind die Bären in einem solchen Fall erfolgreicher.
Ist das auch dieses Mal der Fall, richtet sich der Fokus wieder auf die dortige Konsolidierungslinie, die sich nun der Mittellinie bei 25.725 Punkten nähert. Werden beide unterschritten, kommt es stark auf das alte Rekordhoch vom 13. Januar bei 25.507,79 Zählern an. Zusammen mit der Rechteckgrenze bei 25.370 Punkten und der unteren Linie des Aufwärtstrendkanals liegt dort ein Unterstützungsbereich. Wird dieser nach unten durchbrochen, steht einer saisonalen Korrektur kaum mehr etwas entgegen.
Fazit
Steigende Ölpreise und Anleiherenditen könnten die Aktienmärkte belasten – und das in einer saisonal schwachen Börsenphase. Aber: Oberhalb von 25.900,10 Punkten haben die Bullen beim DAX keine Probleme. Unterhalb dieser Marke verdient der Markt erhöhte Aufmerksamkeit. Und unterhalb von 25.370 Punkten dürfte sich die saisonale Schwäche (bis Ende September) entfalten.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
PS: Leser meines Chartanalyse-Dienstes „Target-Trend-Spezial“ und des „Elliott-Wellen-Trading“-Service sind mit einem Long-Trade im DAX investiert. Und mit einem Stop-Loss konnte dieser Trade bereits auf Einstiegskurs abgesichert werden.
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