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Die nächste Krise rollt an
Ausgabe vom 19.08.2026
Die nächste Krise rollt an
von Stockstreet-Team
Nach mehreren Hitzewellen freuen sich die meisten über tiefere Temperaturen und können den Herbst und Winter kaum erwarten. Herbst und Winter bedeuten aber Krise.
Im Zusammenhang mit dem Irankrieg wird vor allem über die Ölmengen berichtet, die die Straße von Hormus passieren. Obwohl der Welt so schnell und so viel Öl fehlte wie noch nie in einer Ölkrise, konnte die Welt damit besser umgehen als in der Vergangenheit. Ein Teil kann durch bestehende Lagerbestände ausgeglichen werden, ein Teil wird durch geringeren Verbrauch abgefangen.

Was bei dem Fokus auf Öl vergessen wird, ist Erdgas. Katar hat einen globalen Marktanteil bei Flüssiggas von 20%. Bis Juni wurde praktisch kein Flüssiggas mehr exportiert. Auch mit der teilweisen Öffnung der Straße von Hormus liegt das Exportvolumen 70% unter den Werten, die im Normalfall zu erwarten wären.
Der Welt fehlt allein dadurch 5% des Erdgasangebots. Das macht sich bemerkbar. In Europa und Deutschland sind die Gasspeicher derzeit zu 60% und 50% gefüllt. Die Speicher werden langsamer gefüllt als sonst zu dieser Jahreszeit.

Sowohl in Deutschland als auch in Europa sind die Speicher so leer wie noch nie seit Beginn der Datenreihe. Mitte August ist ein Füllstand von knapp 80% normal. Aktuell sind es in Deutschland gleich 30 Prozentpunkte weniger. Das ist selbst schlimmer als 2021. Damals kam es zu einer Energiekrise.

Europa bezieht mehr als die Hälfte der Flüssiggasimporte aus den USA. 15% kommen nach wie vor aus Russland und 7-10% kamen aus Katar. Eine bedingungslose Öffnung der Straße von Hormus ist nicht absehbar. Europa fehlen wichtige Importe und die USA können nicht mehr exportieren. Die Infrastruktur fehlt. Man fragt sich inzwischen ohnehin, ob man von den USA in irgendeinem Bereich abhängig sein will, auch Erdgas.
Der Preis für Erdgas hat sich seit Kriegsbeginn verdoppelt, liegt aber noch weit unter den Krisenniveaus 2021 und 2022. Gas ist aber knapp und ein kalter Winter führt zwangsläufig zu Engpässen. Es muss schon sehr viel gutgehen, damit eine Energiekrise ausbleibt. Eine neuerliche Energiekrise schadet der Wirtschaft kurzfristig und dem Standort Europa auch nachhaltig. Der Aktienmarkt reagiert darauf nur bedingt. Ein niedriger Füllstand geht nicht unbedingt mit Korrekturen einher.

Eine Krise ist absehbar. Wenn es so etwas wie eine gute Nachricht bei dieser schlechten Ausgangslage gibt, dann ist es die Widerstandsfähigkeit des Aktienmarktes. Eine Energiekrise kann am Aktienmarkt fast spurlos vorübergehen.
Von Clemens Schmale
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