Börse-Intern
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DAX: Bärenfalle? +++ US-Aktien: Unter der Oberfläche brodelt es
Ausgabe vom 01.10.2026
DAX: Wird das Korrekturtief zur Bärenfalle?
von Sven Weisenhaus
Der Titel des Newsletters „Börse-Intern“ lautete vorgestern: „DAX: Erneute Schwäche wäre nicht überraschend“. Bereits am folgenden Tag fiel der deutsche Leitindex (im Späthandel) auf ein neues Korrekturtief. Heute wurde dieses ausgebaut (siehe gelbe Ellipse im folgenden Chart).

Die Seitwärtstendenz der vorangegangenen Tage hat sich somit innerhalb der übergeordneten Konsolidierung bzw. Korrektur erwartungsgemäß als trendbestätigend entpuppt.
Wie man diese Entwicklung gewinnbringend nutzen kann, habe ich vorgestern beschrieben. Demnach galt: Bei dem möglichen Short-Trade sollte man „mit größerer Vorsicht vorgehen und entweder schnell einen Gewinn realisieren oder mit einem engen Stop-Loss arbeiten“.
Der bereits vorgestern genannte Grund: Das „traditionell starke 4. Quartal eines Börsenjahres könnte das neue Korrekturtief (schnell) zu einer Bärenfalle werden lassen“.
Da der DAX das Ausbruchsniveau bei 25.172,89 Punkten im heutigen Tagesverlauf zurückerobern konnte, wenn auch nur kurzzeitig, war dies die richtige Strategie.
Bezüglich des traditionell starken 4. Quartals war in der heutigen Wochenausgabe des Börsenbriefs „Börse-Intern Premium“ bereits zu lesen, dass der DAX laut der HSBC-Bank seit 1988 im letzten Quartal im historischen Mittel um fast +6,87 % zulegen konnte.

(Quelle: HSBC)
Zudem zeigt die Grafik der HSBC, dass es in den letzten 38 Jahren nur 4 negative 4. Quartale gab (1991, 2000, 2008 und 2018). „In der Summe führt das zu einer überzeugenden Trefferquote von gut 89 %“, so die Bank.
Es wird aber noch besser: Kann der DAX per Ende September Kursgewinne verbuchen (seit 1988 war das 23 Mal der Fall), folgten in den letzten 3 Monaten des Jahres im Durchschnitt Kursgewinne von +8,5 %. Und das bei einer Trefferquote von mehr als 95 %.

(Quelle: HSBC)
Da der DAX auch dieses Mal per Ende September im Gewinn notierte, könnte man (nach dem Ausstieg aus der aktuellen Short-Position) in einen Long-Trade wechseln, um von den typischerweise (stark) steigenden Kursen im 4. Quartal inklusive einer Jahresendrally zu profitieren – sofern sich das neue Korrekturtief des DAX nachhaltig als Bärenfalle entpuppt.
Bearishes Signal vorerst aktiv
Vorerst ist jedoch das bearishe Signal des neuen Korrekturtiefs gültig. Daher sollte man grundsätzlich mit weiter fallenden Kursen rechnen. Da der DAX wieder in seine alte Unsicherheitsformation zurückgefallen ist (dicke blaue Linien), muss sogar einkalkuliert werden, dass deren unterer Bereich wieder erreicht wird.

Wenn die Bullen Glück haben, wurde der DAX lediglich durch die psychologisch wichtige Marke von runden 25.000 Punkten angezogen. Das ist der Fall, wenn sich die Kurse auf diesem Niveau halten können.
Entwarnung ist aber erst angesagt, wenn der Index in die verlassene Seitwärtstendenz der vergangenen Tage zurückkehren kann und sich der bearishe Ausbruch damit als die mögliche Bärenfalle entpuppt.
US-Aktien: Unter der Oberfläche brodelt es
von Sven Weisenhaus
Während der DAX seine saisonale Schwäche mit einem neuen Korrekturtief untermauerte, konnte der Nasdaq 100 ein weiteres Rekordhoch markieren. Dieses gelang allerdings nicht im offiziellen Handel und auch nicht nachhaltig. Denn auf das neue Rekordhoch folgte heute im frühen Handel ein Kursrutsch um rund 400 Punkte bzw. -1,27 % (siehe gelbe Ellipse im folgenden Chart), auf den nach einer kurzen Erholung ein zweiter, ähnlich starker Kursrutsch folgte (-1,34 %).

Es ist daher möglich, dass auf diesen Fehlausbruch eine starke Bewegung in die entgegengesetzte Richtung folgt und damit endlich auch die Tech-Aktien in eine saisonale Korrektur gehen. Bislang werden größere Kursverluste jedoch vor allem von den KI-Werten verweigert und damit beim Nasdaq 100 verhindert.
Unter der Oberfläche brodelt es
Passend dazu lautete heute der Titel der Wochenausgabe des Börsenbriefs „Börse-Intern Premium“, die noch vor dem neuen Rekordhoch erschienen ist: „Tech-Aktien verweigern weiter die saisonale Korrektur“. In der Ausgabe ist allerdings zu lesen, dass sich der S&P 500 durch die Stärke der Technologiewerte zwar ebenfalls stabil hält, dies allerdings nur oberflächlich der Fall ist.
Der S&P 500 legte in der vergangenen Woche um +1,21 % zu und schloss bei 7.743,41 Punkten. Damit landete der Index nur -0,94 % unter seinem Rekordhoch vom 13. August von 7.816,70 Zählern.

Doch wie die Experten von Real Investment Advice berichteten, schlossen 7 von 11 Sektoren die vergangene Woche schwächer ab.

(Quelle: realinvestmentadvice.com)
Der S&P 500 konnte nur zulegen, weil (große) Technologieaktien den Index weiterhin nach oben zogen. Der Technologiesektor des S&P 500 legte um +3,6 % zu, der gleichgewichtete S&P 500 fiel hingegen um -1,1 %.
Unter der Oberfläche brodelt es also, und das nicht erst seit kurzem. Wie Markus Koch heute berichtete, haben die Aktien von Microsoft, NVIDIA, Apple und Meta Platforms den S&P 500 im 3. Quartal um +300 Punkte nach oben getrieben. Der Rest belastete den Index zeitgleich um -150 Punkte. Also: Nur 4 Aktien haben das Minus von 496 Aktien mehr als ausgeglichen und dem S&P 500 zu einem Plus verholfen.
Gestern berichtete der Börsenkorrespondent von n-tv, dass der gleichgewichtete S&P 500 inzwischen die 7. Woche in Folge fällt.

(Quelle: Markus Koch / Bloomberg)
Die Differenz zwischen dem traditionellen S&P 500 und dem gleichgewichteten Index ist dadurch bereits so groß wie zuletzt zu Zeiten des Dotcom-Crashs im Jahr 2000.

(Quelle: Markus Koch / Bloomberg)
Zudem notieren nur noch 25 % der Aktien aus dem S&P 500 über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.

(Quelle: Markus Koch / Bloomberg)
Beim 200-Tage-Durchschnitt sind es weniger als 48 %. Den September haben 75 % der Aktien mit einem Minus abgeschlossen.
Laut FactSet haben inzwischen 44 % der Aktien um mehr als -20 % von ihrem 52-Wochen-Hoch korrigiert. Bei 24 % der Aktien sind es sogar -30 %. Insgesamt befinden sich laut den FactSet-Daten 79 % der Aktien bereits in einem Bärenmarkt.

Laut ZeroHedge haben gestern mehr Aktien ein 52-Wochen-Tief als ein 52-Wochen-Hoch markiert – und das zum 12. Mal in Folge.
Dies sind alles sehr klare Anzeichen dafür, dass unter der „Motorhaube“ auch bei US-Aktien längst die Saisonalität zugeschlagen hat und für eine Schwäche bei den meisten Aktienkursen sorgt. Beim Nasdaq 100 und S&P 500 wird dies durch die KI-Aktien verdeckt. Beim Dow Jones hingegen neigen die Kurse schon seit dem Hoch vom 5. August zur Schwäche.

Das Minus summiert sich inzwischen schon auf mehr als -7 %. Und damit wurden bereits mehr als 38,20 % des Kursanstiegs seit dem Tief von Ende März korrigiert, aber noch weniger als 50 %. Das ist eine gesunde Konsolidierung, die den anderen US-Indizes auch sehr guttun würde.
Fazit
Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie einerseits auf einen anhaltend extrem starken Nasdaq 100 auf Rekordhoch und einen stabilen S&P 500 nahe Rekordhoch blicken, während die meisten Aktien in ihrem Depot zur Schwäche neigen.
Nehmen Sie die beiden US-Indizes nicht als Maßstab. Sie verdecken eine saisonale Schwäche, die den Gesamtmarkt längst im Würgegriff hat.
Beim DAX könnte diese Schwäche bald überwunden sein. Hier kann man sich langsam auf ein wahrscheinlich wieder starkes Schlussquartal einstellen.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
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