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Gewinnwachstum des S&P 500 bei sagenhaften +50,4 %
Ausgabe vom 11.08.2026
Auf Arbeitsmarkt- folgen Inflationsdaten
von Sven Weisenhaus
Für US-Präsident Donald Trump ist das Problem mit der Straße von Hormus (wieder einmal) gelöst. Im Weißen Haus sagte er, nach einer Minenräumung sei die Meerenge für Schiffe wieder befahrbar. Und sie werde „zu 100 Prozent“ von den USA kontrolliert.
Internationale Behörden sehen dagegen nach wie vor große Risiken für die Schifffahrt in der Seestraße. Und auch die Börsen schließen sich der Meinung von Trump offenbar nicht an. Denn die Ölpreise sind jüngst wieder deutlich gestiegen. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich beispielsweise binnen 5 Handelstagen wieder um fast +15 %.

Solche Preisanstiege kommen nicht zustande, wenn sich das Angebot aufgrund freier Lieferwege erhöht.
Wichtige Inflationsdaten
Vor diesem Hintergrund richten die Anleger den Fokus nun verstärkt auf die morgen bzw. übermorgen anstehenden Daten zu den Verbraucher- und Erzeugerpreisen in den USA. Sie können Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) geben.
Analysten gehen derzeit im Konsens von nur moderaten Preisanstiegen aus. Die Jahresraten sollen bei den Verbraucherpreisen in der Gesamt- und der Kernrate um 0,1 Prozentpunkte sinken. Sollte es dazu kommen, dürften die Erwartungen an eine Zinserhöhung der Fed weiter nachgeben.
US-Arbeitsmarktdaten hatten die Zinserwartungen gedämpft
Bereits am Freitag waren sie gesunken, nachdem Daten zum US-Arbeitsmarkt gezeigt hatten, dass Unternehmen unerwartet Stellen abgebaut haben. Im Juli sind in den USA außerhalb der Landwirtschaft -23.000 Stellen weggefallen. Volkswirte hatten dagegen mit einem Zuwachs von +80.000 Jobs gerechnet.

Zudem wurden die Daten der beiden Vormonate um insgesamt -103.000 nach unten revidiert, sodass der 3-Monats-Durchschnitt nur noch bei +20.000 liegt. Außerdem verlangsamte sich das Wachstum der durchschnittlichen Stundenlöhne im Jahresvergleich von +3,5 % auf +3,2 %.
Die Arbeitslosenquote sank zwar von 4,2 % auf 4,1 %, was jedoch durch einen Rückgang der Erwerbsbeteiligungsquote von 61,5 % auf 61,4 % bedingt ist. Die Zahl der Arbeitslosen blieb mit 6,9 Millionen weitgehend unverändert.
Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung auf der nächsten FOMC-Sitzung am 16. September fiel daraufhin am Freitag laut dem FedWatch-Tool der CME auf 44 %. Am Montag der vergangenen Woche hatte sie noch bei 67 % gelegen.

Seitdem ist der Wert aber bereits wieder auf immerhin 52,21 % gestiegen. Dies kann mit dem Anstieg der Ölpreise in Verbindung gebracht werden, die allein gestern um rund 7 % zugelegt haben.
Steigende Renditen bleiben Konkurrenz für Aktien
Und so verwundert es auch nicht, dass die Renditen am Anleihemarkt weiterhin nach oben streben. Dies ist im folgenden Chart der 10-jährigen US-Staatsanleihen zu sehen, die vom Markt stark beachtet werden.

Es ist daher durchaus überraschend, dass die Aktienmärkte weiterhin keinerlei Anzeichen von Schwäche zeigen.
Gewinnwachstum des S&P 500 bei sagenhaften +50,4 %
von Sven Weisenhaus
Das kann allerdings mit dem beeindruckenden Gewinnwachstum in den USA begründet werden. Nachdem bereits die Berichtssaison für das 1. Quartal 2026 mit einem sehr hohen Gewinnwachstum der Unternehmen aus dem S&P 500 von +25,7 % abgeschlossen wurde, zeichnet sich für das 2. Quartal 2026 laut FactSet ein Plus von sogar +50,4 % (!) ab (Gewinn je Aktie gegenüber dem Vorjahr).

Für das 3. Quartal 2026 werden +27,4 % und für das 4. Quartal +25,2 % erwartet.
In vielerlei Hinsicht überdurchschnittlich
Bislang haben schon rund 90 % der Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Geschäftsberichte veröffentlicht. Von diesen haben 86 % die Gewinnerwartungen übertroffen. Das sind überdurchschnittlich viele. Der 5-Jahres-Durchschnitt liegt bei 78 %, in den vergangenen 10 Jahren waren es 76 %.

Insgesamt liegen die erzielten Gewinne der Unternehmen um +29,2 % über den Prognosen. Auch dies liegt über dem 5-Jahres-Durchschnitt (+7,0 %) und dem 10-Jahres-Durchschnitt (+7,4 %). Sollte der Wert am Ende der noch laufenden Berichtssaison tatsächlich bei +29,2 % landen, wäre dies die größte positive Gewinnüberraschung seit Beginn der Aufzeichnungen durch FactSet im Jahr 2008. Der aktuelle Rekord liegt bei +23,2 % und wurde im 2. Quartal 2020 erzielt.
Amazon und Alphabet verzerren das Bild
Allerdings sollte man beachten, dass die durchschnittlichen Gewinne durch Alphabet und Amazon stark verzerrt werden. Ohne diese beiden Unternehmen würde der Prozentsatz positiver Gewinnüberraschungen von +29,2 % auf +10,9 % sinken. Zwar liegt auch dieser Wert über dem 5- und 10-Jahres-Durchschnitt, jedoch weit weniger deutlich. Die durchschnittliche Gewinnwachstumsrate des S&P 500 würde von +50,4 % auf +32,0 % sinken.
Zu berücksichtigen ist außerdem, dass das hohe Gewinnwachstum der beiden Hyper-Scaler maßgeblich auf Bewertungsgewinne aus Beteiligungen zurückzuführen ist. Diese könnten sich theoretisch auch schnell wieder in Luft auflösen. Ich hatte bereits am 7. Mai darüber berichtet – siehe „Blase oder keine Blase?“.
Hohes Gewinn- und Umsatzwachstum
Aber nicht nur die Gewinne können beeindrucken, sondern auch das Umsatzwachstum. 76 % der Unternehmen konnten hier die Erwartungen übertreffen, gegenüber einem 5-Jahres-Durchschnitt von 70 % und einem 10-Jahres-Durchschnitt von 68 %.

Beim Umsatzwachstum zeichnet sich für das 2. Quartal 2026 ein Wert von +15,0 % ab. Das wäre laut FactSet das höchste Wachstum seit dem 4. Quartal 2021 (+16,1 %).

Dazu tragen die hohen Ölpreise bei. Sie haben also nicht nur Nachteile. Der Energiesektor kann sich dadurch voraussichtlich über einen Umsatzanstieg von +42,5 % freuen. Der Bereich „Information Technology“ muss sich daher mit Platz 2 und einem Wachstum von +35,9 % begnügen.

Zwar sieht es für die Zukunft nicht mehr ganz so rosig aus, dennoch bleibt das Wachstum relativ hoch. Analysten prognostizieren für das 3. und 4. Quartal 2026 Umsatzwachstumsraten von +11,3 % bzw. +10,9 %. Für das Gesamtjahr 2027 wird ein Umsatzwachstum von +8,4 % erwartet.

Da diesen hohen Wachstumsraten aktuell ein in die Zukunft gerichtetes Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward-KGV) des S&P 500 von 20,0 gegenübersteht, scheint der Aktienmarkt sogar noch Aufwärtspotenzial zu haben. Denn die Gewinnwachstumsraten liegen höher. Laut FactSet erwarten Analysten für das Gesamtjahr 2026 im Durchschnitt ein Gewinnwachstum von +30,0 %.
Fazit
Zum Iran-Krieg und der Straße von Hormus gibt es weiterhin widersprüchliche Informationen. Und so springen die Ölpreise weiter munter auf und ab. Zuletzt bewegen sie sich dabei auf deutlich erhöhtem Niveau wieder nach oben.
Für die Unternehmen scheint das im Großen und Ganzen jedoch kein Problem zu sein. Im Gegenteil: Der Energiesektor profitiert sogar davon und treibt die durchschnittlichen Gewinne der Unternehmen aus dem S&P 500 zusammen mit dem Technologiesektor nach oben.
Das hohe Gewinnwachstum treibt wiederum die Aktienkurse nach oben. Und weil ein großer Teil der Unternehmensgewinne auf Beteiligung und deren höhere Bewertungen zurückzuführen ist, dreht sich die Aufwärtsspirale munter weiter.
Doch der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Vielleicht macht die Saisonalität den Bullen bald einen Strich durch die Rechnung. Allerdings war angesichts der charttechnischen Übertreibungen an den Aktienmärkten in den vergangenen Wochen und Monaten auch auf die Saisonalität wenig Verlass.
Meine Tipps lauten deshalb: Long-Positionen sind gegenüber Short-Trades klar zu bevorzugen. Mit Blick auf die Saisonalität sollte man das Risiko aber reduzieren, zum Beispiel über die Positionsgröße und/oder die Investitionsquote. Beim Depot des „Börse-Intern Premium“ halten wir zum Beispiel derzeit fast 75 % Cash – mit steigender Tendenz.
Unabhängig davon wird die Charttechnik zuerst Hinweise liefern, wenn sich eine saisonale Schwäche abzeichnet. Wir werden darüber gegebenenfalls berichten…
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
PS: Bei den Stockstreet-Börsenbriefen gab es jüngst wieder Gewinnmitnahmen. Aus dem Depot des „Optionsscheine-Expert-Trader“ wurde gestern bei einem Trade auf die Aktien von SpaceX ein Teilverkauf (30 %) vorgenommen und damit ein Gewinn in Höhe von +38 % realisiert. Auch am vergangenen Freitag nahm Manfred Ries für seine Leser einen Teilverkauf von 30 % vor – bei einem Trade auf Société Générale. Das brachte einen Gewinn von +33 %.
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