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Zu den Öl- und Zinssorgen kommen KI-Bedenken
Ausgabe vom 15.09.2026
Zu den Öl- und Zinssorgen kommen KI-Bedenken
von Sven Weisenhaus
Zu Wochenbeginn haben zwei Themen den Bullen die Laune verdorben: Einerseits gab es neue Sorgen um die Versorgung mit Rohöl und daraus gewonnenen Produkten, andererseits reagierten Investoren verschnupft auf Forderungen, die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) zu verlangsamen.
Verschärfte Lieferprobleme bei Öl & Co.
Zum Thema Öl gab es unter anderem die Meldung, dass Saudi-Arabien am Freitag nach Drohnenangriffen den Betrieb seiner East-West-Pipeline einstellen musste. Damit droht der Ausfall eines weiteren wichtigen Transportwegs. Über die Pipeline hatte das Land zuletzt täglich bis zu 5 Millionen Barrel Öl zum Hafen Yanbu am Roten Meer umgeleitet. Diese Menge entspricht etwa 5 % der weltweiten Nachfrage.
Hinzu kommt die Nachricht vom Wochenende, dass die Huthi inzwischen die gesamte Küste des Roten Meeres im Jemen kontrollieren. Dadurch ist die für den Welthandel enorm wichtige Meerenge Bab al-Mandab als Schifffahrtsweg nun noch stärker bedroht als bisher.
Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs wurde diese alternative Handelsroute genutzt, um Ausfälle durch die Straße von Hormus zumindest teilweise zu kompensieren. Bei zunehmenden Einschränkungen (auch) dieses Seeweges drohen weitere Reduzierungen von Öl-, Gas- und sonstigen Lieferungen aus der Region – mit den entsprechenden negativen Auswirkungen auf die Versorgung der Weltmärkte.
Ölpreise explodieren
Der Preis der Rohölsorte Brent ist gestern in der Spitze um +4,72 % gestiegen und erreichte mit fast 110 US-Dollar pro Barrel das höchste Niveau seit dem 20. Mai. Bis zu den Höchstständen, die seit dem Beginn des Iran-Kriegs erreicht wurden, ist es damit nicht mehr weit.

Am 25. August hatte ich von Trades auf die Ölpreise abgeraten, da die Volatilität einfach zu hoch ist. Damals notierte die US-Sorte WTI bei etwas mehr als 82 USD. Seitdem ist der Preis binnen nur 14 Handelstagen um mehr als +27 % auf rund 105 USD explodiert.

Ich rechne sogar mit weiter steigenden Preisen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass China wieder stärker als Käufer am Ölmarkt auftritt. Laut der UBS sind die Ölimporte der Volksrepublik im August auf knapp 9 Millionen Barrel pro Tag gestiegen, von 7,15 Millionen im Juni. Zwar liegen die chinesischen Importe damit weiterhin unter den 12,6 Millionen Barrel pro Tag, die noch im Februar – also vor dem Iran-Krieg – erreicht wurden, dennoch kann eine steigende Nachfrage bei sinkendem Angebot nur eine Konsequenz haben: steigende Preise.
Allerdings kann es je nach Nachrichtenlage zu plötzlichen Rücksetzern kommen. Die Volatilität dürfte somit hoch und die Preisbewegungen unkalkulierbar bleiben. Daher gilt mein Rat unverändert, sich von diesem Markt fernzuhalten.
10-jährige US-Staatsanleihen überspringen 5 %-Hürde
Da die Tendenz bei den Ölpreisen aktuell klar nach oben gerichtet ist, gilt dies auch weiterhin für die Renditen am Anleihemarkt. Die 10-jährigen US-Staatsanleihen, die an den Börsen große Beachtung finden, haben jüngst die Hürde von 5 % übersprungen.

Damit rentieren sie nun so hoch wie seit 2007 nicht mehr. Damals wurde ein Höchstwert von 5,22 % erreicht. Im Jahr davor waren es 5,24 %. Man kann davon ausgehen, dass dieses Niveau nun von den Anleihemärkten getestet wird.
US-Inflation bleibt hartnäckig hoch
Die Marke von 5 % wurde bereits am Freitag nach Bekanntgabe der US-Inflationsdaten erreicht. Denn: Der Gesamtverbraucherpreisindex (VPI) stieg im August im Monatsvergleich um +0,4 %, nach +0,1 % im Vormonat. Die jährliche Inflationsrate lag weiterhin bei +3,4 %. Im Juli hatte die Teuerung ebenfalls +3,4 % betragen, nach +3,5 % im Juni. Die aktuellen Werte wurden vom Markt mehrheitlich erwartet.

Die für die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) besonders relevante Kerninflation, die volatilere Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert, betrug im Monatsvergleich +0,3 %, gegenüber +0,2 % im Vormonat. Sie lag damit 0,1 Prozentpunkte über den Erwartungen. Die jährliche Kernrate sank dennoch wie erwartet auf +2,4 %, nach +2,5 % bzw. +2,6 % in den beiden Vormonaten.
Inflationsdaten lassen Zinserwartungen steigen
Die Inflationsdaten trafen zwar im Wesentlichen die Markterwartungen, ausgerechnet bei der Kernrate lagen sie aber im Monatsvergleich etwas höher. Auch wenn es zugleich Fortschritte bei der Jahresrate der Kerninflation gab, bleibt die Inflation hartnäckig hoch.
Daher sorgten die Daten für steigende Zinserwartungen. Rechneten vor deren Bekanntgabe rund 70 % mit einer morgigen Zinsanhebung der Fed, stieg die Wahrscheinlichkeit nach der Veröffentlichung auf inzwischen über 90 %.

(Quelle: CME Group)
Den Anstieg der Renditen am Anleihemarkt konnte (daher) auch US-Finanzminister Scott Bessent nicht bremsen, obwohl er bekannt gab, dass sein Finanzministerium Anleihen im Wert von 6 Milliarden US-Dollar erwerben werde. Zuvor hatte Bessent am 19. August angekündigt, die Rückkäufe auf 4 Milliarden zu verdoppeln. Dass er sie nun sogar verdreifachte, sorgte an der Wall Street dennoch für Enttäuschung, da die Flüsterschätzungen bei 10 Milliarden Dollar gelegen hatten.
KI-Sorgen hatten den größten Einfluss auf Aktienkurse
Die Aktienmärkte wurden zu Wochenbeginn zwar auch von den steigenden Renditen und Ölpreisen belastet, vielmehr Einfluss hatte allerdings die Meldung vom Wochenende, dass führende Köpfe von KI-Anbietern – wie Anthropic und OpenAI – Bedenken äußerten, durch den Einsatz fortschrittlicher KI entstünden Sicherheitsrisiken.
Um dem entgegenzuwirken, solle das Tempo bei der Entwicklung deutlich reduziert werden, so die Forderung der KI-Chefs. Vor diesem Hintergrund kündigte Sam Altman am Wochenende an, den von ihm geplanten Börsengang von OpenAI zu verschieben.
Die Überlegung von Investoren und Anlegern: Wenn KI-Unternehmen auf die Bremse treten, dürfte dies mit einer Reduzierung der Ausgaben einhergehen. Investitionen könnten zurückgefahren werden. Das würde die Umsätze und Gewinne diverser Unternehmen betreffen, was wiederum erhebliche Auswirkungen auf die Aktienkurse hätte – und auch bereits hatte. Denn auf die Meldungen vom Wochenende folgten fallende Kurse am Aktienmarkt. Allerdings kam es immer wieder zu deutlichen Kurserholungen.
DAX rettet sich mit starken Kurserholungen
Der DAX hat daher zwar gestern und vor allem heute wieder ein neues Korrekturtief markiert, er konnte sich aber durch die Kurserholungen jeweils über die Rechteckgrenze bei 25.370 Punkten retten und landete damit aktuell am Tief vom vergangenen Donnerstag (siehe gelbe Ellipse im folgenden Chart).

Die jüngsten bearishen Signale durch den Bruch des Aufwärtstrendkanals (grün), das Unterschreiten des alten Rekordhochs vom 13. Januar bei 25.507,79 Zählern sowie die Rückkehr in die alte Unsicherheitsformation (dicke blaue Linien) sind somit noch nicht nachhaltig.
Sollte sich das allerdings ändern, muss man mit deutlich weiter fallenden Kursen rechnen. Wie es am vergangenen Donnerstag für diesen Fall bereits hieß: „Wenn der deutsche Leitindex lediglich von der psychologisch wichtigen Marke von runden 25.000 Punkten angezogen wird, könnten die Bullen damit äußerst zufrieden sein. Denn eigentlich besteht dann noch deutlich weiteres Abwärtspotenzial.“
Nasdaq 100: Bearisher Ausbruch knapp verhindert
Ähnliches gilt für den Nasdaq 100, der einen bearishen Ausbruch aus seiner kurzfristigen Seitwärtstendenz heute knapp verhindern konnte (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart).

Hier steht ebenfalls ein (alter) Aufwärtstrend zur Disposition (grün).
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
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