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USD/JPY: Darum dürfte der Aufwärtsdruck nachlassen
Ausgabe vom 25.08.2026
USD/JPY: Darum dürfte der Aufwärtsdruck nachlassen
von Sven Weisenhaus
Mutige Anleger nutzten den durch eine Intervention für die Geschichtsbücher stark gefallenen USD/JPY, um vorsichtig neue Long-Positionen aufzubauen. Und dieser Mut hat sich bis heute ausgezahlt. Denn der USD/JPY hat inzwischen schon fast wieder die psychologisch wichtige Marke von runden 160 Yen erreicht.

Rücksetzer werden dabei immer wieder zum „Buy the dip“ genutzt. Man kann sich also weiterhin auf die Bullen verlassen.
Allerdings scheint sich der Wechselkurs aktuell eher wieder in einer Range einzupendeln, in der die Kurse auch schon von März bis Ende April unterhalb der 160er Marke hängen blieben (gelb). Womöglich wagen sich die Bullen also doch nicht mehr so weit vor wie bei der vorangegangenen Aufwärtsbewegung. Das bleibt jedoch noch abzuwarten.
Es gibt derzeit allerdings auch fundamentale Gründe, die dafür sprechen, dass der Aufwärtsdrang des Wechselkurses nachlassen könnte. So hat die japanische Zentralbank eine schnellere Straffung der Geldpolitik angedeutet. Und auch dafür gibt es gute Gründe.
Japans Wirtschaft wächst mit zunehmender Dynamik
Die jüngsten Einkaufsmanagerdaten deuten darauf hin, dass Japans Wirtschaft ihr Wachstum im August mit zunehmender Dynamik fortsetzen konnte. Der Gesamt-Einkaufsmanagerindex stieg auf 53,4 Punkte. Das ist der höchste Stand seit 6 Monaten.
Dazu trugen sowohl das verarbeitende Gewerbe als auch der Dienstleistungsbereich bei, da beide an Stärke gewannen. Der Einkaufsmanagerindex für den Service-Sektor legte dank einer anhaltend hohen Inlandsnachfrage auf 52,3 Punkte zu.

Gleichzeitig stieg der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sogar auf 55,1 Punkte.

Dieser Anstieg wurde einerseits durch eine starke Nachfrage nach Halbleitern und KI-bezogenen Produkten und andererseits durch eine Entspannung bei Angebotsengpässen gestützt. Zudem erreichten die neuen Exportaufträge den höchsten Stand seit 2018.
In der Umfrage von S&P Global berichteten die Unternehmen von einem anhaltend hohen Kostendruck. Dieser ist neben einem starken Lohnwachstum auch der Yen-Schwäche geschuldet, da diese Importe verteuert.
Inflation kurz vorm Ziel der Notenbank
Damit spannt sich der Bogen zur Inflation. Der japanische Verbraucherpreisindex stieg im Juli um +1,9 % im Jahresvergleich (nach +1,7 % im Juni). Das war der 4. Anstieg in Folge, mit dem das höchste Niveau seit Dezember erreicht wurde. Zudem liegt der aktuelle Wert nur noch knapp unter dem Ziel der Notenbank von +2 %.

Gleiches gilt für die Kerninflation, die sich im Juli ebenfalls beschleunigt hat und bei +1,8 % gelandet ist, nach +1,6 % im Juni. Zwar blieb die Kerninflation den 7. Monat in Folge unter dem Zielwert der Zentralbank von 2 %, doch ist dies vor allem auf staatliche Subventionen zur Eindämmung der gestiegenen Kraftstoffkosten infolge des Iran-Kriegs zurückzuführen.
Der Preisanstieg war dabei breit gefächert. Und der Preisdruck nimmt trotz der staatlichen Subventionen zu. Ein Grund dafür ist, dass höhere Import- und Erzeugerpreise (für Erdölprodukte) zunehmend an die Verbraucher weitergegeben wurden (beispielsweise bei Waschmitteln oder Kunststoffverpackungen). Auch die Nahrungsmittelinflation beschleunigte sich und erreichte im Jahresvergleich +3,0 %.
Angesichts der anhaltenden Yen-Schwäche und der nach wie vor hohen Ölpreise dürfte sich der Anstieg der Inflation fortsetzen. Zumal die Unternehmen ihre höheren Kosten an die Verbraucher weitergeben.
Darum dürfte der Aufwärtsdruck beim USD/JPY nachlassen
Die jüngste (Aufwärts-)Dynamik beim Wirtschaftswachstum und der Inflation sowie die Inflationserwartungen erklären, warum die japanische Zentralbank eine schnellere Straffung der Geldpolitik angedeutet hat. Ein Beschluss zu einer Leitzinserhöhung auf 1,25 % bereits auf der anstehenden Sitzung der Bank of Japan (BoJ) am 17. und 18. September ist inzwischen sehr wahrscheinlich.
Gleichzeitig hat die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung der US-Notenbank (Fed) abgenommen. Die Zinsdifferenz dürfte sich somit etwas schneller verringern als bislang erwartet. Dies und die positiven Wachstumsaussichten der japanischen Wirtschaft dürften die Abwärtsspirale des Yen durchbrechen und für einen nachlassenden Aufwärtsdruck beim USD/JPY sorgen.
Was das für USD/JPY-Trades bedeutet
Für Long-Trades auf den USD/JPY bedeutet dies, dass ein steigender Wechselkurs nun für Gewinnmitnahmen genutzt werden sollte. Zumal weitere Devisenmarktinterventionen nach wie vor denkbar sind, obwohl diese wohl erst wieder drohen, wenn der Wechselkurs deutlich weiter steigt.
Da die Tendenz des USD/JPY aber wieder bzw. weiterhin klar aufwärtsgerichtet ist und Rücksetzer stets zum „Buy the dip“ genutzt werden, könnte man fallende Kurse nutzen, um Long-Positionen ins Depot zurückzuholen.
Und wenn die Kurse ausreichend weit steigen, könnte man ab der 160er Marke wieder zu Short-Trades greifen, um von erneuten Rücksetzern oder gar weiteren Interventionen zu profitieren.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
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