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USD/JPY: Nach der BoJ kommt es auf die Fed an
Ausgabe vom 16.06.2026
USD/JPY: Nach der BoJ kommt es auf die Fed an
von Sven Weisenhaus
Die Bank of Japan (BoJ) hat heute mit 7:1 Stimmen beschlossen, ihren kurzfristigen Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 1,0 % anzuheben. Es ist die 5. Zinserhöhung, seit die Notenbank im März 2024 aus ihrer jahrzehntelangen ultralockeren Geldpolitik ausgestiegen ist. Damit steigen die Finanzierungskosten in Japan inzwischen auf den höchsten Stand seit 31 Jahren. Denn wie die Berenberg Bank dazu berichtet, lag der Leitzins zuletzt im Jahr 1995 bei 1,0 %. Infolge des Platzens der japanischen Spekulationsblase Ende der 1980er-Jahre senkte die BoJ die Zinsen damals noch schrittweise.
Bezüglich der zukünftigen Ausrichtung neigt die BoJ weiterhin zu Zinserhöhungen. Darüber hinaus kündigte die BoJ heute an, ihre Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe ab April 2027 zu beenden. Die Käufe japanischer Staatsanleihen sollen dann auf einem Niveau von rund 2 Billionen Yen pro Monat stabilisiert werden.
Diese Entscheidungen waren von den Marktteilnehmern mehrheitlich erwartet worden. Der Markt geht allerdings davon aus, dass die nächste Zinserhöhung erst im Dezember erfolgen wird.
USD/JPY: An der 160er Marke zwischen Halt und Hürde
Auf den USD/JPY hatte das Sitzungsergebnis der BoJ kaum sichtbaren Einfluss. Gestern erhielt der Wechselkurs ein weiteres Mal Halt von der oberen Linie eines alten Aufwärtstrendkanals (siehe dunkelgrüner Pfeil im folgenden Chart aus dem „Elliott-Wellen-Trading“-Service von stock 3), der somit weiterhin eine Relevanz hat. Nach oben konnte das Trendhoch vom 30. März bei 160,46 Yen, das auch beim aktuellen Anstieg wieder als Hürde fungiert hat, seit dem 11. Juni nicht mehr vollständig erreicht werden (siehe roter Pfeil).

Dadurch pendelt der USD/JPY seit einigen Tagen in engen Bahnen um die psychologisch sehr wichtige Marke von runden 160 Yen, die somit wieder anziehend wirkt. Und daran hat auch das Sitzungsergebnis der BoJ nichts geändert.
Jetzt kommt es auf die Fed an
Gravierendere Auswirkungen auf den USD/JPY könnte dagegen die morgige Zinsentscheidung der US-Notenbank (Fed) haben. Es ist denkbar, dass neue, langlaufende Trends angestoßen werden, wenn der frischgebackene Fed-Chef vom bisherigen Kurs der Zentralbank abweicht.
Spricht sich Kevin Warsh deutlich für einen sinkenden Leitzins aus, wofür er von US-Präsident Donald Trump auserwählt und in das Amt des Fed-Chefs gehoben wurde, könnte das den US-Dollar schwächen. In diesem Fall hat der Aufwärtstrend des USD/JPY mit dem aktuellen 5-gliedrigen Verlauf wahrscheinlich ein Ende gefunden.
Andernfalls dürfte der USD/JPY die Hürde bei 160,46 Yen überspringen – und das sogar sehr impulsiv. Und in diesem Fall könnten wohl nur erneute Devisenmarktinterventionen deutlich weiter steigende Kurse verhindern.
Charttechnik ist klar bullish
Derweil spricht die Charttechnik ziemlich klar für einen weiter steigenden USD/JPY. Denn der im Mai gestartete Aufwärtstrend ist immer noch eindeutig intakt. Und das gilt auch für den Aufwärtstrend im großen Chartbild.

Gestern wurde im kurzfristigen Bereich sogar ein weiteres „höheres Tief“ markiert (dunkelgrüner Pfeil).

Und die Bullen geben weiterhin das klare Signal, dass sie sich trotz (erneut drohender) Devisenmarktinterventionen nicht aus diesem Markt vertreiben lassen. Sie scheinen vielmehr gewillt, den Druck auf die 160er Hürde aufrechtzuerhalten und diese letztlich auch nachhaltig zu überwinden und hinter sich zu lassen.
Ein höheres Hoch blieb hingegen seit dem Hoch der Welle 5 aus. Ein Grund dafür ist, dass die psychologisch wichtige Marke von runden 160 Yen eine anziehende Wirkung auf den USD/JPY hat. Daher besteht theoretisch die Möglichkeit, dass der kurzfristige Aufwärtstrend mit der Welle 5 endete. Doch bestätigt ist das noch nicht. Dazu müsste mindestens die Folge höherer Tiefs im kurzfristigen Bereich beendet werden. Das wäre unterhalb des Tiefs der Welle 4 bei rund 158,7 Yen eindeutig der Fall.
Fazit
Seit den letzten Devisenmarktinterventionen von Anfang Mai läuft der USD/JPY seelenruhig und unglaublich kontinuierlich aufwärts. Und solange der Druck auf die Hürden bei rund 160 Yen anhält, ist eine Fortsetzung der Aufwärtsbewegung zu erwarten. Daher bieten sich Long-Positionen an.
Im „Elliott-Wellen-Trading“-Service von stock 3 hatten wir schon vor einer Weile zu einer Long-Position geraten. Diese notiert bereits im Gewinn. Und heute habe ich den Lesern empfohlen, den Stop-Loss nachzuziehen.
Dies auch vor dem Hintergrund, dass Long-Trades angesichts der Gefahr von weiteren Devisenmarktinterventionen auf dem aktuellen Niveau riskant sind. Daher könnte man stattdessen auch mit Short-Positionen auf erneute Interventionen setzten. Dabei muss man allerdings womöglich etwas Geduld haben – zumindest bis nach der morgigen Zinsentscheidung der Fed.
Vieles wird von dieser abhängen. Und daher sollte man das Ergebnis vielleicht noch abwarten, bevor man sich für eine Tradingrichtung entscheidet.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
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