Börse-Intern
Ihr täglicher und kostenloser Börsen-Newsletter mit den besten Prognosen für die Aktienmärkte
Einfluss von ZEW-Index und Verfallstag auf den DAX
Ausgabe vom 21.07.2026
Einfluss von ZEW-Index und Verfallstag auf den DAX
von Sven Weisenhaus
Am vergangenen Freitag gab es wieder einen Verfallstag an den Börsen. Und? Haben Sie etwas davon bemerkt? Gab es Besonderheiten im Kursverlauf von DAX & Co.?
Regelmäßig wird berichtet, dass die Kurse an Verfallstagen stärker schwanken als üblich und mitunter wild auf und ab springen sollen. Das soll vor allem am sogenannten Hexensabbat, also an dreifachen Verfallstagen der Fall sein. Doch schauen wir uns einmal den folgenden DAX-Chart an, den ich heute auch im „DAX Trading-Room“ von stock3 bereits besprochen habe:

Sticht der vergangene Freitag bzw. Verfallstag besonders heraus? Oder fügt er sich schlicht in das Kursgeschehen der Vortage ein? Ich meine, letzteres ist der Fall, und finde auch kaum einen Unterschied zum gestrigen Handelstag.
DAX in Seitwärtstendenzen
Im „DAX Trading-Room“ hatte ich zu diesem DAX-Chart jedenfalls geschrieben, dass seit vergangener Nacht ca. 1 Uhr zwar ein klarer und anhaltender Aufwärtstrend vorliegt, dieser allerdings wieder einmal innerhalb einer übergeordneten Seitwärtstendenz stattfindet. Diese hat der DAX seit dem neuerlichen Kursrutsch vom vergangenen Donnerstag auf leicht niedrigerem Niveau etabliert – unterhalb der vorangegangenen Seitwärtstendenz, wobei es Überschneidungen gibt (grüne Bögen im folgenden Chart).
Mit den blauen Linien im Chart hatte ich Trades markiert, die ich am vergangenen Donnerstag im „DAX Trading-Room“ gepostet hatte. Und offensichtlich bewegte sich der DAX auch heute noch in der Handelsspanne dieses Tages – also mehrtägig seitwärts bzw. heute aufwärts.
„In diesem Marktumfeld kann man den DAX traden, man kann es aber auch einfach lassen, weil es zu viele Richtungswechsel und Fehlsignale gibt“, so mein vorerst abschließendes Urteil zu diesem Kursverlauf (heute gegen 11 Uhr).
Was ist wichtig für den Kursverlauf?
Der Verfallstag vom Freitag hatte also kaum Einfluss auf den DAX und fand daher in der Chartanalyse auch keinerlei Erwähnung. Warum komme ich dennoch auf den Verfallstag zu sprechen? Weil es heute im „DAX Trading-Room“ eine interessante Diskussion dazu gab – und zu der Frage, was eigentlich wichtig und relevant für den Kursverlauf an den Börsen ist.
Beeinflussen ZEW-Konjunkturerwartungen DAX & Co.?
Begonnen hatte die Diskussion mit den ZEW-Konjunkturerwartungen, die heute um 11 Uhr veröffentlicht wurden. Der ZEW-Index ist demnach um +15,8 Punkte stark gestiegen und beträgt nun 26,3 Punkte. Die Erwartungen lagen bei einem Anstieg von weniger als +5 auf 15,1 Zähler.

Um 11:09 Uhr ließ ich mich zu dem Kommentar hinreißen, dass diese Daten – wie üblich – keinerlei Einfluss auf die Kurse hatten. „Ich verstehe gar nicht, warum die immer noch als in irgendeiner Form relevant angesehen werden – sie sind quasi schlicht Spätindikatoren für den Kursverlauf der Aktienmärkte und somit Fähnchen im Wind“, so meine Einschätzung.
Auf die Perspektive kommt es an
Rene Berteit von stock3, einer meiner Co-Moderatoren bzw. -Experten im „DAX Trading-Room“, gab allerdings zu bedenken, dass die Perspektive wichtig sei. Denn es passiere zwar selten, aber es komme durchaus vor, dass die ZEW-Daten zu Kurssprüngen von 30 bis 50 Punkten führen. Und wenn man als Intraday-Trader zu diesem Zeitpunkt eine Position im Markt hat, müsse man die Möglichkeit solcher Kursbewegungen einplanen, unter anderem beim Platzieren eines Stop-Loss. Damit hatte er durchaus einen Punkt.
Zumal er auch noch anmerkte, dass Broker und „der Markt“ im Vorfeld auf die anstehenden Zahlen reagiert hätten. So wurde von Seiten der Broker kurz vor Daten-Veröffentlichung der Spread zwischen An- und Verkaufskurs ausgeweitet. Und das Orderbuch sei kurzzeitig leicht dünner geworden. „Der Markt“ hatte die Veröffentlichung demnach also zumindest auf dem Schirm, aber allgemein werde mit wenig Input durch die ZEW-Daten gerechnet, so Rene Berteit.
Dazu passt der heutige Kursverlauf des DAX:

Der deutsche Leitindex konnte ab 11 Uhr einige Punkte gutmachen (siehe grüner Pfeil im Chart). Allerdings befand er sich zu diesem Zeitpunkt sowieso in einem (kurzfristigen) Aufwärtstrend. Und mit Blick auf den aktuellen Stand kann man zumindest an einer nachhaltigen Wirkung der ZEW-Daten auf den DAX zweifeln.
Daher stellte ich noch klar, ich würde mich vor allem daran stören, dass die ZEW-Daten häufig als „wichtig“ bezeichnet werden. Denn meiner Erfahrung nach sind sie genauso wenig erwähnenswert wie das „Sentix-Investorenvertrauen“, da beide regelmäßig keinen (oder zumindest kaum) Einfluss auf die Kurse haben.
„Da fehlt dann aus meiner Sicht nur noch, dass man den GfK-Konsumklimaindex als relevant für die Börsen erklärt – was leider auch nur allzu oft noch passiert. Und das grenzt dann wirklich ans lächerliche“, schob ich noch nach.
Mir war es dabei vor allem wichtig, die Relevanz der Daten für den einen oder anderen Teilnehmer einzuordnen, der sich womöglich auch schon einmal darüber gewundert hat, warum die ZEW-Daten häufig prominent erwähnt und als „wichtig“ bezeichnet werden, obwohl sie kaum Einfluss auf die Kurse (oder sonst etwas) haben. Prompt bedankte sich ein Teilnehmer für diese Einordnung. Meine Antwort:
Das Phänomen von Börsen-Mythen
„Da bin ich jetzt aber beruhigt, dass die Info doch einen Nutzen hatte 😉.
Übrigens: Beim (dreifachen) "Hexensabbat" springen die Kurse überhaupt nicht ungewöhnlich auf und ab. Aber jedes Mal wird fleißig darauf rumgeritten – siehe n-tv etc. Ich könnte jedes Mal schreien, wenn solche Börsen-Mythen wieder ungeprüft für bare Münze genommen werden.“
Und damit sind wir nun beim Verfallstag angekommen. Dazu schrieb ich auch noch:
„Und Börsen-Mythen gibt es, weil immer auch ein Fünkchen Wahrheit dahinter steckt. Dreifache Verfallstage gelten zum Beispiel auch als Trendwendepunkte. Und wahrscheinlich hat es an solchen Tagen auch einzelne Trendwenden gegeben. Statistisch treten sie im Zusammenhang mit dem Hexensabbat aber nicht häufiger auf als sonst.“
Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den folgenden Chart aus der Börse-Intern-Ausgabe vom 18.03.2022 (siehe „Der Hexensabbat-Mythos ist nicht tot zu kriegen“):

„Darin sind mit grünen Punkten die großen März-Verfallstage dargestellt. Einige stellten durchaus Wendepunkte im Kursverlauf des DAX dar. Doch von den vergangenen 14 Verfallstagen sind dies aus meiner Sicht maximal 5“, hieß es damals zu dem Chart.
Das sagt KI zu Verfallstagen
Nun ist es inzwischen so, dass sich solche Aussagen (vermeintlich) leicht überprüfen lassen – auch ohne einen solchen Chart – mittels Künstlicher Intelligenz (KI). Und weil Rene Berteit meine These zum Verfallstag interessant fand, sich diese aber offenbar mit seinen eigenen Beobachtungen nicht deckte, stellte er eine schnelle KI-Recherche zur statistischen Relevanz an. Und die erste Erkenntnis daraus lautete: „Verfallstermine haben statistisch signifikante Verzerrungen.“ Dazu der Wortlaut der Zusammenfassung seiner KI-Recherche:
„Diese wissenschaftliche Untersuchung dokumentiert eine systematische Aufwärtsverzerrung der US-Aktienpreise am frühen Morgen jedes dritten Freitags im Monat, wenn wichtige Aktienderivate fällig werden. Die Autoren belegen, dass die Kurse unmittelbar vor der Feststellung der Abrechnungspreise (SOQ) künstlich steigen und kurz darauf wieder einbrechen, was als Third Friday Price Spike bezeichnet wird. […]“
Ich entgegnete, dass „statistisch signifikante Verzerrungen“ aber nicht = „Kurse springen wild auf und ab“ heißt. Und kurzerhand ließ ich das auch von einer KI beurteilen – konkret von ChatGPT, wovon ich zur Volatilität an Verfallstagen folgende Aussage erhielt:
„Der statistisch robusteste Effekt des Hexensabbats ist ein deutlich höheres Handelsvolumen. Der Effekt auf die Volatilität existiert zwar, ist aber wesentlich kleiner und hängt stark von Marktstruktur und Tageszeit ab.“ Konkret nannte die KI ein um 20 bis 50 % höheres Tagesvolumen.
Zudem zeigen Studien laut ChatGPT, dass sich die erhöhte Volatilität lediglich auf die letzte Handelsstunde, also die Schlussauktion bezieht, wobei dieser Effekt im Zeitablauf abgenommen hat. Zitat ChatGPT:
„Wie stark steigt die Volatilität? Hier wird es interessant. Die meisten Studien finden:
- statistisch signifikant
- ökonomisch aber eher klein
Mit anderen Worten: Der Unterschied ist messbar, aber deutlich kleiner als viele Trader vermuten.“
Und weiter:
"In wissenschaftlichen Arbeiten wird fast immer unterschieden zwischen:
- statistisch signifikant
- wirtschaftlich relevant
Beim Hexensabbat gilt häufig:
Statistisch: Ja. Der Unterschied lässt sich sauber nachweisen.
Ökonomisch: Eher begrenzt. Der durchschnittliche Anleger bemerkt ihn oft kaum.“
Und letztlich:
„Fazit
Die wissenschaftliche Evidenz zeichnet ein deutlich nüchterneres Bild als viele Börsenkommentare:
Das Handelsvolumen steigt an Hexensabbaten sehr deutlich und konsistent. Die Intraday-Volatilität ist im Durchschnitt zwar statistisch signifikant höher, der Effekt ist jedoch moderat und konzentriert sich vor allem auf Eröffnung, letzte Handelsstunde und Schlussauktion.
Für die gesamte Tagesvolatilität ist der Unterschied vergleichsweise klein, und für die Richtung der Tagesrendite oder einen nachhaltigen Trend gibt es keine belastbare Evidenz.
Zudem hat die Bedeutung des klassischen Hexensabbats gegenüber den 1980er- und frühen 1990er-Jahren durch veränderte Marktstrukturen und den algorithmischen Handel spürbar abgenommen.“
Höheres Handelsvolumen: ja, höhere Volatilität: nein
Mit diesen KI-Informationen wurde somit klar: Der Börsen-Mythos zu besonders wilden Kurssprüngen an Verfallstagen ist wahrscheinlich in den 80er und frühen 90er Jahren entstanden und er hält sich daher bis heute, obwohl Verfallstage heutzutage kaum mehr spürbar mehr Volatilität haben.
Schauen Sie dazu als Beleg einfach noch einmal den ersten DAX-Chart im heutigen Text an. Oder suchen Sie gerne in Eigenrecherche anhand des DAX- oder eines anderen Charts weitere Verfallstage heraus. Viel Erfolg bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen!
Oder lesen Sie einfach meine Beiträge zum Hexensabbat vom 18.03.2022 unter „Der Hexensabbat-Mythos ist nicht tot zu kriegen“ und vom 17.07.2020 unter „Sind Verfallstage wirklich volatiler als andere Handelstage?“
Wenn Sie den am 17.07.2020 erwähnten DAX-Chart im Archiv-Beitrag von www.stockstreet.de vermissen – hier ist er:

Und wie damals beschrieben: Im unteren Chartteil sind die Verfallstage markiert – in rot die großen Verfallstage, in blau die übrigen. Und offensichtlich ist nur an den großen Verfallstagen ein klar höheres Handelsvolumen zu erkennen. Die dazugehörigen Tageskerzen sind aber völlig unauffällig.
An der Börse gibt es selten nur schwarz und/oder weiß
Am Ende möchte ich aber noch einen sehr guten Kommentar von Rene Berteit zu der heutigen Diskussion zitieren:
„Die wichtigste Info ist wahrscheinlich: mehr in grau anstatt schwarz oder weiß denken. Die Börse ist kein starres System – und es gibt ständige Regimewechsel. Korrekt ist bspw., dass die Verfallstage im letzten Jahr und dieses Jahr relativ ruhig waren. Das geht aber auch anders. Noch krasser finde ich die ‚nonfarm payrolls‘. Das waren mal Daten, da konntest du garantiert Momentum handeln. Das hat sich die letzten Jahre auch geändert. Aber: es werden wieder andere Zeiten kommen. Die Börse lebt in Zyklen. Wirtschaft, Zinsen, Quartalszahlen, Liquidität – und noch so zwei, drei Punkte – werden IMMER wichtig sein, nur eben unterschiedlich gewichtet.“
Dem konnte ich zu 100 % beipflichten. Es wird an der Börse immer eine neue Sau durchs Dorf gejagt. Und mit der jeweiligen Sau ändert sich die Relevanz von kursbeeinflussenden Faktoren: Mal sind (US-)Arbeitsmarktdaten wichtiger, mal sind es Inflationsdaten, mal sind es (US-)Einkaufsmanagerindizes – und manchmal kräht kein Hahn nach diesen Daten, weil andere Themen im Fokus der Anleger stehen und alles andere überlagern.
Und in noch einem sind Rene Berteit und ich uns einig: Es wird häufig viel Lärm um Dinge gemacht, an denen am Ende wenig dran ist. (Kurzfristige) Übertreibungen und (langfristige) Untertreibungen sind an der Börse alltäglich.
Wenn Sie an solchen Diskussionen teilnehmen möchten und auch Sie sich für schnelles Intraday-Trading interessieren, dann melden Sie sich JETZT HIER an und genießen Sie neben dem Zugang zum „DAX Trading-Room“ viele weitere Vorteile von „stock3 Ultimate“!
Die aktuellen Target-Trend-Marken zum DAX
Apropos „langfristig“ – abschließend noch kurz einige Hinweise zum DAX im großen Chartbild nach der Target-Trend-Methode:

Der deutsche Leitindex hat sein aktuelles Kursgeschehen in die untere Hälfte des weißen Rechtecks verlagert. Dabei wurde die untere Rechteckgrenze bei 24.660 Punkten jüngst als Unterstützung genutzt – ganz im Sine der Target-Trend-Methode (siehe grüner Pfeil). Wird diese unterschritten, ist die Mittellinie bei 24.305 Punkten das Kursziel der Bären. Erreichbar wird dieses unterhalb des alten Rekordhochs vom 5. Juni 2025 bei 24.479,42 Punkten. Dort wäre der DAX auch wieder klar in seiner alten Seitwärtstendenz angekommen (gelbes Rechteck).
Kann der DAX hingegen die Mittellinie bei 25.015 Zählern zurückerobern, bleibt es womöglich zunächst beim Pendeln um die psychologisch sehr wichtige Marke von runden 25.000 Punkten. Aus Sicht der Target-Trend-Methode wäre dann sogar wieder ein Anstieg zur Rechteckgrenze bei 25.370 Zählern denkbar. Aber diese wird für die Bullen erst erreichbar, wenn die obere Linie der alten Unsicherheitsformation überschritten wird (dick blau).
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
Börse - Intern
20. Juli 2026
Börse - Intern
Ölpreis, EZB und Tech-Zahlen sorgen für nächsten Belastungstest
Weiterlesen...14. Juli 2026
Börse - Intern
DAX: Bullenfalle trotz Iran-Meldungen ohne bearishe Wirkung
Weiterlesen...Alle Börsenbriefe von Stockstreet.de
Allstar-Trader
Vom Traden leben!
Aktien, Rohstoffe & Devisen
erfolgreich handeln!
von Bernd Raschkowski
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Geldanlage-Brief
Ihr langfristig orientierter
Börsendienst
für Vermögen und Wohlstand!
Die Strategie für Ihre Geldanlage!
von Oliver Baron
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Börse-Intern Premium
Erfolgreich Traden mit der
revolutionären Methode!
Zuverlässig und dauerhaft erfolgreich!
von Sven Weisenhaus
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Target-Trend-Spezial
Tägliche Chartanalysen nach
der revolutionären Methode!
Zuverlässig und dauerhaft erfolgreich!
von Sven Weisenhaus
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Aktien-Perlen
Der Börsendienst für die unentdeckten
Chancen an den Börsen der Welt!
Die Spreu vom Weizen trennen!
von Thomas May
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Optionsscheine-Expert-Trader
Der Börsendienst für volatile Zeiten
Die besten Trades in volatilen Märkten
von Manfred Ries
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Target-Trend-CFD
CFD-Trading mit
der revolutionären Methode!
Schneller Handel, schnelle Gewinne!
von Sven Weisenhaus
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Hightech-Trader
Profitieren Sie vom Hightech-Boom
Mit Hightech Aktien, Crypto Währungen
und Bio-Techs
von Bernd Raschkowski
Jetzt informieren und kostenlos testen!