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Ölpreis, EZB und Tech-Zahlen sorgen für nächsten Belastungstest
Ausgabe vom 20.07.2026
Ölpreis, EZB und Tech-Zahlen sorgen für nächsten Belastungstest
von Stockstreet-Team
Nach den jüngsten Kursverlusten versuchen sich die Aktienmärkte an einer Stabilisierung. Doch der hohe Ölpreis, die Eskalation im Nahen Osten und die Schwäche vieler Technologiewerte sorgen weiter für Nervosität. Neue Impulse versprechen der EZB-Zinsentscheid und Quartalszahlen von Alphabet, Tesla, SAP und Volkswagen.
Der Iran-Krieg und die Turbulenzen rund um KI-Aktien halten die Finanzmärkte in Atem. Nachdem der Iran-Konflikt zuletzt weiter eskalierte, kletterte der Brent-Ölpreis zeitweise auf über 90 US-Dollar je Barrel. Am frühen Montagnachmittag überwiegt allerdings wieder die Hoffnung, dass auch Trump kein Interesse an einem außer Kontrolle geratenen Krieg haben kann. Die US-Aktienfutures deuten nach den Verlusten vom Freitag auf einen freundlichen Handelsstart hin.
Aktienmärkte kurzfristig angeschlagen
Aus Trendfolgesicht hat sich das übergeordnete Bild zwar etwas eingetrübt, bleibt aber konstruktiv, wie die folgende Trendmatrix zeigt, die künftig regelmäßig Bestandteil dieses Wochenausblicks sein soll. Fünf der sieben beobachteten Indizes weisen mittel- wie langfristig intakte Aufwärtstrends auf, nur DAX und Hang Seng fallen aus diesem Raster. Kurzfristig hat sich die Konsolidierung jedoch verbreitert: Neben Nikkei 225 und Nasdaq-100 ist auf 10-Tage-Sicht nun auch der S&P 500 in den Abwärtsmodus gekippt. Ob daraus eine größere Korrektur wird oder ob sich sogar ein Ende des Bullenmarktes andeutet, werden erst die kommenden Wochen beantworten.

EZB dürfte nach Zinserhöhung pausieren
Der wichtigste makroökonomische Termin der Woche steht am Donnerstag an. Um 14.15 Uhr veröffentlicht die Europäische Zentralbank ihren Zinsentscheid, um 14.45 Uhr folgt die Pressekonferenz.
Im Juni hatte die EZB die Leitzinsen in der Eurozone angesichts der erhöhten Inflationsgefahren um 25 Basispunkte angehoben. Für den Zinsentscheid an diesem Donnerstag gilt eine Zinspause aber als wahrscheinlichstes Szenario.
Spannend bleibt allerdings der Ausblick: Halbwegs offen ist derzeit, ob die EZB eine weitere Erhöhung im September vorbereitet oder sich angesichts der schwachen Konjunktur auch weiter zurückhalten wird.
An wichtigen Konjunkturdaten stehen unter anderem die ZEW-Konjunkturerwartungen am Dienstag auf dem Programm. Der Indikator zeigt, wie Finanzmarktteilnehmer die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland in den kommenden sechs Monaten einschätzen. Nach ersten Reformsignalen aus Berlin hatte sich die Stimmung zuletzt aufgehellt. Die erneute Eskalation im Nahen Osten und der starke Anstieg des Ölpreises könnten den Optimismus jedoch wieder gedämpft haben.
Am Freitag folgen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und die Eurozone für Juli. Die Frühindikatoren dürften wichtige Hinweise auf die wirtschaftliche Dynamik zu Beginn des dritten Quartals liefern.
KI-Aktien müssen ihre Bewertungen rechtfertigen
Neben der Geopolitik bleibt die Korrektur im Technologiesektor ein zentrales Thema. Nach der starken Rally der vergangenen Monate haben Anleger zuletzt verstärkt Gewinne bei KI-, Chip- und Softwareaktien mitgenommen.
Von einer breiten Verkaufspanik ist bislang nichts zu erkennen. Dennoch hat sich die Stimmung spürbar verändert. Selbst positive Unternehmensmeldungen konnten die Kurse zuletzt teilweise kaum noch stützen. Das zeigt, dass die Erwartungen an viele Technologiekonzerne inzwischen äußerst hoch sind.
Umso wichtiger wird die laufende Berichtssaison. Die großen Unternehmen müssen nun zeigen, dass ihre hohen Investitionen in Rechenzentren, Chips und Künstliche Intelligenz tatsächlich zu steigenden Umsätzen, Margen und Gewinnen führen.
Besonders im Fokus stehen die Zahlen von Alphabet und Tesla. Beide Unternehmen legen ihre Ergebnisse nach Ende des US-Handels am Mittwoch vor. Quartalszahlen kommen im Wochenverlauf unter anderem auch von GE Vernova und AT&T (Mittwoch vorbörslich), ServiceNow und Texas Instruments (Mittwoch nachbörslich), American Airlines (Donnerstag vorbörslich), Intel (Donnerstag nachbörslich) sowie Exxon Mobil, American Express, NextEra Energy und Verizon (Freitag vorbörslich).
Bei Alphabet dürften vor allem das Wachstum der Cloud-Sparte, die Entwicklung des digitalen Werbegeschäfts und die Ausgaben für KI-Infrastruktur beachtet werden. Tesla muss unterdessen Antworten auf die schwächere Entwicklung im klassischen Fahrzeuggeschäft liefern. Gleichzeitig investiert der Konzern hohe Summen in autonomes Fahren, Robotik und Künstliche Intelligenz.
Enttäuschende Zahlen oder vorsichtige Ausblicke könnten den Verkaufsdruck im Technologiesektor erneut verstärken. Überzeugende Ergebnisse würden dagegen die Chance bieten, die jüngste Korrektur zumindest vorübergehend zu stoppen.
Auch hierzulande stehen wichtige Unternehmensberichte auf dem Programm. Mit der Deutschen Börse, SAP und Volkswagen veröffentlichen auch mehrere DAX-Konzerne ihre Quartals- beziehungsweise Halbjahreszahlen.
Beim Softwarekonzern SAP stehen bei der Zahlenvorlage am Donnerstag vor allem das Wachstum im Cloudgeschäft, die Entwicklung der wiederkehrenden Erlöse und die Profitabilität im Mittelpunkt. Angesichts der Angst vor einer KI-Disruption hat sich SAP zusammen mit dem gesamten Softwaresektor in den vergangenen Monaten sehr schwach entwickelt. Ob gute Zahlen ausreichen werden, um für neue Aufwärtsimpulse zu sorgen, ist aber nicht sicher.

Am Freitag präsentiert Volkswagen seine Halbjahreszahlen. Anleger dürften insbesondere auf die Margen der einzelnen Marken, die Entwicklung im wichtigen chinesischen Absatzmarkt und die Fortschritte bei Elektrofahrzeugen achten. Darüber hinaus berichten im Wochenverlauf unter anderem Sartorius, Vossloh, Traton, LPKF und Atoss Software.
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