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Was bedeutet „don’t fight the Fed“ im aktuellen Umfeld?

Ausgabe vom 15.07.2026

Was bedeutet „don’t fight the Fed“ im aktuellen Umfeld?

von Stockstreet-Team

Wer gegen die Fed wettet, verliert. Um nicht gegen die Fed zu wetten, muss man wissen, was sie will. In Zeiten, in denen weniger kommuniziert wird, erscheint auch weniger klar, was „don’t fight the Fed“ bedeutet.

Warsh will zwar eine klare Linie durch weniger Kommunikation, doch er selbst hält sich nur bedingt daran. Warsh kommuniziert weniger, vor allem wenn es um die Begründung zu Zinsentscheiden geht. Das erste Statement unter Warsh war ungewöhnlich kurz. Es brauchte keine 150 Worte, um den Inhalt auf Papier zu bringen. Unter Powell waren es fast 400 Worte und unter Yellen sogar 600. Kurz ist etwas anderes.

Ob die Statements so kurz bleiben, wird sich erst noch zeigen. Selbst unter dem wortkargen Alan Greenspan umfassten Statements mehr als 200 Worte. Die Kürze zu Amtsantritt hat jedem verdeutlicht, was die Fed will. Sie will 2% Inflation. Zinserhöhungen wurden eingepreist. Dann kam es zu einem Rückgang des Ölpreises und Warsh erzählte beim Zentralbankertreffen in Portugal freimütig, dass die Inflation wohl zurückgehen würde. Man musste nicht einmal zwischen den Zeilen lesen, um zu verstehen, dass Warsh vielleicht doch kein so ausgeprägter Falke ist. Nun steigt der Ölpreis wieder und Warsh bekräftig bei seiner ersten Anhörung vor dem Kongress, dass erhöhte Inflation nicht tolerierbar ist.

Innerhalb von wenigen Wochen hat sich Warsh in zwei unterschiedliche Richtungen positioniert. Ob das für mehr Klarheit sorgt, sei dahingestellt. Inzwischen ist ohnehin wieder alles anders. Inflationsindikatoren zeigen nicht bedingungslos nach unten, auch wenn die Inflationsrate im Juni aufgrund des Ölpreisrückgangs zurückkam.

Die US-Wirtschaft steht zwar nicht unter Volldampf, aber das aktuelle Niveau reicht, um für Preisdruck zu sorgen. Das Transportvolumen ist leicht gestiegen, die Preise für den Transport sind zusammen mit dem Ölpreis deutlich gestiegen. Ein ähnliches Phänomen war auch 2020 und 2021 zu beobachten, noch bevor der Ölpreis wegen des Ukrainekriegs stieg.

Wird der Transport teurer, ob durch den Ölpreis oder das Transportvolumen bestimmt, steigt auch die Inflation. Die höheren Transportkosten werden an Verbraucher weitergegeben.

Was die Fed noch mehr beunruhigen sollte, ist die Inflationserwartung von Verbrauchern. Die Umfrage der New York Fed ist diesbezüglich zuverlässiger als die Umfrage der Universität Michigan. Trotz eines Rückgangs des Ölpreises hat sich die Inflationserwartung nicht nach unten, sondern weiter nach oben bewegt.

Die mittelfristige Inflationserwartung ist ein Vorlaufindikator für die Inflationsrate. Das gilt für beide Richtungen. Die Inflationserwartungen fielen z.B. ab Herbst 2021, die Inflationsrate erreichte ihr Hoch erst ein Jahr später.

Preisdruck ist real und geht über den Ölpreis hinaus. Warsh selbst hat noch Anfangsschwierigkeiten, einer unmissverständlichen Kommunikation zu folgen. Dafür ist das Gremium, welches die Zinsen festlegt, in seiner Intention unmissverständlich. Höhere Inflation ist keine Option. 2% müssen erreicht werden. Das ist der Hauptfokus der Fed. Wer gegen das Inflationsziel von 2% wettet, wettet gegen die Fed.

Von Clemens Schmale

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