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Eskaliert der Iran-Krieg wieder? Ruhe bewahren!
Ausgabe vom 09.07.2026
Eskaliert der Iran-Krieg wieder? Ruhe bewahren!
von Sven Weisenhaus
Das gestrige Hauptthema war das mögliche Wiederaufflammen des Iran-Kriegs. Denn US-Präsident Donald Trump erklärte die Absichtserklärung zur Beendigung des Konflikts für hinfällig.
Zuvor waren nach Angaben der britischen Seefahrtsbehörde UKMTO drei Tanker in und nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus von unbekannten Projektilen getroffen worden. Dabei hatte es konkret auch einen Angriff auf einen katarischen Flüssiggas-Tanker in der Meerenge gegeben.
Am Dienstagabend setzten die USA in der Folge Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Wenig später griffen die USA als Reaktion auf die Schiffsattacken Ziele im Iran an. Am gestrigen Mittwoch meldete Iran Angriffe auf den Golfstaat Bahrain. Darauf folgten wieder US-Angriffe auf iranisches Gebiet. Und dann kam der Auftritt und die Ansage von Trump.
Begrenzte Militärschläge oder erneute Eskalation?
Man kann also sagen, dass der Iran-Krieg zumindest wieder aufgeflammt ist. Zumal die US-Streitkräfte heute erneut Luftangriffe durchführten und dabei laut Medienberichten etwa 90 Ziele trafen, um Teherans Fähigkeit, die Handelsschifffahrt zu bedrohen, weiter zu schwächen. Am Vortag sollen es 80 Ziele gewesen sein. Vorerst klingt das nach begrenzten Militärschlägen und nicht nach einer groß angelegten Eskalation. Doch diese bleibt natürlich möglich.
Ölpreise springen deutlich nach oben
Gestern sorgte vor allem Trumps Ansage für entsprechende Reaktionen an den Börsen: Die Ölpreise sprangen binnen 2 Tagen um mehr als +10 % nach oben.

Allerdings erfolgt dieser Preissprung von einem relativ niedrigen Niveau aus, auf dem die Ölpreise vor dem Beginn des Iran-Konflikts notierten. Und mit Blick auf einen längerfristigen Chart zeigt sich, dass Ölpreise von ca. 75 USD nicht besonders teuer sind.

Notierungen von weniger als 70 USD sind sogar relativ günstig. Zumal einige Produzenten Ölpreise von mehr als 60 USD benötigen, um profitabel fördern zu können. Das aktuelle Preisniveau ist daher keinesfalls besorgniserregend für die Wirtschaft. Sie kann ohne Weiteres mit Kosten von rund 80 USD je Barrel und mehr leben.
Rekordhoch des DAX wird zur Bullenfalle
Daher fielen die Reaktionen an den Aktienmärkten wohl auch relativ moderat aus. Sicherlich, es kam zu heftigen Rücksetzern. Und das sorgte auch für bearishe Signale, vor allem hierzulande. So stellte sich das neue Rekordhoch des DAX zum Beispiel eindeutig als Bullenfalle heraus. Denn die gesamte Ausbruchsbewegung wurde korrigiert (siehe roter Bogen im folgenden Chart).

Das kann nun auch noch weitere Kursverluste nach sich ziehen, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Saisonalität.
Starke Kurserholungen der US-Indizes
Die US-Märkte sind bislang jedoch sehr glimpflich davongekommen. Beispielsweise erholte sich der S&P 500 deutlich von seinem gestrigen Tagestief (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart), wodurch die gestrigen Ereignisse im Kursverlauf kaum erkennbar sind.

Und solange der US-Aktienindex nicht aus seiner aktuellen Konsolidierungsformation nach unten ausbricht, bleibt das Chartbild bullish.
Gleiches gilt für den Nasdaq 100, wobei dieser etwas mehr Schwäche gezeigt hat. Denn der technologielastige Index war unter seinen gleitenden 50-Tage-Durchschnitt gefallen, der sich anschließend von einer Unterstützung in einen Widerstand verwandelte (siehe roter Pfeil im folgenden Chart). Zugleich wurde die Folge höherer Tiefs gebrochen, während tiefere Hochs vorliegen.

Doch auch der Nasdaq 100 konnte sich von seinem gestrigen Tagestief deutlich erholen und die Durchschnittslinie bereits im Future-Handel der vergangenen Nacht wieder zurückerobern.
KI-Aktien als alternativer sicherer Hafen
Woran liegt das? Natürlich wieder an den heißgeliebten KI-Aktien. Wenn NVIDIA & Co. an einem solchen Tag um +5 % und mehr zulegen, kann es nicht zu größeren Korrekturen am US-Aktienmarkt kommen. Heute steigt Intel übrigens um +10 %, Micron ebenso, AMD um mehr als 8 %.
Im „DAX Trading-Room“ von stock3 hatte ich dazu bereits geschrieben, dass die Rotation der vorangegangenen Tage – raus aus teuren und charttechnisch massiv überkauften US-Technologieaktien, rein in defensive Werte – bereits wieder zurückgeschraubt zu werden scheint. Das Wiederaufflammen des Iran-Kriegs mit seinen steigenden Ölpreisen dürfte dafür verantwortlich sein. Denn KI-Aktien haben derzeit den Charakter eines sicheren Hafens, wie ihn früher Gold innehatte.
Das bedeutet allerdings auch: Sollte es schnell wieder Signale der Entspannung geben – zum Beispiel durch „TACO-Trump“ – kann sich das sehr schnell wieder ändern. Man muss also derzeit wieder verstärkt mit plötzlichen Richtungswechseln und starken Kursausschlägen rechnen!
Steigende Zinserwartungen belasten Gold und Silber
Apropos Gold als sicherer Hafen: Es bleibt noch kurz zu erwähnen, dass die aktuellen Ereignisse natürlich auch wieder die Sorgen vor einer steigenden Inflation und somit vor steigenden (Leit-)Zinsen geschürt haben. Entsprechend stiegen die Renditen am Anleihemarkt.

Das ließ die Preise der Edelmetalle Gold und Silber purzeln, die eigentlich als Kriseninvestments gelten, jedoch von steigenden Anleiherenditen belastet werden.

Fazit
Die gestrige Ankündigung von US-Präsident Donald Trump war eine kleine Schocknachricht. Doch es scheint derzeit, als müsse man diese nicht überbewerten. Man sollte die weitere Entwicklung mit Ruhe abwarten.
Der Markt muss die neuesten Ereignisse in Sachen Iran-Krieg erst einmal verarbeiten. Und diese Ereignisse könnten sich in den nächsten Stunden oder Tagen noch überschlagen – in beide Richtungen.
Meint es Trump ernst? Kommt es wieder zu einer Eskalation (was ich derzeit für weniger wahrscheinlich halte)? Oder sind es wieder nur Drohungen, um die womöglich stockenden Verhandlungen zwischen den USA und Iran in Gang zu bringen (was ich für wahrscheinlicher halte)? Wann kommt es zum nächsten TACO-Trade?
Diese Fragen kann derzeit niemand eindeutig beantworten. Warum also nicht erst einmal eine mögliche (Kurs-)Beruhigung in den nächsten Tagen abwarten?!
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
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