Börse-Intern
Ihr täglicher und kostenloser Börsen-Newsletter mit den besten Prognosen für die Aktienmärkte
Für Freunde, Feinde und völlig Fremde
Ausgabe vom 29.06.2026
Für Freunde, Feinde und völlig Fremde
von Torsten Ewert
Liebe Leserinnen und Leser,
aus gegebenem Anlass werde ich heute gegen eine meiner ehernen Regeln verstoßen: Bisher habe ich hier nie einen Beitrag aus meinem Geldanlage-Brief geteilt, der „frisch“ in einer Monatsausgabe erschienen ist. Der folgende stammt dagegen aus der jüngsten Ausgabe vom Freitag.
Was ist dieser besondere Anlass? Ich werde meine Arbeit für Stockstreet Ende Juni, also morgen, beenden, da ich die wohl einmalige Möglichkeit habe, meine Erfahrungen, Kenntnisse und Ideen außerhalb des Rahmens eines Börsenbriefes einzubringen. Der Börse werde ich also erhalten bleiben, aber quasi die Seiten wechseln.
Weil ich daher keine Gelegenheit mehr haben werde, an dieser Stelle meine Gedanken mit Ihnen zu teilen, heute also diese Ausnahme, die damit folglich tatsächlich einmalig bleiben wird.
Diesen Artikel lasse ich Ihnen auch mit Blick auf die Börse-Intern vom Freitag zukommen. Darin ging es ja unter anderem um sichere und unsichere Zeiten und wie falsch wir die jeweilige aktuelle Lage oft bewerten – sowohl zu positiv als auch zu negativ. Heute will ich Ihnen mein „Geheimnis“ verraten, wie es mir gelang und gelingt, dies zu vermeiden.
Ich bin überzeugt, dass die Leserinnen und Leserinnen des Geldanlage-Briefs, die den Artikel schon seit Freitag kennen, mir diesen „Geheimnisverrat“ verzeihen werden. Denn wie Sie sehen werden, ist es nicht mit einem Fingerschnipp getan, dieses Geheimnis umzusetzen.
Aber es lohnt sich, es immer wieder zu versuchen und daran zu arbeiten, um an der Börse (mehr) Erfolg zu haben.
Wenn Sie diese und andere Erkenntnisse Ihrer Börse-Intern für wertvoll halten, dann teilen Sie sie doch mit so vielen anderen Börsianerinnen und Börsianern (und solchen, die es werden wollen oder sollen!), wie Sie erreichen können! Getreu dem Motto eines hochgeschätzten Kollegen, der seinen Beiträgen stets den Vorspann voranstellt:
„Falls Ihnen dieser Beitrag gefällt, dann teilen Sie ihn
mit Freunden, Feinden und völlig Fremden!“
– und natürlich zusätzlich den Link zur Anmeldung für seinen Newsletter mit angibt. Den Link zur Anmeldung für die Börse-Intern finden Sie hier.
Vielen Dank!
Ihr Torsten Ewert
PS: Falls Sie meinen, dass der folgende Artikel Sie nicht betrifft oder Sie gerade nicht interessiert, weil er nichts mit der aktuellen Börsenlage zu tun hat, sollten Sie ihn unbedingt mit sich selbst teilen und erst recht aufbewahren. Eines Tages werden Sie erkennen, wie relevant er ist. (Auch bei mir hat es lange gedauert, obwohl ich beizeiten darauf hingewiesen wurde.)
PPS: Meine Börsenbriefe, Geldanlage-Brief und Aktien-Perlen, habe ich inzwischen an zwei sehr fähige und vor allem erfahrene Nachfolger übergeben. Sie stehen zum einen für Kontinuität, werden aber zum anderen mit Sicherheit und mit der Zeit manches Neue einführen. Falls ich Sie also nie von mir und meiner Börsenphilosophie überzeugen konnte, haben Sie nun die gute Gelegenheit für einen neuen Versuch! Und wer weiß, vielleicht gibt es ja von Stockstreet noch ein Sonderangebot aus Anlass dieses Wechsels…
PPPS: Wie es hier in der Börse-Intern ohne mich weitergeht, entnehmen Sie bitte der Kurzinformation nach dem folgenden Artikel.
Mein Apfelbäumchen-Mahnmal
von Torsten Ewert
Das ideale Motto für Börsianer ist ein Zitat, das (wohl zu Unrecht) Martin Luther zugeschrieben wird:
„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge,
würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“
Ich will Ihnen hier die Anekdote erzählen, wie es mir gelang, dieses Motto zu verinnerlichen.
Wie mir der Zufall bei einer wichtigen Sache half
Vor einiger Zeit stieß ich auf ein Büchlein, das unter dem Eindruck der Covid-Pandemie von zwei Hochkarätern aus Ökonomie und Management geschrieben wurde. Trotz einer gewissen, oberflächlichen Wissenschaftlichkeit ist es eine erstaunlich wirre Mischung aus naiven Hoffnungen, idealistischen Träumereien und utopischem Wünsch-dir-was einerseits und düsteren Zukunftsszenarien, dystopischen Ängsten und verschwörerischem Geraune andererseits. (Und weil das Buch bzw. die Ansichten darin wohl selbst zur Quelle kruder Verschwörungstheorien wurden, nenne ich hier wieder Autoren noch Titel.)
Was die Autoren damit bezweckten, weiß ich bis heute nicht. Aber beim Lesen fiel mir auf, dass sie – Absicht oder nicht – erstaunlich präzise und aus meiner Sicht fast vollständig alle Ansichten zusammengetragen haben, die während der Covid-Pandemie kursierten: Egal, ob anhaltende Wirtschaftskrise, Zusammenbruch des Finanzsystems oder durch das Virus entvölkerte und rechtsfreie Landstriche bzw. einen Staat, der die Corona-Regeln nutzt, um sich zum Totalüberwacher aufzuschwingen – es fand alles seinen Platz.
Aber es gab genauso Positiv-Wünschenswertes: Dass die Menschheit durch die Erfahrung der Pandemie zusammenrückt, solidarischer wird, auch in anderen Belangen (z.B. Klimawandel) „der Wissenschaft folgt“, die Wirtschaft gerechter, sozialer, nachhaltiger gestaltet usw. Wie gesagt – es war für alle was dabei…
Warum wir als Börsianer nicht Probleme, sondern Lösungen erwarten sollten
Aber nicht nur das. Mir fiel auf, dass keine der Thesen und Szenarien der Autoren eingetreten ist – weder im Positiven noch im Negativen. Vor allem letzteres öffnete mir dann die Augen: Wir sehen im Angesicht von Krisen immer zu schwarz. Menschen überbewerten das Naheliegende – in Krisen also Negatives – und unterschätzen das später Kommende, also das Positive, die Lösung. In der Krise erkennen wir die Probleme deutlich. Sie erscheinen riesengroß oder sogar unlösbar – sonst wäre es schließlich keine Krise!
Wir vergessen dabei aber schnell, dass es Lösungen gibt – und Menschen, die mit Hochdruck daran arbeiten, auch wenn wir sie nicht sehen und von ihrer Arbeit nichts merken. Die Lösungen mögen nicht perfekt sein. Vielleicht lösen sie das Problem auch nicht endgültig. Aber auch eine schlechte oder vorläufige Lösung dreht die Stimmung wieder, weil man sieht, es geht was!
Und dieser positive Stimmungsumschwung ist für uns an der Börse entscheidend. Dort kommt er noch früher, weil er vorweggenommen wird! Und weil er so früh kommt, trauen wir ihm nicht, wenn wir im Negativen verharren und Probleme wälzen, statt auf Lösungen zu vertrauen (oder selbst daran zu arbeiten). Wir argwöhnen, dass dies der letzte Hoffnungsschub vor dem endgültigen Zusammenbruch ist. Dadurch übersehen wir die positiven Signale (im Leben wie an der Börse) und verpassen vieles.
Mein ganz besonderer Aha-Effekt
Dieses merkwürdige Covid-Pamphlet hat mir diese Erkenntnis so plastisch verdeutlicht, wie es die bloße Kenntnis des Apfelbäumchen-Zitats nie geschafft hat. Obwohl ich auch vorher um diese Zusammenhänge wusste, gelang es mir zuvor oft nur mühsam und spät, mich aus der negativen Nachrichtenspirale und meiner eigenen Negativstimmung wieder heraus zu wühlen. Da half es auch wenig, das Zitat hervorzukramen.
Der Punkt ist, dass wir vergessen, wie mies unsere Stimmung im Krisenfall war. Im Rückblick verklären wir vieles – schlimmstenfalls so weit, dass wir glauben, wir hätten es vorher schon besser gewusst. Das ist natürlich eine Illusion, aber die lässt uns beim nächsten Mal wieder in die Falle laufen: Damals ist ja nochmal alles gut geworden, aber diesmal …
Das Büchlein ist für mich die unbestechliche Dokumentation für all die Negativ- (und Traum-)Szenarien, die während der Pandemie kursierten. Und denen auch ich zum Teil anhing – wie gesagt, jeder kann sich darin wiederfinden. Das Büchlein löste daher einen Aha-Effekt bei mir aus, der irgendwas in meinem Kopf anders verdrahtete: Was ich vorher nur „irgendwie“ theoretisch wusste, aber offenbar immer noch nicht so recht wahrhaben wollte, hat sich nun verinnerlicht. (Vielleicht beruht auf solchen Effekten auch der religiöse oder ideologische Glaube, aber das ist ein anderes Thema.)
Ein Ehrenplatz für ein merkwürdiges Büchlein
Jedenfalls hat es an dieser Stelle bei mir „Klick“ gemacht, und der Umgang mit Krisen und Katastrophen fällt mir deutlich leichter (wenn er auch immer noch nicht perfekt ist). Daher hat dieses Büchlein trotz seiner unbestreitbaren Zweifelhaftigkeit bei mir einen Ehrenplatz. Es erinnert mich daran, in den dunkelsten (Börsen-) Tagen daran zu denken, „das Apfelbäumchen zu pflanzen“, also nach Chancen an den Märkten zu suchen und auf Umkehrsignale zu achten – und beides ernst zu nehmen. (Meist reicht es, einen Blick auf das Buch zu werfen. Notfalls blättere ich auch ein wenig darin und denke dann: Ach ja …)
Ich nenne es daher mein Apfelbäumchen-Mahnmal.
Finden Sie Ihr eigenes Apfelbäumchen-Mahnmal!
Es hilft mir auch, den Krisen und Problemen (relativ) gelassen entgegen zu blicken, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten an den Börsen und in der Welt unvermeidlich auftreten werden. Sicher, dabei helfen mir auch Erfahrungen aus Crashs und Krisen zurück bis 1987, als ich angesichts des damaligen Einbruchs begann, mich für die Börse zu interessieren. Solche Erfahrungen haben Jüngere nicht.
Doch wir alle können versuchen, unser eigenes Apfelbäumchen-Mahnmal zu finden. Ich weiß, das kann ein längerer, frustrierender Prozess sein. Aber unser Unterbewusstsein hilft uns: Wenn Sie dann irgendwann auf Ihr Apfelbäumchen-Mahnmal stoßen, macht es vielleicht – wie bei mir – „Klick“.
Dafür – und für alles andere im Leben und an der Börse – wünsche ich Ihnen stets das Allerbeste. Machen Sie’s gut – bei Ihrer Geldanlage!
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Torsten Ewert
Information
von Stockstreet-Team
Liebe Leserinnen und Leser,
bei der Börse-Intern gibt es einige Veränderungen, über die wir Sie kurz informieren möchten.
Torsten Ewert wird den Newsletter künftig nicht mehr verfassen. Wir danken ihm herzlich für seine Arbeit und die vielen fundierten Ausgaben der vergangenen Jahre. Es übernehmen verschiedene Experten aus der stock3-Redaktion, sodass Sie weiterhin wie gewohnt Einschätzungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln erhalten.
Gleichzeitig stellen wir die Erscheinungsweise um: Die Börse-Intern erreicht Sie ab sofort an vier Tagen pro Woche. Wir konzentrieren uns dabei auf die Themen mit dem größten Mehrwert für Ihre Anlageentscheidungen.
Sven Weisenhaus bleibt Ihnen als Autor erhalten.
Viele Grüße
Ihre stock3 Redaktion
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