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Die „Trumpisierung“ der Fed +++ Was entscheidend an der Börse ist
Ausgabe vom 30.07.2026
Die „Trumpisierung“ der Fed
von Sven Weisenhaus
Zwischen den Worten des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh und den Taten der US-Notenbank (Fed) liegen Welten. Bei der Pressekonferenz betonte Warsh erneut, dass er bzw. die Fed das Ziel einer Inflation von 2 % erreichen wolle. Doch es mangelt an konkreten Maßnahmen gegen die seit mehr als 5 Jahren über dem Ziel liegende Teuerung. Das Zentralbank-Komitee hatte nämlich kurz zuvor beschlossen, den Leitzins unverändert zu belassen und das Inflationsproblem somit nicht aktiv anzugehen.
Wann und wie wird die Fed handeln?
Immerhin: Die aktuelle Zinsentscheidung fiel mit 9 zu 3 Stimmen. Dabei sprachen sich 3 FOMC-Mitglieder (sinnvollerweise) für eine Zinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte aus. Bei Kevin Warsh gewann man hingegen den Eindruck, dass er Leitzinsanhebungen unbedingt vermeiden will, um dem Wunsch des US-Präsidenten Donald Trump nach sinkenden Leitzinsen möglichst nachzukommen. Von Warsh gab es daher lediglich Beteuerungen, dass man angeblich handeln wolle und werde. Doch blieb die Frage offen, wann und wie.
Immer wieder war von Warsh lediglich zu hören, die Fed untersuche die eingehenden Daten und versuche, diese zu verstehen. Dadurch kam unweigerlich die Frage auf, wann diese Untersuchung endlich zu einem Ergebnis komme. Genau diese Frage richtete während der Pressekonferenz ein Reporter von Bloomberg direkt an den Fed-Chef. Doch Warsh antwortete (wieder) nur, man habe in den letzten Tagen und Wochen „eine unverhältnismäßig große Menge an Zeit damit verbracht“, die Geldpolitikstrategie zu überprüfen, die Werkzeuge der Notenbank zu bewerten „und intensiv darüber nachzudenken“. Anschließend kam von Warsh nur nutzloses Geschwafel.
Das gilt auch für die erneute Nachfrage einer Reuters-Reporterin. Sie brachte es auf den Punkt: Warsh habe wiederholt gesagt, dass er keine Toleranz gegenüber Inflation habe. Und doch sehe man seit 5 Jahren und auch während seiner (zugegeben noch kurzen) Amtszeit immer wieder eine Inflation über dem Zielwert. Dennoch habe er bislang nicht gehandelt. Aber auch auf diesen Vorwurf kam von Warsh nichts Konkretes und nichts Verwertbares.
Mit der Art von Donald Trump
Offenbar soll nach Warshs Ansicht der Markt die Sache regeln, ohne Zutun der Fed. Wie das funktionieren soll, ist unklar. Erklärungen dazu lieferte er nicht. Stattdessen erinnerte er ein wenig an Donald Trump: Alles wurde überschwänglich schöngeredet, obwohl sich die tatsächliche Situation als problematisch darstellt.

Zudem gewann man den Eindruck, dass sich die Notenbank mit ihrem neuen Chef zerstreiten könnte. Warsh sprach von einem „Familienstreit“, was aber womöglich untertrieben ist.
Die Börse fällt ein klares Urteil
Jedenfalls gab der Fed-Chef aus meiner Sicht ein ziemlich schwaches Bild ab. Die Fed scheint unter ihm wenig zu tun, um die hohe Inflation zu bekämpfen. Der Markt hat gestern ein klares Urteil gefällt: Die Anleiherenditen zogen kräftig an und die Aktienkurse brachen am Ende der Pressekonferenz ein.
Oder liegt Warsh doch richtig?
Trotzdem könnte man allerdings auch argumentieren, dass der Markt bereits zuvor auf die aktuellsten Wirtschaftsdaten reagiert hatte und die Zinsen schon gestiegen waren. Insofern wäre eine Leitzinsanhebung der Fed nicht notwendig. Ähnlich äußerte sich Kevin Warsh in den einleitenden Worten zur Pressekonferenz.
Wenn jedoch die Renditen am Anleihemarkt deutlich höher als der Leitzins der US-Notenbank sind, bedeutet dies, dass die US-Notenbank dem Markt hinterherhinkt und der Leitzins eigentlich höher sein müsste. Kevin Warsh hatte daher Probleme, diese Diskrepanz zu erklären und zu begründen, warum es gestern keine Leitzinsanhebung der Fed gab.
Die Antwort darauf lautet wahrscheinlich, dass Donald Trump keine Leitzinsanhebungen wünscht – im Gegenteil. Somit kann man bereits von einer „Trumpisierung“ der eigentlich unabhängigen US-Notenbank sprechen.
Das Problem dabei ist: Wenn die US-Notenbank die Inflation nicht aktiv bekämpft und „der Markt“ dadurch den Eindruck gewinnt, dass die Inflation zu hoch bleiben wird, steigen die Anleiherenditen. Denn Anleger verlangen einen Inflationsausgleich – und eine höhere Risikoprämie. Eine hohe Inflation dämpft schließlich einerseits tendenziell die Konsumlaune der Verbraucher und andererseits bremsen hohe Zinsen die Investitionen der Unternehmen. Beides kann die Wirtschaft abkühlen – mit all den daraus resultierenden negativen Konsequenzen (steigende Arbeitslosigkeit etc.).
Da steigende Renditen eine zunehmende Konkurrenz für den Aktienmarkt darstellen, verwundert der gestrige Abverkauf des Aktienmarktes ab dem Ende der Pressekonferenz nicht. Jetzt gilt es, genau zu beobachten, ob daraus ein nachhaltiger Abwärtstrend wird.
Waffenruhe im Iran-Krieg schon wieder gebrochen
von Sven Weisenhaus
Ebenso muss man die weitere Entwicklung im Iran-Krieg sehr genau beobachten. Im Stockstreet-Chartanalyse-Dienst „Target-Trend-Spezial“ sowie im „Elliott-Wellen-Trading“-Service von stock3 hatte ich den Lesern in den vergangenen Tagen geraten, mit erhöhter Vorsicht vorzugehen, da noch unklar ist, wie nachhaltig der jüngste Ausbruch des DAX ist. „Zumal es auch sehr schnell wieder negative Nachrichten zum Iran-Krieg geben kann“, so mein Hinweis zum Trading.
Inzwischen musste ich schreiben, dass sich diese Befürchtung bereits bewahrheitet hat. Denn die US-Armee hat eigenen Angaben zufolge wieder Ziele im Iran angegriffen. Es soll sich dabei um eine Vergeltung für iranische Angriffe auf im Nahen Osten stationierte US-Streitkräfte vom Dienstag gehandelt haben.
Sehr viel Unsicherheit im Markt
Es gibt also derzeit sehr viel Unsicherheit am Markt. Daher könnte es Sinn machen, sich bis zum Beginn der kommenden Woche zurückzuhalten. Heute gilt es erst einmal abzuwarten, wie DAX & Co., vor allem die US-Börsen, die Zinsentscheidung der Fed nachhaltig verarbeiten. Zudem veröffentlichen Amazon und Apple als Schwergewichte der Aktienmärkte heute nachbörslich auch noch Geschäftszahlen, die ebenfalls für Volatilität sorgen können. Und wer weiß, was im Iran-Krieg am Wochenende passiert, wenn man auf die Ereignisse in der handelsfreien Zeit nicht reagieren kann?!
Gewinnmitnahmen
Bei den Stockstreet-Börsenbriefen gab es vor diesem Hintergrund jüngst wieder Gewinnmitnahmen. Aus dem „Allstar-Trader“-Depot wurden vorgestern Aktien von IONOS mit einem Gewinn von +22 % und von Schaeffler mit +8,8 % verkauft. Wenig später wurden auch aus dem „Hightech-Trader“-Depot IONOS-Aktien mit einem Gewinn von +12,8 % und Anteile von Zalando mit +5,1 % verkauft.
Heute konnten sich die Leser von „Börse-Intern Premium“ zudem über einen Gewinn von +10,47 % mit einem Trade auf die Aktien von Carl Zeiss Meditec freuen.
Achtung, Saisonalität!
Vielleicht nehmen Sie nun auch einzelne Gewinne mit? Dies auch mit Blick auf die Saisonalität. Der Juli neigt sich zügig dem Ende zu. Mit dem August, September und Oktober stehen Börsenmonate bevor, in denen die Kurse an den Aktienmärkten gerne fallen.
Schauen Sie sich daher am besten die Stockstreet-Börsenbriefe an, falls noch nicht geschehen. Diese könnten Sie erfolgreich durch die ruppige Börsenzeit manövrieren.
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So entscheidend ist die Stimmung an der Börse
von Sven Weisenhaus
Im „DAX Trading-Room" von stock3 wurde wieder angeregt diskutiert. Dabei ging es um Konjunkturdaten und deren Wirkung auf die Börsenkurse. Ich hatte diesem Thema erst am Dienstag vergangener Woche eine Börse-Intern-Ausgabe gewidmet – siehe „Einfluss von ZEW-Index und Verfallstag auf den DAX“. Heute war das überraschende Wachstum der deutschen Wirtschaft der Anlass.
Deutsche Wirtschaft wächst stärker als erwartet
Denn die deutsche Wirtschaft ist im 2. Quartal 2026 um +0,2 % zum Vorquartal gewachsen. So meldet es zumindest das Statistische Bundesamt. Das BIP-Plus fiel demnach sogar etwas höher aus als erwartet (+0,1 %).

Vor diesem Hintergrund muss man sich wieder einmal Gedanken über die Qualität von Wirtschaftsdaten machen. Denn „weiche“ Indikatoren wie Umfragen (Einkaufsmanagerindex, ifo-Geschäftsklimaindex, ZEW-Konjunkturerwartungen usw.) deuteten eher auf eine Stagnation oder gar Schrumpfung der deutschen Wirtschaft hin.
Schwache Umfragedaten deuteten auf Stagnation bzw. Schrumpfung
Zur Erinnerung: Der ZEW-Index für die Konjunkturerwartungen lag für die deutsche Wirtschaft in allen 3 Monaten des 2. Quartals 2026 im negativen Bereich, wie die folgende Grafik aus der oben erwähnten Börse-Intern-Ausgabe noch einmal zeigt:

Ähnliches gilt für den von S&P Global ermittelten Einkaufsmanagerindex (PMI). Der vielbeachtete Frühindikator für die gesamte deutsche Wirtschaft (Gesamt-PMI) lag in den Monaten April, Mai und Juni unter der Schwelle von 50 Punkten, die Wachstum von Kontraktion unterscheidet.

Auch der ifo-Geschäftsklimaindex befand sich in diesem Zeitraum auf einem sehr niedrigen Niveau, wenn auch mit steigender Tendenz.

Sind die Umfrageergebnisse also unzutreffend? Oder überschätzt das Statistischen Bundesamt die Wirtschaftsleistung? Vielleicht passen die Daten nach einer möglichen Revision besser zusammen.
Jedenfalls sollten sämtliche Konjunkturdaten stets mit Vorsicht genossen werden, wenn man sie heranziehen will, um daraus Prognosen für die Börsenkurse abzuleiten. Zumal diese ohnehin meist wenig mit dem Kursverlauf der Aktienmärkte korrelieren.
Entscheidende Faktoren an der Börse
Grundsätzlich sind andere Faktoren viel entscheidender für die Kursentwicklung. Im „DAX Trading-Room“ wurden die folgenden genannt:
- Quartalszahlen
- Zinsen
- Liquidität
- Stimmung
Mein Kommentar dazu:
Kurzfristig ist allein die Stimmung entscheidend
Ich würde die Auflistung anders sortieren.
Platz 1: mit weitem Abstand die Stimmung
Platz 2: Liquidität
...und dann kommt lange nichts.
Zinsen? Die Reaktion auf Zinsentscheidungen der Notenbanken hängt auch (vor allem) von der Stimmung der Anleger ab. Sind Zinsanhebungen pauschal schlecht für die Börse? Nein. Sind es Zinssenkungen? Nein. [Ich hatte u. a. bereits am 27.03.2024 darüber berichtet – siehe „Wie hängen Leitzinsen und Aktienkurse zusammen?“.]
Ähnliches gilt für Quartalszahlen. Beispiel:
Wie war die Reaktion auf die Quartalszahlen der „Magnificent 7“ vor einigen Monaten? = Kursexplosionen!
Wie ist die Reaktion trotz weiterhin extrem guter Zahlen derzeit? = Gewinnmitnahmen oder gar Kurseinbrüche.
Und: Viele Aktien liegen trotz kontinuierlich überzeugender Quartalszahlen monate- oder gar jahrelang am Boden oder wie Blei im Depot – weil lange Zeit nur Technologieaktien gefragt waren.
Fazit
Es kommt immer und fast einzig und allein darauf an, welche Sau gerade durchs Dorf gejagt wird (= Stimmung) – also wo das Kapital hinfließt oder wo es entzogen wird (= Liquidität).
(Ausnahmen bestätigen die Regel.)
Das sollten Sie unbedingt beachten! Stimmen Sie zu? Sind Sie anderer Meinung? Diskutieren Sie gerne mit – vor allem, wenn Sie sich auch für schnelles Intraday-Trading interessieren. Melden Sie sich JETZT HIER an und genießen Sie neben dem Zugang zum „DAX Trading-Room“ viele weitere Vorteile von „stock3 Ultimate“!
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
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