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DAX: Bullenfalle trotz Iran-Meldungen ohne bearishe Wirkung

Ausgabe vom 14.07.2026

DAX: Bullenfalle trotz Iran-Meldungen ohne bearishe Wirkung

von Sven Weisenhaus

Die Aktienmärkte konnten sich heute über einen deutlichen Rückgang der Inflation in den USA freuen. Im Juni sind die Verbraucherpreise um -0,4 % gegenüber dem Vormonat gesunken (Konsensprognose: -0,1 %). Dies ist auf deutlich niedrigere Energie- bzw. Benzinpreise (-9,7 %) zurückzuführen, die eine zwischenzeitliche Entspannung im Iran-Krieg mit sich brachte. In der Kernrate, bei der die volatilen Energiepreise (und Nahrungsmittelpreise) ausgeklammert werden, blieben die Kosten für die Verbraucher hingegen unverändert (+0,0 %, erwartet wurden +0,2 %).

US-Inflation im Juni überraschend stark gesunken

Dennoch gab auch die jährliche Kernrate im Juni überraschend deutlich nach – von +2,9 % im Mai auf nun noch +2,6 %. Die Erwartungen lagen im Durchschnitt bei +2,8 %.

Inflation der USA im Juni 2026 deutlich rückläufig

Insgesamt stiegen die Preise für die US-Konsumenten im Juni um +3,5 % im Vergleich zum Vorjahr. Im Mai waren es noch deutlich höhere +4,2 %. Experten waren mehrheitlich von einem Rückgang auf +3,8 % ausgegangen.

Verzichtet die US-Notenbank nun auf Zinsanhebungen?

Fed-Chef Kevin Warsh hat nun gute Argumente, zunächst gegen eine Erhöhung des Leitzinses der US-Notenbank (Fed) zu stimmen. Das dürfte US-Präsident Donald Trump gefallen, der Warsh unter der Prämisse ins Amt verholfen hatte, dass die US-Notenbank unter dem neuen Chef die Zinsen möglichst weit nach unten schraubt.

Trump will Straße von Hormus „übernehmen“

Allerdings macht es Trump der Zentralbank nicht gerade leicht, diesem Wunsch nachzukommen. Denn gerade erst sind die Ölpreise wieder explodiert, weil der Iran-Krieg neu aufgeflammt ist (siehe auch „Eskaliert der Iran-Krieg wieder? Ruhe bewahren!“). Vor allem nach Trumps Ankündigung von gestern, die Blockade gegen Schiffe wiederaufzunehmen, die iranische Häfen ansteuern oder von diesen abfahren, sind die Ölpreise wieder kräftig gestiegen.

Es folgte die Meldung, die USA würden nach den Worten Trumps die Straße von Hormus „übernehmen“. Alle Kosten, die für die militärische Absicherung entstehen, wollen sich die USA erstatten lassen – und zwar mit einem Satz von 20 % auf alle verschifften Ladungen. Die Umsetzung soll unverzüglich beginnen, so Trump. Auch dies trug zum erneuten starken Anstieg der Ölpreise bei.

Zumal ein Sprecher des iranischen Militärkommandos in einem Video erwiderte, Teheran werde ein Eingreifen der USA in der strategisch wichtigen Meerenge „unter keinen Umständen zulassen“. Jede Zusammenarbeit der Golfstaaten mit Washington werde zudem als „Kriegshandlung“ betrachtet.

Mögliche Auswirkungen

Sollte die wichtige Transportroute nun wieder für längere Zeit umkämpft und somit geschlossen bleiben, käme dies zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Denn die gesamten US-Rohölvorräte beliefen sich laut der ING Bank am 3. Juli auf nur noch 730,8 Millionen Barrel – das ist der niedrigste Stand seit 1984. Es stellt sich daher die Frage, wie lange ein Angebotsengpass noch durch Vorräte ausgeglichen werden kann.

Zwar hatte die Europäische Zentralbank (EZB) erst kürzlich darauf hingewiesen, dass die Wirtschaft längst nicht mehr so abhängig von Öl ist wie noch Anfang der 1990er Jahre, …

Die Abhängigkeit der Wirtschaft vom Öl hat seit 1990 deutlich nachgelassen

…doch würde das BIP-Wachstum im Euro-Währungsgebiet in den ersten 3 Jahren nach einem geopolitischen Angebotsschock, der den Ölpreis um 10 % erhöht, um etwa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte niedriger ausfallen.

Laut Schätzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) kann ein Ölpreisanstieg um 10 % das BIP-Wachstum um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte belasten

Und der Preis der Nordsee-Sorte Brent ist zum Beispiel seit dem jüngsten Tief vom Monatsbeginn bereits wieder um bis zu einem Viertel (+25 %) gestiegen.

Der Ölpreis der Sorte Brent ist erneut um +25 % stark gestiegen

Dabei gilt es allerdings nach wie vor zu beachten, dass Ölpreise von ca. 80 USD je Barrel noch kein großes Problem für die Wirtschaft darstellen. Das ist erst jenseits von 100 USD der Fall. Und auch nur, wenn derartig hohe Ölpreise von Dauer sind.

DAX: Bullenfalle ohne bearishe Wirkung

So erklärt es sich vielleicht auch, dass der DAX trotz der jüngsten Iran-Meldungen stabil in einem engen Kursbereich um die psychologisch wichtige Marke von runden 25.000 Punkten seitwärts pendelt und die vorangegangene Bullenfalle (roter Bogen im folgenden Chart) somit bislang keine bearishe Wirkung entfaltet.

Der DAX hat sich nach einer Bullenfalls stabilisiert

Kann der DAX sogar wieder aus der alten Unsicherheitsformation nach oben ausbrechen (dicke blaue Linien) und sich aufmachen, die Abwärtslücke vom vergangenen Mittwoch zu schließen, verliert die Bullenfalle an Relevanz.

Fällt der deutsche Leitindex hingegen unter das heutige Tagestief oder gar das Tief vom Mittwoch, stellt sich die aktuelle Seitwärtskonsolidierung als Bärenflagge dar. Dann müsste man mit einer zweiten Abwärtswelle rechnen, die das Ausmaß der ersten erreichen oder sogar übertreffen könnte.


Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr 
Sven Weisenhaus 
www.stockstreet.de

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