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Neues zum großen Juni-Verfallstag im DAX

Ausgabe vom 15.06.2026

Neues zum großen Juni-Verfallstag im DAX

von Torsten Ewert

Am Freitag stichelte ich noch, ob es trotz fast 40 früherer (und verfrühter) Ankündigungen zu einem USA-Iran-Abkommen aus dem Weißen Haus nun endlich doch dazu kommt. Jetzt ist es da!

Ist das US-Iran-Abkommen nun „vollständig“ oder vorläufig?

Oder doch nicht? Ich bekenne: Wieder einmal werde ich aus den diversen Meldungen dazu nicht so recht schlau. Ok, beide Seiten und – was neu ist! – auch Vermittler Pakistan haben erklärt, dass man sich auf den Text für ein Friedensabkommen geeinigt hätte.

Aus den USA tönt gewohnt vollmundig, dass die Einigung mit Iran „jetzt vollständig“ sei. Nun ja.

Iran kündigt zwar „ein sofortiges und dauerhaftes Ende des Krieges und der Militäreinsätze an verschiedenen Fronten […] an.“ Ausdrücklich gelte das aber auch für Libanon, also die Angriffe Israels, die der Hisbollah gelten. Innerhalb von 30 Tagen sollen die US-Seeblockade gegen Iran aufgehoben und die Straße von Hormus durch Iran freigegeben werden.

Klingt erfreulich, aber unterzeichnet ist diese Vereinbarung wohl noch nicht. Das soll erst am Freitag geschehen. Auch der vollständige Text dieses Vorab-Abkommens wurde bisher nicht veröffentlicht. Denn „ein endgültiges Abkommen“ soll dem Vernehmen nach erst innerhalb der folgenden 60 Tage ausgehandelt werden – mit Konzentration „auf Nuklearfragen sowie die vollständige Aufhebung der Sanktionen“ gegen Iran.

Konfliktstoff ist weiter garantiert

Man darf gespannt sein, ob und wie das gelingt. Schließlich haben die ursprünglichen Verhandlungen zu Irans Atomprogramm wie viele Jahre gedauert?

Und Israel hat inzwischen demonstrativ neue Angriffe in Libanon gestartet, nachdem die Einigung bekannt war. Darüber hinaus hat Israels Außenminister erklärt, dass man sich nicht aus dem Libanon zurückziehen wird. In den USA könnte man sich brüskiert fühlen...

Zudem haben sowohl die USA als auch Iran mit neuen Militärschlägen gedroht, wenn die bisherigen Vereinbarungen nicht eingehalten bzw. die angestrebten nicht erreicht werden. Aus iranischer Sicht betrifft das vor allem das Ende der Kämpfe in Libanon, aus US-Sicht das noch offene Atom-Abkommen. Konfliktstoff birgt auch die Freigabe bisher eingefrorenen iranischen Auslandskapitals sowie die vollständige Aufhebung der Sanktionen gegen sich, die Iran fordert.

Mal rational gedacht

Wie gesagt, ich werde nicht schlau daraus, was nun das Ergebnis ist: Für mich sieht es so aus wie eine Absichtserklärung über den kleinsten gemeinsamen Nenner (keine Kämpfe, keine Blockaden mehr), die man demnächst unterzeichnen möchte, um sich danach – vielleicht – den Verhandlungen der wirklich wichtigen Dinge zuzuwenden.

Aber vielleicht lässt man die Folgeverhandlungen auch im Sand verlaufen. Wenn die Kämpfe erst einmal vorbei sind, der Schiffsverkehr wieder ohne Probleme läuft und Iran womöglich sogar auch wieder offiziell Öl verkaufen kann, könnten alle halbwegs gesichtswahrend aus der Nummer herauskommen und dann wenig Interesse haben, das alles noch mal aufzukochen – um im schlimmsten Fall wieder ganz von vorn anzufangen. Schließlich gab es ja schon mal ein Atom-Abkommen mit Iran…

Aber vermutlich ist das wieder zu rational gedacht.

Ein unerwarteter Profiteur

Wie auch immer – die Märkte feiern dieses Ereignis: mit steigenden Kursen bei Aktien und fallenden beim Rohöl. Für manche vielleicht unerwartet zieht auch der Goldpreis kräftig nach oben – obwohl doch die „Einigung“ eine geopolitische Entspannung andeutet, also Krisengefahren verringert. Das ist doch eher schlecht für den Krisenprofiteur Gold, oder?

Na ja, aber weil die erwartete Entspannung bei Energierohstoffen die Inflationsgefahren mindert und damit auch die Wahrscheinlichkeit steigender Leitzinsen bzw. Anleiherenditen, könnten letztere nun wieder sinken. Das macht Edelmetalle wieder attraktiver. (Zudem sind die geopolitischen Spannungen mit dieser „Einigung“ keineswegs beseitigt, wie man sieht.)

Und so ist es vielleicht eine gute Idee, die Abschläge beim Gold nach dem Allzeithoch im Januar und die aktuelle charttechnische Umkehr kurz vor der runden 4.000-USD-Marke zum Einstieg zu nutzen, falls man sich ohnehin mit diesem Gedanken trägt:

20260615a_Gold-Tageschart seit 2026-01

Fed-Meeting: Die Chance auf ein Non-Event vor dem großen Verfallstag

Dem bevorstehenden großen Verfallstag können wir nun ebenfalls entspannter entgegensehen: Das Ergebnis des Fed-Meetings in dieser Woche dürfte unspektakulär werden, weil mit dem Iran-Krieg das größte (Inflations-)Problem zumindest formal erst einmal erledigt ist.

Und da der neue Fed-Chef Kevin Warsh von 2006 bis 2011 schon einmal Mitglied der Fed war, weiß er wie es dort läuft und (hoffentlich) auch, wie eine unspektakuläre Kommunikation bei Pressekonferenzen auszusehen hat. Im Idealfall wird also das bevorstehende Fed-Meeting, das bislang mit einiger Spannung erwartet wurde, letztlich ein Non-Event.

Der DAX in der Verfallstagswoche nun auf ruhiger Bahn?

Damit könnte auch der DAX in der Verfallstagswoche ruhig seine weitere Bahn ziehen. Das aktuelle Verfallstagsdiagramm macht ihm dabei jedenfalls keine Probleme, denn es ist im Vergleich zur Vorwoche weitgehend unverändert:

20260615b_DAX-Verfallstagsdiagramm 2026-06

Quellen: eigene Berechnungen mit Daten von infront

Neues zum großen Verfallstag, also neue Impulse für den DAX liefert die Verfallstagskonstellation also nicht: Danach sollte der DAX zum großen Verfallstag am Freitag zwischen 24.000 und 25.000 Punkten liegen, weil darunter und darüber die bearishen bzw. bullishen Bereiche dominieren, aus denen die Stillhalter den Kurs gern heraushalten würden. Passend dazu liegt das optimale Abrechnungsniveau für die Stillhalter gemäß Max-Pain-Kurve (siehe unterer Teil des Verfallstagsdiagramms) genau dazwischen bei 24.500 Punkten.

Diese Prognose hat gestimmt

In der Vorwoche lautete mein Fazit – auch aufgrund der vorangegangenen Volatilität im DAX –, dass wir „uns daher bis zum Verfallstag noch auf einiges Hin und Her gefasst machen“ sollten.

Diese Prognose hat jedenfalls gestimmt: Nach dem Scheitern bei 25.000 Punkten in der ersten Juni-Woche fiel der Kurs am vergangenen Montag bis an die Oberkante des gelben Rechtecks bei 24.500 Punkten zurück und scheiterte dann zweimal bei kurzen Gegenbewegungen an der Unterkante des grünen Trends bzw. des grauen Dreiecks (siehe rote Ellipse).

Dann tauchte er sogar in Richtung 24.000 Punkte ab – nur um sich Freitag und heute wieder bis über 25.000 Punkte aufzuschwingen:

20260615c_DAX-Tageschart seit 2025-12

Bisher funktioniert die „Verfallstagsmechanik“

Damit bietet immerhin der Kursverlauf einiges Neues für den DAX zum großen Verfallstag, denn charttechnisch richtet sich damit der Blick nun wieder nach oben. Doch inzwischen hat der Index das obere Ende seiner Zielspanne laut der Verfallstagsprognose bereits erreicht – und prompt deutet sich hier, also an der runden 25.000-Punkte-Marke sowie (abermals) der Unterkante von grünem Trend und grauem Dreieck (siehe roter Pfeil), erneut ein Abpraller nach unten an. Die „Verfallstagsmechanik“ funktioniert also!

Dies dürfte mit freundlicher Unterstützung der Stillhalter geschehen sein. Womit sich die Frage stellt, wer nun mehr Kraft hat: die Bullen, die nun wieder Morgenluft wittern, oder die Bären plus Stillhalter, die den Gegendruck aufrechterhalten müssen.

Klar ist, dass aus charttechnischer Sicht weiterhin eine Aufwärtstendenz seit Ende März besteht (höhere Hochs und Tiefs). Zudem kann man den Rücksetzer in der Vorwoche als Fehlausbruch an der blauen bzw. der gestrichelten schwarzen Linie ansehen (siehe grüner Pfeil).

Das neue, bullishe Szenario zum großen DAX-Verfallstag

Demnach wären zwei der verschiedenen möglichen Aufwärtstrends bestätigt worden, auf die ich in der Vorwoche verwies. Formal hat die Bewegung seit dem Jahrestief vom März zwar korrektiven Charakter (wegen der vielen Überschneidungen im Kursverlauf), aber wenn die „Einigung“ im Nahen Osten“ nun eine Aufwärtsdynamik auslösen würde, könnte sich das bullishe Szenario durchsetzen.

Und das auch schon bis zum Verfallstag. Womit dann die Bullen Unterstützung von den Stillhaltern erhielten, denn diese müssten bei weiter steigenden Kursen ihre Positionen mehr und mehr absichern, was die Kurse zusätzlich antreiben würde.

Wir sollten also ab jetzt mit der (neuen) Möglichkeit rechnen, dass der DAX in dieser Woche in Richtung Allzeithoch steigt – oder sogar schon nach oben ausbricht. (anderenfalls bleiben die Prognosen der Vorwoche zum Verfallstag unverändert.)

Mit besten Grüßen
Torsten Ewert

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