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Ins Sommerloch oder Ruhe vor dem Sturm?
Ausgabe vom 02.06.2026
Ins Sommerloch oder Ruhe vor dem Sturm?
von Sven Weisenhaus
Es scheint derzeit wenig zu geben, was die Börsen aktuell nachhaltig beeinflussen und vom eingeschlagenen Kurs abbringen könnte. Zwar reagierten die Aktienmärkte mit deutlichen Kursrücksetzern auf die Meldung, dass der Iran die Gespräche mit den USA aus Protest gegen Israels Vorgehen im Libanon aussetzt, doch waren diese Rücksetzer wieder einmal nur vorübergehend und für die Bullen die nächste Gelegenheit für ihr unerschütterliches „Buy the dip“-Verhalten. Besonders gefragt waren dabei wie üblich Technologieaktien.
Negative Iran-Meldungen weiterhin ohne nachhaltige Wirkung
Auch die Ölpreise egalisierten ihre erste Kursreaktion schnell wieder. Nach deutlich gestiegenen Notierungen bröckelten diese wieder ab und kehrten fast auf das Ausgangsniveau zurück, auf dem sie vor der Meldung standen. Für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) bedeutet dies, dass der Preis weiterhin an der unteren Linie der aktuellen Formation aus höheren Tiefs und tieferen Hochs notiert (dick grün im folgenden Chart).

An solche Preise haben sich die Aktienmärkte längst gewöhnt. Und sie können damit offensichtlich sehr gut leben.
Am Anleihemarkt zeigte man sich ebenfalls wenig beeindruckt. Die Renditen ließen sich bei weitem nicht mehr so stark von Zins(erhöhungs)spekulationen treiben, wie es noch Mitte Mai der Fall war. Im Gegenteil: Sie entfernten sich weiter von ihren jüngsten Hochs, wie zum Beispiel der Renditeverlauf der 10-jährigen US-Staatsanleihen zeigt:

Zugleich hält der Bund-Future sein zuletzt erreichtes Niveau und konsolidiert dort seit mehreren Tagen seitwärts.

Auch an den Edelmetall- sowie den Devisenmärkten laufen die Kurse seit einigen Tagen in relativ ruhigen und deutlich eingeengten Bahnen. Gold und Silber konsolidieren dabei ebenso seitwärts wie der EUR/USD.

Laut den Experten der Helaba müsste der Wechselkurs allerdings, gemessen an der Kaufkraftparität, deutlich höher stehen.

Grundsätzlich könnte sich der EUR/USD auch auf dem Weg dorthin befinden. Denn wie im Chartanalyse-Dienst „Target-Trend-Spezial“ schon wiederholt zu lesen war, spricht die Kursentwicklung übergeordnet für steigende Kurse, „da der bullishe Ausbruch aus der alten Seitwärtsrange unterhalb von rund 1,10 USD, die bis April 2025 galt, weiterhin intakt ist“.
Doch seit Anfang Juli 2025 hat sich schon wieder eine Seitwärtstendenz etabliert, die nun schlicht auf einem höheren Niveau stattfindet. Vielleicht arbeitet sich der EUR/USD treppenstufenartig in Richtung Kaufkraftparität. Aktuell gibt es allerdings keine Anzeichen, dass die Bullen den nächsten Schritt dahin gehen wollen.
Inflationsanstieg ändert nichts an den Zinserwartungen
Daran konnten auch die heutigen Inflationsdaten aus der Eurozone nichts ändern. Ein Anstieg der jährlichen Teuerung auf +3,2 % wurde mehrheitlich vom Markt erwartet.

Und so wurde auch lediglich die Erwartung bestätigt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte verkünden wird.
Wenn der EUR/USD allerdings aus seiner kurzfristigen Seitwärtskonsolidierung zwischen rund 1,16 und 1,17 USD nach oben ausbricht, könnte sich ein (längerfristiger) Long-Trade anbieten.
Bullen lassen sich nicht vertreiben
Auch der USD/JPY bewegt sich derzeit seelenruhig – und dabei wieder kontinuierlich auf das Niveau von rund 160 Yen zu, welches vor etwa 1 Monat erneute Devisenmarktinterventionen hervorgerufen hat (siehe roter Pfeil im folgenden Chart).

Am vergangenen Freitag veröffentlichte das japanische Finanzministerium Daten für den Zeitraum vom 28. April bis 27. Mai, die belegen, dass die Bank of Japan sogar die größte Intervention seit 2004 durchgeführt hat. Dabei wurden Devisen im Wert von 11,735 Billionen Yen (rund 74 Milliarden US-Dollar) verkauft.

Doch die Bullen lassen sich aus diesem Markt offensichtlich nicht vertreiben. Sie setzten womöglich auch darauf, dass der Spielraum für weitere Interventionen begrenzt ist. Denn eine IWF-Richtlinie sieht maximal 3 Interventionsphasen innerhalb eines rollierenden 6-Monatszeitraums vor, wobei jede Intervention höchstens 3 Werktage dauern darf, wenn ein Land den Status „frei schwankender“ Wechselkurse erhalten möchte, so die ING Bank.
Und die Berenberg Bank weist darauf hin, dass Japan vor diesem Hintergrund bis November nur noch zwei weitere 3-tägige Interventionsfenster bleiben, wenn das Land seine Einstufung eines frei schwankenden Wechselkurses behalten will.
Daher kann man durchaus erwarten, dass neuerliche Markteingriffe erst bei Erreichen eines neuen Trendhochs beim USD/JPY erfolgen. Der Markt dürfte dies austesten. Man könnte somit einerseits mit Long-Positionen auf einen weiter steigenden USD/JPY setzten, andererseits aber auch langsam wieder über Short-Positionen nachdenken, um bei erneuten Interventionen von fallenden Kursen zu profitieren.
Diese werden beim USD/JPY aber wohl frühestens nach der nächsten Zinssitzung der Bank of Japan kommen (16. Juni). Beschließt die japanische Zentralbank eine erneute Zinsanhebung, könnte dies den Yen auch ohne Interventionen stützen. Grundsätzlich spricht die Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan durch die stark gestiegenen Renditen in Japan sowieso bereits für ein Ende der Aufwärtsbewegung des USD/JPY, wie die folgende Grafik der Helaba zeigt.

Auch daher erscheinen Short-Trades attraktiv. Allerdings braucht es erst klare Signale für ein Ende des derzeit noch eindeutig herrschenden Aufwärtsdrangs, wenn man sich nicht auf erneute Interventionen verlassen will.
Märkte auf dem Weg ins Sommerloch?
Insgesamt lässt sich jedenfalls feststellen, dass es an den Märkten dieser Tage merklich ruhiger zugeht. Das gilt auch für die Aktienmärkte, auch wenn die Dynamik dort immer noch am höchsten ist.
Der S&P 500 kann heute den 9. Handelstag in Folge zulegen (insgesamt +3,92 %), was immer noch für einen extremen Aufwärtsdrang spricht. Zumal der Index zugleich auch 7 Wochengewinne in Folge verbuchen kann. Doch die jüngste Aufwärtsbewegung ist inzwischen weniger dynamisch als diejenige von Ende März bis Mitte Mai (+19 %).

Ähnliches gilt für den Nasdaq 100, bei dem die Aufwärtsdynamik immer noch wesentlich höher ist, aber zuletzt ebenfalls abgenommen hat. Der technologielastige US-Aktienindex kann im CFD-Handel heute den 10. Handelstag in Folge zulegen und dabei schon wieder ein Plus von in der Spitze mehr als +7 % erzielen.

Angesichts dieser nach wie vor extremen Kursentwicklung dürfte sehr spannend werden, wie die Aktienmärkte mit den anstehenden Börsengängen umgehen werden.
„Mega-IPO-Zyklus“
Neben SpaceX stehen OpenAI und Anthropic in den Startlöchern. Die DWS spricht von einem „Mega-IPO-Zyklus“ und schreibt dazu: „Schätzungen zufolge könnten SpaceX, OpenAI und Anthropic zusammen eine Bewertung von 3,75 Billionen US -Dollar erreichen. Zum Vergleich: Die 289 Börsengänge im Jahr 1999 brachten 24,7 Milliarden US-Dollar ein, was inflationsbereinigt etwa 50 Milliarden US-Dollar entspricht. Selbst unter Berücksichtigung des Nasdaq als Deflator wären 3,75 Billionen US-Dollar immer noch das 18-Fache des Gesamtwerts aller Börsengänge von 1999 zusammengenommen.“
Einige Experten sehen darin den nächsten Hinweis auf eine Übertreibung oder gar Blase. Andere ziehen derweil den Vergleich, wonach sich der Nasdaq seit der Veröffentlichung von ChatGPT am 30. November 2022 exakt so entwickelt hat wie in den 1990er Jahren nach dem Börsengang von Netscape am 19. Dezember 1994. Demnach hätten die Märkte erst jetzt das Niveau von 1998 erreicht. Bis zum Platzen der damaligen Dotcom-Blase stiegen die Kurse noch mehrere Monate weiter. Wiederholt sich die Geschichte?
Sommerloch oder Ruhe vor dem Sturm?
Es ist erstaunlich, wie wenig sich die Ölpreise von negativen Meldungen zum Iran-Krieg nach oben treiben lassen. Zumal Iran nicht nur die erneute vollständige Sperrung der Straße von Hormus verkündet hat, sondern mit verbündeten militanten Gruppen auch eine Blockade der Meerenge Bab al-Mandab vor der Küste des Jemen erreichen will, um Israel und dessen Unterstützer „zu bestrafen“, wie es vom Iran heißt.
Noch helfen Lagerbestände und die Freigabe von Reserven durch die Mitgliedsländer der IEA, die Ölpreise zu drücken. Doch die Lager leeren sich. Und je länger das Angebotsdefizit anhält, desto höher werden die Gefahren für erneut explodierende Ölpreise. Das wird an den Aktienmärkten nach wie vor nicht ausreichend eingepreist. Stattdessen hat sich der typische Gewöhnungseffekt eingestellt, der sich inzwischen auch auf anderen Märkten beobachten lässt (Devisen, Anleihen etc.).
Aber vielleicht ist das nur die Ruhe vor dem Sturm. Gewöhnlich steuern die Märkte in der aktuellen Jahreszeit auf ein Sommerloch zu, in dem die Volatilität gering ist. Doch dieses Jahr könnte es anders kommen, auch mit Blick auf den Börsengang von SpaceX und die nach wie vor extremen Kursentwicklungen am Aktienmarkt. Ob die Kurse weiter explodieren, sich im Sommerloch beruhigen und auf den erreichten Niveaus einpendeln oder es zu einer längst fälligen, größeren und scharfen Korrektur kommt, bleibt abzuwarten.
US-Aktien sind jedenfalls ein heißes Eisen – mir persönlich zu heiß. Und der DAX ist aktuell sehr sprung- und wechselhaft unterwegs. Er bietet daher auch kaum gute Tradingchancen. Alternativen könnten sich am Devisenmarkt bieten – wie oben beschrieben.
Gewinnmitnahmen
Bei den Stockstreet-Börsenbriefen gab es jüngst derweil wieder Gewinnmitnahmen. Aus dem Depot des „Allstar-Trader“ wurden gestern Aktien von Puma (Kauf: 21.04.2026) mit einem Gewinn von +10,86 % und ein Long-Zertifikat auf den MDAX (Kauf: 21.05.2026) mit einem Gewinn von +15,25 % verkauft.
Seit Jahresbeginn kommt das Allstar-Trader-Depot übrigens auf einen Zuwachs von +14,44 %. Beim „Hightech-Trader“, dem 2. Börsenbrief von Bernd Raschkowski, sind es sogar +19,00 %.
Beim Hightech-Trader-Depot haben dazu auch die Software-Aktien von SAP, Ionos, TeamViewer und Adobe beigetragen, die heute mit Gewinnen zwischen +6,35 % und +13,77 % verkauft wurden.
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Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
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