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Der DAX im Chart-Check
Ausgabe vom 03.06.2026
Der DAX im Chart-Check
von Torsten Ewert
Zunächst ein Hinweis: Am morgigen Donnerstag ist in einigen Bundesländern ein Feiertag (Fronleichnam). Daher gönnt sich auch der kostenlose Newsletter „Börse-Intern“ eine kleine Auszeit. Und diese verlängern wir am Freitag mit einem Brückentag. Die nächste Ausgabe erhalten Sie also am kommenden Montag, 08.06.2026.
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Die wilden Sprünge des DAX
Gestern ist Sven Weisenhaus sehr umfassend auf die verschiedenen Märkte eingegangen – von Rohöl, über Anleihen bis zu diversen Aktienindizes – und hat auch seine charttechnischen Einschätzungen dazu gegeben. Damit sind Sie für unsere kleine Pause (siehe oben) doch eigentlich ganz gut gerüstet, oder?
Na ja, aus deutscher Sicht fehlt noch unser heimischer DAX. Den hat Sven Weisenhaus etwas stiefmütterlich behandelt und lapidar mit „der DAX ist aktuell sehr sprung- und wechselhaft unterwegs“ abgetan.
Das kann man natürlich so sehen und machen. Aber diese Lücke gibt mir die Chance, mit einer Chartanalyse des DAX die Vorbereitung auf die Feiertagspause komplett zu machen.
Mit seiner kurzen Aussage zum DAX trifft Sven Weisenhaus in gewisser Weise voll ins Schwarze: Der DAX machte in jüngster Zeit tatsächlich einige wilde Sprünge – dazu später im dritten Chart mehr.
Die hohe Volatilität als „Beweis“
Hier erst einmal der „mathematische“ Beweis anhand der historischen Volatilität:

Diese – bezogen auf die vergangenen 22 Handelstage, also ca. einen Monat – ist seit Jahresbeginn tatsächlich kräftig gestiegen. Sicherlich wurde sie durch den Einbruch im März zusätzlich angetrieben, aber die vermeintliche Kursberuhigung, die im April einsetzte, blieb vorübergehend: Seit Mitte Mai ist die Volatilität wieder etwas gestiegen, sodass sie nach wie vor auf einem höheren Niveau liegt, als es in den vergangenen 2 Jahren zuvor erreicht wurde (abgesehen vom Einbruch im April 2025).
Das längerfristige Bild des DAX
Kurzfristig ist die Analyse tatsächlich etwas diffizil, daher zur Einordnung zunächst der Blick auf das längerfristige Bild:

Ende 2023 begann der DAX in einem neuen Aufwärtstrend zu steigen (gestrichelte schwarze Linien), aus dem er Anfang 2025 nach oben ausbrach – ein klar bullishes Signal! Der US-„Zollhammer“ ließ ihn im April 2025 zunächst wieder in den Kanal zurückstürzen, wobei er sogar kurzzeitig unter dessen Unterkante fiel (und sogar erst unterhalb der grünen Unterstützung knapp darunter zurück nach oben drehte).
Sehr schnell gelang ihm der erneute Ausbruch nach oben, verbunden mit neuen Hochs, bevor er in die bekannte Seitwärtsbewegung (gelbes Rechteck) einschwenkte, das ihn inzwischen seit mehr als einem Jahr immer wieder führt.
Bis Ende 2025 blieb der DAX relativ stabil in diesem Rechteck (abgesehen von einigen kurzzeitigen Ausbrüchen nach beiden Seiten, die aber in solchen Fällen völlig normal sind). Ab Anfang 2026 hält sich der DAX jedoch kaum noch an das Rechteck, obwohl er immer wieder dorthin zurückkehrt. Dafür scheint er wieder dem gestrichelten Trend folgen zu wollen (siehe Pfeile).
Das kurzfristige Bild des DAX
Mit diesem Bild im Hinterkopf richten wir nun unserem Blick auf den aktuellen Verlauf:

Wir sehen in diesem Chart sehr deutlich, wie der Kursverlauf des DAX seit Jahresbeginn regelrecht „zerklüftet“ wurde: Es gibt eine auffallend hohe Zahl großer, klar sichtbarer Kurslücken. Und schauen Sie sich allein das „Kurslückenmuster“ von Ende März/Anfang April an (grauer Bereich) – formal ist der Kursteil darunter eine Inselumkehr, aber diese ist normalerweise durch eine relativ gleichmäßige, durchgehende Lücke vom restlichen Kurs abgesetzt. Hier dagegen geht die „Lücke“ ein paar Mal um die Ecke…
Und auch im weiteren Verlauf sprang der Kurs oft wild hin und her und produzierte immer wieder Fehlausbrüche. Denen folgten zwar regelmäßig starke Ausschläge in die Gegenrichtung, aber diese waren ebenfalls nur von kurzer Dauer – und wurden meist zu neuen Fehlausbrüchen.
Eine neue Seitwärtsbewegung?
Am Ende haben wir ein Gesamtbild, das auf eine mögliche neue, größere Seitwärtsbewegung hinweist, die zwischen 25.500 und 22.000 Punkten verlaufen könnte. Allerdings ist bestenfalls die Oberkante dieser Spanne halbwegs definiert – dort gibt es immerhin schon drei Hochs (inklusive des Allzeithochs) in einem relativ engen Kursbereich. Auf der Unterseite haben wir bisher nur das März-Tief als Referenz. Der DAX kann also noch in ein ganz anderes Kursband einschwenken…
Immerhin gibt es seit April eine klare Aufwärtstendenz, erkenntlich an immer höheren Hochs und Tiefs. Der mögliche Trend dazu (grün schattiert) ist aber ähnlich unsicher wie die neue Seitwärtsbewegung. Dieses Szenario ist natürlich prinzipiell bullish – aber es wird erst mit einem nachhaltigen Ausbruch des DAX auf neue Allzeithochs bestätigt. Und wegen der vielen Fehlausbrüche der vergangenen Monate müsste man dann wieder mit dem nächsten rechnen…
Alternativ könnte der DAX auch in einem Keil laufen (rot umrandetes Dreieck). Das ist prinzipiell bearish, zumindest kurzfristig: Bei einem Rückfall aus diesem Dreieck könnte die (neue?) Seitwärtsbewegung fortgesetzt werden. Möglich wäre aber auch „nur“ ein Rückfall bis zur unteren gestrichelten Linie des übergeordneten Aufwärtstrends, der danach fortgesetzt würde.
Vorsicht, Fehlausbrüche!
Der heutige, deutliche (!) Rückfall unter die 25.000-Punkte-Marke (siehe Pfeil), womit der DAX die Kurslücke nach Pfingsten endgültig geschlossen hat, könnte schon der Startschuss dafür gewesen sein. Die nächste Bestätigung wäre der Ausbruch aus dem Keil/Trend und der erneute Rückfall in das gelbe Rechteck.
Dann wäre die Pfingst-Kurslücke womöglich eine sogenannte Erschöpfungskurslücke, der fallende Kurse folgen…
Auch hier gilt aber, dass all diese Bewegungen zu Fehlausbrüchen werden können. Ein sinnvolles (kurzfristiges) Trading ist daher im DAX derzeit kaum möglich. Das meinte Sven Weisenhaus damit, dass der DAX „aktuell sehr sprung- und wechselhaft unterwegs“ ist. Und aus übergeordneter Sicht muss man den nächsten Kontakt mit einer der genannten markanten Chartstrukturen abwarten – sowie die nachfolgende Kursreaktion.
Diese ewigen Wiederholungen!
Zu beachten ist außerdem, dass sich der DAX inzwischen dem großen Juni-Verfallstag am 19.06. nähert. Auch dies könnte den Kursverlauf zunehmend beeinflussen, zumal es dabei eine Besonderheit gibt. (Mehr dazu am Montag.) Und nach dem Verfallstag könnte das Window Dressing dominierend werden, das diesmal womöglich sogar besonders stark ausfällt.
Trader sollten also besser den Rat beherzigen, den wir hier schon wiederholt gegeben haben: auf Märkte ausweichen, die „berechenbarer“ erscheinen – oder auch einfach mal an der Seitenlinie bleiben. Wie im Sport gilt für das Trading ebenfalls: „Auch Pause ist Training!“
Viel Erfolg wünscht
Torsten Ewert
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