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Was ich von der Software-Schwäche halte
Ausgabe vom 09.02.2026
Was ich von der Software-Schwäche halte
von Torsten Ewert
Die Quartalsberichtssaison in den USA hat ihren Höhepunkt in der Vorwoche überschritten (gemessen an der Anzahl der berichtenden Unternehmen). In Deutschland und Europa steht der Höhepunkt noch bevor. Aber mehr als diese Zahlenflut hat die „Software-Schwäche“ Märkte und Medien in Atem gehalten.
Der merkwürdige Software-„Crash“
Denn Softwareaktien kamen ab Ende Januar plötzlich massiv unter Druck. Der entsprechende US-Branchenindex fiel 7 Handelstage in Folge, verlor dabei rund -12 %, und das unter sehr hohem Volumen:

Für mich sieht das fast nach einem Ausverkauf aus, der eine antizyklische Chance bietet. Die Gründe dafür sind aus meiner Sicht, dass dieser Rückfall einige Rekorde in der jüngsten Hausse bricht: Zunächst ist er der Stärkste seit Trumps „Zollhammer“ im April 2025.
Gut, dass klingt nicht allzu spektakulär, aber darüber hinaus gab es seit 2008 nur einmal – im April 2017 – eine Verlustserie von 7 Tagen oder mehr in Folge. Und damals verlor der Index gerade einmal -2,7 %. Auch -12%-ige Rückschläge innerhalb von 7 Handelstagen waren seit 2008 sehr selten und kamen nur in Phasen vor, in denen es auch mit den Märkten insgesamt abwärts ging.
Verdächtige Zeichen
Insbesondere gab es noch keinen „Software-Crash“, ohne dass auch der Tech-Sektor insgesamt in die Knie ging. Diesmal aber schon: Während der US-Software-Index, wie gesagt, um rund -12 % einbrach verlor der Index des US-Tech-Sektors insgesamt im gleichen Zeitraum nur -8 %. Das klingt zwar viel, aber auch eine solche Diskrepanz gab es im laufenden Bullenmarkt noch nie!
Und dann ist da eben noch das Volumen: Es summierte sich in diesen 7 Verlusttagen auf einen Wert, der knapp 40 % über der höchsten bisherigen 7-Tage-Summe lag. Und ein solcher Volumen-Spike ist nun mal ein sehr verdächtiges Zeichen für einen Ausverkauf. Auch die heutige kräftige Gegenreaktion (siehe Pfeil im Chart) spricht dafür.
Software oder KI?
Aber gut, vielleicht gibt es ja Gründe dafür. In den einschlägigen Kommentaren werden Bedenken angeführt, KI werde dem Softwaregeschäft kräftig zusetzen. Ich bin da nicht so kompetent, aber solange eine KI bei der Bildbearbeitung Menschen mit 6 Fingern ausstattet (was schon Kindergartenkinder besser wissen), kann es mit Intelligenz bei dieser Software (!) nicht weit her sein.
Was ich allerdings verstehe, ist, dass Softwarekonzerne wie Adobe womöglich horrende Kosten haben, bis sie ihrer Bildverarbeitungs-KI solche lächerlichen Fehler ausgetrieben haben. (Solange würde ich zur Sicherheit wenigstens noch einen richtigen Menschen auf die Bilder schauen lassen, aber was verstehe ich schon davon.)
Das Wachstumsproblem der Softwarekonzerne
Und womöglich ist dieses Kostenproblem der Grund, warum Anleger und Analysten eher mit verhaltenem Gewinnwachstum bei Softwarefirmen rechnen. Die Analysten von Zacks weisen z.B. darauf hin, dass die Gewinnerwartungen für die Softwarebranche seit geraumer Zeit stagnieren und inzwischen sogar zurück gehen, …

Quelle: Zacks
… während sie für den Tech-Sektor insgesamt im gleichen Zeitraum kräftig angehoben wurden:

So plausibel das alles sein mag – als Grund für den aktuellen Einbruch taugt dieser Unterschied bei den Gewinnen ebenfalls nicht, denn wie wir sehen, sind diese Zahlen schon seit Monaten bekannt.
Erste Ergebnisse der US-Berichtssaison
Wie auch immer – der Dow Jones hat am Freitag die runde 50.000-Punkte-Marke (und damit seinen „Deckel“) mit eine sehr bullishen Kerze geknackt und hält bislang dieses Niveau. Die Rally kann also weitergehen, Tech- bzw. Software-Schwäche hin oder her. Das gilt vor allem dann, wenn auch der S&P 500 seinen „Deckel“ bei 7.000-Punkten durchbricht.
Vielleicht ist es also abseits der allgemeinen Hysterie bei Softwareaktien und der sonstigen Zahlenflut der Berichtssaison wieder an der Zeit, auf die Suche nach Schnäppchen oder aussichtsreichen Kandidaten in der Softwarebranche und/oder im Tech-Sektor zu gehen…
Mit besten Grüßen
Ihr Torsten Ewert
PS: Und genau das machen die Profis von Stockstreet längst! So hat Manfred Ries am Freitag in seinen Optionsscheine-Expert-Trader eine erste Softwareaktie neu aufgenommen. Und bei meinen Aktien-Perlen wurde eine Tech-Aktie nach einem wohl allzu zurückhaltenden Ausblick aus meiner Sicht über Gebühr abgestraft. Daher schrieb ich am Donnerstag in einer Eilmeldung, dass nun eine bullishe Umkehr einsetzen könnte. Und genau die gab es am Freitag – also habe ich heute nachgekauft!
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