Börse-Intern
Ihr täglicher und kostenloser Börsen-Newsletter mit den besten Prognosen für die Aktienmärkte
KI-Blase ist (nicht) vergleichbar mit Dotcom-Blase
Ausgabe vom 12.05.2026
KI-Blase ist (nicht) vergleichbar mit Dotcom-Blase
von Sven Weisenhaus
Die Experten der DWS berichten heute, gestern sei – gemessen an aktuellen Verhältnissen – eigentlich ein ganz normaler Montag gewesen. Die Straße von Hormus sei weiterhin geschlossen, US-Präsident Donald Trump habe einen Friedensvorschlag des Iran zurückgewiesen und die Ölpreise und die Renditen am Anleihemarkt seien in der Folge gestiegen.
Die einzige Anlageklasse, die sich diesen Entwicklungen entzieht, seien weiterhin Aktien. Sie setzten ihre Rekordjagd fort. Dabei steche derzeit der Halbleiterindex SOX heraus, mit einem Anstieg von inzwischen mehr als +70 % seit Ende März.

„Diese extremen Kursbewegungen laden unweigerlich zu Vergleichen mit früheren Spekulationsblasen oder, vorsichtiger formuliert, mit früheren Phasen rasanter Marktrallyes ein“, so die Experten der DWS – und sie zitieren dazu Alhambra Investments:
„Der S&P 500 ist seit seinem Tiefpunkt am 30. März um 16,75 % gestiegen. Ein solch rasanter Anstieg inmitten eines anhaltenden Bullenmarktes ist beispiellos. Alle anderen vergleichbaren Kursbewegungen der jüngeren Vergangenheit (seit 1990) waren entweder Erholungen nach einem Bärenmarkt oder nach einem Crash...“

Auch Bespoke Investment stellt zu den derzeitigen Kursexplosionen fest, dass der S&P 500 seit Ende März um mehr als +17 % gestiegen ist – und er damit +7 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt liege.
Beim technologieorientierten Nasdaq 100 ist es sogar doppelt so viel, nämlich +14 % über dem 50-Tage-Durchschnitt.

Das sei zuletzt Ende 2009 der Fall gewesen, zu Beginn der Erholung nach der Finanzkrise, so Bespoke.

(Quelle: Bespoke Investment)
Und die Halbleiterwerte würden so rasant steigen, wie man es seit dem Platzen der Dotcom-Blase nicht mehr beobachten konnte. Der SOX-Halbleiterindex liege aktuell +33 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt – was zuvor nur 3-mal der Fall war: Dezember 1998, März 2000 und November 2002.

(Quelle: Bespoke Investment)
Inzwischen sind es sogar in der Spitze mehr als +36 %, wie im Folgenden zu sehen ist.

Und vom 200-Tage-Durchschnitt sind es sogar mehr als +64 %. Als es am Mittwoch vergangener Woche noch „nur“ +56 % waren, wies Bespoke darauf hin, dass es das bislang nur 2-mal in der Historie gegeben hat – im Juli 1995 und im März 2000, also in den Anfängen und am Höchststand des Dotcom-Booms.

(Quelle: Bespoke Investment)
Dazu weist Bespoke darauf hin, dass im Oktober 2022, kurz vor der Veröffentlichung von ChatGPT, die im SOX-Index enthaltenen Aktien lediglich 6 % zur Marktkapitalisierung des S&P 500 beitrugen. Seitdem sei der Anteil auf aktuell 22 % gestiegen.

(Quelle: Bespoke Investment)
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) des SOX-Index liege dadurch inzwischen bei 13,2. Vor einem Jahr, am Tief des damaligen Zoll-Crashs, waren es „nur“ 4,7. Das KUV des S&P 500 ist auf aktuell 3,52 gesprungen und hat damit einen neuen Höchststand im aktuellen Zyklus erreicht.

(Quelle: Bespoke Investment)
Bespoke benennt auch noch 9 KI-Aktien, die in diesem Rahmen jüngst besonders stark zugelegt haben, jeweils mehr als +100 % seit Jahresbeginn:

(Quelle: Bespoke Investment)
Intel notiert – nach Kursgewinnen von +238,48 % seit Jahresbeginn – sogar mehr als +100 % über dem 50-Tage-Durchschnitt.

Das Unternehmen wiegt an der Börse inzwischen rund 658 Milliarden USD – bei einem Jahresumsatz von weniger als 60 Milliarden USD.

Das KUV von Intel liegt also bei über 10. Ein Wert von 1 gilt laut Faustformel als fair, bei hohem Wachstum auch ein Wert von 2 oder gar 3. Aber mehr als 10?! Bei einem erwarteten Umsatzwachstum von „nur“ etwas mehr als 10 %?!
Der Gewinn je Aktie war im vergangenen Jahr noch negativ (Intel erwirtschaftete also Verluste), soll aber im laufenden Jahr bei +1,07 USD landen und im kommenden auf +1,49 USD weiter zulegen. Gewinnwachstum 2027: +39 %. Dieses wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von sagenhaften 120 (2026) bzw. immer noch sehr hohen 86,9 (2027) bewertet.
Anthropic rechnet übrigens im Jahr 2026 mit einem Jahresumsatz von 30 Milliarden US-Dollar. Bewertet wird das (noch nicht börsennotierte) Unternehmen inzwischen mit rund 900 Milliarden USD (wodurch der Nettogewinn von Amazon um 16,8 auf 30,3 Milliarden USD aufgebläht wurde – siehe „Blase oder keine Blase?“). KUV von Anthropic also: 30 (!). – Blase? Sieht hier irgendjemand eine Blase?
Laut Morgan Stanley ist der Nasdaq 100 jedenfalls im Vergleich zum S&P 500 so überkauft wie seit 6 Jahren nicht mehr, da der Technologieindex den Kursanstieg des marktbreiten Index um +9 % übertroffen hat und der 14-Tage-Relative-Stärke-Index (RSI) dadurch bei 87,5 notiert – ein Wert, der in den letzten 40 Jahren (!) zuvor nur 1-mal (!) erreicht wurde, und zwar im Jahr 2020.
KI revolutioniert die Welt wie das Internet
Bei Stockstreet ist schon länger die Rede von einer Blase. Und meine Meinung dazu habe ich am vergangenen Donnerstag mittels einer berühmten Phrase (dem sogenannten Ententest) formuliert: Wenn es aussieht wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente und quakt wie eine Ente, dann ist es wahrscheinlich eine Ente.
Andere Experten scheuen sich hingegen noch immer, dies so zu benennen, oder sind – was aus meiner Sicht inzwischen zunehmend unverständlich ist – anderer Meinung. Sie argumentieren, Künstliche Intelligenz (KI) an sich könne keine Blase sein. Schließlich stecke die Entwicklung erst noch in den Kinderschuhen und KI würde in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Welt revolutionieren, genau wie zuvor das Internet.
Damit widersprechen sich die Experten allerdings selbst. Denn tatsächlich steckte auch das Internet zur Jahrtausendwende noch in den Kinderschuhen und hat seitdem die Welt revolutioniert. Trotzdem bezweifelt heute (fast) niemand, dass damals eine Dotcom-Blase herrschte.
KI-Blase ist nicht vergleichbar mit Dotcom-Blase
Trotzdem wird von den Experten auch argumentiert, dass die aktuellen (Kurs-)Entwicklungen nicht mit denen der Dotcom-Bubble vergleichbar seien. Denn die Unternehmen, deren Aktien aktuell explodieren, könnten ein hohes Gewinnwachstum vorweisen. Daher sei die fundamentale Bewertung trotz der stark gestiegenen Kurse in vielen Fällen noch angemessen. Zudem würden die (hohen KI-)Investitionen zum Großteil aus Gewinnen finanziert, was in der Internetblase meist nicht der Fall war.
Diese Argumente sind aus meiner Sicht absolut schlüssig und vollkommen richtig. Doch soweit ich das überblicke, hat niemand behauptet, dass es sich um gleiche Blasen handelt. Es sind verschiedene, bei denen sich die Kurse derzeit aber in Teilen exakt so wie zur Jahrtausendwende entwickeln – eben in einer massiven Übertreibung. Und diese Tendenz erfasst immer mehr Aktien. Viele davon sind inzwischen weit entfernt von einer angemessenen fundamentalen Bewertung (siehe Intel).
Blase nur in Teilen des Aktienmarktes
Allerdings gilt es zugleich zu beachten, „ein Maß dafür, wie viele Aktien wesentlich zur Indexentwicklung beitragen – die sogenannten ‚effektiven Bestandteile‘ –, letzte Woche mit 42 einen Tiefststand erreichte und damit weit unter dem Niveau von rund 100 liegt, das in den letzten Jahrzehnten üblich war“. Darauf wiesen die Experten der DWS am vergangenen Freitag unter Bezug auf einen Artikel der Financial Times bzw. Analysten der UBS hin. Demnach trugen nur 5 Technologieaktien – Alphabet, NVIDIA, Amazon, Broadcom und Apple – mehr als die Hälfte zu den jüngsten Gewinnen des S&P 500 bei.
Mit anderen Worten: Der Anstieg der Aktienindizes wurde zuletzt (wieder einmal) von nur relativ wenigen (Megacap-Technologie- und KI-)Aktien getrieben. Das spricht für eine geringe Marktbreite und ist eher bearish zu werten, solange sich das nicht ändert.
Ähnlich äußerten sich auch die Experten von Bespoke Investment schon am vergangenen Mittwoch. Sie wiesen darauf hin, dass nur etwas mehr als 50 % der Aktien im S&P über ihren 50-Tage- und 200-Tage-Durchschnittslinien notieren und die 10-Tage-Advance/Decline-Linie des S&P 500 weiterhin nahe am überverkauften Bereich liegt.

(Quelle: Bespoke Investment)
Die Marktbreite sei daher „bestenfalls neutral“. Das heißt allerdings zugleich, dass sich die Rally noch fortsetzen könnte, wenn die Marktbreite zunimmt. Oder es finden Umschichtungen statt: Bei massiv überkauften Aktien kommt es zu Gewinnmitnahmen und einer Investition des freiwerdenden Kapitals in zuletzt liegengelassene Aktien. Sollte es allerdings zu Gewinnmitnahmen kommen und das freiwerdende Kapital nicht zurück in den Aktienmarkt fließen, dürfte es zu einer fälligen Korrektur kommen.
Fazit
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Und fundamentale Bewertung hin oder her – derartige Kursexplosionen in so kurzer Zeit sind in jedem Fall übertrieben – egal, ob man es nun „Blase“ oder eine „rasante Marktrally“ nennt. Vor allem der Technologiesektor ist mindestens charttechnisch massiv überkauft und bedarf daher einer Korrektur bzw. Konsolidierung.
Sobald diese einsetzt, wird sich zeigen, wie die aktuelle Geschichte endet. Ob dann letztlich eine weitere Blase geplatzt oder aus dieser nur wieder Luft entwichen sein wird und sich damit der Markt ein wenig normalisiert, wie in den Monaten bis Ende März, bleibt abzuwarten. Ist Letzteres der Fall, kann man argumentieren, dass es wohl doch keine Blase war. An der Börse geht es jedenfalls nicht darum, ob man mit seiner Meinung Recht hat, sondern ob man mit seinen Investments Erfolg hat, also Gewinne erzielt.
Wir werden also auch sehen, ob die Depots, die dem aktuellen KI-Hype folgen und damit derzeit womöglich kurzfristig hohe Gewinne erzielen, auch langfristig erfolgreich sind, so wie die Depots der Stockstreet-Börsenbriefe (siehe „Jeder Stockstreet-Börsenbrief ein Gewinn!“ unter „Blase oder keine Blase?“).
Gewinnmitnahmen
Übrigen hat es jüngst wieder Gewinnmitnahmen gegeben. Aus dem Depot des „Allstar-Trader“ wurden Aktien von SGL Carbon mit einem Gewinn von +10 %, Aktien von Novo Nordisk mit einem Gewinn von +12,4 % und Aktien von Umicore mit einem Gewinn von +28,2 % verkauft. Und erneut wurde das freiwerdende Kapital in interessante und aussichtsreiche Neuaufnahmen investiert.
Wollen Sie solche Gewinne nicht mehr verpassen? Dann melden Sie sich JETZT HIER an und steigen Sie noch rechtzeitig in die neuen Depotpositionen mit ein!
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
Börse - Intern
28. April 2026
Börse - Intern
Bearishe Kursinsel beim SOX, Erwartung an die Notenbanken
Weiterlesen...Alle Börsenbriefe von Stockstreet.de
Allstar-Trader
Vom Traden leben!
Aktien, Rohstoffe & Devisen
erfolgreich handeln!
von Bernd Raschkowski
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Geldanlage-Brief
Ihr langfristig orientierter
Börsendienst
für Vermögen und Wohlstand!
Die Strategie für Ihre Geldanlage!
von Torsten Ewert
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Börse-Intern Premium
Erfolgreich Traden mit der
revolutionären Methode!
Zuverlässig und dauerhaft erfolgreich!
von Sven Weisenhaus
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Target-Trend-Spezial
Tägliche Chartanalysen nach
der revolutionären Methode!
Zuverlässig und dauerhaft erfolgreich!
von Sven Weisenhaus
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Aktien-Perlen
Der Börsendienst für die unentdeckten
Chancen an den Börsen der Welt!
Die Spreu vom Weizen trennen!
von Torsten Ewert
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Optionsscheine-Expert-Trader
Der Börsendienst für volatile Zeiten
Die besten Trades in volatilen Märkten
von Manfred Ries
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Target-Trend-CFD
CFD-Trading mit
der revolutionären Methode!
Schneller Handel, schnelle Gewinne!
von Sven Weisenhaus
Jetzt informieren und kostenlos testen!
Hightech-Trader
Profitieren Sie vom Hightech-Boom
Mit Hightech Aktien, Crypto Währungen
und Bio-Techs
von Bernd Raschkowski
Jetzt informieren und kostenlos testen!