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Das gefährlichste 5-Worte-Narrativ der Börse
Ausgabe vom 13.05.2026
Das gefährlichste 5-Worte-Narrativ der Börse
von Torsten Ewert
Zunächst ein Hinweis: Am Freitag, dem Brückentag nach Himmelfahrt, gönnt sich auch Ihre Börse-Intern-Redaktion eine kleine Auszeit, sodass an diesem Tag keine Ausgabe erscheinen wird. Den nächsten Newsletter erhalten Sie also am Montag, 18.05.2026. Das gesamte Stockstreet-Team wünscht Ihnen einen erholsamen Feiertag bzw. ein schönes langes Wochenende!
Geschichten als sozialer Kitt
Spätestens seit wir Menschen die Sprache entdeckt haben, funktionieren wir über Geschichten. Diese können sehr wirkmächtig sein, z.B. bei Religionen, Ideologien oder nationalen Mythen.
Aber auch im Alltag wirken sie als effektiver sozialer Kitt. Oder haben Sie noch nie Situationen erlebt, in denen zwei einander anstießen, grinsten und sagten: „Weißt du noch …?“ Und je nachdem, ob Sie wussten, was mit diesem „Insider“ gemeint war oder nicht, fühlten Sie sich dazugehörig oder ausgeschlossen.
Auch in der Wirtschaft gibt es solche Geschichten, wo sie – wie in anderen Sozialwissenschaften auch –Narrative genannt werden. Das beginnt beim Verkauf von Produkten, wo durch das Narrativ einer Marke wie mit „Weißt du noch…?“ ein Zusammengehörigkeitsgefühl geschaffen wird. (Vermeintlicher) sozialer Kitt als Verkaufsstrategie.
Aber vor allem, um Investoren zur Finanzierung eines Unternehmens zu überzeugen, braucht es eine plausible Story – womit wir bei der Börse wären. Hier können Narrative besonders wirkmächtig werden, weil Gier und Angst die stärksten Emotionen sind, die an der Börse oft die Oberhand gewinnen.
Die starken Effekte der Narrative an der Börse
Jede Blase in den vergangenen Jahrhunderten repräsentiert so ein Narrativ, das mit der Zeit in fast religiöser Form die Massen (nicht nur die Börsianer!) erfasst hat: von der Tulpenmanie 1637 über Dienstmädchen-Hausse 1929 und Dotcom-Blase 2000 bis zur aktuellen KI-Euphorie. Das ist durchaus wörtlich gemeint, denn manchen Protagonisten (Steve Jobs von Apple, Elon Musk von Tesla oder Jen-Hsun/Jensen Huang von Nvidia) wird mitunter gottgleiche Verehrung zuteil. Und viele „glauben an eine Story“, wenn sie sich partout nicht von einer Position oder Überzeugung trennen wollen, die ihre besten Zeiten hinter sich hat.
Das kann man amüsant finden und als Spleen abtun, aber in der verhaltensorientierten Finanzanalyse, der Behavioral Finance, gehören diese Phasen zum typischen psychologischen Ablaufplan an den Kapitalmärkten (siehe folgende Grafik): die Verehrung, die sich bis zur Manie steigert und nichts anderes mehr gelten lässt (Leugnen), bis (scheinbar) nur noch Hoffnung bzw. Glaube helfen – bevor sich die ehemaligen „Jünger“ von ihren Götzen abwenden.

Doch für uns Anleger ist es höchst relevant, ob ein Narrativ an der Börse dominant wird und welches es ist. Denn natürlich ist es enorm lukrativ, wenn man frühzeitig erkennt, was gespielt wird, also welcher Trend sich gerade entfaltet. Und man darf keinesfalls gegen einen Trend wetten, der auf einem solchen dominierenden Narrativ beruht. Mindestens genauso gefährlich ist es aber, wenn man zu spät erkennt, dass ein Narrativ seine Wirkung verliert.
Vom Narrativ zum Trend und zurück
Das alles ist nicht so einfach, wie es zunächst klingt. Letztlich ist an der Börse „Narrativ“ nur ein anderer Begriff für „Trend“. Allerdings sind Trends, die sich „irgendwo“ und nach und nach in steigenden Kursen manifestieren, oft recht schwer zu erkennen. Narrativen schenken wir jedoch mehr Aufmerksamkeit – sie sind halt sehr eingängig. Und wenn immer mehr Medien dasselbe Narrativ verbreiten, fällt das eher auf.
Dennoch löst nicht jedes Narrativ, das an der Börse erzählt wird, einen neuen Trend aus. In der Regel gibt es mehrere Narrative, die miteinander konkurrieren. Das ist auch völlig logisch, schließlich erzählen z.B. Bullen und Bären andere Geschichten, wie es an den Börsen weitergehen wird. Und in beiden Gruppen gibt es wieder etliche unterschiedliche Fraktionen, die andere Sichtweisen und Narrative haben.
Stellen Sie sich einen Karren vor, an dessen Enden unterschiedliche Gruppen in unterschiedliche Richtungen zerren: Der Wagen wird nicht von Fleck kommen, eher umkippen oder kaputtgehen. Wenn die Menge sich jedoch auf eine Richtung einigt, rollt das Ding irgendwann nahezu von allein. Und durch den Schwung, den es schließlich hat, braucht es nur dann und wann mal einen neuen Schubser.
Ähnlich können wir uns die Verhältnisse an der Börse vorstellen. Allerdings gibt es an der Börse mehrere „Karren“ (Aktien, Branchen, Länder, …), sodass es immer wieder mehrere Trends gibt, die beginnen oder enden können (oder man dies glaubt).
Von der Tech-Hausse zum „AI Scare Trade“ zur SOX-Blase?
Seit längerem steht der Tech-/KI-/Halbleiter-Trend im Fokus. Er zeigte mehrfach Anzeichen einer Blase, was wir hier immer wieder thematisiert haben. Und tatsächlich: Zu Beginn dieses Jahres ebbte der Hype etwas ab – zumindest in einzelnen Branchen des Tech-Sektors, z.B. bei Softwareaktien. Vom „AI Scare Trade“ war die Rede.
Aber seit Ende März scheint das vergessen – Tech-Werte haussieren wieder auf breiter Front. Und daran konnte auch die jüngste Präsentation des KI-Unternehmen Anthropic nichts nachhaltig ändern: Dessen Chef Dario Amodei stellte eine Reihe neuer, spezialisierter Dienste vor, sogenannte „AI Agents“, welche die bisherigen Geschäftspraktiken bestimmter Branche (vor allem Finanzdienstleister) grundlegend verändern könnten (weil sie komplexe Aufgaben mit minimalem menschlichem Eingreifen autonom ausführen sollen). Die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen brachen daraufhin zwar ein, erholten sich aber schnell wieder.
Gut, bei jedem Umbruch gibt es Gewinner und Verlierer. Aber das aktuelle Narrativ im Tech-Sektor lautet, wie es der Marktstratege Ed Yardeni prägnant ausdrückte: „Anleger sind zu dem Schluss gekommen, dass dank KI die Nachfrage nach Rechenleistung ins Unendliche und darüber hinaus steigen wird – ebenso wie die Gewinne des S&P 500.“
Und Treiber sowie größter Profiteur dieser Entwicklung soll der Halbleitersektor sein, mit Nvidia an der Spitze. Über die unglaubliche Rally des vielbeachteten Branchenindex Philadelphia Semiconductor Index (SOX) hatte Sven Weisenhaus zuletzt mehrfach berichtet. In seinen jüngsten Beiträgen dazu stellte er die Frage „Blase oder keine Blase?“ und zeigte, warum die „KI-Blase (nicht) mit der Dotcom-Blase vergleichbar“ ist.
Noch keine allgemeine Euphorie, aber …
Wie diese Analysen zeigen, gibt es also inzwischen eine Vielzahl von Indizien für eine Blase bzw. zumindest eine kräftige Übertreibung, z.B. etliche Rekorde oder rekordverdächtige Werte diverser Indikatoren. Nach dem jüngsten Rückfall wegen des Iran-Kriegs ist jedoch die Stimmung insgesamt noch keineswegs euphorisch. Zudem fehlen noch einige andere typische Phänomene, die eine Blase – also die letzte Phase einer Übertreibung – gewöhnlich begleiten. Daher kann die Übertreibung bei Tech- bzw. Halbleiterwerten noch eine Weile weitergehen.
Aber Achtung! Wie auch Sven Weisenhaus in seinem gestrigen Beitrag erwähnt hat, gibt es inzwischen immer mehr Kommentatoren, die neue Narrative parat haben, warum die Kurse weiter steigen und z.B. trotz hoher Ölpreise NICHT schwächeln. Das ist ein Warnsignal, denn die Endphase einer Übertreibung, die Euphorie bzw. Manie (siehe oben), ist beginnt oft damit, dass Narrative propagiert werden, warum es genau so sein muss und nicht so kommt, wie es bisher in ähnlichen Fällen immer gekommen ist.
Und damit nähern wir uns womöglich dem gefährlichsten Narrativ an der Börse, das aus nur 5 Worten besteht: DIESES MAL IST ES ANDERS! (This time it is different). Werden Sie also hellhörig, wenn man uns mit „neuen“ Narrativen weismachen will, dass diese Übertreibung „ewig“ weitergeht…
Mit besten Grüßen
Torsten Ewert
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