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Branchenrotation durch „AI Scare“- und „Halo“-Trade
Ausgabe vom 26.02.2026
Branchenrotation durch „AI Scare“- und „Halo“-Trade
von Sven Weisenhaus
Erst gab es eine „Magnificent 7“- und (dann eine) KI-Blase, in der am Ende fast jede Aktie durch die Decke ging, die nur im Entferntesten mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) zu tun hat. Dann wurden plötzlich Edelmetalle und auch Industriemetalle gehypt, weil sie einerseits als Krisen-Investments und andererseits als Grundstoffe für die Infrastruktur von KI-Anwendungen gebraucht werden.
AI Scare Trade
Anschließend setzte ein sogenannter „AI Scare Trade“ ein, weil Anleger Disruption durch KI fürchten, sich also Sorgen machen, dass die großen US-Tech-Konzerne einerseits zu viel in KI investieren und andererseits immer neue KI-Anwendungen Unternehmen vieler Branchen Konkurrenz machen. Davon waren vor allem Software-Unternehmen betroffen.
Halo-Trade
Und nun wird inzwischen eine neue Sau durchs (Börsen-)Dorf gejagt. Sie hört auf den Namen „Halo“. Dieses neue Schlagwort steht für „heavy assets, low obsolescence“. Gemeint sind damit Unternehmen mit gewichtigen bzw. materiellen Vermögenswerten („heavy assets“) und einer geringen Gefahr obsolet zu werden („low obsolescence“). Es fließt also aktuell Kapital der Anleger in Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodelle nicht durch KI gefährdet oder gar ersetzt werden können. Solche Unternehmen finden sich vor allem in der klassischen Industrie, also im produzierenden Gewerbe.
Deutlichste Branchenrotation seit mehr als 4 Jahren
Sehr gut lässt sich diese Branchenrotation an den Unternehmen des S&P 500 ablesen. So hat laut einem aktuellen Bericht des Handelsblatts der S&P-Branchenindex für Basiskonsumgüter seit Jahresanfang um +14,6 % zugelegt, der Index für Grundstoffe gewann +16,4 % und der S&P-Energy sogar knapp +23 %. Der Index IT mit den Schwergewichten Apple, Microsoft und NVIDIA verlor derweil zeitgleich -4,6 %. Der Subindex Software und Services brach sogar um knapp -24 % ein.
Die Bank of America (BofA) sieht anhand ihrer monatlichen Umfrage unter internationalen Portfoliomanagern „die deutlichste Branchenrotation“ seit mehr als 4 Jahren. Laut Morgan Stanley hat diese Entwicklung bereits im vergangenen Jahr begonnen. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Kursentwicklungen der „Magnificent 7“ seit Ende Oktober 2025, über die ich vorgestern berichtet habe.
Verschiebung der Bewertungs-Blase
Das hat auch zu einer Verschiebung in der Bewertungs-Blase geführt. S&P-Aktien aus den Branchen Industrie und Basiskonsumgüter sind laut Handelsblatt inzwischen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von rund 26 bzw. 23,6 sogar höher bewertet als der IT-Sektor mit einem KGV von 23,5 (gemessen an den in den kommenden 12 Monaten durchschnittlich erwarteten Gewinnen = Forward-KGV). Bei den Grundstoffherstellern und Energiewerten liegt das KGV mit 21 beziehungsweise 20 zwar knapp darunter, doch sind auch sie damit relativ bzw. sogar sehr hoch bewertet. Zur Erinnerung: Das KGV des S&P 500 liegt über viele Jahre betrachtet im Durchschnitt bei ca. 16.
Immer noch zu viel Liquidität im Markt
Aus meiner Sicht sehen wir damit immer noch Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Damals wurde ohne Ende Geld in die Wirtschaftskreislauf gepumpt, um einen (noch) stärkeren Einbruch der Konjunktur zu verhindern. Seitdem ist die Geldpolitik zwar wesentlich restriktiver und es wurde dem Markt seitdem auch wieder viel Liquidität entzogen, es ist aber noch deutlich mehr vorhanden als vor der Pandemie.
Beispiel Fed: Die Bilanz der US-Notenbank verdoppelte sich während und nach der Pandemie von ca. 4,2 Billionen auf fast 9 Billionen US-Dollar. Seitdem schrumpfte sie zwar auf „nur noch“ etwas mehr als 6,5 Billionen Dollar zusammen, doch das sind immer noch etwa +55 % mehr als 2020.

Und dieses viele Kapital sucht ständig neue Anlageobjekte und sorgt dabei immer wieder für kleinere und größere Spekulations- und Bewertungsblasen sowie charttechnische Übertreibungen. Größere bzw. längere Marktkorrekturen hat es derweil seit geraumer Zeit nicht gegeben – sie haben bei derart viel vorhandener Liquidität auf der Suche nach Rendite einfach keine Chance, vor allem nicht bei sinkenden Zinsen, weil dadurch Aktien attraktiv bleiben, trotz hoher Kurse und niedriger Dividendenrenditen.
Wann kommt eine Marktbereinigung?
Es braucht daher nach wie vor ein „bereinigendes Gewitter“, also nach 3 Jahren extrem starker Kursgewinne an den Aktienmärkten eine größere Korrektur, um zumindest einen Teil der extremen Spekulation aus den Märkten zu vertreiben.
Aus saisonaler Sicht bleibt dabei das aktuell laufende US-Zwischenwahljahr prädestiniert dafür, dass eine solche Bereinigung von April bis September stattfinden wird. Passend dazu schrieb mir schon am 5. Februar ein Leser zur Börse-Intern-Ausgabe vom 3. Februar, dass zur Saisonalität in US-Zwischenwahljahren auch noch eine Feststellung der Analysten von Barclays passt.
Achtung: Neuer Fed-Chef!
Demnach verliert der S&P 500 historisch betrachtet innerhalb der ersten 6 Monate nach Amtsantritt eines neuen Fed-Chefs im Durchschnitt -16 % – ein Muster, das bis ins Jahr 1930 zurückreicht. „Bereits nach einem Monat lag der typische Rückgang bei 5 %, nach 3 Monaten bei 12 %. Diese Übergangsphasen fielen damit sogar heftiger aus als die üblichen Höchst-Tief-Bewegungen eines durchschnittlichen Börsenjahres“, zitiert der Leser die Erkenntnisse von Barclays.
Verkaufsbereitschaft der Anleger
Die Wahrscheinlichkeit für eine Wiederholung der typischen Verlaufsmuster im laufenden Jahr ist auch deshalb recht hoch, weil Anleger jüngst schon einige Male Verkaufsbereitschaft gezeigt haben, mit teilweise panikartigen Kurseinbrüchen im Großen und Kleinen. Jüngstes Beispiel ist die Marktreaktion auf den viralen Blog-Post des relativ kleinen und wenig bekannten US-Researchhauses Citrini, über den Torsten Ewert berichtete (siehe: „Ich sehe Panik“).
Allerdings macht eine Schwalbe noch keinen Sommer. Und jüngst tendieren die Aktienmärkte wieder nach oben. Dadurch sind die Bullen derzeit wieder im Vorteil. Doch aus saisonaler Sicht ist mit der schwachen Phase ja auch erst ab Mal zu rechnen. Insofern kann man bis dahin womöglich noch von steigenden Aktienkursen profitieren.
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Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
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