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DAX: Zurück in der Seitwärtskonsolidierung

Ausgabe vom 30.01.2020

Mit der gestrigen Pressekonferenz der US-Notenbank begann an den Aktienmärkten eine zweite Abwärtswelle. Ein direkter Zusammenhang lässt sich jedoch nur zeitlich feststellen. Denn inhaltlich hat die Federal Reserve (Fed) die durchschnittlichen Erwartungen der Marktteilnehmer erfüllt und somit kaum einen Grund für fallende Aktienkurse geliefert.

Die aktuellen Beschlüsse der US-Notenbank

So wurde einstimmig beschlossen, den Leitzins in der Spanne von 1,50 % bis 1,75 % zu belassen. Im Statement zum Zinsentscheid fanden sich nur zwei marginale Änderungen. Eine davon ist, dass die Ausgaben der privaten Haushalte nicht mehr stark, sondern nur noch moderat gewachsen sind. Die zweite betrifft das Erreichen des Inflationsziels. Bislang hieß es, dass die aktuelle Geldpolitik geeignet ist, die Inflation in die Nähe des Zielwerts von 2 % zu bringen. Nun heißt es, dass die aktuelle Geldpolitik geeignet ist, die Inflation dorthin zurückzubringen. Zuletzt lag diese oberhalb von 2 %. Insofern ist die kleine Textänderung verständlich und beinhaltet somit keine Änderung in der „Forward Guidance“.

Eine weitere Neuerung ist, dass der Zins für die sogenannten Überschussreserven der Banken von 1,55 % auf 1,60 % angehoben wurde und er damit mehr in Richtung der Mitte der vorgegebenen Leitzinsspanne wandert. Daneben wurde der Zins für Übernachgeschäfte von 1,45 % auf 1,50 % angehoben. Hierbei handelt es sich aber lediglich um „technische“ Änderungen, um den Leitzins in der angestrebten Zielspanne zu halten.

Läuft ein neues QE-Programm?

Eine etwas bedeutendere Änderung ist, dass die Repo-Geschäfte zur Stützung des Geldmarktes bis mindestens April verlängert werden. Einige Marktbeobachter sehen darin ein weiteres QE-Programm. Doch Jerome Powell betonte auf der Pressekonferenz erneut, dass dies nicht der Fall ist. Faktisch handelt sich bei den Repo-Geschäften um einen Tausch von Zentralbankgeld gegenüber kurzfristigen Staatsanleihen (T-Bills). Die Notenbank tut dies, um die höhere Nachfrage der Geschäftsbanken nach sicherem Zentralbankgeld zu decken. Zuvor hatte die Fed die Höhe der Überschussreserven gesenkt und war damit wohl über das Ziel hinausgeschossen. Nun geht die Notenbank davon aus, dass im April wieder genügend Reserven bereitgestellt sein werden.

Da dieses von der Fed bereitgestellte Zentralbankgeld nicht in den allgemeinen Wirtschaftskreislauf fließt und es somit weder etwas an der Kreditvergabe der Banken noch am allgemeinen Zinssatz ändert, sind die notwendigen Kriterien eines QE nicht erfüllt.

Einfach nur Gewinnmitnahmen

Also hat die Fed im Grunde ausschließlich „technische“ Maßnahmen beschlossen. Und vielleicht war dies den Märkten zu wenig, so dass weitere Gewinnmitnahmen ausgelöst wurden. Man kann die neuerlichen Kursrückgänge nach dem Zinsentscheid auch mit einem einfachen „sell the facts“-Effekt begründen – oder mit einer ganz normalen, charttechnischen (ABC-)Korrektur nach zuvor starken Aufwärtstrends.

Coronavirus ist weiterhin das beherrschende Thema

Natürlich werden die Kursverluste heute von diversen Medien und Kommentatoren auch wieder mit der Ausbreitung des Coronavirus begründet. Doch ich halte diese Argumentation weiterhin für wenig schlüssig. Denn warum konnten sich die Kurse bis gestern so stark erholen, obwohl sich der (relativ harmlose) Virus auch in dieser Zeit kontinuierlich ausbreitete?! Und neue Erkenntnisse, die das Virus gefährlicher machen und damit den neuerlichen Kursrutsch untermauern, gibt es heute nicht. Also ist der Zusammenhang nur begrenzt plausibel.

Die Schwäche im DAX hatte sich schon vor einer Woche angedeutet

Stattdessen sehe ich rein markt- und charttechnische Gründe für die Korrektur. So waren insbesondere die US-Indizes völlig überkauft. Und diese kommen nun einfach etwas zurück. Außerdem hatte ich schon vor mehr als einer Woche, als die US-Indizes noch auf Allzeithoch standen, bereits Anzeichen für eine Schwäche im DAX wahrgenommen. Mir schien es, als wollten die Bullen lediglich noch unbedingt das ehemalige Allzeithoch erreichen (siehe Börse-Intern vom 22. Januar). Und nachdem dieses erreicht war, zogen sie sich erst einmal zufrieden zurück. Der DAX ist dadurch weit in den Bereich seiner Seitwärtskonsolidierung zurückgefallen, in die er Anfang November eingeschwenkt war (gelbes Rechteck).

DAX - Target-Trend-Analyse

Und dies ist kurzfristig sehr bearish, weil sich das neue Allzeithoch damit als Bullenfalle weiter etabliert hat (roter Kreis). Die lange erwartete Korrektur ist somit nun zu erwarten.

Das erste Kursziel der Bären ist dabei das Tief der Welle 4 (blaue Ziffern). Dieses könnte dort erreicht werden, wo sich die Mittellinie bei 12.945 Punkten mit der unteren Linie des Aufwärtstrendkanals (grün) kreuzt. Wird das Tief der Welle 4 sogar unterschritten, haben wir bereits eine klare (ABC-)Korrektur. Solange der DAX aber oberhalb der Mittellinie bei 12.945 Punkten bleibt, liegen auch noch höhere Tiefs vor, womit das übergeordnete Chartbild noch bullish ist. Aber zu Käufen würde ich vorerst nicht raten.

Im Grunde empfehle ich ja schon seit einigen Wochen bzw. Monaten, von Neueinstiegen im Aktienmarkt Abstand zu nehmen. Und jetzt bin ich auch sehr froh, dass ich dies konsequent getan habe. Ich hoffe, Sie auch.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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DAX: Zurück in der Seitwärtskonsolidierung

von Sven Weisenhaus

Mit der gestrigen Pressekonferenz der US-Notenbank begann an den Aktienmärkten eine zweite Abwärtswelle. Ein direkter Zusammenhang lässt sich jedoch nur zeitlich feststellen. Denn inhaltlich hat die Federal Reserve (Fed) die durchschnittlichen Erwartungen der Marktteilnehmer erfüllt und somit kaum einen Grund für fallende Aktienkurse geliefert.

Die aktuellen Beschlüsse der US-Notenbank

So wurde einstimmig beschlossen, den Leitzins in der Spanne von 1,50 % bis 1,75 % zu belassen. Im Statement zum Zinsentscheid fanden sich nur zwei marginale Änderungen. Eine davon ist, dass die Ausgaben der privaten Haushalte nicht mehr stark, sondern nur noch moderat gewachsen sind. Die zweite betrifft das Erreichen des Inflationsziels. Bislang hieß es, dass die aktuelle Geldpolitik geeignet ist, die Inflation in die Nähe des Zielwerts von 2 % zu bringen. Nun heißt es, dass die aktuelle Geldpolitik geeignet ist, die Inflation dorthin zurückzubringen. Zuletzt lag diese oberhalb von 2 %. Insofern ist die kleine Textänderung verständlich und beinhaltet somit keine Änderung in der „Forward Guidance“.

Eine weitere Neuerung ist, dass der Zins für die sogenannten Überschussreserven der Banken von 1,55 % auf 1,60 % angehoben wurde und er damit mehr in Richtung der Mitte der vorgegebenen Leitzinsspanne wandert. Daneben wurde der Zins für Übernachgeschäfte von 1,45 % auf 1,50 % angehoben. Hierbei handelt es sich aber lediglich um „technische“ Änderungen, um den Leitzins in der angestrebten Zielspanne zu halten.

Läuft ein neues QE-Programm?

Eine etwas bedeutendere Änderung ist, dass die Repo-Geschäfte zur Stützung des Geldmarktes bis mindestens April verlängert werden. Einige Marktbeobachter sehen darin ein weiteres QE-Programm. Doch Jerome Powell betonte auf der Pressekonferenz erneut, dass dies nicht der Fall ist. Faktisch handelt sich bei den Repo-Geschäften um einen Tausch von Zentralbankgeld gegenüber kurzfristigen Staatsanleihen (T-Bills). Die Notenbank tut dies, um die höhere Nachfrage der Geschäftsbanken nach sicherem Zentralbankgeld zu decken. Zuvor hatte die Fed die Höhe der Überschussreserven gesenkt und war damit wohl über das Ziel hinausgeschossen. Nun geht die Notenbank davon aus, dass im April wieder genügend Reserven bereitgestellt sein werden.

Da dieses von der Fed bereitgestellte Zentralbankgeld nicht in den allgemeinen Wirtschaftskreislauf fließt und es somit weder etwas an der Kreditvergabe der Banken noch am allgemeinen Zinssatz ändert, sind die notwendigen Kriterien eines QE nicht erfüllt.

Einfach nur Gewinnmitnahmen

Also hat die Fed im Grunde ausschließlich „technische“ Maßnahmen beschlossen. Und vielleicht war dies den Märkten zu wenig, so dass weitere Gewinnmitnahmen ausgelöst wurden. Man kann die neuerlichen Kursrückgänge nach dem Zinsentscheid auch mit einem einfachen „sell the facts“-Effekt begründen – oder mit einer ganz normalen, charttechnischen (ABC-)Korrektur nach zuvor starken Aufwärtstrends.

Coronavirus ist weiterhin das beherrschende Thema

Natürlich werden die Kursverluste heute von diversen Medien und Kommentatoren auch wieder mit der Ausbreitung des Coronavirus begründet. Doch ich halte diese Argumentation weiterhin für wenig schlüssig. Denn warum konnten sich die Kurse bis gestern so stark erholen, obwohl sich der (relativ harmlose) Virus auch in dieser Zeit kontinuierlich ausbreitete?! Und neue Erkenntnisse, die das Virus gefährlicher machen und damit den neuerlichen Kursrutsch untermauern, gibt es heute nicht. Also ist der Zusammenhang nur begrenzt plausibel.

Die Schwäche im DAX hatte sich schon vor einer Woche angedeutet

Stattdessen sehe ich rein markt- und charttechnische Gründe für die Korrektur. So waren insbesondere die US-Indizes völlig überkauft. Und diese kommen nun einfach etwas zurück. Außerdem hatte ich schon vor mehr als einer Woche, als die US-Indizes noch auf Allzeithoch standen, bereits Anzeichen für eine Schwäche im DAX wahrgenommen. Mir schien es, als wollten die Bullen lediglich noch unbedingt das ehemalige Allzeithoch erreichen (siehe Börse-Intern vom 22. Januar). Und nachdem dieses erreicht war, zogen sie sich erst einmal zufrieden zurück. Der DAX ist dadurch weit in den Bereich seiner Seitwärtskonsolidierung zurückgefallen, in die er Anfang November eingeschwenkt war (gelbes Rechteck).

DAX - Target-Trend-Analyse

Und dies ist kurzfristig sehr bearish, weil sich das neue Allzeithoch damit als Bullenfalle weiter etabliert hat (roter Kreis). Die lange erwartete Korrektur ist somit nun zu erwarten.

Das erste Kursziel der Bären ist dabei das Tief der Welle 4 (blaue Ziffern). Dieses könnte dort erreicht werden, wo sich die Mittellinie bei 12.945 Punkten mit der unteren Linie des Aufwärtstrendkanals (grün) kreuzt. Wird das Tief der Welle 4 sogar unterschritten, haben wir bereits eine klare (ABC-)Korrektur. Solange der DAX aber oberhalb der Mittellinie bei 12.945 Punkten bleibt, liegen auch noch höhere Tiefs vor, womit das übergeordnete Chartbild noch bullish ist. Aber zu Käufen würde ich vorerst nicht raten.

Im Grunde empfehle ich ja schon seit einigen Wochen bzw. Monaten, von Neueinstiegen im Aktienmarkt Abstand zu nehmen. Und jetzt bin ich auch sehr froh, dass ich dies konsequent getan habe. Ich hoffe, Sie auch.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
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