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Größter Kurseinbruch der Geschichte braucht Bestätigung
Ausgabe vom 09.06.2026
Größter Kurseinbruch der Geschichte braucht Bestätigung
von Sven Weisenhaus
Wenn es zu Rücksetzern bzw. Gegenbewegungen kommt, liefern diese Informationen darüber, ob eine vorherige Trendbewegung zu Ende geht oder nur vorübergehend unterbrochen wird.
Nasdaq Composite mit größtem Kurseinbruch der Geschichte
Beim technologielastigen US-Aktienindex Nasdaq Composite kam es am Freitag zu einem Kurseinbruch von -1.121 Punkten.

Der Nasdaq 100 verlor sogar zeitgleich -1.450 Zähler.

Dabei handelt es sich jeweils um den größten Kursverlust der US-Technologieindizes ihrer Geschichte. Insofern erscheint der aktuelle Einbruch zunächst einmal dramatisch.
Auch prozentual betrachtet handelt es sich mit einem Minus von mehr als -4 % bzw. fast -5 % binnen nur eines einzigen Handelstages um einen herben Rücksetzer. Doch in der Vergangenheit gab es weit größere prozentuale Verluste. Den Rekord hält der 16. März 2020 mit einem Einbruch des Nasdaq 100 um -12,19 % (!). Davon waren wir am Freitag sehr weit entfernt. Und der aktuelle Rücksetzer schafft es nicht einmal in die Top 10.
Zudem hat der Nasdaq Composite lediglich auf das Tief des vorherigen Rücksetzers bei rund 25.700 Punkten aufgesetzt. Der Nasdaq 100 blieb sogar deutlich oberhalb des Tiefs vom 19. Mai (siehe dicke grüne Linie im obigen Chart).
Gestern kam es bei beiden Indizes zu einer deutlichen Kurserholung. Auch wenn es am Ende wieder zu Kursverlusten kam, wurde dabei ein höheres Tief markiert. Und von diesem legten die Kurse heute zunächst auf ein höheres Hoch zu (siehe grüner Pfad im folgenden Chart des Nasdaq Composite).

Insofern konnte man trotz des herben Rücksetzers vom Freitag bis dahin noch von einem einzelnen „Tag der Gewinnmitnahmen“ sprechen, mit dem charttechnisch nicht viel Porzellan zerschlagen wurde. Im Gegenteil: Dass es nach den herben Verlusten vom Freitag zu Beginn dieser Woche zunächst nicht zu weiteren Gewinnmitnahmen und Kursverlusten gekommen ist, zeugte schon wieder von einer enormen Stärker der US-Technologieaktien.
Ein charttechnisches Signal braucht Bestätigung
Zwar lag mit dem herben Kurseinbruch vom Freitag ein klar bearishes Signal vor, doch grundsätzlich braucht ein charttechnisches Signal eine Bestätigung. Und daher muss man stets erst vorsichtiger werden, wenn es zu weiteren Kursverlusten kommt.
Unterschiedliche Zeitebenen
Unterscheiden muss man dabei verschiedene Zeitebenen. Im sehr kurzfristigen Bereich herrschte bereits ein eindeutiger Abwärtstrend. Denn seit dem Rekordhoch vom 1. Juni lag schon eine Serie von tieferen Hochs und Tiefs vor. Und dabei hat die Dynamik nach unten Fahrt aufgenommen (siehe roter Pfad im obigen Chart). Das ist eindeutig bearish zu werten.
Doch auch hier kam es nun auf die Gegenbewegung an. Wie oben bereits geschrieben, bewegte sich der Nasdaq Composite gestern dank einer Kurserholung oberhalb des Korrekturtiefs vom Freitag. Am Ende kam es aber wieder zu Kursverlusten. Damit zeigte der Index erneut Schwäche, was ebenfalls bearish zu werten ist. Heute tendierten die Kurse aber von einem höheren Tief aus schon wieder nach oben (siehe grüner Pfad). Dabei folgte auf das höhere Tief ein höheres Hoch. Somit lag formell wieder ein Trendwechsel vor, also ein Übergang von einem kurzfristigen Abwärts- zu einem kurzfristigen Aufwärtstrend. Das war bullish zu werten. Die Signale waren also noch wechselhaft. Daher musste man weitere Signale abwarten.
Und diese gab es dann – und zwar deutlich bearishe. Denn die Erholung stellte sich als eine ABC-Formation heraus, da es zu einem erneuten Kurseinbruch gekommen ist. Bereits als das höhere Tief (Welle B) unterschritten wurde, trübte sich das Chartbild wieder bzw. weiter ein. Bestätigt wurde dies mit einem neuen Korrekturtief.
Mit diesem liegt nun auch in den übergeordneten Wellen ein deutlich bearishes Signal vor, weil die Folge höherer Tiefs in der extrem starken Aufwärtsbewegung seit Ende März (+31,42 %) gebrochen ist.
Konsolidierung, Korrektur oder Trendwechsel?
Und so gilt nun das oben Geschriebene in umgekehrter Form: Da es nach einem tieferen Hoch zu einem tieferen Tief gekommen ist, liegt formell (wieder) ein Trendwechsel vor, also ein Übergang von einem Aufwärts- zu einem Abwärtstrend. Das ist bearish zu werten. Allerdings könnte es sich bei dem Rücksetzer lediglich um eine ABC-Formation handeln. Erst wenn die hohe Dynamik nach unten anhält und sich die Abwärtstendenz zu einem nachhaltigen Abwärtstrend etabliert, ist größere Vorsicht angesagt.
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Auf die Dynamik kommt es an
Dabei ist die Dynamik ein entscheidendes Kriterium. Durch tiefere Hochs und Tiefs etabliert sich zunächst eine Abwärtstendenz. Eine Abwärtstendenz ist aber noch kein Trendwechsel zu einem Abwärtstrend. Stattdessen bestehen auch harmlose bzw. trendbestätigende Konsolidierungen aus tieferen Hochs und Tiefs. Problematisch wird es daher für die Bullen erst, wenn die Abwärtsdynamik hoch ist bzw. bleibt. Zeigt der Markt also eine anhaltende deutliche Schwäche, wäre das sehr bearish zu werten.
Fazit
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und ein Rücksetzer, auch wenn er dramatisch ist, macht noch keinen Trendwechsel.
Daher könnte man der bisherigen Marktlogik folgen und die aktuellen Kursverluste für einen „buy the dip“-Trade nutzen. Wird das tiefere Hoch überwunden, könnte es bei einer ABC-Korrektur bleiben. Man könnte dann eine kleine Long-Position platzieren und diese unterhalb des Korrekturtiefs per Stop-Loss absichern.
Aufgrund des heutigen neuen Korrekturtiefs könnte man hingegen eine kleine Short-Position wagen und diese auf dem Hoch der Kurserholung per Stop-Loss absichern.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
PS: Bei den Stockstreet-Börsenbriefen gab es jüngst wieder Gewinnmitnahmen. Aus dem Depot des „Allstar-Trader“ wurden am Freitag Aktien von Merck (Kauf: 03.12.2025) mit einem Gewinn von +16,90 %, Anteile von SAP (Kauf: 05.05.2026) mit einem Gewinn von +12,18 % und eine Position auf Baidu (Kauf: 10.03.2026) mit einem Gewinn von +4,13 % verkauft.
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