In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die Coronavirus-Pandemie gilt derzeit als Belastungsfaktor für die Börsen. Doch die Aktienmärkte fielen nur am Montag und steigen seitdem wieder. ...
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Viele Entwicklungen werden derzeit von den Berichterstattungen zur Coronavirus-Pandemie überschattet. Diese soll nach wie vor die Aktienmärkte belasten. Das mag in Teilen auch stimmen, weil zum Beispiel einige Airlines, wie aktuell British Airways und die Lufthansa, ihre Flüge nach China komplett eingestellt haben. Das wird natürlich auf die Umsätze und Gewinne der Unternehmen drücken. Doch insgesamt strebten die Aktienmärkte nach nur einem wirklich schwachen Handelstag wieder nach oben – insbesondere in den USA. Von einer anhaltenden Belastung kann also nur begrenzt die Rede sein.

Coronavirus verbreitet sich schnell, ist aber wenig gefährlich

Zumal es inzwischen unzählige Statistiken gibt, wie die folgenden von Statista, die verdeutlichen, dass einerseits der Coronavirus bislang eher als harmlos bezeichnet werden kann – zum Beispiel im Vergleich zur jährlichen Grippewelle.

Aktuelle Grippesaison

Oder im Hinblick auf die Ansteckungsgefahr. Eine Schätzung der WHO geht von 1,4 bis 2,5 neu infizierten Menschen je erkrankte Person aus, womit die Ansteckungsgefahr im Vergleich mit anderen Krankheiten eher gering ist.

Ansteckungsgefahr

Und auch in Bezug auf die Todesrate ist der neue Coronavirus (2 %) im Vergleich zum MERS (34 %) oder SARS (9,6 %) offenbar nur für ältere und vorerkrankte Menschen wirklich gefährlich.

Sterbe-Raten

Andererseits sind vorangegangene Pandemien in den Kursverläufen der Aktienmärkte kaum eindeutig zu identifizieren – haben sich also auch nur sehr begrenzt auf die Börsenkurse ausgewirkt.

Mit anderen Worten: Würde es den neuartigen Coronavirus nicht geben, hätte man den Rücksetzer vom Montag lediglich als eine weitere kurze Gegenbewegung in völlig intakten Aufwärtstrends gesehen.

Trump hat Zölle erhöht und kaum einer hat es mitbekommen

Zudem gab es Entwicklungen, die von den Berichterstattungen zum Coronavirus völlig überschattet wurden, aber vielleicht eher der Auslöser für die Kursverluste an den Aktienmärkten vom Wochenbeginn waren: Oder haben Sie etwa mitbekommen, dass die USA ihre Einfuhrzölle auf bestimmte Stahl- und Aluminiumprodukte erhöht haben. Nein? Wundert mich nicht. Denn berichtet wurde darüber kaum. Stattdessen waren die Nachrichten ja voll von Pandemie-Berichten.

Am vergangenen Freitag jedenfalls unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein Dekret, wonach 25 % Zoll zusätzlich auf bestimmte Stahlprodukte und auf bestimmte Aluminiumwaren 10 % mehr erhoben werden. Ausgenommen sind beim Stahl Importe aus Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Mexiko und Südkorea sowie bei Aluminium Einfuhren aus Argentinien, Australien, Kanada und Mexiko.

Und daher darf man sich fragen, ob es nicht vielleicht diese Zölle statt des Coronavirus waren, die am Montag die Aktienmärkte belastet haben. Denn neue Zölle haben aktuell ein viel höheres Potential, die Wirtschaft zu belasten, wenn es hierdurch wieder zu neuen Handelsstreitigkeiten kommt. Bislang sind Gegenreaktionen nicht bekannt. Und vielleicht nahmen die Börsen die Aufwärtsbewegungen auch deshalb schnell wieder auf.

Zölle dürften bald wieder ein größeres Thema werden

Aber das muss nicht lange anhalten. Denn Zölle könnten bald wieder ein größeres Thema werden. Schließlich hatte Donald Trump bereits am vergangenen Mittwoch am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos der EU erneut mit Zöllen auf Autoimporte gedroht. Sollte sich die EU nicht rasch mit der US-Regierung auf ein neues Handelsabkommen einigen, werde er neue Zölle auf den Import von Autos und anderen Waren einführen, so Trump. Wohl auch deshalb zeigten sich in den vergangenen Tagen insbesondere Aktien aus der Autobranche wieder schwer belastet.

Nach dem Abschluss des Teilabkommens mit China sei es nun an der Zeit, sich um die „unfairen“ Handelsbeziehungen mit Europa zu kümmern. „Ich wollte warten, bis ich China fertig habe. Ich wollte nicht China und Europa gleichzeitig haben“, sagte er im Gespräch mit dem Nachrichtensender CNBC.  Es gebe zwar keinen genauen Zeitplan für ein Ende der Verhandlungen, aber er glaube, dass es noch vor der US-Präsidentenwahl im November klappen könnte.

Ein Handelsstreit zwischen USA und EU wäre ein größeres Problem

Die USA und die EU sind sehr wichtige Handelspartner. Sie haben 2018 Waren und Dienstleistungen im Wert von fast 1,3 Billionen US-Dollar ausgetauscht. Kommt es hier zu ähnlichen Auseinandersetzungen wie zwischen den USA und China, wäre dieser Handelsstreit um einiges problematischer für die Märkte. Zum Vergleich: Der Gesamtwert des Warenhandels der USA mit China lag 2018 „nur“ bei 659,8 Milliarden US-Dollar, wovon rund 120,3 Milliarden US-Dollar auf den Export und rund 539,5 Milliarden US-Dollar auf den Import von Waren entfielen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Die neue Coronavirus-Pandemie beherrscht zwar aktuell die Medien und gilt derzeit als Hauptbelastungsfaktor für die Börsen. Doch hier könnten wieder einmal die Kurse die Nachrichten gemacht haben. Sicherlich sorgt die Pandemie unter Anlegern für Unsicherheit, und die Kursentwicklung ist bekanntlich sehr stark von der Stimmung der Anleger abhängig.

Doch die Auswirkungen sind bislang eher auf China und wenige ausländische Unternehmen (z. B. Airlines) begrenzt. Und daher dürften die jüngsten Kursbewegungen in Frankfurt oder New York eher von für die Wirtschaft wichtigeren Entwicklungen, wie den neuen Zöllen und Zolldrohungen der USA, beeinflusst worden sein.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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