In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Während der DAX im Sommerloch zu stecken scheint, legten die US-Indizes weiter zu. Doch sie haben nun alle zeitgleich wichtige Widerstandslinien erreicht. ...
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Sechs Tage in Folge musste der DAX Verluste hinnehmen, bevor er gestern wieder zulegen konnte. Das klingt zwar dramatisch, die Kursverluste waren aber sehr moderat. Nur rund 300 Punkte gingen seit dem 5. Juli verloren. Und knapp die Hälfte davon wurde seit dem gestrigen Handelsauftakt schon wieder aufgeholt. Aktuell steht der DAX dort, wo er auch schon vor einer Woche notierte. Und geht es nach der gestrigen Verfallstagsanalyse von Torsten Ewert, dann könnte der DAX auch bis zum Ende der Woche noch unter Bewegungsarmut leiden.

Nur vereinzelt dynamische Kursbewegungen

Bereits in der Börse-Intern vom 5. Juli schrieb ich, dass sich der DAX im Handelsverlauf der damaligen Woche mit einer Range von weniger als 200 Zählern begnügte. Der Index schien im Sommerloch angekommen zu sein. Und offenbar dauert dieses seitdem an. Nur einige Einzeltitel tanzten jüngst mit stärkeren Kursbewegungen aus der Reihe, insbesondere wenn Anleger mal wieder eine Gewinnwarnung zu verdauen hatten.

Das übliche Spiel zur Bilanzsaison

Da die Berichtssaison zum 2. Quartal 2019 gerade erst anläuft, dürften sich diese Einzelfälle noch häufen. Ob sie damit das Zeug haben, auch den Gesamtmarkt zu beleben, bleibt abzuwarten. Die Gewinnerwartungen dürften inzwischen gering sein. Werden diese übertroffen (was meist der Fall ist), ist mit steigenden Kursen zu rechnen, werden sie enttäuscht, sind wohl weitere Rücksetzer zu verdauen. Es ist das übliche Spiel.

Spielt die Wall Street dieses Mal ein anderes Spiel?

Doch in den USA könnte das Spiel dieses Mal anders ablaufen. Denn die Aussicht auf weiterhin billiges Geld seitens der US-Notenbank hat die Aktienindizes dort zuletzt immer weiter nach oben angetrieben. Wenn nun die Geschäftszahlen die Erwartungen übertreffen, könnten damit die Zinssenkungsfantasien gedämpft werden. Zeichnet sich hingegen ab, dass die Handelsstreitigkeiten bereits die Unternehmen und damit die Wirtschaft belasten, könnte dies die Zinserwartungen und damit die Kurse weiter beflügeln.

Wobei zu berücksichtigen ist, dass die Bilanzen zum 2. Quartal 2019 vergangene Entwicklungen widerspiegeln. Die Notenbanken möchten mit ihren geldpolitischen Maßnahmen aber zukünftige Entwicklungen beeinflussen. Und daher wird sich die US-Notenbank kaum von den Unternehmensbilanzen zum 2. Quartal beeinflussen lassen. Die Börse ist allerdings stark stimmungsgetrieben. Und aktuell werden positive Wirtschaftsdaten eben kontra Zinssenkung und negative pro Zinssenkung interpretiert. Ob das bei der Berichtssaison auch so sein wird, bleibt daher abzuwarten.

Kommt am Ende doch wieder ein Gewinnwachstum heraus?

Aktuell rechnen Analysten jedenfalls im Durchschnitt damit, dass die Gewinne der Unternehmen aus dem S&P 500 im Vergleich zum Vorjahr gesunken sind. Das wäre der erste Gewinnrückgang in einem Quartal seit drei Jahren. Doch diesen hatte man auch schon für das 1. Quartal 2019 prognostiziert. Und am Ende kam in Summe ein erneutes Gewinnwachstum heraus, weil die im Vorfeld reduzierten Erwartungen wie üblich übertroffen wurden.

Vor diesem Hintergrund ist also in den kommenden Tagen mit mehrheitlich positiven Überraschungen zu rechnen. Für die Einzeltitel könnte es dann zumindest kurzzeitig jeweils weiter aufwärts gehen. Sollten damit aber die Zinssenkungserwartungen sinken, könnten sich die Gewinne schnell wieder in Luft auflösen. Man sollte also in den kommenden Tagen sehr genau darauf achten, wie die Anleger auf die Geschäftszahlen im ersten und im zweiten Moment reagieren.

Die Macht der runden Marken

Zumal die charttechnische Situation bei den US-Indizes aktuell sehr spannend ist. Der Dow Jones überwand kürzlich erstmals die Marke von 27.000 Punkten, der S&P 500 schaffte den Anstieg über die Schallmauer von 3.000 Zählern und der Nasdaq 100 steht nur sehr knapp vor der 8.000er Marke. Alle drei Indizes notieren damit auf Allzeithoch und somit auf einem charttechnisch klar bullishen Niveau. Allerdings werden derartige runde Marken meist nicht im ersten Anlauf nachhaltig überwunden.

US-Indizes stehen zeitgleich an wichtigen Widerstandslinien

Zudem haben alle drei Indizes durch den anhaltenden Anstieg jeweils eine Widerstandslinie erreicht, die Bestandteil einer möglichen trompetenartigen Formation sein kann. Der S&P 500 steht gerade ganz knapp vor dieser Linie (blau im folgenden Chart).

S&P 500 - Chartanalyse

Der Nasdaq 100 hat seine Widerstandslinie sogar schon leicht überwunden.

Nasdaq 100 - Chartanalyse

Und der Dow Jones befindet sich gerade im Kampf um diese Hürde.

Dow Jones - Chartanalyse

Und die Saisonalität spricht ab Mitte Juli für ein Ende der dynamischen Aufwärtsbewegung. Bis Ende Juli fällt der Dow Jones sogar regelmäßig auf das Niveau zurück, welches bis zum Ende des Jahres das untere Ende einer Seitwärtstendenz markiert.

Dow Jones - saisonaler Kursverlauf in US-Vorwahljahren

Daher erscheint es mir gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, nicht nur bei bestehenden Long-Positionen den Stopp nachzuziehen, sondern vielleicht auch schon an erste Gewinnmitnahmen zu denken. Auf die restlichen Kursgewinne, die durchaus noch bis zum Zinstermin der US-Notenbank am 31. Juli möglich sind, verzichte ich angesichts der immer höheren Rückschlaggefahren aus fundamentaler (hohe KGV-Bewertung der US-Indizes), charttechnischer und saisonaler Sicht gerne.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
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