In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die Beantwortung der Frage nach der fundamentalen Bewertung am Aktienmarkt ist immer interessant, da sich die Märkte und die Bewertungen ständig verändern. ...
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Ein freundlicher Leser hat am vergangenen Samstag den Wunsch geäußert, zu der Börse-Intern vom 17. November 2017 ein Update zu liefern. Der Titel der damaligen Analyse lautete „Sind Aktien derzeit teuer?“. Zwar hat es hier in der Börse-Intern seitdem bereits immer wieder Updates zu der Frage gegeben, doch komme ich der Bitte des Lesers trotzdem gerne nach. Denn die Beantwortung der Frage nach der fundamentalen Bewertung am Aktienmarkt ist immer wieder interessant. Schließlich verändern sich die Märkte und die Bewertungen beständig.

DAX relativ billig

Notierte der DAX zum Beispiel Mitte November 2017 noch bei rund 13.000 Punkten, so sind es aktuell nur noch etwas mehr als 12.200 (-6,15%). Insofern müssten die im deutschen Leitindex beinhalteten Aktien eigentlich billiger geworden sein. Und tatsächlich: Ende 2017 lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des DAX noch bei relativ hohen 14. Aktuell notiert es laut einer Analyse der Helaba vom 14. September (siehe auch folgende Grafik) nur noch bei einem Wert von 11,9 und damit lediglich knapp über dem Mittelwert der vergangenen 10 Jahre.

Kursgewinnverhältnisse (KGV) der großen Aktienindizes
(Quelle: Helaba)

US-Aktien relativ teuer

Im Gegensatz dazu sind die US-Aktien seit November 2017 deutlich gestiegen - der S&P 500 von ca. 2.580 auf 2.910 (+12,8 %), der Dow Jones von ca. 23.400 auf 26.400 (+12,8 %) und der Nasdaq100 von 6.340 auf 7.480 Punkte (+18,0 %). Entsprechend müssten US-Aktien eigentlich teurer geworden sein. Doch tatsächlich ist das KGV des S&P 500 von damals 18,0 auf heute 16,8 sogar zurückgegangen.

Kurs- und Gewinnentwicklung beeinflussen die fundamentale Bewertung

Grund dafür ist das hohe Gewinnwachstum im S&P 500 von voraussichtlich mehr als 20 % in diesem Jahr (siehe auch folgende Grafik aus der Börse-Intern vom 08.08.2018).

Umsatz- und Gewinnerwartungen zu den Unternehmen im S&P 500 in 2018

Wenn das Gewinnwachstum höher als das KGV ist, kann das KGV selbst bei steigenden Kursen sinken. Die Kurse dürfen dazu lediglich nicht so stark steigen wie die Gewinne. Und im S&P 500 ist dies der Fall (Gewinne: +20,5%, S&P 500: +12,8 %).

Wird schwächeres Gewinnwachstum zum Problem für Aktien?

Allerdings ist das KGV des S&P 500 trotz seines leichten Rückgangs auf 16,8 nach wie vor überdurchschnittlich hoch (siehe Grafik oben). Und in der Börse-Intern vom 16. November 2017 hatte ich die Frage gestellt, ob schwächeres Gewinnwachstum zum Problem für Aktien werden könnte. Die Steuerreform von Donald Trump war damals noch nicht beschlossene Sache. Sie hat dann aber zweifelsfrei die Gewinne der US-Unternehmen stark erhöht. Doch wie die folgende Grafik aus der Börse-Intern vom 08.08.2018 zeigt, wird sich das durchschnittliche Gewinnwachstum der S&P 500-Unternehmen in 2019 voraussichtlich halbieren und damit wieder auf ein einigermaßen normales Maß zurückkommen.

Umsatz- und Gewinnerwartungen zu den Unternehmen im S&P 500 - Vergleich 2018 vs. 2019

Zieht man die „price-earnings to growth-Ratio“ (PEG) als Bewertungskennziffer heran - setzt man also das KGV ins Verhältnis zum Gewinnwachstum - dann rechtfertigt ein Gewinnwachstum von 10,3 % kein KGV von 16,8.

Ähnliches gilt in diesem Fall übrigens auch für den DAX. Denn die Fondsgesellschaft Fidelity erwartet für deutsche Aktiengesellschaften in diesem Jahr ein Gewinnwachstum von 6 % bis 7 %, welches in 2019 in ähnlicher Größenordnung ausfallen soll. Mit einem derart moderaten Wachstum ist nach der PEG-Faustformel (fairer Wert aus KGV / Gewinnwachstum = 1) ein eigentlich relativ günstiges KGV von 11,9 ebenfalls noch zu hoch.

Unverändertes Fazit

Und damit komme ich wieder zu dem Fazit, welches ich hier schon wiederholt geäußert habe: Grundsätzlich befinden wir uns in der schönsten aller Börsenwelten. Es gibt kaum ein Argument, welches derzeit gegen Aktien spricht - abgesehen von den weit gestiegenen Kursen in den US-Indizes. Da die Unternehmensgewinne zukünftig nicht mehr so stark steigen, wie in diesem Jahr, sollten Gewinnwachstum und Aktienmarktbewertung irgendwie wieder in Einklang geraten.

Das kann zum Beispiel über eine stärkere Kurskorrektur der Aktien (ca. 10 % bis 15 %) geschehen, so dass das KGV mit den fallenden Aktienkursen sinkt. Alternativ wäre eine länger anhaltende Seitwärtsbewegung denkbar, bei der die Aktienkurse relativ stabil bleiben, die Unternehmensgewinne aber dann im Zeitablauf quasi in die bereits gestiegenen Aktienkurse hineinwachsen und das KGV somit über die „Stellschraube“ der Gewinne sinkt.

Weiter stark steigende Aktienkurse und damit eine Beibehaltung oder gar Ausweitung des KGV halte ich dagegen angesichts der derzeitigen Perspektiven für die Unternehmensgewinne eher für unwahrscheinlich.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
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