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Endlich wieder Kaufkurse! Doch Vorsicht!

Ausgabe vom 03.03.2026

Endlich wieder Kaufkurse! Doch Vorsicht!

von Sven Weisenhaus

Durch den 24/7-Handel von Krypto-Assets war der Bitcoin am vergangenen Wochenende ein erster Indikator für die Reaktion der Börsen auf die Eskalation im Nahen Osten. Und er deutete darauf hin, dass die Anleger relativ entspannt mit den Risiken umgehen würden.

Kryptomarkt reagiert gelassen

Zwar gab der Bitcoin am Samstag bis auf rund 63.000 USD nach, womit sich eine kurze Risk-Off-Stimmung zeigte, doch erholten sich die Kurse recht schnell wieder (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart).

Der Bitcoin präsentiert sich trotz Nahost-Konflikt stabil

Ein tieferes Tief innerhalb des Abwärtstrendkanals (rot) blieb dadurch aus. Stattdessen arbeitete der Kurs wieder an einem bullishen Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal, der aber von weiteren Abwärtslinien blockiert wurde.

Erwartbare Reaktionen am Devisenmarkt

Neben dem Kryptomarkt war der Devisenmarkt ein weiterer Stimmungsindikator. Und hier zeichnete sich eine erwartbare Flucht in sichere Häfen ab, zu denen der US-Dollar immer noch zählt, auch wenn die Bedenken gegenüber der US-Währung zuletzt zugenommen hatten. Der Dollar konnte gegenüber anderen Devisen deutlich zulegen, wodurch der EUR/USD zum Beispiel kräftig einbrach (siehe roter Pfeil im folgenden Chart).

Der Dollar wird durch den Nahost-Konflikt als sicherer Hafen gefragt, was den EUR/USD einbrechen lässt

Damit sind die Träume der Bullen von einer Fortsetzung des Aufwärtstrends zerplatzt. Stattdessen setzt sich die volatile Seitwärtstendenz fort, die seit dem Hoch der Aufwärtsbewegung vom 1. Juli 2025 herrscht.

Auch gegenüber dem japanischen Yen konnte der Dollar deutlich aufwerten, wodurch sich der USD/JPY wieder seinen Hochs nähert.

Der Dollar wird durch den Nahost-Konflikt als sicherer Hafen gefragt, was den USD/JPY wieder nach oben treibt

Hinter diesen Kursreaktionen stecken vollkommen logische fundamentale Überlegungen:

Effekte der steigenden Ölpreise

Durch die Eskalation im Nahen Osten sind die Ölpreise stark gestiegen. Und eine Faustregel besagt, dass ein Ölpreisanstieg um 10 % die Inflation um etwa 0,2 Prozentpunkte erhöht. Vor diesem Hintergrund kann die US-Notenbank keine Zinssenkungen vornehmen. Und anhaltend hohe Zinsen machen den Dollar als Anlagewährung attraktiv.

Eine weitere Faustregel besagt, dass bei einem 10%-igen Anstieg der Ölpreise das BIP-Wachstum um 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte geringer ausfällt. Daher werden Notenbanken aktuell auch von Zinsanhebungen absehen. Und das betrifft vor allem die Bank of Japan, die sich auf einem Zinsanhebungspfad befand. Anhaltend niedrige Zinsen belasten den japanischen Yen.

Devisenmarktintervention?

Vor diesem Hintergrund nähert sich der USD/JPY wieder der psychologisch wichtigen Marke von runden 160 Yen. Viele Marktteilnehmer hatten diese Marke als Obergrenze des Zulässigen bezeichnet, bevor es zu Interventionen am Devisenmarkt kommt.

Doch fraglich ist, ob es in der aktuellen Marktsituation, in der große Unsicherheit und erhöhte Volatilität herrscht, zu Interventionen am Devisenmarkt kommen wird. Zumal diese womöglich schnell verpuffen könnten, weil sich die Anleger derzeit in einer Fluchtbewegung befinden. Und diese Masse wird sich nur sehr schwer aufhalten lassen.

Grundsätzlich halte ich Short-Positionen auf den USD/JPY, mit denen man auf einen Eingriff Japans – womöglich gemeinsam und koordiniert mit den USA – am Devisenmarkt setzt, für attraktiv. Doch im aktuellen Marktumfeld würde ich dabei nur äußerst vorsichtig vorgehen, also mit kleinerem Kapitaleinsatz.

Es drohen weiter steigende Ölpreise

Man muss auch berücksichtigen, dass die Marktreaktionen gestern noch relativ moderat, heute aber deutlich stärker ausgefallen sind. Vor allem in den USA wurden gestern anfängliche Kursrücksetzer am Aktienmarkt weitestgehend aufgeholt. Der Kryptomarkt war da noch ein guter Hinweisgeber. Heute aber wurden mit hoher Dynamik tiefere Tiefs markiert. Der Grund: Der Ölpreisanstieg fiel zunächst geringer aus als erwartet, weil es auch hier nicht bei den ersten Marktreaktionen blieb. Doch heute sind die Ölpreise wieder und weiter gestiegen.

Die Börsen werden auch in den kommenden Tagen primär auf die Ölpreise reagieren. Und entscheidend wird hierbei sein, wie sich die Lage im Nahen Osten entwickelt. Dabei sollte man sich im Klaren sein, dass dies völlig unkalkulierbar ist. Und das gilt somit auch für die Kursentwicklungen an den Börsen.

Endlich Kaufkurse!

Manchmal macht es Sinn, sich von den Börsen einfach fernzuhalten. Man muss nicht jederzeit aktiv sein. Es gibt Marktphasen, in denen ist man an der Seitenlinie besser aufgehoben. Und vorerst heißt es nun: abwarten, bis sich der Staub etwas gelegt hat.

Vor allem sollte man Anlegeentscheidungen nicht in Panik treffen, also jetzt keine übereilten Verkäufe tätigen. Ich würde sogar eher zum Gegenteil neigen: Der aktuelle Kurseinbruch zum Beispiel des DAX bringt endlich die Kaufkurse, auf die (wahrscheinlich nicht nur) ich lange gewartet habe. Ein erster Einstieg könnte daher Sinn machen. Fallen die Kurse weiter, bieten sich Zukäufe zu Schnäppchenpreisen an. Kaufen, wenn die Kanonen donnern!

Für kurzfristige Trader und Spekulanten ist der aktuelle Markt derweil ein Eldorado. Doch sollten auch diese derzeit nur äußerst vorsichtig vorgehen, also mit kleinerem Kapitaleinsatz.


Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr 
Sven Weisenhaus 
www.stockstreet.de

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