In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Laut den Einkaufsmanagerdaten melden die Unternehmen steigende Ein- und Verkaufspreise. Zudem steigt die Konsumlaune. Beides deutet auf höhere Inflation. ...
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Ich möchte heute auf die Börse-Intern von Freitag zurückkommen und noch einmal verdeutlichen, was für Informationen die Märkte an diesem Tag erhalten haben:

  • Die US-Wirtschaft signalisierte im April ein Wachstum in Rekordgeschwindigkeit. Denn der entsprechende Einkaufsmanagerindex erreichte das höchste Niveau seit Beginn der Datenerhebung im Oktober 2009. Viele Einzeldaten der Umfrage erreichten ebenfalls Rekordstände.
  • Die wirtschaftliche Aktivität ist sogar so stark erholt, dass es aufgrund einer hohen Nachfrage nach Rohstoffen inzwischen zu schweren Beschaffungsproblemen kommt, welche die Produktion und Lieferketten stören.
  • Um die Kapazitäten zu erhöhen, ist es zu dem stärksten Beschäftigungsanstieg seit November 2020 gekommen. Der Arbeitsmarkt erholt sich dadurch in hohem Tempo.
  • Das alles führt zu höheren Kosten bei den Unternehmen. Und dadurch steigen die Preise mit der zweithöchsten Rate seit Beginn der Aufzeichnungen.
  • Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht, da die Unternehmen ihre Produktionsaussichten für die kommenden 12 Monate sehr optimistisch einschätzen.

Wirtschaft platzt aus allen Nähten, Preise explodieren

Das alles berichtete IHS Markit zu seinen Einkaufsmanagerdaten am Freitag. Kurz gesagt: Die US-Wirtschaft platzt aus allen Nähten, es werden haufenweise neue Mitarbeiter eingestellt und die Preise explodieren. Letzteres gilt übrigens auch für die Eurozone. Hier legten die Einkaufspreise so rasant zu wie seit 10 Jahren nicht mehr.

IHS Markit Einkaufsmanagerindex: Einkaufspreise in der Eurozone
(Quelle: PMI by IHS Markit)

Und da die höheren Einkaufspreise laut IHS Markit oftmals an die Kunden weitergegeben wurden, verteuerten sich die Verkaufspreise so stark wie zuletzt im Januar 2018.

IHS Markit Einkaufsmanagerindex: Verkaufspreise in der Eurozone
(Quelle: PMI by IHS Markit)

Vor diesem Hintergrund stellt sich weiterhin die Frage, wann die Notenbanken die Märkte darauf vorbereitet, dass es an der Zeit ist, den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, um einer Überhitzung der Wirtschaft und einer ausufernden Inflation vorzubeugen, insbesondere in den USA.

Ist der Anstieg der Inflation wirklich nur vorübergehend?

An der Geschichte einer nur vorübergehenden Inflation darf übrigens gezweifelt werden. Denn die Verkaufspreise steigen jetzt schon an, obwohl laut den Daten von IHS Markit Kostenanstiege von den Unternehmen nur zu einem Teil an die Kunden weitergegeben werden.

Das kann damit zusammenhängen, dass die Verbraucher aktuell noch zurückhaltend sind, aufgrund der Gefahren durch die Pandemie. Der Schock über mögliche Jobverluste steckt vielleicht noch tief. Und so hält der Konsument derzeit noch einige seiner Talerchen zusammen. Preiserhöhungen könnten in einer solchen Phase Kunden vertreiben. Mit zunehmender Überwindung der Krise dürfte der Sicherheitsbedarf aber ab- und die Konsumlaune zunehmen. Dann lassen sich die Preise leichter erhöhen.

Stimmung der US-Konsumenten hebt sich merklich

Passend dazu wurde heute gemeldet, dass die Stimmung der US-Konsumenten im April auf das höchste Niveau seit Februar 2020 gestiegen ist. Die Stimmung hat also ihr Vor-Krisen-Niveau erreicht. Das Barometer des Conference Board kletterte auf 121,7 Punkte, von revidiert 109,0 Zählern im März.

Index zum Verbrauchervertrauen des Conference Board

Die Verbraucher sehen ihre aktuelle Lage und auch die Aussichten günstiger als zuletzt. Nicht ganz unschuldig daran dürfte wohl das 1,9 Billionen Dollar schwere Hilfsprogramm von US-Präsident Joe Biden sein, durch das Millionen Amerikaner staatliche Einmalschecks in Höhe von zuletzt 1.400 Dollar erhalten haben, die nun natürlich auch in den Konsum fließen.

Zunehmende Konsumlust könnte Basiseffekte ablösen

Wenn sich die Konsumstimmung mit fortschreitenden Impfungen und einer zunehmenden Öffnung der Wirtschaft auch in den kommenden Monaten weiter aufhellt, könnte die Inflation auch noch im zweiten Halbjahr 2021 und im kommenden Jahr zulegen, auch wenn dann die aktuellen Basiseffekte der steigenden Ölpreise, der CO2-Bepreisung oder auch der temporären Reduzierung der Mehrwertsteuer in Deutschland hinter uns liegen. Das heißt also, ein Nachlassen des Inflationsauftriebs durch die Basiseffekte könnte durch eine Weitergabe von Preiserhöhungen durch die Unternehmen an die Verbraucher ausgeglichen werden und der Inflationsdruck damit erhöht bleiben.

Bereits morgen wird es wieder spannend

Die Notenbanken haben signalisiert, dass sie ein gewisses Überschießen der Inflation für einen begrenzten Zeitraum zulassen werden. Fragt sich nur, wie hoch die Inflation ausfallen und wie lange sie das Ziel von 2 % überschreiten darf. Es wird also spannend, wie groß der Inflationsdruck in den kommenden Monaten ausfällt. Und bereits morgen wird es interessant, wie die US-Notenbank die weitere Entwicklung einschätzt. Aktuell gehen die meisten Marktteilnehmer davon aus, dass es noch keine Hinweise auf eine Reduzierung der Anleihekäufe geben wird. Sollten sie sich irren, könnte dies die Aktienkurse belasten.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
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