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Neuer Fed-Chef +++ Goldrausch pausiert
Ausgabe vom 30.01.2026
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Neuer Fed-Chef +++ Goldrausch pausiert
von Torsten Ewert
Endlich ist es raus! Heute Morgen Ortszeit hat Donald Trump in Washington den Namen desjenigen bekanntgegeben, den er als neuen Fed-Chef sehen will. Es ist der Ökonom und ehemalige Investmentbanker Kevin Warsh.
Donald Trump nominiert Kevin Warsh als nächsten Fed-Chef
In den kommenden Tagen wird es viele Kommentare von kompetenten Leuten geben, was das für die US-Geldpolitik und die Finanzmärkte bedeuten kann. Daher von mir an dieser Stelle nur so viel: Warsh ist zumindest – anders als manche anderen Kandidaten, die immer mal wieder genannt wurden – ein ausgewiesener Finanzexperte. Er war zudem bereits von 2006 bis 2011 Mitglied im Board der US-Notenbank und daher an Zinsentscheidungen beteiligt. Er weiß also, wie es läuft.
Zudem fiel in seine Amtszeit die Immobilien und Finanzkrise. Damit hat er also auch Erfahrung. Seine Bestätigung durch den Senat dürfte daher nur eine Formsache sein.
Wie viel jedoch sein „Vorleben“ wert ist, wird man sehen. US-Präsident Trump will erklärtermaßen niedrigere Zinsen. Warsh hatte dazu in einem Interview Mitte 2025 gesagt, dass er für eine lockere Geldpolitik eintreten würde, wenn er darüber mitzubestimmen hätte.
Trotz aller Expertise Warshs werden wir also abwarten müssen, wie er und die anderen Mitglieder im FOMC, dem Entscheidungsgremium der Fed, unter den konkreten Umständen tatsächlich handeln werden. Vorschusslorbeeren sind daher genauso unangebracht wie Vorverurteilungen.
Aufschlussreiche Marktreaktion
Aufschlussreich ist zumindest die erste Marktreaktion auf die Nachricht:

Im vorbörslichen Future- bzw. CFD-Handel gab es daraufhin einen bullishen Impuls (siehe Pfeil), der den Kurs zunächst über eine kurzfristige Abwärtslinie (rot) steigen ließ. Doch danach bröckelten die Kurse wieder ab und fielen erneut unter die rote Linie.
Wie schon so häufig in jüngster Zeit gab es mit Beginn des offiziellen Handels einen erneuten Umschwung: Die Kurse stiegen wieder und versuchten mehrfach, aber vergeblich den Ausbruch aus dem grauen Rechteck, das sich nach der Warsh-Meldung gebildet hat. Das gelang jedoch bis Redaktionsschluss nicht, stattdessen bildeten sich auffällige bearishe Kerzen (siehe roter Bogen).
Aber wir wissen ja, dass die erste Reaktion selten die letzte ist, also warten wir den weiteren Verlauf ab.
Pause im Goldrausch – und nun?
Daher heute noch zu einem anderen Thema, das die Gemüter schon länger erregt: die Edelmetall-Rally. Kurse von mehr als 5.000 Dollar bei Gold und mehr als 100 Dollar bei Silber galten noch vor einigen Monaten teilweise als utopisch. Nun sind sie erreicht, und die Frage ist wie immer: Geht die Übertreibung weiter oder platzt die Blase?
Eigentlich ist diese Frage müßig, weil niemand sie beantworten kann. Bekanntlich können Übertreibungen und Blasen lange dauern – vor allem, solange es Leute gibt, die vor dem Platzen der Blase warnen oder sie auch nur als solche bezeichnen…
Charttechnische Methoden helfen ebenfalls nur bedingt weiter. Dennoch will ich meine Analyse dazu hier teilen, weil es zumindest kurzfristig ein paar gute Anhaltspunkte gibt.
Im folgenden Chart beschränke ich mich auf die jüngsten Teile der Gold-Rally, weil sie das Wesentliche zeigen:

Wir sehen zwei starke Aufwärtswellen; die erste von August bis Oktober 2025, als der Goldpreis in nur 43 Handelstagen um +32,3 % stieg. Die zweite ging in dieser Woche zu Ende und war noch steiler: +31 % in nur 20 Handelstagen – also fast der gleiche Anstieg in nur der Hälfte der Zeit!
Zwei gleich starke Anstiege, die mit einigem Abstand aufeinander folgen, sind für uns Charttechniker etwas Bekanntes; sofort kommen uns die Measured Moves in den Sinn.
Measured Moves der anderen Art
Die Krux ist nur, das klassische Measured Moves so aussehen:

Der offensichtliche Unterschied ist: Die Welle zwischen beiden Anstiegen (B) geht in der Theorie nach unten. Bei Gold geht sie jedoch ebenfalls aufwärts, wenn auch mit geringerer Dynamik. Der andere Unterschied: A und C sind zwar (theoretisch) gleich groß, aber in Punkten, Dollar oder sonstigen Einheiten gemessen. Beim Gold sind die Prozentwerte gleich groß; die Abstände in Dollar betragen 1.070 bzw. 1.324,5 Dollar. Der zweite ist also schon mal satte 30 % größer.
Wer will, darf das also eine Blase nennen – der Kursverlauf erlaubt das zweifellos.
Was die Target-Trend-Methode verrät
So weit das Eine, das die Charttechnik hergibt. Das Andere liefern die eingezeichneten Trendlinien, die nach der Target-Trend-Methode (TTM) gefunden wurden. Und danach sehe ich vorerst kein Ende des Anstiegs, nur eine Pause.
Letztlich kann man die Rally von August bis Mitte Januar mit dem grünen Trend beschreiben. Im Oktober gab es zwar einen Ausbruch aus dem Trend, aber auch einen Rückfall dorthin, sodass der Trend weiterging. (Das ist ebenfalls ein Zeichen der Stärke, denn oft fällt der Kurs nach einem solchen markanten Fehlausbruch durch den alten Trend hindurch!)
Die gestrichelten Trendlinien sind der grüne Trend, parallel verschoben in das Oktober-Hoch. Wie häufig in der TTM haben alle Linien etwa gleich Abstände. Und wie ebenfalls sehr häufig, hangelt sich der Kurs dann von Linie zu Linie bzw. auch wieder zurück.
Der jüngste Anstieg hätte nun die obere gestrichelte Linie erreichen müssen, was er nicht geschafft hat. Nach TTM war daher der Rückfall zu erwarten (wenn auch nicht seine Dynamik). Typisch ist jedoch, dass der Rückfall bis zur nächsttieferen Trendlinie ging, in diesem Fall der Oberkante des grünen Trends.
Ein neuer Trend bei Gold
Und „merkwürdigerweise“ hat sich dadurch ein neuer Trend gebildet, der nun fortgesetzt werden kann. Zumindest sollte der Goldpreis vorerst im Bereich oberhalb des grünen Trends und unterhalb der unteren gestrichelten Linie bleiben.
Die These einer Trendbeschleunigung wird hier dadurch erleichtert, dass der Rückfall – abgesehen von einem kleinen „Überschwinger“ nach unten – offenbar über der 5.000-Dollar-Marke bleibt. Damit behalten die Bullen Oberwasser und dürften neuen Mut schöpfen.
Falls der Kurs doch noch mal stärker nachgibt, die 5.000er Marke bricht und wieder in den grünen Kanal fällt, muss man die Lage neu bewerten. Dann drohen ein Rückgang bis an die Unterkante des grünen Kanals und eventuell sogar weitere Verluste.
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