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2026: Schon jetzt ein (weiteres) Jahr der Extreme

Ausgabe vom 03.02.2026

2026: Schon jetzt ein (weiteres) Jahr der Extreme

von Sven Weisenhaus

Vielleicht erinnern Sie sich noch – zum Jahreswechsel hatte ich den Wunsch geäußert, „dass 2026 ein möglichst normales Jahr wird – nicht nur an den Börsen. Denn ein wenig mehr Normalität könnten wir in sehr vielen Bereichen gebrauchen. Es braucht wieder mehr Vernunft und gesunden Menschenverstand, vor allem in der Politik, national und international.“ Doch bislang ist eher das Gegenteil der Fall. 2026 ist schon jetzt ein (weiteres) Jahr der Extreme und knüpft damit nahtlos an das vergangene Jahr an.

Die nächsten 180-Grad-Drehungen

Am vergangenen Wochenende gab es schon die nächste 180-Grad-Drehung für die Märkte. Einerseits wurde diese durch die Nominierung von Kevin Warsh als nächsten Fed-Chef durch US-Präsident Donald Trump ausgelöst (siehe auch „Neuer Fed-Chef“). Andererseits kam sie durch den ausgebliebenen Angriff der USA auf Iran, der aufgrund zahlreicher Hinweise von vielen Beobachtern eigentlich erwartet worden war.

Ölpreis explodiert zuerst und bricht dann ein

Letzteres brachte vor allem die Ölpreise unter Druck, die zuvor stark gestiegen waren. Noch am Freitag war die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) bei 65,822 USD aus dem Handel gegangen, nachdem sie tags zuvor ein Hoch bei 66,515 USD erreicht hatte. Am Montag folgte dann ein Einbruch auf im Tief 61,445 USD, was einem Rückgang um bis zu -6,6 % entspricht.

Bei dem jüngsten Anstieg des Ölpreises konnte man mit einem günstigen Einstieg (grüner Pfeil) und einem höheren Ausstieg (roter Pfeil) einen ordentlichen Gewinn erzielen

Unsere Long-Position, über die ich am 13. Januar berichtet hatte (siehe: Der „15:30 Uhr-Trade“), lief am Donnerstag in den Take-Profit bei 63,5 USD (siehe roter Pfeil im Chart, grüner Pfeil = Einstieg), so dass die Leser des Trading-Dienstes Target-Trend-CFD automatisch einen Gewinn in Höhe von 549,43 € realisieren konnten. Beim Ölpreis ist unsere Trading-Bilanz damit weiterhin lupenrein, da bislang jeder einzelne Trade mit einem Gewinn abgeschlossen wurde.

Öl-Trades des Börsenbriefes "Target-Trend-CFD"

Und der jüngste Gewinn ist zugleich der höchste, wodurch die Performancekurve der Öl-Trades deutlich nach oben dreht.

Performance der Öl-Trades des Börsenbriefes "Target-Trend-CFD"

Zwar war angesichts eines anschließend noch höheren Ölpreises theoretisch mehr Gewinn drin, doch mit Blick auf den jüngsten Einbruch und die Kurskapriolen kann man mit dem Ergebnis dennoch äußerst zufrieden sein.

EUR/USD explodiert zuerst und bricht dann ein

Gleiches gilt für den Long-Trade auf den EUR/USD, über den ich ebenfalls am 13. Januar berichtet hatte. Der Wechselkurs gab zwar seitdem zunächst noch etwas weiter nach, vor der unteren Linie des jüngsten Aufwärtstrendkanals drehten die Kurse aber plötzlich nach oben (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart) und schossen anschließend raketenartig bis auf 1,20822 USD nach oben. Dabei wurden die bisherigen Trendhochs vom Juli und September 2025 quasi mühelos übersprungen.

EUR/USD schießt raketenartig nach oben und gibt dann wieder deutlich nach

Am Dienstag vergangener Woche nutzten wir diesen Anstieg, um uns per Stop-Loss Gewinne zu sichern. In die steigenden Kurse hinein zogen wir den Stop-Loss schrittweise bis auf 1,1984 USD nach, wo der Trade tags darauf beendet wurde. Ergebnis: 652,54 € Gewinn.

Trump: Dollar-Abwertung ist „großartig"

Befeuert worden war der Kursanstieg – wie soll es derzeit auch anders sein – durch US-Präsident Donald Trump. Er bezeichnete die deutliche Dollar-Abwertung als „großartig" und setzte damit die bereits schwächelnde US-amerikanische Währung zusätzlich unter Druck (siehe auch: Wer kauft Amerika?).

Trump hob schon in der Vergangenheit immer wieder die Vorteile eines schwächeren Dollars hervor. Ein starker Dollar klinge zwar gut, mehr Geld mache man jedoch mit einer schwächeren Währung, sagte er bereits im Sommer. 
Der Grund: Ein niedriger Dollarkurs macht zwar Importe teurer, er verbessert aber zugleich die Marktchancen US-amerikanischer Unternehmen, wovon sich Trump mehr Industriejobs in den USA erhofft.

Trump braucht einen stabilen Dollar

Allerdings braucht Trump eigentlich auch einen relativ stabilen Dollar, damit ausländische Investoren weiterhin US-Staatsanleihen kaufen und so den ständig wachsenden Schuldenberg der USA mitfinanzieren. Denn schwindet das Vertrauen in die (schwächelnde) Währung, nehmen Investoren Abstand. Und eine sinkende Nachfrage nach US-Staatsanleihen setzt deren Kurse unter Druck und lässt im Gegenzug die Renditen steigen. Dadurch würden für die US-Regierung die Zinskosten steigen, die jetzt schon höher sind als die gesamten Verteidigungsausgaben des Landes.

Ein Analyst der Deutschen Bank wies diesbezüglich darauf hin, dass europäische Länder US-Anleihen und -Aktien im Wert von 8 Billionen Dollar halten – fast doppelt so viel wie der Rest der Welt. Anleger könnten erwägen, einen Teil dieses Geldes abzuziehen.

Und das haben erste Investoren auch bereits getan. Erst kürzlich hatte vor dem Hintergrund des Streits um Grönland ein dänischer Pensionsfonds den Verkauf von US-Staatsanleihen in nennenswerten Umfang verkündet (rund 100 Millionen Dollar). Seitdem folgte medienwirksam ein schwedischer Vermögensverwalter.

Warsh-Nominierung löste Kehrtwenden aus

Doch die Nominierung von Kevin Warsh als nächsten Fed-Chef durch Trump hat die aufgeschreckten Anleger erst einmal beruhigt. Die Furcht vor einem (unnötig zu) stark sinkenden US-Leitzins ist gebannt. Wobei „beruhigt“ mit Blick auf die dadurch ausgelösten Kursentwicklungen (bis hin zu crashartigen Kurseinbrüchen vor allem bei Gold und Silber) vielleicht das falsche Wort ist. Besser: Es hat die Marktteilnehmer bei ihren Anlageentscheidungen kurzfristig umdenken oder umschwenken lassen.

Nachhaltiger De-Risiking-Trend bei US-Investments

Ob das nachhaltig ist, bleibt abzuwarten. Ich habe Zweifel. Denn Trump dürfte spätestens mit seinen Grönland-Drohungen ein De-Risking in Sachen US-Investments eingeleitet haben („De-Dollarisation“). Ich erwarte daher, dass es nach den Gegenbewegungen dieser Woche bald schon wieder in die andere Richtung gehen wird, wenn auch nicht mehr ganz so schnell wie zuvor.

Silber und vor allem Gold werden wahrscheinlich auf absehbare Zeit nicht mehr auf die Kurse der vergangenen Monate und Jahre zurückkehren, trotz der jüngsten crashartigen Kurseinbrüche der Edelmetalle. Und das dürfte auch für den EUR/USD gelten.

Beendet Warsh die extreme Spekulation?

Die Aktienmärkte wirken mit Blick auf die Indizes derzeit dagegen relativ ruhig. Unter der Oberfläche herrscht bei Einzeltiteln aber weiterhin massive Spekulation. Und diese hat sich jüngst von Aktien auf Edelmetalle und Rohstoffe sowie Devisen ausgeweitet.

Wer weiß, vielleicht ist Kevin Warsh genau der Fed-Kandidat, der dem ein Ende bereitet. Denn er plädierte in der Vergangenheit dafür, die aufgeblähte Bilanz der US-Notenbank deutlich zu verkleinern. Das würde potentiell Billionen US-Dollar an Liquidität aus dem Markt ziehen. Und genau diese Liquidität ist es, die derzeit (noch) stets neue Anlegeziele sucht und dabei immer wieder zu kleinen und großen Blasenbildungen führt.

Im Mai findet der Wechsel an der Spitze der US-Notenbank statt. In diesem Zusammenhang verweise ich noch einmal auf den saisonalen Verlauf des Dow Jones in US-Zwischenwahljahren. Demnach geht es ausgerechnet von Ende April bis Ende September regelmäßig kräftig abwärts mit den Aktienkursen.

saisonaler Kursverlauf des Dow Jones in US-Zwischenwahljahren

Anleger sollten sich daher genau überlegen, ob sie sich über einen Kandidaten Warsh wirklich freuen sollten.

Fazit

Was heißt das nun kurzfristig? Ich verrate Ihnen meine Erwartungen:

  • Bei Gold und Silber muss man mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die Volatilität noch einige Tage deutlich erhöht bleiben wird. In diesem Markt würde ich erst wieder aktiv werden, wenn sich der Staub etwas gelegt hat.
  • Bei Öl und EUR/USD bietet sich theoretisch ein günstiger Rückkauf der beendeten Long-Trades an. Skeptisch stimmt mich allerdings die hohe Abwärtsdynamik der Gegenbewegungen. Daher sollte man nur vorsichtig wieder einsteigen und vielleicht zunächst nur die halbe Position zurückkaufen.
  • Die US-Aktienindizes befinden sich aktuell noch in Seitwärtskonsolidierungen. Wer es spekulativ mag, steigt im oberen Kursbereich in einen Short- und im unteren in einen Long-Trade ein. Dabei muss man allerdings beachten, dass eine Tendenz von höheren Tiefs vorliegt. Wer konservativer agiert, sollte einen Ausbruch aus den Seitwärtsbewegungen abwarten und dann einen Trade in Ausbruchsrichtung vornehmen.


Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr 
Sven Weisenhaus 
www.stockstreet.de

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