In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Was passiert, wenn bei hoch bewerteten Aktien die Erwartungen an Zinssenkung und ein schnelles Ende des Handelsstreits enttäuscht werden, zeigt sich gerade ...
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Was passiert, wenn bei hoch bewerteten Aktien die Erwartungen enttäuscht werden – in diesem Fall die einer Zinssenkung in den USA und auf ein schnelles Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China – zeigte sich seit gestern Abend an den Börsen. Die US-Indizes haben nach unten gedreht und einen Rücksetzer hinnehmen müssen – und mit ihnen im Schlepptau auch unsere heimischen Indizes.

Hoffnungen auf ein Ende des Handelsstreits schwinden

Grund dafür waren Aussagen des Handelsministers der USA in einem Interview, wonach im Streit mit China noch große Themenblöcke abgearbeitet werden müssten. Bereits einen Tag zuvor hatte US-Präsident Donald Trump verkündet, dass es noch „ein langer Weg“ bis zu einer Einigung im Handelsstreit sei. Dies ließ die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Handelsstreits schwinden.

Hoffnungen auf Zinssenkungen schwinden

Zudem ließ sich im aktuellen Konjunkturbericht der Notenbank nachlesen, dass die Aussichten für die US-Wirtschaft trotz des Handelsstreits durchaus positiv sind. Laut dem sogenannten Beige Book habe die Wirtschaft weiter mit gemäßigtem Tempo zugelegt. Und auch für die kommenden Monate sei trotz der Unsicherheiten bezüglich des Handels von einem weiter moderaten Wachstumstempo auszugehen. Das klingt nun nicht gerade nach der Notwendigkeit einer stärkeren Unterstützung durch die US-Notenbank.
Die Währungshüter werden wahrscheinlich in Kürze vorsorglich und vorsichtshalber eine kleine Zinssenkung um 25 Basispunkte vornehmen, aber ob die Markterwartungen von drei Zinssenkungen alleine bis Ende 2019 erfüllt werden, ist mit diesem Wirtschaftsausblick aus dem Beige Book fraglich.

Erste Signale einer leichten Marktschwäche

Entsprechend gaben die Kurse an der Wall Street im späten Handel (MESZ) gestern noch recht deutlich nach. Und heutige Erholungsversuche scheiterten bislang. Es zeichnet sich damit erstmals seit längerem eine leichte Marktschwäche ab – pünktlich zum Beginn der saisonal schwächeren Marktphase in Vorwahljahren.

Chinesische Aktien könnten eine Alternative sein

Während ich vor Neuengagements am US-Markt daher derzeit eher absehe, erscheinen chinesische Aktien dagegen aktuell für mich durchaus interessant. Zwar leidet auch China unter dem Handelsstreit und nachlassendem Wirtschaftswachstum, doch verfügt das Land noch über ausreichende Mittel, um die eigene Wirtschaft zu stimulieren. Und der chinesische Aktienmarkt erscheint im Gegensatz zu US-Titeln noch relativ günstig.

Im 2. Quartal 2019 ist die chinesische Wirtschaft um 6,2 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gewachsen, nach 6,4 % im Vorquartal. Das ist zwar das schwächste BIP-Plus seit 27 Jahren, doch lag dies im Rahmen der Regierungsziele und der Markterwartungen. Insgesamt kommt die chinesische Wirtschaft im 1. Halbjahr 2019 auf ein Wachstum von 6,3 %. Für das Gesamtjahr strebt die chinesische Führung 6,0 % bis 6,5 % an.

Auch in China ist das Wachstum schuldenfinanziert

Erreicht wurde das Wirtschaftswachstum in dieser Höhe allerdings auch nur, weil China ebenfalls die Staatsausgaben deutlich erhöht und das Wachstum damit auf Pump finanziert hat, genau wie die USA (siehe gestrige Börse-Intern). So legten die staatlichen Ausgaben Chinas in der 1. Jahreshälfte 2019 insgesamt um 10,7 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, während die Einnahmen nur um 3,4 % stiegen.

Der gesamte Schuldenberg Chinas (staatlich und privat) ist inzwischen auf über 303 % der Wirtschaftsleistung angestiegen. Das entspricht mehr als 40 Billionen Dollar. 15 % der weltweiten Verbindlichkeiten gehen allein auf das Konto Chinas. Das klingt sehr viel, ein Jahr zuvor lagen die Schulden des Staates, der Unternehmen und der privaten Haushalte allerdings bereits bei 297 %. Es ist also keineswegs so, dass die Verschuldung Chinas erst durch den Handelskonflikt massiv gestiegen ist. Zudem hat die Regierung in Peking bereits verschiedene Maßnahmen beschlossen, um die Risiken der Verschuldung einzudämmen - etwa, indem sie gegen Schattenbankkredite an kleinere Unternehmen vorgegangen ist.

Mit Blick auf die Kreditvergabe und die jüngsten Wirtschaftsdaten zeichnet sich in China allerdings ab, dass diese aktuellen Konjunkturhilfen zu greifen beginnen. So sind im Juni sowohl die Industrieproduktion (+6,3 % im Vergleich zum Vorjahr, Mai: +5,0 %) als auch die Einzelhandelsumsätze (+9,8 %, Mai: +8,6 %) unerwartet stark gestiegen.

Chinesischer Aktienmarkt hat bereits konsolidiert

Und der chinesische Aktienmarkt hat im Gegensatz zu den US-Indizes bereits deutlich konsolidiert, nachdem es auch hier seit dem Jahreswechsel dynamisch nach oben gegangen war. Am 8. März und am 3. April riet ich bereits zu Investitionen am chinesischen Aktienmarkt. Seitdem haben die Rückschläge in den Verhandlungen um ein Handelsabkommen zu einem deutlichen Rücksetzer geführt.

Shanghai Composite - Chartanalyse

Mit diesem wurde bisher jedoch nur der dynamische Anstieg zum Jahresbeginn konsolidiert. Mit den jüngsten Tiefs dieser Konsolidierung hat sich eine Aufwärtstrendlinie etabliert. Und diese könnte schon in Kürze neue Kursgewinne mit sich bringen (siehe grüner Pfeil im Chart).

Allerdings verläuft diese Aufwärtstrendlinie recht steil. Und es ist fraglich, ob sich der chinesische Aktienmarkt von der Weltleitbörse in den USA abkoppeln kann. Wenn es an der Wall Street abwärts geht, wird wahrscheinlich auch der Shanghai Composite noch einmal nachgeben (roter Pfeil). In diesem Fall könnte sich aber eine ABC-Korrektur ausbilden (blaue Buchstaben), auf die gewöhnlich wieder steigende Kurse folgen. Und langfristig sollte man mit einer guten Portion China-Investments im Depot nichts falsch machen, wenn man spätestens nach einer eventuellen erneuten Korrekturwelle weiter Stück für Stück in diesen Markt einsteigt.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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