In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die Musik an der Börse wechselt ständig - von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Bald könnte der Sound der Börse die Kurse wieder nach oben rocken. ...
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Bevor wir zum heutigen Text von Torsten Ewert kommen, zunächst ein Hinweis in eigener Sache:

Betatester für neuen Börsenbrief gesucht!

Endlich ist es uns gelungen, einen der besten Optionsscheintrader in Deutschland als Chefredakteur für einen neuen Börsenbrief zu verpflichten. Manfred Ries betreute 14 Jahre lang einen der bekanntesten Börsenbriefe im Bereich Optionsscheine. In dieser Zeit arbeite er zwar auch schon als freier Redakteur für Stockstreet, durfte aber verständlicherweise nicht in seinem Spezialbereich einen zweiten Börsenbrief für uns betreuen. Das hat sich nun geändert, und deswegen freuen wir uns, den neuen „Optionsschein-Expert-Trader“ mit Manfred Ries anzukündigen.

Da wir aber ein etwas anderes Konzept planen, suchen wir zunächst 30 Tester, die den Dienst kostenlos erhalten. Im Anschluss an die Beta-Phase möchten werden wir Ihnen dann einige Fragen dazu stellen, um zu sehen, ob und wie unser neues Konzept ankommt.

Wenn Sie also bei diesem Beta-Test dabei sein wollen, schreiben Sie eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit dem Betreff „Betatest“. Die ersten 30 Leser, die uns schreiben, werden unsere Beta-Tester und erhalten schon in dieser Woche die ersten Ausgaben des neuen Optionsschein-Börsenbriefs von Manfred Ries. Wir freuen uns auf Ihr Feedback!


Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

die Musik an der Börse wechselt ständig. Mal lassen es die Anleger so richtig rocken, mal möchte man sich wegen der jämmerlichen Moll-Töne die Ohren zuhalten. Zurzeit erinnert mich der Sound der Börse aber eher an Billy Joels Klassiker „We Didn’t Start the Fire“.

Eine lange Liste von Belastungsfaktoren

Wer von Ihnen in den späten 80ern oder Anfang der 1990er musikalisch „sozialisiert“ wurde, kennt diesen Song von 1989 sicherlich: Die Strophen bestehen fast durchweg aus scheinbar willkürlich aneinandergereihten Schlagworten (die allerdings für wichtige Ereignisse, Personen oder Themen der vorangegangenen vier Jahrzehnte stehen).

Zugegeben, mit der Börse selbst hat das alles nichts zu tun. Aber einige Börsenkommentare der jüngsten Zeit haben mich an dieses Lied erinnert. Der Grund: Die Kommentatoren listen darin ähnlich staccatoartig die Schlagworte auf, die zurzeit als Gefahren für Konjunktur und Börsen gelten: von Handelsstreit und Brexit bis hin zu sinkenden Unternehmensgewinnen und der Autokrise in Deutschland.

Neulich machte mich ein Traderkollege auf eine Grafik in einer US-Publikation aufmerksam: eine Waage, auf welcher auf der einen Seite alle positiven Faktoren für Wirtschaft und Märkte und auf der anderen Seite alle negativen Faktoren dargestellt wurden. Und nun raten Sie mal, wie das Verhältnis von Positivem zu Negativem war.

In welche Richtung neigt sich die Waage?

Sage und schreibe 20 (!) negative Faktoren zogen die Waage nach unten, während gerade mal ein positiver Aspekt dagegenstand: eine oder mehrere mögliche Zinssenkungen der Fed! Und selbst dieser eine positive Punkt kommt vermutlich nur dann zum Tragen, wenn die negativen Auswirkungen der anderen so gravierend werden, dass sich die konjunkturelle Lage in den USA merklich eintrübt (siehe Börse-Intern vom 21.06.2019).

Ich werde hier natürlich nicht all die negativen Faktoren auflisten. Das haben, wie gesagt, schon viele andere Kommentatoren getan und auch die Nachrichten sind voll davon. Ich will nur auf zwei Dinge eingehen, die mir besonders aufgefallen sind.

In einem Kommentar wird vor allem auf die Ergebnisse der jüngsten monatlichen Fondsmanagerumfrage der Bank of America Merrill Lynch eingegangen. Danach sind die befragten Fondsmanager so negativ für die Aktienmärkte gestimmt wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr. In besagtem Kommentar wird das als wichtiger negativer Faktor für die Aktienmärkte gewertet.

Starke Kurse: bullish oder bearish?

Nun sollte aber inzwischen allgemein bekannt sein, dass insbesondere Stimmungsextreme häufig antizyklisch zu werten sind. Wenn also die Fondsmanager so bearish sind wie seit 2008 nicht mehr – also seit dem letzten großen Crash – dann könnte das tendenziell eher ein positiver Faktor sein. Dazu passt, dass auch die Stimmung der US-Privatanleger unlängst auf einem zyklischen Tief notierte und sich seitdem nicht wesentlich gebessert hat – und das trotz des kurz danach erreichten Allzeithochs im S&P 500.

Damit kommen wir zum zweiten Punkt, der mir in vielen bearishen Kommentaren aufgefallen ist: die kritisch bewertete charttechnische Lage. Unisono wird darin kritisiert, dass die US-Märkte immer noch „so hoch“ stehen. Denn das könne ja eigentlich nicht sein, so der einhellige Tenor, schließlich wurden die Gewinne inzwischen so kräftig reduziert (siehe Börse-Intern vom 28.06.2019), dass die Bewertungen längst wieder übertrieben seien. Logische Konsequenz: Die Kurse können eigentlich nur noch fallen und alle, die jetzt nicht verkaufen, werden schon noch sehen, was sie davon haben.

Der Markt hat immer Recht! Oder doch nicht?

Das ist natürlich möglich, doch die Kurse stehen nun einmal da, wo sie stehen, und bis zum Beweis des Gegenteils gilt die alte Regel: Der Markt hat immer Recht!

Solche Basta-Argumente helfen aber auch nicht wirklich weiter. Also schauen wir ganz sachlich, warum der Markt doch Recht haben könnte. Ein wichtiger positiver Aspekt ist natürlich die schon erwähnte schlechte Stimmung: Wenn die Fondsmanager tatsächlich so bearish sind und sich sogar schon entsprechend abgesichert haben, ist von dieser Seite kein größerer negativer Druck auf die Kurse mehr zu erwarten. Gleiches gilt für die Privatanleger, die inzwischen ihre Gewinne mitgenommen haben. Dass also diese negative Stimmung und die entsprechenden Verkaufsaktionen der Anleger die Kurse bisher nicht stärker gedrückt hat, ist doch ein sehr positives Zeichen!

Ab wann was eingepreist ist

Aber was ist mit den 20 (oder mehr) „objektiv“ negativen Faktoren? Die meisten davon (z.B. Brexit) sind schon seit langem bekannt. Darüber hinaus haben einige schon eine längere Entwicklung hinter sich (z.B. der Handelsstreit USA-China), so dass sich Muster erkennen lassen, wohin sie höchstwahrscheinlich führen werden. Die Börsianer hatten also genug Zeit, um alle möglichen Auswirkungen zu bewerten.

Das gilt übrigens auch für einige vermeintlich neue Risiken, z.B. den womöglich eskalierenden Iran-Konflikt. Denn auch dessen mögliche Folgen sind nichts wirklich Neues. Die Gefahr einer konfliktbedingten Sperrung der Straße von Hormus (durch die rund ein Drittel aller weltweiten Öltransporte auf dem Seeweg und ca. 20 % des gesamten Ölhandels gehen) wurde beispielsweise schon vor Monaten diskutiert – als die USA das Iran-Abkommen aufkündigten.

Damit sollten die meisten der bekannten Risiken und Gefahren schon eingepreist sein. Wenn diese Bewertung aber ebenfalls nicht zu den befürchteten Kursrückgängen geführt hat – und bei der jüngsten Korrektur im Mai hatten die Anleger die beste Gelegenheit dazu – dann spricht vieles dafür, dass es auch nicht mehr dazu kommt. Der Markt hätte also seine Meinung schon gebildet und zeigt sie uns gerade!

Was die Stärke der Märkte wert ist

Eine andere Frage ist: Warum ist der Markt bullish? Diese Frage ist an der Börse meist zweitrangig, aber selbst dafür finden sich einige (langfristige) Gründe – z.B. die Perspektiven, die sich durch die vielen neuen Technologien ergeben, die derzeit in der Entwicklung sind.

Und hier schließt sich übrigens der Kreis zu dem eingangs erwähnten Song von Billy Joel: Titel („We Didn’t Start the Fire“, etwa: Wir haben das Feuer nicht entzündet) und Refrain deuten an, dass bestimmte Dinge in der Geschichte – und eben auch an der Börse – immer wiederkehren. Oder (um mit Mark Twain im musikalisch-dichterischen Bild zu bleiben): Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich.

Neue Technologien haben schon immer Wirtschaft und Märkte nach oben getrieben. Und so wäre es nicht das erste Mal, dass die Märkte angesichts einer Vielzahl von Belastungsfaktoren eine „unverständliche“ Stärke zeigen. In der aktuellen Monatsausgabe meines Geldanlage-Briefs, die am Wochenende erschienen ist, habe ich meinen Lesern eine (auffallend ähnliche) historische Parallele vorgestellt, die sehr viel darüber verrät, was uns in den kommenden Monaten (und eventuell Jahren) an der Börse noch erwartet – wenn der Sound der Börse die Kurse weiter nach oben rockt.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

PS: Natürlich können auch Sie in den Genuss dieser Analyse kommen. Wie? Ganz einfach – indem Sie sich jetzt gleich zum 30-tägigen kostenlosen Probeabo des Geldanlage-Briefs anmelden! Sie können dann die aktuelle Monatsausgabe für den Juli direkt aus dem Onlinearchiv herunterladen.


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