In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Der Kurseinbruch im Oktober hat auch die peinlichen engen Grenzen der hoch gelobten Robo-Fonds und die Schwächen des Computerhandels deutlich gemacht. ...
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

in dem fiktionalen Thriller „Angst“ von Bestsellerautor Robert Harris („Enigma“) geht es um einen Super-Algorithmus, der auf spektakuläre Weise (nicht nur) die Märkte beherrscht. In der Realität sind die ersten Systeme, die auf denselben Methoden basieren, aber noch peinlich weit von solchen Ergebnissen entfernt.

Künstliche Intelligenz soll Algo-Tradern auf die Sprünge helfen

Schlagzeilen haben solche „Algo-Trader“ („Algo“ ist die Kurzform von Algorithmus, also den Softwareroutinen, die diese Systeme steuern) dagegen schon öfter gemacht. Erstmals wurden sie – in ihrer einfachsten Form – im berühmten Crash von 1987 auffällig, als sie massenhaft Stop-Orders „automatisch“, also unkontrolliert, in den Markt gegeben haben und damit den damaligen Kurseinbruch maßgeblich vorangetrieben haben sollen.

Vor einigen Jahren machte dann eine neue Art von Algorithmen Furore, und zwar diejenigen von sogenannten Hochfrequenz-Tradern. Sie sollen unter anderem diverse sogenannte Flash-Crashs ausgelöst bzw. verstärkt haben, z.B. den bisher spektakulärsten vom 6. Mai 2010, als der Dow Jones innerhalb von Minuten einen blitzartigen 10%-Einbruch und eine ebenso dynamische Erholung erlebte und manche US-Aktien zeitweise um mehr als 90 % verloren.

Gut, solche „Kinderkrankheiten“ und „Unfälle“ gibt es bei allem Neuen. Aber nun – endlich! – sollen diese Systeme der ultimative Weg sein, die Märkte zu beherrschen, fast wie in Harris‘ Roman. Künstliche Intelligenz (KI; englisch: Artificial Intelligence, AI) soll ihnen auf die Sprünge helfen. Von ihr träumen Forscher seit Jahrzehnten, doch inzwischen scheint sie aufgrund leistungsfähiger Computer und Software erstmals möglich zu sein.

Eine verlockende Aussicht – und der Traum jedes Anlegers

Das Besondere daran ist, dass – anders als bisher – diesen Systemen keine festen Regeln per Software mehr vorgegeben werden, nach denen sie sich richten (wie bei schnöden Stop-Orders). Die Software fungiert dagegen als selbstlernendes System, das aus diversen Daten (charttechnische, fundamentale usw.) seine Regeln selbst findet und dann entsprechende Entscheidungen trifft.

Nicht nur, wer jemals versucht hat, ein Tradingsystem zu „basteln“, kann ermessen, wie verlockend diese Aussicht ist: Damit gäbe es theoretisch die Möglichkeit, alle verfügbaren Informationen zu berücksichtigen, die für die Kursverläufe relevant sind. Egal, ob Konjunkturdaten, Unternehmensergebnisse und -nachrichten, Branchen-News oder Informationen über die Konkurrenz, politische Beschlüsse, Geldpolitik, Rohstoffe, Wetter, und, und, und – all das könnte ein solches System erfassen, auswerten und daraufhin genau die richtigen Kauf- oder Verkaufsentscheidungen treffen.

Im Prinzip wäre ein solches System erstmals in der Lage, die Effizienzmarkthypothese nicht nur zu bestätigen, sondern auch in der Praxis umzusetzen! Wenn es genau ein solches System gäbe, träfe es stets die richtigen Entscheidungen – alle anderen „Börsianer“ (egal, ob menschliche Akteure oder andere, unvollkommenere automatische Systeme) hätten das Nachsehen.

Die Gretchen-Frage für alle Privatanleger

Lassen Sie diese Erkenntnis erst einmal richtig sacken – und beantworten Sie dann für sich die folgende (Gretchen-)Frage: Wenn es tatsächlich ein solches System (oder mehrere) gibt – wie wahrscheinlich ist es, dass es jemand genau Ihnen anbietet, damit Sie ebenfalls davon zu profitieren?

Genau, das Ganze klingt doch eher wie ein Hightech-Finanzgeheimnis institutioneller und hochvermögender Investoren. Wir Kleinanleger bleiben doch bei sowas stets außen vor. (Okay, automatische Stop-Orders können wir inzwischen auch platzieren, aber gab es je einen Fonds für Hochfrequenzhandel für Privatanleger?)

Die Robos marschieren inzwischen in Massen auf

Erstaunlicherweise gibt es aber dennoch erste Fonds, die solche KI/AI-Methoden einsetzen (ich nenne sie „Robo-Fonds“), seit geraumer Zeit auch für Privatanleger. Die sogenannten Robo-Advisors, die (angeblich) ebenfalls mit den gleichen Methoden arbeiten, schießen mittlerweile sogar schon fast wie Pilze aus dem Boden.

Nun sind die Robo-Advisors aus verschiedenen Gründen eine Black Box, die man nicht so ohne weiteres unter die Lupe nehmen kann. Aber Robo-Fonds lassen sich mit ihrer Benchmark vergleichen. Und die bisherigen Ergebnisse nach kräftiger Rally und steilem Kurseinbruch sind eher ernüchternd. Zwei Beispiele:

Was die „Robos“ bisher geschafft haben

Einer der ersten „Robo-Fonds“, der seit rund einem Jahr den (US-)Markt mit Künstlicher Intelligenz schlagen soll, hat jedenfalls in den Markt-Wirren des Oktobers schmählich versagt, wie der folgende Chart zeigt.

Peinliche Pleite der Robo-Fonds I

(Quelle: MarketMaker)

Der Fonds (rote Kurve) startete zwar gleich mit einer Delle (siehe rote Ellipse) gegenüben dem S&P 500 (blaue Kurve), diese machte er aber schnell wieder wett. Danach lief er eine Weile synchron zum Markt. In der Aufholjagd ab dem Frühjahr gelang ihm dann aber eine fulminante Rally, die ihm ein ordentliches Plus bescherte (siehe grüne Ellipse).

Doch dann begann er erneut zu schwächeln, während der S&P 500 weiter stieg (siehe schwarze Linien). Und bei dem steilen Rückfall vom Oktober verlor der Fonds deutlich mehr als der Markt (-15,4 % vs. 11,5 %), so dass er kurzzeitig sogar etwas hinter den Markt zurückfiel (siehe gelbe Ellipse).

Letztlich sind Anleger also mit einem „einfachen“ ETF auf den S&P 500 genauso gut gefahren – und hätten damit bisher unter dem Strich sogar noch einen kleinen Vorteil verbucht: Statt stattlicher 0,75 % Gebühren wie der Robo-Fonds hat ein Standard-S&P 500-ETF weniger als 0,1 % Gebühren pro Jahr.

Deutschlands bescheidenster „Robo“

Aber auch Anleger hierzulande konnten schon Erfahrungen mit Robo-Fonds sammeln. Die deutsche Fondsgesellschaf Acatis des renommierten Fondsmanagers Hendrik Leber hat seit Juni 2017 einen entsprechenden Fond am Markt. Aber dessen Bilanz ist ebenfalls wenig überzeugend:

Peinliche Pleite der Robo-Fonds II

(Quelle: MarketMaker)

Nun kann man den Acatis-Leuten zugute halten, dass sie diesen Fonds offenbar von vornherein als Versuchsballon angesehen haben. Zumindest sind die Ansprüche entsprechend bescheiden: Nur 3 % Überrendite gegenüber der Benchmark, dem MSCI Welt, ist das Ziel. Aber hinter diesem Anspruch blieb der Fonds im ersten Jahr weit zurück, indem er sogar schwächer abschnitt.

Wer das Lehrgeld für Robo-Fonds bezahlt

Im Gegensatz zu dem US-Fonds oben verpasste der Acatis-Algorithmus aber auch die Rally vom Sommer, gab jedoch trotzdem schon vor dem Hoch der Märkte deutlich nach (siehe schwarze Linien). Und den Einbruch im Oktober nahm er ebenfalls voll mit (Verlust von Jahreshoch zu Oktober-Tief: -9,6 % vs. 8,7 % beim MSCI Welt).

Gut, nun kann man sagen, der „Kleine“ lernt ja noch, aber man hätte natürlich erwartet, dass ihn seine Entwickler besser trainiert auf die Börsenwelt loslassen. Denn als Anleger sehe ich gar nicht ein, dass ich es sein soll, der das Lehrgeld für ihn zahlt – hier fallen nämlich schon jährliche Gebühren von bis zu 1,93 % an! Damit hat man bei diesem Fonds übrigens selbst dann kaum einen Vorteil gegenüber einem ETF, wenn er sein Ziel (3 % Überrendite) erreicht – 2 % davon werden ja allein durch die Gebühren schon wieder aufgefressen…

So hätten es die Robo-Fonds besser machen können!

Die Robo-Fonds und ihre Anleger hätten sich diese peinliche Pleite aber ganz einfach ersparen können. Hier in der Börse-Intern habe ich schon seit Monaten auf die Gefahrenmomente an den Märkten hingewiesen – sowohl im DAX als auch an den US-Märkten. Und für meine Leser der Stockstreet Investment Strategie und des Geldanlage-Briefs habe ich auf diese Warnsignale auch rechtzeitig reagiert: Seit Monaten habe ich in diesen Börsenbriefen defensive Werte empfohlen, und das mit überzeugendem Erfolg.

Seit Februar haben wir z.B. fünf ausgesprochen defensive Werte (nach-)gekauft. Das Ergebnis: Seit dem 21. September, als die US-Indizes ihre jüngsten (Allzeit-)Hochs markierten, haben die Märkte zweistellig verloren. Unsere fünf neuen Positionen haben jedoch ihre Kurse nahezu stabil gehalten (-0,7 %). Und ein anderer defensiver Wert, den wir schon länger im Depot haben, hat seitdem sogar um 9 % zugelegt und ein neues Allzeithoch erreicht! Das ist da noch gar nicht mit drin…

Das sollten Sie tun, um Ihr Vermögen zu schützen

Das ist keinesfalls die berüchtigte „Eintagsfliege“. So läuft unser Musterdepot bereits den größten Teil des Jahres besser als der DAX. Aktuell steht unser Depot bei -0,4 % seit Jahresbeginn, der DAX bei -10,8 %! Und das ist für ein langfristig ausgelegtes Depot, das natürlich immer – zumindest teilweise – investiert sein muss, eine höchst beachtliche Leistung. Aber auch in anderen schwierigen Jahren schlug sich das Musterdepot besser: 2014 stand es am Ende 7,3 Prozentpunkte höher als der DAX, 2011 sogar 9,0 Prozentpunkte!

Falls Sie also Ihr Vermögen wirklich schützen und stressfrei mehren wollen, sollten Sie nicht auf unerfahrene Roboter setzen, sondern jemanden fragen, der sich damit auskennt.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

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