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Eine Woche der Entscheidungen?!
Ausgabe vom 22.06.2026
Eine Woche der Entscheidungen?!
von Torsten Ewert
Zugegeben – dass in dieser Woche wichtige Entscheidungen fallen sollen, erschließt sich aus dem Wirtschaftskalender nicht unbedingt. Es ist also zunächst nur eine These. Aber Sie werden gleich sehen, dass zumindest wichtige Weichen für den Kursverlauf in den kommenden Wochen gestellt werden (können).
Hauptsache, der Ölpreis fällt!
Es ist die Woche 1 nach dem US-Iran-„Deal“. Der wurde von Ökonomen, Politprofis und sonstigen Experten quasi in der Luft zerrissen. Aber diese Urteile dürften für die meisten Menschen, Unternehmen und politischen Pragmatiker – inklusive der Zentralbanker – nebensächlich sein. Hauptsache, der Ölpreis fällt wieder!
Und das tut er:

Ob er nachhaltig unter 80 Dollar fällt, bleibt abzuwarten vorerst steht er immer noch 12 % höher als im Durchschnitt der 18 Monate vor Kriegsbeginn (schwarz gestrichelte Linie). Kein Wunder, denn am Wochenende hat sich bei den Verhandlungen zwischen den USA und Iran in der Schweiz gezeigt, dass die Lage im Nahen Osten keineswegs abschließend geklärt ist.
Dennoch könnten die Einkaufsmanager-Indizes (von S&P Global) und andere Stimmungsindikatoren aus der Wirtschaft (ifo Geschäftsklima, ZEW-Konjunkturerwartungen), die in dieser Woche veröffentlicht werden, zeigen, dass sich die Stimmung in der Wirtschaft wieder aufhellt.
Die Konjunktur ist zurück auf dem Erholungspfad
Das zeigen sogar schon die Daten von sentix, die als „Early Mover“ vor allen anderen monatlichen Umfragen erhoben werden und daher schon seit zwei Wochen vorliegen – als die „US-Iran-Einigung“ nur eine Hoffnung war:

Quelle: eigene Darstellung nach Angaben von sentix
Nur in Deutschland, das sich laut den sentix-Daten weiterhin in einer Rezession befindet, ging die Wertung der aktuellen Lage zurück (zum dritten Mal in Folge und auf den niedrigsten Stand seit Februar 2025). In den anderen Ländern bzw. Regionen stiegen die Lage-Werte im Juni dagegen; in den USA auf den höchsten Stand seit Februar 2025 (also vor Trumps „Zoll-Hammer“ vom April 2025) und in Japan sogar auf den höchsten Stand seit April 2024.
Diese Tendenzen sollten durch die aktuellen Werte dieser Woche untermauert werden, da sie zumindest teilweise die Einigung der Vorwoche widerspiegeln dürften.
Die Erholung der zwei Geschwindigkeiten
Aufschlussreich dürfte werden, ob die Gesamteinschätzung von sentix bestätigt wird. Danach zeichnete sich auch ohne das Abkommen der Vorwoche bereits eine leichte weltwirtschaftliche Konjunkturerholung ab, allerdings mit zwei Geschwindigkeiten: Während die USA und Japan, aber vor allem das restliche Asien diese Erholung deutlich anführen (und dadurch in den Aufschwungmodus gewechselt sind), bleibt Deutschland konjunkturelles Schlusslicht der erfassten Wirtschaftsräume – und belastet damit auch die zarte Erholung im Euroraum.
Ähnlich sehen das übrigens die internationalen Fondsmanager laut der monatlichen Umfrage der Bank of America (BofA), die in der Vorwoche veröffentlicht wurde. Danach stieg der Optimismus für die globalen Wachstumsaussichten um recht deutliche 13 Prozentpunkte auf netto -1 %. (Das bedeutet in diesem Fall, dass der Anteil derer, die ein globales Wirtschaftswachstum erwarten, immer noch um 1 Prozentpunkt geringer ist, als der Anteil derjenigen, die einen Rückgang erwarten.)

Aber immerhin: Die Wachstumsschwelle ist erreicht, und auch hier dürfte der Wert unter dem Eindruck der Absichtserklärung der Vorwoche nun wohl besser ausfallen.
Inflationsdaten und -erwartungen im Fokus
Weitere Stimmungswerte (aus Verbrauchersicht) sind das GfK Konsumklima für Deutschland am Donnerstag und das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan für die USA (am Freitag).
Zusammen mit letzterem werden auch die Inflationserwartungen der US-Verbraucher gemeldet, wofür die Analysten einen gleichbleibend hohen Wert von 4,6 % erwarten. Diese Erwartung bzw. das Ergebnis wird sich an den Preisdaten zu den Persönlichen Konsumausgaben (PCE) in den USA messen lassen müssen, die es ebenfalls in dieser Woche gibt (am Donnerstag).
Übrigens passen auch die Positionierungen der Fondsmanager laut der BofA-Umfrage zu diesen Tendenzen: So haben sich zwar die Inflationserwartungen der Profis etwas abgeschwächt, aber ihre Erwartung, dass die kurzfristigen Zinsen weiter steigen ist so stark wie seit September 2022 nicht mehr!
Unbeliebte Tech-Werte?
Folglich setzen sie inzwischen verstärkt auf Rohstoffwerte (die von einer höheren Inflation profitieren), auf Japan und die Emerging Markets (hier sind sie laut BofA am stärksten übergewichtet), während sie ihr Engagement in Tech-Werten tendenziell abgebaut haben.
Letzteres ist angesichts der steilen Tech-Rally seit Ende März bemerkenswert, passt aber zum jüngsten Kursverlauf, wonach nur noch die Halbleiterbranche – als einzige der 3 Branchen des Sektors – neue Allzeithochs erreichen konnte:

Quelle: MarketMaker mit Daten von infront, eigene Berechnungen (indexiert, 31.12.2025 = 100)
Offenbar büßen Tech-Aktien an Beliebtheit ein – und das nicht nur bei den Software-Werten, die schon seit längerem schwächeln.
Quartalsergebnis von Micron: Gewaltige Zahlen!
Und in dieser Woche könnte es eine weitere Entscheidung über hopp oder top im Tech-Sektor geben (und damit diese Umschichtungen eventuell weitergehen): Der Speicherchip-Konzern Micron wird am Mittwoch nach Börsenschluss seine Zahlen vorlegen!
Zur Erinnerung: Aussagen von Nvidia-Chef Huang haben vor einiger Zeit eine Rally bei Speicherherstellern insgesamt, nicht nur Micron, ausgelöst. Die Micron-Aktie wurde dadurch aber in den elitären Club der Billionen-Dollar-Aktien katapultiert. Und so werden die Zahlen mit einiger Spannung erwartet, denn Micron ist nun so etwas wie das Aushängeschild dieser Industrie.
Die Zahlen erscheinen gewaltig: Erwartet werden ein Gewinn pro Aktie (EPS) von – je nach Quelle – 20,05 bis 20,98 USD bei einem Umsatz von rund 35 Mrd. USD (siehe folgende Grafik):

Quelle: Zacks
Der Clou ist nun, dass damit der Gewinn um rund 1.000 % (!), der Umsatz „nur“ um 276 % gegenüber dem Vorjahr steigen würde (siehe rote Markierungen in der Tabelle).
Und dann ist da noch das Window Dressing zum Halbjahresende
Es gibt also wenig Raum für Enttäuschungen, aber vorerst sind die wohl auch nicht zu befürchten. Aber da auch in den kommenden Quartalen kräftige Steigerungen erwartet werden, könnten diese Erwartungen irgendwann überzogen sein. Aber das ist ein anderes Thema.
Vor allem, wenn Micron „liefert“, dürfte die Rally bei Halbleiteraktien zumindest in den kommenden Tagen kräftig weitergehen. Wir nähern uns schließlich dem Quartals- bzw. Halbjahresende. Da kommt es bekanntlich regelmäßig zum Window Dressing.
Und spätestens ab Juli müssen sich die Börsianer dann entscheiden, welchem Trend sie folgen wollen: dem alten bei Halbleiteraktien oder den neuen bei Emerging-Markets- und Rohstoffaktien. Aber wie gesagt – je nach Konjunkturdaten bzw. konjunktureller Stimmung und den Quartalszahlen, z.B. von Micron, könnte die eine oder andere Entscheidung auch schon in dieser Woche fallen.
Mit besten Grüßen
Torsten Ewert
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