Börse - Intern

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Darum sollten Sie chinesische Aktien weiterhin meiden

Ausgabe vom 19.10.2018

Die Stimmung an den Märkten ist derzeit stark gedämpft. Angesichts der jüngsten Kursverluste ist dies natürlich nur allzu verständlich. Allerdings stelle ich fest, dass in den Mainstream-Medien die Auswirkungen vieler Meldungen auf die Börse übertrieben negativ dargestellt werden.

EU-Kommission: Italienischer Haushalt verstößt gegen EU-Regeln

So zum Beispiel die Nachricht, dass der italienische Staatshaushalt für 2019 aus Sicht der EU-Kommission gegen die EU-Regeln verstößt. Denn das sollte eigentlich keine große Überraschung sein, da es zuvor bereits laute Kritik an den Haushaltsplänen gab. Die italienische Regierung hat nun erst einmal bis Montag Zeit, sich zu den Bedenken zu äußern. Eine Deeskalation des Streits ist dabei kaum zu erwarten. Insofern kann diese Entwicklung zwar noch negative Auswirkungen auf die Börse haben, und das hatte sie auch bereits, aber das Problem ist inzwischen seit Wochen bekannt.

Ein weiteres Beispiel ist das inzwischen veröffentlichte Protokoll zur jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank. Dieses habe angeblich wieder neue Zinssorgen geschürt. Dass diese allerdings unbegründet sind, hatte ich bereits erläutert (siehe Börse-Intern vom 12. Oktober).

Chinas Wirtschaft verliert an Tempo

Und auch die aktuellen Wachstumszahlen aus China sind eigentlich kein Grund für besonders bestürzte Gesichter. Wie das Statistikamt heute in Peking offiziell mitteilte, legte Chinas Wirtschaft im 3. Quartal 2018 um 6,5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, nach 6,7 % im 2. und 6,8 % im 1. Quartal.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in China

Angeblich habe der aktuelle Rückgang überrascht, weil Experten mit 6,6 % Zuwachs gerechnet hatten. Und Schuld sei natürlich der Handelsstreit mit den USA. Das ist aber Unsinn. Denn der Zollstreit dürfte im 3. Quartal noch kaum negative Auswirkungen gehabt haben, wie auch die Außenhandelszahlen zeigen. Vielmehr haben Vorzieheffekte eine positive Wirkung gehabt (siehe auch Börse-Intern vom 12. Oktober).

Und angesichts der moderaten Abweichung von den Erwartungen muss man sich auch hier noch keine großen Sorgen machen. Zumal das Wachstum bisher weiter über der Zielvorgabe der Regierung von rund 6,5 % für das Gesamtjahr liegt. Warum man die aktuellen Zahlen also nun so negativ bewertet und dabei bewusst hervorhebt, dass sie das schwächste Wachstum seit der Finanzkrise 2009 anzeigen, ist wohl wieder einmal dem Umstand geschuldet, dass solche Meldungen mehr Klicks und damit mehr Geld einbringen.

Fähnchen im Wind

Lassen Sie sich daher von derart tendenziösen Berichterstattungen nicht aus der Ruhe bringen. Negative Nachrichten passen derzeit einfach besser zum aktuellen Kursgeschehen. Warten Sie einfach ab, bis die Kurse wieder einige Prozentpunkte gestiegen sind! Dann sind an diesen Gewinnen plötzlich genau die Ereignisse „schuld“, die aktuell angeblich noch zu fallenden Kursen geführt haben.

Ich höre schon die anderen Argumente der Medien. Zum Beispiel, dass das chinesische Wachstum angesichts des Handelsstreits mit 6,5 % ja noch recht ordentlich ausgefallen ist. Oder vielleicht ist dann sogar zu lesen, dass der italienische Staatshaushalt durch die geplanten Mehrausgaben ja auch die Wirtschaft ankurbeln könnte. Und was die Zinsängste angeht, so werden sich diese wieder einmal als unbegründet herausgestellt haben. Kurse machen Nachrichten, selten umgekehrt.

Um zu wissen, was in der Börsenwelt gerade los ist, sollte man daher einfach nur auf die Charts schauen. Denn sie verraten, wie gut oder schlecht es der Wirtschaft und ihren Unternehmen tatsächlich geht - und das frühzeitig.

Shanghai Composite auf neuem Mehrjahrestief

Schaut man zum Beispiel auf den aktuellen Kursverlauf des Shanghai Composite (siehe folgender Chart), dann kann man zu der Erkenntnis kommen, dass der Handelsstreit mit den USA das chinesische Wachstum im 4. Quartal noch deutlich stärker bremsen wird. Denn der Index befindet sich inzwischen auf einem Mehrjahrestief (roter Kreis). So tief notierte der Index zuletzt vor fast genau 4 Jahren.

Shanghai Composite

Aber auch diese Entwicklung kommt nicht überraschend. So hatte ich schon in der Börse-Intern vom 16. Juli geschrieben, dass die Kursverluste von damals bereits 25 % noch nicht das Ende der Fahnenstange sein dürften. „Und sollten weitere Zölle beschlossen werden, dürfte der Shanghai Composite das Tief aus dem Jahr 2016 kaum halten können“, hieß es damals im Fazit. Anschließend beschlossen die USA zusätzliche Zölle im Volumen von 200 Milliarden Dollar. Seit dem 24. September sind diese in Kraft - und seitdem befindet sich der chinesische Aktienmarkt nach einer Seitwärtskonsolidierung oberhalb des 2016er Tiefs wieder im Abwärtsmodus.

Chinesische Aktien weiterhin meiden

Ein Ende der Kursverluste ist nicht in Sicht. Denn es ist nicht erkennbar, dass Chinas Führung gewillt ist, im Handelskonflikt einzulenken. Und das dürfte bald weitere Strafmaßnahmen nach sich ziehen, die dann die chinesische Wirtschaft noch stärker belasten. Daher sollte man sich aus chinesischen Werten weiterhin heraushalten.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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Darum sollten Sie chinesische Aktien weiterhin meiden

von Sven Weisenhaus

Die Stimmung an den Märkten ist derzeit stark gedämpft. Angesichts der jüngsten Kursverluste ist dies natürlich nur allzu verständlich. Allerdings stelle ich fest, dass in den Mainstream-Medien die Auswirkungen vieler Meldungen auf die Börse übertrieben negativ dargestellt werden.

EU-Kommission: Italienischer Haushalt verstößt gegen EU-Regeln

So zum Beispiel die Nachricht, dass der italienische Staatshaushalt für 2019 aus Sicht der EU-Kommission gegen die EU-Regeln verstößt. Denn das sollte eigentlich keine große Überraschung sein, da es zuvor bereits laute Kritik an den Haushaltsplänen gab. Die italienische Regierung hat nun erst einmal bis Montag Zeit, sich zu den Bedenken zu äußern. Eine Deeskalation des Streits ist dabei kaum zu erwarten. Insofern kann diese Entwicklung zwar noch negative Auswirkungen auf die Börse haben, und das hatte sie auch bereits, aber das Problem ist inzwischen seit Wochen bekannt.

Ein weiteres Beispiel ist das inzwischen veröffentlichte Protokoll zur jüngsten Zinssitzung der US-Notenbank. Dieses habe angeblich wieder neue Zinssorgen geschürt. Dass diese allerdings unbegründet sind, hatte ich bereits erläutert (siehe Börse-Intern vom 12. Oktober).

Chinas Wirtschaft verliert an Tempo

Und auch die aktuellen Wachstumszahlen aus China sind eigentlich kein Grund für besonders bestürzte Gesichter. Wie das Statistikamt heute in Peking offiziell mitteilte, legte Chinas Wirtschaft im 3. Quartal 2018 um 6,5 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, nach 6,7 % im 2. und 6,8 % im 1. Quartal.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in China

Angeblich habe der aktuelle Rückgang überrascht, weil Experten mit 6,6 % Zuwachs gerechnet hatten. Und Schuld sei natürlich der Handelsstreit mit den USA. Das ist aber Unsinn. Denn der Zollstreit dürfte im 3. Quartal noch kaum negative Auswirkungen gehabt haben, wie auch die Außenhandelszahlen zeigen. Vielmehr haben Vorzieheffekte eine positive Wirkung gehabt (siehe auch Börse-Intern vom 12. Oktober).

Und angesichts der moderaten Abweichung von den Erwartungen muss man sich auch hier noch keine großen Sorgen machen. Zumal das Wachstum bisher weiter über der Zielvorgabe der Regierung von rund 6,5 % für das Gesamtjahr liegt. Warum man die aktuellen Zahlen also nun so negativ bewertet und dabei bewusst hervorhebt, dass sie das schwächste Wachstum seit der Finanzkrise 2009 anzeigen, ist wohl wieder einmal dem Umstand geschuldet, dass solche Meldungen mehr Klicks und damit mehr Geld einbringen.

Fähnchen im Wind

Lassen Sie sich daher von derart tendenziösen Berichterstattungen nicht aus der Ruhe bringen. Negative Nachrichten passen derzeit einfach besser zum aktuellen Kursgeschehen. Warten Sie einfach ab, bis die Kurse wieder einige Prozentpunkte gestiegen sind! Dann sind an diesen Gewinnen plötzlich genau die Ereignisse „schuld“, die aktuell angeblich noch zu fallenden Kursen geführt haben.

Ich höre schon die anderen Argumente der Medien. Zum Beispiel, dass das chinesische Wachstum angesichts des Handelsstreits mit 6,5 % ja noch recht ordentlich ausgefallen ist. Oder vielleicht ist dann sogar zu lesen, dass der italienische Staatshaushalt durch die geplanten Mehrausgaben ja auch die Wirtschaft ankurbeln könnte. Und was die Zinsängste angeht, so werden sich diese wieder einmal als unbegründet herausgestellt haben. Kurse machen Nachrichten, selten umgekehrt.

Um zu wissen, was in der Börsenwelt gerade los ist, sollte man daher einfach nur auf die Charts schauen. Denn sie verraten, wie gut oder schlecht es der Wirtschaft und ihren Unternehmen tatsächlich geht - und das frühzeitig.

Shanghai Composite auf neuem Mehrjahrestief

Schaut man zum Beispiel auf den aktuellen Kursverlauf des Shanghai Composite (siehe folgender Chart), dann kann man zu der Erkenntnis kommen, dass der Handelsstreit mit den USA das chinesische Wachstum im 4. Quartal noch deutlich stärker bremsen wird. Denn der Index befindet sich inzwischen auf einem Mehrjahrestief (roter Kreis). So tief notierte der Index zuletzt vor fast genau 4 Jahren.

Shanghai Composite

Aber auch diese Entwicklung kommt nicht überraschend. So hatte ich schon in der Börse-Intern vom 16. Juli geschrieben, dass die Kursverluste von damals bereits 25 % noch nicht das Ende der Fahnenstange sein dürften. „Und sollten weitere Zölle beschlossen werden, dürfte der Shanghai Composite das Tief aus dem Jahr 2016 kaum halten können“, hieß es damals im Fazit. Anschließend beschlossen die USA zusätzliche Zölle im Volumen von 200 Milliarden Dollar. Seit dem 24. September sind diese in Kraft - und seitdem befindet sich der chinesische Aktienmarkt nach einer Seitwärtskonsolidierung oberhalb des 2016er Tiefs wieder im Abwärtsmodus.

Chinesische Aktien weiterhin meiden

Ein Ende der Kursverluste ist nicht in Sicht. Denn es ist nicht erkennbar, dass Chinas Führung gewillt ist, im Handelskonflikt einzulenken. Und das dürfte bald weitere Strafmaßnahmen nach sich ziehen, die dann die chinesische Wirtschaft noch stärker belasten. Daher sollte man sich aus chinesischen Werten weiterhin heraushalten.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
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