In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: am Freitag dieser Woche ist der nächste (kleine) Verfallstag. Der Verlauf des DAX bis dahin könnte aber trotzdem Auswirkungen auf das große Bild haben. ...
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Inhaltsverzeichnis

Der Verfallstag und das große Bild

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

am Freitag dieser Woche ist der nächste Verfallstag, diesmal nur ein „kleiner“. Und für den DAX steht dabei einiges auf dem Spiel – denn seine Bewegungen bis zum „kleinen“ Verfallstag könnten Auswirkungen auf das „große“ Bild haben.

Das ist jetzt die gefährliche Zone für den DAX

Aber zunächst wie immer ein Blick auf das aktuelle Verfallstagsdiagramm:

Verfallstagsdiagramm DAX August 2018

Beim aktuellen DAX-Stand von rund 12.375 Punkten (siehe Pfeil im oberen, großen Diagramm) notiert der DAX schon im Einflussbereich einer gefährlichen Zone. Denn hier gibt es kaum noch Call-Positionen (blau); stattdessen liegen weiter unten faktisch nur noch Put-Positionen (rot).

Diese Put-Positionen würden immer stärker ins Geld laufen, wenn der DAX weiter fällt. Da der DAX aber erst am vergangenen Freitag mit einer langen bearishen Kerzen aus seiner relativen „Komfortzone“ (mit Blick auf den Verfallstag) herausfiel, dürften diese Put-Positionen noch nicht vollständig abgesichert sein. Aber gemäß dem bekannten Verfallstagsmechanismus verstärken solche Absicherungsmaßnahmen stets die Bewegung, durch die sie ausgelöst wurden – in diesem Fall also die Abwärtsbewegung.

Wenn also die momentane DAX-Schwäche anhält, besteht die Gefahr, dass der Index weiter fällt. Aufgrund der Verfallstagspositionierung hat der DAX zunächst Platz bis 12.000 Punkte. Dort liegt die derzeit größte Put-Position für den August-Verfallstag. Diese dürften die Stillhalter kaum ins Geld laufen lassen wollen, so dass die 12.000-Punkte-Marke die Untergrenze für den DAX bis zum Verfallstag darstellt.

Kann sich der DAX in seine „Komfortzone“ retten?

Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Stillhalter den DAX früher aufhalten – oder sogar zurück in seine „Komfortzone“ treiben. Diese „Komfortzone“ ist klar definiert: auf der Unterseite durch das Minimum im kleinen „Schüssel-Chart“ bei 12.550 Punkten bzw. die große Call-Position bei 12.500 Punkten, auf der Oberseite durch die 12.750-Punkte-Marke, wo sich die größte Call-Position für den Verfallstag findet und der Bereich beginnt, in dem fast ausschließlich Call-Positionen liegen. Genauso wenig, wie die Stillhalter den DAX unter die 12.000er Marke fallen lassen werden, dürften sie gegebenenfalls auch verhindern, dass der DAX über 12.750 Punkte klettert. Das ist aus aktueller charttechnischer Sicht aber ohnehin unwahrscheinlich.

Mit Blick auf die Charttechnik ist vorerst auch eine nachhaltige Rückkehr des DAX in seine „Komfortzone“ zwischen 12.500 und 12.750 Punkte schwer vorstellbar. Sofern ihm die Rahmenbedingungen (US-Märkte, Fundamentaldaten, Geopolitik usw.) keinen Strich durch die Rechnung machen, könnte es dem DAX jedoch gelingen, sich wenigstens zurück zur 12.500-Punkte-Marke zu retten. Diese ist damit unser Kursziel für den Verfallstag.

Warum ein Abrutschen des DAX nun kritisch wäre

Die (bearishe) Alternative ist – wie oben beschrieben – ein weiterer Rückfall, der dann auch durchaus dynamisch verlaufen kann. Und genau ein solcher Rückfall wäre für den DAX aus übergeordneter Perspektive kritisch. Dazu der folgende Chart:

DAX Tageschart seit Januar 2018

Der DAX läuft seit seinem Allzeithoch vom Januar weiterhin in einem übergeordneten Abwärtstrend (rot). Im Mai und Juni ist er an dessen Oberkante gescheitert, der kleine grüne Aufwärtstrend vom Juli trug den Kurs noch nicht einmal dahin (siehe gelbe Kreise, Ellipse). Dass der DAX schon vor der oberen roten Linie zurückfiel, ist also ein Schwächesignal, das nach dem Ausbruch aus dem grünen Trend bestätigt wurde (siehe roter Pfeil). Als weitere Bestätigung dafür, dass die Abwärtsbewegung wieder aufgenommen wird, kann die folgende lange bearishe Kerze vom vergangenen Freitag angesehen werden.

Charttechnisch hat der DAX damit in der neu gestarteten Abwärtswelle Potenzial bis hinab zur grünen Unterstützungszone um 11.800 Punkte. Dort wurden auch die bisherigen Jahrestiefs gebildet. Vorher kann sich der Kurs an der (bisher nicht bestätigten) schwarzen Aufwärtslinie fangen oder an der Unterstützung des Juni-Tiefs (siehe hellgrüne Linie).

Der DAX strebt der Vollendung seiner großen Top-Formation entgegen

Solange der DAX von einer dieser Unterstützungen nachhaltig nach oben steigen kann, bleibt die Welt der Anleger im Lot. Aber der DAX kann eben innerhalb des roten Abwärtstrends die grüne Unterstützungszone um 11.800 Punkten brechen und bis an die untere rote Linie fallen. Doch mit einem Bruch der grünen Zone würde der DAX die große übergeordnete Umkehrformation vollenden, die ich Ihnen in der vergangenen Woche vorgestellt hatte (siehe Börse-Intern vom 06.08.2018).

Zu der Bedeutung dieser Top-Formation noch eine Anmerkung, da es hierzu einige Leserfragen gab. Wie im o.g. Beitrag erwähnt, ist diese Formation keine reguläre Chartformation, also keine SKS, kein Diamant oder welche Muster man noch daraus ersehen mag. Das ist jedoch – wie ebenfalls schon betont – kein Grund, an ihrer Bedeutung zu zweifeln. Ein Rückfall unter die grüne Zone im obigen Chart wäre also definitiv ein sehr bearishes Signal!

Der einzige Unterschied zwischen einer regulären und einer „irregulären“ (aus Sicht der Charttechnik-Theorie!) Top-Formation ist, dass man für eine reguläre Formation, z.B. eine SKS, Kursziele und Erfolgswahrscheinlichkeiten angeben kann. Daher ist das Trading solcher Formationen auf Erreichen des Kursziels möglich. Für „irreguläre“ Formationen gibt es keine Kursziele und Wahrscheinlichkeiten, weshalb sie sich für das Trading nur bedingt eignen. Sie können sich zwar auch nach ihrer Vollendung wie die ihnen ähnlichen regulären Formationen verhalten, also z.B. deren theoretisches Kursziel erreichen. Eine statistisch relevante Erfolgsquote dafür lässt sich aber nicht ermitteln, was einfach daran liegt, dass solche „irregulären“ Formationen viel zu selten mit einheitlichen Merkmalen auftreten (die regulären sind ja schon sehr selten!).

Was Sie noch über Top-Formationen wissen sollten

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, mit einem weiteren weitverbreiteten Irrtum aufzuräumen. So fragten einige Leser, ob man nach dem Kursrutsch bei Vollendung der Top-Formation im DAX an deren Kursziel wieder einsteigen könne. Abgesehen, dass es kein Kursziel gibt (siehe oben), gilt für solche Kursziele in der klassischen Charttechnik die Regel, dass es sich um Mindest-Kursziele handelt. Das bedeutet, dass dieses Kursziel (mit der jeweiligen Erfolgswahrscheinlichkeit) zwar erreicht wird, dass es aber nicht das Ende der Abwärtsbewegung sein muss, die mit Vollendung der Top-Formation begonnen hat.

Tatsächlich fallen die Kurse häufig weiter. Das geschieht vor allem dann, wenn eine solche Top-Formation einen großen übergeordneten Aufwärtstrend in einem reifen Bullenmarkt beendet – so wie es auch diesmal der Fall sein könnte. Daher hier nochmals in aller Klarheit: Reguläre charttechnische Top-Formationen, denen laut Theorie ein Kursziel und eine entsprechende Erfolgswahrscheinlichkeit zugebilligt wird, sind für (mittelfristige) Trader von Bedeutung. Für Langfristanleger sind diese Details eher irrelevant oder bestenfalls eine Kontrollinformation, um die Marktlage zu beurteilen.

Insofern ist es für Langfristanleger kein Nachteil, dass die aktuelle mögliche Top-Formation im DAX „irregulär“ ist. Für sie ist einzig und allein ihre neuralgische Marke von Bedeutung – die grüne Unterstützungszone um 11.800 Punkte im Bereich der 2018er Jahreshochs des DAX. Wenn diese gebrochen wird, kann der endgültige Trendwechsel eingeleitet werden. Alle weiteren Hinweise dazu finden Sie bei Bedarf in dem Beitrag der Vorwoche.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert


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Trader-Sentiment für 33. KW 2018 (13.08. - 17.08.)

Lange Zeit kämpften Bullen und Bären in der vergangenen Handelswoche (siehe dunkles Rechteck im folgenden Chart) um den Sieg. Dabei bewegte sich der DAX bis Freitag mehrheitlich oberhalb des Schlusskurses der Vorwoche (blaue Linie) und damit in der Gewinnzone, womit die Bullen im Vorteil waren.

Da in der Umfrage zuvor die Bären mit einem Anteil von 51,70 % in der Mehrzahl waren, kann man insoweit dem Sentiment wieder einmal eine gute Funktion als Kontraindikator unterstellen.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der DAX am Freitag einbrach und letztlich mit einem Schussstand von 12.424,35 Punkten auf Wochensicht einen Verlust in Höhe von 1,52 % erlitt. Denn durch den Crash der türkischen Lira, den man für den Kursrutsch kurz vor dem Ende der Handelswoche verantwortlich machen kann, veränderten sich die Gegebenheiten natürlich stark im Vergleich zum Zeitpunkt der Umfrage.

Und natürlich hatte der Kursrutsch, mit dem der DAX auf ein Niveau gefallen ist, welches er seit mehr als einem Monat nicht mehr gesehen hat, auch Einfluss auf die Stimmung der Anleger. Diese hat sich erwartungsgemäß weiter eingetrübt. In der aktuellen Umfrage haben 63,33 % der Voting-Teilnehmer auf den Button für fallende Kurse geklickt.

Der Pessimismus ist damit auf einem Rekordhoch. Noch nie hat es in einer Umfrage des Stockstreet-Trader-Sentiments einen derart hohen Bärenanteil gegeben. Eine bessere Basis kann der DAX also kaum haben, um seine Korrektur zu beenden, die ihn seit dem Trendhoch vom 27. Juli bislang fast 500 Punkte gekostet hat.


Ihr
Sven Weisenhaus
- Stockstreet-Team -
www.trader-sentiment.de


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