In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die Börsen ticken anders als vor drei Wochen. Wurden zuvor positive Wirtschaftsdaten mit steigenden Aktien quittiert, geht inzwischen das Zinsgespenst um. ...
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Die Börsen ticken inzwischen völlig anders als noch vor drei Wochen. Wurden vor kurzem positive Wirtschaftsdaten noch mit steigenden Aktienkursen quittiert, so geht inzwischen das Zinsgespenst um. Positive Wirtschaftsdaten werden nun immer stärker mit Zinsanhebungen assoziiert, was sich belastend auf den Aktienmarkt auswirkt. Das können wir mittlerweile klar an der Reaktion der Aktienmärkte auf die jüngsten Informationen aus Wirtschaft und Geldpolitik sehen.

Wirtschaft tritt nur leicht auf die Euphoriebremse

Heute wurde das ifo-Geschäftsklima veröffentlicht. Demnach hat die sehr gute Stimmung in den deutschen Chefetagen einen leichten Dämpfer erhalten. Der ifo Geschäftsklimaindex gab im Februar auf 115,4 Punkte nach, von 117,6 im Januar. Dabei schätzten die Unternehmer sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch den Ausblick auf die kommenden Monate weniger positiv ein als noch im Januar. Allerdings war der Indexwert zur aktuellen Lage der zweithöchste seit 1991. Und er deutet auf ein Wirtschaftswachstum von 0,7 % im ersten Quartal 2018 hin. Insofern tritt die deutsche Wirtschaft lediglich etwas auf die Euphoriebremse.

ifo-Geschäftsklima

Das gilt auch für die gestern veröffentlichten Schnellschätzungen zu den Einkaufsmanagerindizes (Flash-PMI) von IHS Markit. Auch hier gab es Rücksetzer, die aber von einem sehr hohen Niveau ausgingen. So gab der Gesamtindex für die deutsche Wirtschaft von seinem 81-Monatshoch im Januar um 1,6 auf 57,4 Punkte leicht nach. Dabei schwächte sich sowohl die Dynamik in der Industrie als auch im Servicesektor moderat ab.

IHS Markit Einkaufsmanagerindex Deutschland Composite (Industrie und Dienstleistung)

Ähnlich sehen die Daten der Eurozone aus. Auch hier bleiben die Wachstumsaussichten trotz einer leichten Abschwächung beim Ausblick der Einkaufsmanager ausgesprochen positiv. Erst im Januar wurde im Gesamtindex mit 58,8 Punkten annähernd ein 12-Jahres-Hoch markiert. Nun fiel der Index im Februar um 1,3 auf 57,5 Punkte.

Für die Aktienmärkte gibt es von dieser Seite also eigentlich keine Störfeuer. Im Gegenteil: Die Wirtschaftsaussichten bleiben positiv. IHS Markit geht sogar davon aus, dass der Eurozone das beste Quartal seit zwölf Jahren bevorsteht. Demzufolge dürfte die Wirtschaft im 1. Quartal 2018 mit einer Rate von 0,9 % zulegen. Das sollte sich auch in den Unternehmensgewinnen wiederspiegeln - und somit eigentlich zu steigenden Aktienkursen führen.

US-Wirtschaft schaltet sogar einen Gang höher

Um hier mithalten zu können, muss sich die Wirtschaft der USA schon große Mühe geben. Das scheint ihr aber mit der Steuerreform im Rücken zu gelingen. Denn für die USA hat sich der Ausblick der Einkaufsmanager im Februar sogar verbessert. Der entsprechende Index konnte laut der aktuellen Schnellschätzung mit 55,9 Punkten ein 27-Monats-Hoch erreichen, nach 53,8 Zählern im Januar.

IHS Markit Einkaufsmanagerindex USA Composite (Industrie und Dienstleistung)

Eigentlich wären sämtliche Daten ein Grund für klar steigende Aktienkurse. Doch die Stimmung an den Börsen ist inzwischen eine andere als noch vor drei Wochen. Das Zinsgespenst verscheucht die Aktienanleger mehr und mehr.

Steigende Zinsen werden immer kritischer gesehen

Dazu trug gestern auch das Protokoll der FOMC-Sitzung von Ende Januar bei. Denn darin setzte die Notenbank Fed kräftige Signale für eine Anhebung des Leitzinses im März. Die Währungshüter halten es zudem für angebracht, die Zinsen „schrittweise weiter nach oben“ zu setzen.

Eigentlich ist das alles nichts Neues. Und ich bin erstaunt darüber, dass immer mehr Experten von vier Zinsschritten in 2018 ausgehen, während die Märkte zuvor lange Zeit nur zwei Anhebungen eingepreist hatten. Dabei hat sich längst gezeigt, dass die US-Notenbank an ihrem eingeschlagenen Zinspfad festhält. Und dieser sieht eben schon seit langem drei Anhebungen im laufenden Jahr vor.

Trotzdem stiegen die Renditen der zehnjährigen Staatsanleihen gestern kurz nach Veröffentlichung der Mitschriften auf über 2,94 % und damit auf den höchsten Stand seit vier Jahren. Anleihen werden damit mehr und mehr zur Konkurrenz für Aktien.

Fazit

Mit dem Kurseinbruch vor zwei Wochen wurde den Anlegern die Thematik steigender Zinsen offenbar so richtig vor Augen geführt, obwohl sich diese Entwicklung schon längst abgezeichnet hat. Das Zinsgespenst dürfte nun noch eine Weile umgehen. Und in dieser Zeit werden positive Wirtschaftsdaten, die eigentlich ein Grund für Aktienkäufe sind, angesichts der Zinsängste die Aktienkurse eher belasten. Und so ist nicht nur aus charttechnischer Sicht eine Seitwärtstendenz an den Aktienmärkten zu erwarten, sondern auch aus fundamentaler.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
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