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Nordkorea-Krise treibt Euro über 1,20 und DAX unter 12.000

Ausgabe vom 29.08.2017

Inhaltsverzeichnis

Nordkorea-Krise treibt den Euro über 1,20 und den DAX unter 12.000

Nordkorea hat offenbar erneut eine Rakete abgeschossen. Diese soll am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) über den Norden Japans hinweggeflogen und dann 1180 Kilometer östlich der nördlichsten japanischen Hauptinsel Hokkaido im Meer gelandet sein. Japans Regierung spricht von einer „ernsten und schwerwiegenden Bedrohung“. Und Japans Premierminister Shinzo Abe forderte die Einberufung des UNO-Sicherheitsrats. Auch Russland zeigte sich „extrem besorgt“. Die Lage habe die „Tendenz zur Eskalation“. Es war nicht das erste Mal, dass eine Rakete Nordkoreas über Japan hinwegflog. Es sei aber das erste Mal, dass das unangekündigt erfolgte. Damit erreicht der Konflikt um Nordkorea eine neue Eskalationsstufe.

Sichere Häfen gefragt, DAX auf neuem Korrekturtief

Anleger flüchteten daher in sichere Häfen. Die Anleihenmärkte konnten weiter zulegen. Der Goldpreis verließ eine Seitwärtskonsolidierung und erreichte den höchsten Stand seit November 2016. Die asiatischen Aktienmärkte rutschten dagegen ins Minus. Und diesen Vorgaben folgte auch der DAX, der damit die 200-Tage-Linie (blau im folgenden Chart) riss und ein neues Korrekturtief erreichte.

DAX - Target-Trend-Analyse

Zuvor gab es mehrere bullishe Angriffe auf den Abwärtstrendkanal (rot), die aber am Kreuzwiderstand aus der oberen Trendkanallinie und der Mittellinie bei 12.235 Punkten scheiterten. Ein klarer Trendbruch wurde dadurch verhindert. Und mit dem heutigen Kursrutsch und dem neuen Korrekturtief ist der Abwärtstrendkanal nun wieder klar kursbestimmend.

Im Tagestief wurde ziemlich genau die Rechteckgrenze bei 11.880 Punkten getestet (grüner Pfeil). Wird diese unterschritten, dann kommt es zu dem am 18. August geschilderten Szenario: Dann sind nicht nur die kurzfristigen Signale klar bearish, sondern auch die mittelfristigen. Aus Sicht der Target-Trend-Methode hätten die Bären dann Platz bis zur Mittellinie bei 11.525 Punkten.

Starker Euro, schwacher Dollar - schwacher DAX, stabile US-Indizes

Die US-Indizes halten sich dagegen heute relativ stabil. Der Grund für diese erneut unterschiedliche Kursentwicklung von DAX und den US-Märkten ist im starken Euro zu finden. Die Gemeinschaftswährung stieg erstmals seit Januar 2015 auf mehr als 1,20 US-Dollar.

EUR/USD - Chartanalyse

Während Europas Wirtschaft robust wächst, gibt es in den USA immer mehr Unsicherheit. Daher scheint nun nicht mehr der US-Dollar, sondern der Euro als Fluchtwährung genutzt zu werden.


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Leidet der DAX doch unter der Euro-Stärke?

Der DAX hat heute also deutlich stärker nachgegeben als die US-Indizes, weil der Euro ein neues Mehrjahreshoch erreicht hat. Doch wie passt das nun zu den Ausführungen von Torsten Ewert vom Montag vergangener Woche? Schließlich hat er in seiner Analyse festgestellt, dass auf lange Sicht kein nachhaltiger statistischer Zusammenhang zwischen dem Kursverlauf des DAX und dem EUR/USD-Wechselkurs nachweisbar ist.

Der Knackpunkt ist die „lange Sicht“. Denn auf kurzfristige Sicht kann es sehr wohl (negative) Korrelationen geben, wie auch Torsten Ewert explizit geschrieben hatte.

Wechselkurs wirkt nur anteilig

Einerseits ist es natürlich so, dass der Euro-Wechselkurs nicht allein Einfluss auf die Auftragseingänge von Unternehmen hat. Grundsätzlich füllen sich die Auftragsbücher der exportorientierten Unternehmen in Deutschland, wenn die Weltwirtschaft boomt. Dadurch steigen deren Gewinne, was zu höheren Aktienkursen führt. Kommt es nun zu einem stärkeren Euro, dann könnte das zwar die Aufträge in einigen Branchen belasten, aber eben nur teilweise. Die Gewinne steigen dennoch, nur gegebenenfalls nicht so stark.

Die Auswirkungen von Wechselkursveränderungen auf die Unternehmensgewinne lassen sich manchmal sogar sehr genau beziffern. Beispiel DuPont: DuPont ist einer der weltweit größten Chemiekonzerne und in ca. 80 Ländern aktiv. Der Hauptsitz des Unternehmens ist aber in den USA. Die Bilanzierung erfolgt also in US-Dollar. Und die Financial Times zitiert den Chemieriesen mit der Aussage, dass vom jüngsten Gewinnanstieg von 37 Cents je Aktie rund 8 Cents dem Währungseffekt zu verdanken sind. DuPont profitiert also vom schwachen Dollar.

Wäre DuPont ein Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, dann hätte der Währungseffekt in die entgegengesetzte Richtung gewirkt. Der Gewinnanstieg läge nur bei 21 Cent. Aber es hätte eben einen Gewinnanstieg gegeben. Und damit könnte der Aktienkurs trotz steigendem Euro zulegen, nur eben nicht so stark. Ein starker Euro kann somit also kurz- und auch langfristig zu einer Belastung für den DAX werden, muss dabei aber nicht zu einem fallenden DAX führen.

Kursentwicklungen sind stark stimmungsabhängig

So erklärt sich auch die relativ stabile Performance der US-Indizes, während der DAX bereits deutlich stärker nachgegeben hat. Insbesondere, wenn sich der Wechselkurs innerhalb recht kurzer Zeit stark verändert, hat dies meist auch Auswirkungen auf die Aktienkurse. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Gewinne im Euro zum Dollar auf mehr als 16 %. Eine derartige Kursbewegung ist nicht alltäglich und fällt den Marktteilnehmern daher natürlich auf. Auch die Medien greifen diese Kursentwicklung auf und weisen in bekannter Manier auf die deutsche Exportwirtschaft hin, die dadurch belastet wird. So entsteht eine negative Stimmung an der Börse. Und weil die Börsenkurse stark stimmungsabhängig sind, kommt es zu dementsprechenden Käufen und Verkäufen.

Das war noch nicht so, als der Euro von 1,05 auf 1,10 USD angestiegen ist. Da hat noch kein Hahn danach gekräht. Erst als sich der Anstieg weiter beschleunigte, wurden die Stimmen lauter, dass dieser zu schnelle Anstieg, der innerhalb zu kurzer Zeit erfolgte, sich negativ auf die deutschen Exporte auswirken wird. Und seitdem lastet der steigende Euro auf dem DAX. Diese (negative) Korrelation ist klar erkennbar, insbesondere, wenn man den fallenden DAX mit den stabilen US-Indizes vergleicht, die umgekehrt von dem schwachen US-Dollar profitieren (siehe Beispiel DuPont).

Fazit

Wenn also alle Welt auf einen stärker werdenden Euro bzw. einen schwächeren Dollar blickt, dann kann der Wechselkurs in kurzfristigen Zeitfenstern einen sehr hohen Einfluss auf die Kurse haben. Das ist bei jedem Modethema so. Das war beim Gold-Hype so, das war beim Ölpreis-Crash so. Da hat man auch phasenweise hohe (negative) Korrelationen zwischen Aktienmarkt und Gold- bzw. Ölpreis gesehen.

Langfristig schlagen sich Wechselkursveränderungen im DAX lediglich mit abgeschwächter Wirkung nieder. Kurzfristig können bei starken Wechselkursbewegungen die Auswirkungen auf den DAX sehr hoch sein, weil Börsenkurse stark stimmungsabhängig sind. Aber darauf hatte auch Torsten Ewert am Ende seiner Analyse bereits hingewiesen.

Und daher erklärt es sich, dass der DAX heute stark nachgegeben hat, während die US-Indizes sehr stabil notieren. Denn mit der 1,20er Marke hat der Euro eine weitere psychologisch wichtige Marke überwunden, die von vielen Anlegern sehr kritisch beobachtet wurde. Und so wurden heute auch prompt einige Stimmen laut, die nun davon ausgehen, dass Mario Draghi auf der nächsten EZB-Sitzung verbal intervenieren wird. Das bleibt aber abzuwarten.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


Nordkorea-Krise treibt den Euro über 1,20 und den DAX unter 12.000

von Sven Weisenhaus

Nordkorea hat offenbar erneut eine Rakete abgeschossen. Diese soll am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) über den Norden Japans hinweggeflogen und dann 1180 Kilometer östlich der nördlichsten japanischen Hauptinsel Hokkaido im Meer gelandet sein. Japans Regierung spricht von einer „ernsten und schwerwiegenden Bedrohung“. Und Japans Premierminister Shinzo Abe forderte die Einberufung des UNO-Sicherheitsrats. Auch Russland zeigte sich „extrem besorgt“. Die Lage habe die „Tendenz zur Eskalation“. Es war nicht das erste Mal, dass eine Rakete Nordkoreas über Japan hinwegflog. Es sei aber das erste Mal, dass das unangekündigt erfolgte. Damit erreicht der Konflikt um Nordkorea eine neue Eskalationsstufe.

Sichere Häfen gefragt, DAX auf neuem Korrekturtief

Anleger flüchteten daher in sichere Häfen. Die Anleihenmärkte konnten weiter zulegen. Der Goldpreis verließ eine Seitwärtskonsolidierung und erreichte den höchsten Stand seit November 2016. Die asiatischen Aktienmärkte rutschten dagegen ins Minus. Und diesen Vorgaben folgte auch der DAX, der damit die 200-Tage-Linie (blau im folgenden Chart) riss und ein neues Korrekturtief erreichte.

DAX - Target-Trend-Analyse

Zuvor gab es mehrere bullishe Angriffe auf den Abwärtstrendkanal (rot), die aber am Kreuzwiderstand aus der oberen Trendkanallinie und der Mittellinie bei 12.235 Punkten scheiterten. Ein klarer Trendbruch wurde dadurch verhindert. Und mit dem heutigen Kursrutsch und dem neuen Korrekturtief ist der Abwärtstrendkanal nun wieder klar kursbestimmend.

Im Tagestief wurde ziemlich genau die Rechteckgrenze bei 11.880 Punkten getestet (grüner Pfeil). Wird diese unterschritten, dann kommt es zu dem am 18. August geschilderten Szenario: Dann sind nicht nur die kurzfristigen Signale klar bearish, sondern auch die mittelfristigen. Aus Sicht der Target-Trend-Methode hätten die Bären dann Platz bis zur Mittellinie bei 11.525 Punkten.

Starker Euro, schwacher Dollar - schwacher DAX, stabile US-Indizes

Die US-Indizes halten sich dagegen heute relativ stabil. Der Grund für diese erneut unterschiedliche Kursentwicklung von DAX und den US-Märkten ist im starken Euro zu finden. Die Gemeinschaftswährung stieg erstmals seit Januar 2015 auf mehr als 1,20 US-Dollar.

EUR/USD - Chartanalyse

Während Europas Wirtschaft robust wächst, gibt es in den USA immer mehr Unsicherheit. Daher scheint nun nicht mehr der US-Dollar, sondern der Euro als Fluchtwährung genutzt zu werden.

Leidet der DAX doch unter der Euro-Stärke?

von Sven Weisenhaus

Der DAX hat heute also deutlich stärker nachgegeben als die US-Indizes, weil der Euro ein neues Mehrjahreshoch erreicht hat. Doch wie passt das nun zu den Ausführungen von Torsten Ewert vom Montag vergangener Woche? Schließlich hat er in seiner Analyse festgestellt, dass auf lange Sicht kein nachhaltiger statistischer Zusammenhang zwischen dem Kursverlauf des DAX und dem EUR/USD-Wechselkurs nachweisbar ist.

Der Knackpunkt ist die „lange Sicht“. Denn auf kurzfristige Sicht kann es sehr wohl (negative) Korrelationen geben, wie auch Torsten Ewert explizit geschrieben hatte.

Wechselkurs wirkt nur anteilig

Einerseits ist es natürlich so, dass der Euro-Wechselkurs nicht allein Einfluss auf die Auftragseingänge von Unternehmen hat. Grundsätzlich füllen sich die Auftragsbücher der exportorientierten Unternehmen in Deutschland, wenn die Weltwirtschaft boomt. Dadurch steigen deren Gewinne, was zu höheren Aktienkursen führt. Kommt es nun zu einem stärkeren Euro, dann könnte das zwar die Aufträge in einigen Branchen belasten, aber eben nur teilweise. Die Gewinne steigen dennoch, nur gegebenenfalls nicht so stark.

Die Auswirkungen von Wechselkursveränderungen auf die Unternehmensgewinne lassen sich manchmal sogar sehr genau beziffern. Beispiel DuPont: DuPont ist einer der weltweit größten Chemiekonzerne und in ca. 80 Ländern aktiv. Der Hauptsitz des Unternehmens ist aber in den USA. Die Bilanzierung erfolgt also in US-Dollar. Und die Financial Times zitiert den Chemieriesen mit der Aussage, dass vom jüngsten Gewinnanstieg von 37 Cents je Aktie rund 8 Cents dem Währungseffekt zu verdanken sind. DuPont profitiert also vom schwachen Dollar.

Wäre DuPont ein Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, dann hätte der Währungseffekt in die entgegengesetzte Richtung gewirkt. Der Gewinnanstieg läge nur bei 21 Cent. Aber es hätte eben einen Gewinnanstieg gegeben. Und damit könnte der Aktienkurs trotz steigendem Euro zulegen, nur eben nicht so stark. Ein starker Euro kann somit also kurz- und auch langfristig zu einer Belastung für den DAX werden, muss dabei aber nicht zu einem fallenden DAX führen.

Kursentwicklungen sind stark stimmungsabhängig

So erklärt sich auch die relativ stabile Performance der US-Indizes, während der DAX bereits deutlich stärker nachgegeben hat. Insbesondere, wenn sich der Wechselkurs innerhalb recht kurzer Zeit stark verändert, hat dies meist auch Auswirkungen auf die Aktienkurse. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Gewinne im Euro zum Dollar auf mehr als 16 %. Eine derartige Kursbewegung ist nicht alltäglich und fällt den Marktteilnehmern daher natürlich auf. Auch die Medien greifen diese Kursentwicklung auf und weisen in bekannter Manier auf die deutsche Exportwirtschaft hin, die dadurch belastet wird. So entsteht eine negative Stimmung an der Börse. Und weil die Börsenkurse stark stimmungsabhängig sind, kommt es zu dementsprechenden Käufen und Verkäufen.

Das war noch nicht so, als der Euro von 1,05 auf 1,10 USD angestiegen ist. Da hat noch kein Hahn danach gekräht. Erst als sich der Anstieg weiter beschleunigte, wurden die Stimmen lauter, dass dieser zu schnelle Anstieg, der innerhalb zu kurzer Zeit erfolgte, sich negativ auf die deutschen Exporte auswirken wird. Und seitdem lastet der steigende Euro auf dem DAX. Diese (negative) Korrelation ist klar erkennbar, insbesondere, wenn man den fallenden DAX mit den stabilen US-Indizes vergleicht, die umgekehrt von dem schwachen US-Dollar profitieren (siehe Beispiel DuPont).

Fazit

Wenn also alle Welt auf einen stärker werdenden Euro bzw. einen schwächeren Dollar blickt, dann kann der Wechselkurs in kurzfristigen Zeitfenstern einen sehr hohen Einfluss auf die Kurse haben. Das ist bei jedem Modethema so. Das war beim Gold-Hype so, das war beim Ölpreis-Crash so. Da hat man auch phasenweise hohe (negative) Korrelationen zwischen Aktienmarkt und Gold- bzw. Ölpreis gesehen.

Langfristig schlagen sich Wechselkursveränderungen im DAX lediglich mit abgeschwächter Wirkung nieder. Kurzfristig können bei starken Wechselkursbewegungen die Auswirkungen auf den DAX sehr hoch sein, weil Börsenkurse stark stimmungsabhängig sind. Aber darauf hatte auch Torsten Ewert am Ende seiner Analyse bereits hingewiesen.

Und daher erklärt es sich, dass der DAX heute stark nachgegeben hat, während die US-Indizes sehr stabil notieren. Denn mit der 1,20er Marke hat der Euro eine weitere psychologisch wichtige Marke überwunden, die von vielen Anlegern sehr kritisch beobachtet wurde. Und so wurden heute auch prompt einige Stimmen laut, die nun davon ausgehen, dass Mario Draghi auf der nächsten EZB-Sitzung verbal intervenieren wird. Das bleibt aber abzuwarten.


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