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Wie der Hexensabbat an die Börse kam

Ausgabe vom 08.03.2017

Wie der Hexensabbat an die Börse kam

von Sven Weisenhaus

Nächste Woche Freitag findet der große März-Verfallstag statt. Die vier großen Verfallstage im Jahr (März, Juni, September, Dezember) werden auch „dreifacher Hexensabbat“ (engl.: Triple Witching Day) genannt. Dieser Name lässt Düsteres ahnen. Dabei ist die Sache im Prinzip recht einfach. Und mit unserer Hilfe kommen Sie auch hinter die letzten Geheimnisse des „Hexensabbats“.

Der düstere Name Spitzname wird häufig verwendet, da er sich hervorragend für die Headlines der bekannten Börsenmedien eignet - diese sollen schließlich die Aufmerksamkeit der Leser auf sich ziehen. Die offizielle Bezeichnung „großer Verfallstag“ hört sich dagegen deutlich weniger spektakulär an und ist somit weniger gut als Schlagzeile geeignet.

Wie entstand der Name?

Zum Hintergrund, wie der Begriff „Hexensabbat“ an die Börse kam, findet man kaum Informationen. Aber mit ein wenig Recherche erschließt sich eine mögliche Logik. Doch zunächst zu der Bedeutung des „triple“ bzw. „dreifach“. Es bezieht sich darauf, dass an diesem Tag die Optionen auf Einzelaktien sowie die Optionen und Future-Kontrakte auf Indizes verfallen, sprich auslaufen.

Wenn Sie nicht an der Eurex handeln, dann können Sie die Auswirkung des Verfallstages bei diversen Derivaten, also zum Beispiel Hebelprodukten erkennen, da sie häufig kurz vor dem Verfallstag auslaufen/verfallen. Das wiederum hängt damit zusammen, dass die Emittenten (Herausgeber) dieser Derivate die Positionen meistens über Optionen und Futures absichern und sich daher an deren Verfallsterminen orientieren.

Neben den dreifachen Verfallstagen gibt es die „einfachen“ Verfallstage, die monatlich stattfinden und bei denen lediglich die Aktien- und Indexoptionen verfallen (deren kürzeste Laufzeit ein Monat beträgt). Die dreifachen, also großen Verfallstage finden dagegen nur viermal im Jahr statt, und zwar am jeweils dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember (weil die Mindestlaufzeit der Index-Futures drei Monate beträgt).

Die Sonnenfeiertage der Hexen

Und dieser Turnus ist ein erster möglicher Hinweis auf die „Hexen“. Denn im Mittelalter gab es den Glauben, dass die Hexen sogenannte Sabbat-Feste abhielten. Diese sollen als vier Mondfeste (am Vorabend des 1. Februar, des 1. Mai, des 1. August und des 1. November) bzw. vier Sonnenfeste zum Jahreszeitenwechsel (also um den 21. März, 21. Juni, 21. September und 21. Dezember) begangen worden sein. Und die Termine der Sonnenfeste liegen zeitlich sehr nah an den Terminen der großen Verfallstage (15. bis 21. des jeweiligen Monats). Das allein reicht aber noch nicht als Begründung für den Namen „dreifacher Hexensabbat“ aus.

Unerklärliche Bewegungen führen zu mystischen Vergleich

Da an den großen Verfallstagen die Kurse oft starke, unvermutete Bewegungen in verschiedenste Richtung starten, also wild herumtanzten, entstand das Gefühl, dass etwas Unerklärliches, Mystisches geschieht. Durch die zeitliche Nähe der Verfallstage zu einem der Hexenfeiertage war der Weg nicht mehr weit, das seltsame Gebaren der Kurse mit dem Tanz der Hexen in Verbindung zu bringen. Und weil Menschen solche griffigen Phrasen gerne aufgreifen und am Leben halten, geistert dieser ursprünglich vielleicht eher scherzhaft geprägte Name heute noch durch die Schlagzeilen.

Die Verfallstagsprognose für den DAX

Und passend zum Thema kommen wir damit zu unserer Verfallstagsprognose, mit der wir die scheinbar „unerklärlichen“ Bewegungen ein wenig entmystifizieren können:

 

Die Grafik zum Verfallstag finden Sie auch unter https://www.stockstreet.de/verfallstag-diagramm/

Sie sehen, dass die (nächsten) größten Positionen auf der Unterseite des aktuellen DAX-Standes (ca. 11.970 Punkte) im Bereich von 11.500 und 11.600 Punkten liegen. Das wäre also der eigentliche Zielbereich für den DAX zum Verfallstag nächste Woche Freitag.

Doch durch die nach wie vor andauernde Rally haben sich die Kurse bereits weit in den Bereich bewegt, in denen sich hauptsächlich Call-Positionen (blau) befinden. Und dort erkennen wir bei der 12.000-Punkte-Marke eine große Call-Position. Sollten die Kurse zum Verfallstag also auch über diese Marke steigen, müssen sich die Stillhalter massiv absichern.

Widerstand an der 12.000er Marke

Diese Marke dient damit als Widerstand bei der Aufwärtsbewegung, weshalb der DAX wohl auch seit einigen Tagen nicht nachhaltig über 12.000 Punkte steigen kann. Die Stillhalter versuchen diesen Widerstand offenbar zu verteidigen. Denn wenn sie die 12.000er Position und die darüber liegenden noch absichern müssen, könnte es zu sehr schnell steigenden Kursen kommen.

Sollte also der Kaufdruck nicht wieder zunehmen, wird die 12.000er Marke wahrscheinlich halten und der DAX bis zum Verfallstag auf dem aktuellen Niveau seitwärts oder leicht abwärts in Richtung 11.500 bis 11.600 laufen. Wenn hingegen die 12.000er Marke vor allem in der kommenden Woche nachhaltig nach oben aufgelöst wird, müssen wir erneut mit stark steigenden Kursen rechnen. Geschieht dies, sollte aber der Anstieg mit dem März-Verfall erst einmal zu Ende sein.


Viele Grüße

Ihr

Sven Weisenhaus

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