In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Der NY State Index schickt die Börsen weiter auf Talfahrt. Halten die wichtigen Unterstützungen dem Verkaufsdruck stand? ...
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Heute zeigt sich der DAX trotz der gestrigen Erholung der US-Indizes wieder deutlich schwächer. Das liegt unter anderem daran, dass die Berichtssaison in den USA Fahrt aufnimmt und gestern Intel einen schwachen Ausblick abgegeben hat. Zwar konnte das Unternehmen beim Ergebnis die Analystenschätzungen übertreffen, doch bei der Umsatzerwartung für 2016 rechnet Intel nur mit 14 Mrd. Dollar – statt der von Analysten erwarteten 14,2 Mrd. Dollar.

Ist das schon der Hinweis darauf, dass die Technologiebranche insgesamt Probleme hat? Das würde natürlich erklären, warum der Nasdaq100 sich schwer tut, die alten Hochs zu überwinden.

Und auch die anderen Unternehmen, die bisher ihre Zahlen gemeldet haben, lassen gewisse Rückschlüsse zu.

Rohstoffunternehmen im Krisenmodus

Der Rohstoffkonzern Alcoa, der bereits am Montag seine Ergebnisse vorgelegt hatte, fuhr hohe Verluste ein und ist damit ein prominentes Opfer des Einbruchs bei den Rohstoffpreisen geworden. Insbesondere der Preisverfall beim Aluminium macht Alcoa zu schaffen. Und das ist auch der Grund, warum Alcoa die größte Aluminium-Schmelzhütte in den USA, das Werk Warrick in Indiana, nun geschlossen hat.  

Wir sehen hier die verheerenden Folgen, welche die niedrigen Rohstoffpreise auf die Rohstoffindustrie haben. Allerdings steigt durch solche Schließungen und die damit einher gehende Angebotsverknappung die Wahrscheinlichkeit einer starken Gegenbewegung, der typische Schweinezyklus eben. Dieser Zyklus ist bei Rohstoffen jedoch recht lang, weil die entstehenden Angebotslücken zunächst durch andere Hersteller geschlossen werden, die einfach die Produktion ihrer unterausgelasteten Förderstätten hochfahren.

Banken auf Erholungskurs

Deutlich erfreulicher für die Börsen ist hingegen, dass die größte Bank in den USA, JP Morgan, dank massiver Einsparungen gute Gewinne einfahren konnte. So stieg der Reingewinn um knapp 10 Prozent und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Insgesamt gingen die Analysten schon vor diesen Zahlen davon aus, dass die größten Banken in den USA im vierten Quartal den höchsten Gewinn seit 2006, also noch vor der Finanzkrise, erwirtschaften. Hier scheinen zumindest die größten Verwerfungen nach der Finanzkrise überwunden.

NY Empire State Manufacturing Survey Index bricht dramatisch ein

Einen weiteren Kursrutsch gab es vorbörslich bei den US-Futures und damit auch im DAX, als um 14:30 Uhr der NY Empire State Produktionsindex veröffentlicht wurde. Dieser umfragebasierte Index, bei dem 200 Firmen befragt werden, gibt die wirtschaftliche Situation der herstellenden Industrie in New York wieder. In der aktuellen Lesung ist dieser Wert von revidiert minus 6,21 (vor der Revision minus 4,59) Punkten auf jetzt minus 19,37 Punkte gefallen. Analysten hatten hingegen mit einer Verbesserung auf minus 4 Punkten gerechnet

DAX nähert sich den August und September-Tiefs

Im DAX-Chart erkennen wir, dass der DAX so langsam auf das Kursniveau fällt, welches er im August und September in seinen Tiefs ausgebildet hatte. Das ist gleichzeitig die Unterkante des aktuellen Rechtecks bei 9.379 Punkten:

 

Die Tiefs stellen eine wichtige Unterstützung dar. Damit stellt sich natürlich sofort die Frage, ob diese halten werden. Bricht diese Unterstützung, sind auch deutlich tiefere Kurse denkbar. Ob dann das Alpha-Target noch angelaufen wird, ist ebenfalls fraglich.

Hält sie hingegen, könnte sich eine Art Doppelboden auf diesem Niveau ausbilden und das Erreichen des Alpha-Targets wird wieder deutlich wahrscheinlicher.

Wie erkennt man, ob eine Unterstützung hält?

Da diese Unterstützung so immens wichtig ist, stellt sich die Frage, ob und wann man erkennen kann, dass so eine Unterstützung hält. Dazu folgende drei Szenarien:

  1. Die Unterstützung wird genau getroffen und anschließend kommt es zu steigenden Kursen. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit leicht höher, dass die Unterstützung hält. Hilfreich sind weitere Faktoren: Wenn es eine lange rote Kerze zur Unterstützung hin gegeben hat, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass die Unterstützung hält. Auch wenn der Umsatz an diesem Tag auffällig höher ausfällt, als an den Tagen zuvor, erhöht dies die Wahrscheinlichkeit für steigende Kurse. Zudem sollte die Aufwärtsbewegung nach dem Test der Unterstützung analysiert werden. Je dynamischer diese ist, desto höher ist ebenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass an der Unterstützung zumindest ein mittelfristiges Tief (auf Sicht von mehreren Wochen/Monaten) ausgebildet wird.
  2. Die Kurse drehen schon oberhalb der Unterstützung. Das kann zwei Gründe haben: Zunächst kann der Markt sehr bullish sein, so dass das Kaufinteresse den Test der Unterstützung nicht mehr zulässt. Leider gibt es noch eine andere Variante: Die Kurse drehen vorher kurz nach oben, um die Unterstützung danach „mit neuer Kraft“ nach unten zu brechen. Das haben wir an der blau gestrichelten Mittellinie bei 9.862 Punkten gesehen. Tatsächlich kommt diese zweite Variante etwas häufiger vor als die erste. Aber der Unterschied ist zu gering, um hier eine tradingrelevante Aussage zu treffen. Die zweite Variante ist also diejenige, die am wenigsten über den weiteren Verlauf verrät.
  3. Die Unterstützung wird kurz im Intradaybereich gebrochen. Anschließend kommt es zu einer dynamischen Aufwärtsbewegung, so dass eine Kerze entsteht, bei der nur der Docht die Unterstützung unterschreitet, der Schlusskurs sich aber wieder oberhalb dieser Marke befindet. Das ist das klassische Fehlsignal und sehr häufig ebenfalls bullish zu werten, insbesondere wenn auch hierbei der Umsatz der Tageskerze sehr hoch ist.

Gebrochen ist die Unterstützung, wenn die Kurse unter die Unterstützung fallen und dann weitere Abwärtsdynamik entsteht. Noch deutlicher ist es, wenn nach dem Bruch die Unterstützung noch einmal von unten getestet wird und die Kurse dann weiter fallen.

Doch das alles sind immer nur Hinweise, aus denen sich gewisse Wahrscheinlichkeiten ergeben. Trotzdem kann man so mit etwas Erfahrung vergleichsweise frühzeitig erkennen, ob eine Unterstätzung hält oder nicht.

Viele Grüße

Ihr

Sven Weisenhaus


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