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Werden die Karten durch die Notenbanken völlig neu gemischt?

Ausgabe vom 14.12.2022

Werden die Karten durch die Notenbanken völlig neu gemischt?

von Sven Weisenhaus

In den vergangenen Tagen habe ich mehrfach darüber berichtet, wie Inflationsdaten aus den USA die Kurse an den Börsen kurz aufgescheucht haben, sich dies aber jeweils als ein nur kurzes Erwachen aus dem Dornröschenschlaf herausgestellt hat (siehe zum Beispiel „Wieder nur ein kurzes Erwachen aus dem Dornröschenschlaf“). Und so verhält es sich auch mit den gestrigen Daten zu den US-Verbraucherpreisen. Die übertriebenen Kursgewinne, die der Veröffentlichung folgten, wurden noch am selben Tag größtenteils wieder abverkauft. Und anschließend gingen die Kurse wieder in ihre volatilitätsarmen Seitwärtstendenzen über.

Zerreißprobe für die Nerven aktiver Trader

Nun kann man die heutige Ruhe am Aktienmarkt sicherlich der typischen abwartenden Haltung der Anleger vor wichtigen Ereignissen wie der heutigen Zinsentscheidung der US-Notenbank zuschreiben. Doch ändert dies nichts daran, dass das schwankungsarme Kursgeschiebe für aktive Trader (wie mich) weiterhin eine Zerreißprobe für die Nerven darstellt.

US-Indizes seit Mitte November in Konsolidierungen

Zumal es gestern nicht nur im Dow Jones einen Fehlausbruch aus einer Konsolidierung gegeben (siehe „Nach Fehlausbrüchen folgen starke Gegenbewegungen“), sondern auch beim Nasdaq 100. Werfen wir dazu einen Blick auf den Chart aus der heutigen Ausgabe des Stockstreet-Börsenbriefs „Target-Trend-Spezial“:

Nasdaq 100: Chartanalyse aus dem Börsenbrief "Target-Trend-Spezial"

In der grünen Ellipse ist zu sehen, wie der Technologieindex gestern sein vorheriges Hoch überschreiten konnte. Doch am Ende wurden die Kursgewinne fast vollständig abgegeben und es blieb eine rote bzw. bearishe Tageskerze. Mit dieser wurde auch beim Nasdaq 100 die Mitte November begonnene und somit schon seit einem Monat anhaltende Seitwärtskonsolidierung fortgesetzt.

Wenn Sie wissen möchten, wie diese Kursentwicklung des Nasdaq 100 nun einzuordnen ist und welche Perspektiven sich daraus für den weiteren Kursverlauf ergeben, zum Beispiel auch aus den blauen Linien und dem grünen Trendkanal, dann schauen Sie doch mal in die aktuelle Chartanalyse des „Target-Trend-Spezial“, die im Kundenarchiv abrufbar ist.

Hier dazu nur so viel: Außer im Dow Jones kam es auch im Nasdaq 100 zu einem Fehlausbruch und einer anschließenden Fortsetzung der Konsolidierung. Und für den S&P 500 gilt Ähnliches.

S&P 500 im intakten Abwärtstrendkanal

Der S&P 500 konnte mehr als 61,80 % der Kursverluste aus der letzten Korrekturwelle (E) aufholen und diese damit aus Sicht der Fibonacci-Marken (blaue Linien im Chart) beenden. Er sendete damit ein bullishes Signal. Das übergeordnete Chartbild ist allerdings noch bearish. Denn im Hoch scheiterten die Bullen im ersten Anlauf exakt an der oberen Linie des wichtigen Abwärtstrendkanals, der den gesamten Bärenmarkt umfasst (siehe roter Pfeil im Chart). Und mit der gestrigen Tageskerze kam es auch beim S&P 500 zu einem Fehlsignal, da die Trendlinie zwar im Tageshoch gebrochen wurde, sich dies aber als nicht nachhaltig herausstellte (rote Ellipse).

S&P 500 mit einem Fehlausbruch im Abwärtstrendkanal

Alle drei US-Aktienindizes befinden sich somit seit Mitte November in Konsolidierungen, bei denen Versuche der Bullen, die Kurserholung fortzusetzen, gestern scheiterten. Und so gilt meine gestrige Warnung, dass nach Fehlausbrüchen häufig starke Bewegungen in die entgegengesetzte Richtung folgen, nicht nur für den Dow Jones, sondern auch für den Nasdaq 100 und den S&P 500.

Karten werden durch die Notenbanken womöglich neu gemischt

Allerdings gilt dies – wie für jedes charttechnische Signal – mit einer Einschränkung: Solange die Fehlsignale nicht jeweils durch eine entsprechende Folgekerze bestätigt werden, sind sie harmlos.
Außerdem haben wir aktuell die besondere Situation, dass wir es mit einer abwartenden Haltung der Anleger zu tun haben. Daher war es durchaus zu erwarten, dass die gestrige Tageskerze heute (noch) nicht bestätigt wird. Und die anstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank kann die Karten völlig neu mischen. Gleiches gilt für die morgige Zinsentscheidung der EZB, wobei die Märkte stärker Richtung USA blicken.

Insofern sind die aktuellen charttechnischen Situationen zwar recht spannend, aber je nach Reaktion der Märkte auf die Entscheidungen der Notenbanken kann sich die Lage durch neue Signale binnen weniger Minuten oder gar Sekunden um 180 Grad drehen. Und daher würde ich mich heute und morgen mit neuen Trades eher zurückhalten und erst dann wieder aktiv werden, wenn klar ist, wie der Markt die geldpolitischen Fingerzeige von Fed und EZB verdaut. Meist entwickeln sich neue Trends erst an den Tagen nach den Zinsentscheidungen – zumal am Freitag noch der große Verfallstag ansteht, der für weitere (Fehl-)Signale bzw. Richtungswechsel gut ist.

Auch diese Geduld aufzubringen, ist für aktive Trader eine Zerreißprobe. Wer dennoch in diesem Markt aktiv mitwirken möchte, muss sich bewusst sein, dass es sich bei jedem Trade, den man insbesondere im direkten Umfeld der Notenbankentscheidungen eingeht, um reine Spekulation handelt.

Gewinne mit Long-Trades auf den EUR/USD

Immerhin: Auch wenn mit Trades auf die Aktienindizes aufgrund der Konsolidierungen nicht viel zu holen war, so konnten sich sowohl die Leser des Stockstreet-Börsenbriefs „Target-Trend-CFD“ als auch die Abonnenten des „Börse-Intern Premium“ dennoch über die Kursreaktionen nach den US-Inflationsdaten freuen. Denn nicht nur die Aktienindizes machten gestern einen Satz nach oben, sondern auch der EUR/USD (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart). Und im Gegensatz zu den Aktienindizes erreichte der Wechselkurs damit nachhaltig ein neues Hoch in seiner Kurserholung.

EUR/USD legt nach US-Inflationsdaten weiter zu, prallt aber an Abwärtstrendlinie auf Widerstand

Allerdings stieß er dabei an eine wichtige Abwärtstrendlinie (dick rot, roter Pfeil). Und weil der Kurs kurzfristig schon recht weit gelaufen ist und damit überkauft wirkt, ist beim EUR/USD nun ebenfalls mit einer Konsolidierung zu rechnen.

Da zudem auch beim EUR/USD völlig unkalkulierbar ist, wie er auf die Notenbankentscheidungen reagieren wird, habe ich den Kursanstieg für einen Ausstieg aus Long-Positionen genutzt. Lesern des „Börse-Intern Premium“ brachte dies einen Gewinn in Höhe von 17 % ein.

Jetzt können wir mit dem freigewordenen Kapital, das nun an der Seitenlinie auf neue Chancen wartet, relativ entspannt die Marktreaktionen abwarten, um dann gegebenenfalls ab Montag wieder in das Spiel der Märkte einzugreifen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


PS: Wenn Sie wissen wollen, wann und wo wir das aus den Gewinnmitnahmen freigewordene Geld wieder investieren, dann melden Sie sich schnell zu den oben genannten Stockstreet-Börsenbriefen an.

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