In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Immer mehr US-Währungshüter würden ein höheres Tempo beim Tapering begrüßen. Und die robuste US-Wirtschaft bei anhaltend hoher Inflation liefert Gründe. ...
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Heute ist in den USA Feiertag (Thanksgiving). Und da die Wall Street aus diesem Grund geschlossen bleibt und am morgigen Freitag nur für einen verkürzten Handel ihre Tore öffnet, haben wir es an unseren heimischen Märkten nur mit dünnen Handelsumsätzen und somit überwiegend ruhigen Kursbewegungen zu tun. Anleger haben somit Zeit, einige der jüngsten Nachrichten zu verdauen.

US-Währungshüter machen Tempo beim Tapering

So zum Beispiel die Meldung, dass immer mehr US-Währungshüter ein höheres Tempo beim Tapering begrüßen würden. „Ich werde die Daten genau ansehen, die wir bis zum Dezember-Treffen erhalten, und es könnte durchaus angemessen sein, bei dem Treffen über ein höheres Tempo bei der Reduzierung unserer Bilanz zu sprechen“, sagte zum Beispiel der Fed-Vizechef Richard Clarida am vergangenen Freitag. Zuvor hatte bereits der Fed-Gouverneur Christopher Waller die Notenbank aufgefordert, die Anleihekäufe schneller zu drosseln, um damit Freiraum für Zinserhöhungen zu erhalten. Und gestern zeigte sich dann auch die Fed-Chefin des Bezirks San Francisco, Mary Daly, offen für diese Idee. Es sei zwar noch zu früh, sich darauf festzulegen, doch gebe es gute Argumente dafür. Und wenn sich die Dinge weiter wie bisher entwickelten, sei sie „voll dafür“. Sollte der Jobmarkt weiter rund laufen und die Inflation hoch bleiben, spräche dies dafür, dass die US-Notenbank das Abbau-Tempo bei den Wertpapierkäufen beschleunige.

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sinken unter das Vor-Krisen-Niveau

Passend dazu wurde gestern gemeldet, dass in den USA in der vergangenen Woche so wenig Menschen Arbeitslosenhilfe beantragt haben wie seit 52 Jahren nicht mehr. Insgesamt stellten laut Arbeitsministerium nur noch 199.000 Menschen einen Erstantrag auf Geld vom Staat, ganze 71.000 weniger als in der Woche zuvor. Und das war das niedrigste Niveau seit Mitte November 1969. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen noch mit immerhin 260.000 Anträgen gerechnet, was ebenfalls ein weiterer Rückgang zu den Vorwochen gewesen wäre.

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA

Der US-Arbeitsmarkt ist damit in dieser Hinsicht unter dem Vor-Krisen-Niveau angekommen. Und angesichts der hohen Inflation gibt es eigentlich kaum noch einen Grund, dass die US-Notenbank überhaupt noch milliardenschwere Anleihekäufe tätigt und den Leitzins bei nahe Null hält. Der einzige Grund ist, dass sie mit einem abrupten Ende der Anleihekäufe die Märkte mit hoher Wahrscheinlichkeit ins Chaos stürzen würde. Aber gegen ein beschleunigtes Tapering dürften sich auf der anstehenden FOMC-Sitzung im Dezember eigentlich kaum Gegenstimmen finden.

Die Fed hatte dafür auf ihrer letzten Sitzung sogar die Tür geöffnet, indem sie ankündigte, das Tempo anzupassen, wenn es die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfordern. „Das wird etwas sein, worüber wir nachdenken müssen“, sagte dazu Clarida. Die Inflation sei schon jetzt hoch und die Wirtschaft in einer starken Verfassung.

Verbraucher in überraschender Konsumlaune

Zudem sind die Verbraucher in den USA jüngst trotz oder vielleicht sogar wegen der anziehenden Inflation kauffreudig geblieben. Denn ihre Ausgaben legten im Oktober um 1,3 % zum Vormonat zu, nach einem Zuwachs von 0,6 % im September, wie das US-Handelsministerium gestern mitteilte. Der private Konsum gilt als tragende Säule der US-Konjunktur, da er rund 70 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträgt.

Und es ist durchaus überraschend, dass die US-Konsumenten so viel ausgegeben haben, weil sich laut dem Verbrauchervertrauen der Universität Michigan die Stimmung der Einzelhandelskunden angesichts der rasant gestiegenen Preise eigentlich deutlich eingetrübt hatte und auf das niedrigste Niveau seit November 2011 gesunken war. Dazu noch einmal die Grafik aus der Börse-Intern vom 17. November (siehe auch „Inflation nagt schon an Kaufkraft und Stimmung der Verbraucher“):

Index zum Verbrauchervertrauen der Universität Michigan

Hinzu kommt, dass die persönlichen Einkommen der US-Amerikaner im Oktober „nur“ um 0,5 % gestiegen sind, nachdem sie im September sogar um 1,0 % gesunken waren. Die Einkommen steigen damit weniger stark als die Ausgaben.

Zugleich mindern die höheren Preise die Kaufkraft. Ein Inflationsmaß, auf das insbesondere die Notenbank Fed schaut, sind die persönlichen Konsumausgaben der Verbraucher (engl.: personal consumption expenditure, PCE), wobei sie Nahrungsmittel- und Energiekosten unberücksichtigt lässt. Und diese PCE-Kernrate stieg im Oktober im Jahresvergleich auf 4,1 %, nach revidiert 3,7 % im September.

US-Wirtschaft bleibt auf einem starken Expansionskurs

Außerdem hielt sich der IHS Markit Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft der USA mit 56,6 Punkten im November auf einem relativ hohen Niveau deutlich oberhalb der Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird, auch wenn es im Vergleich zum Vormonat (57,6) zu einem Rückgang gekommen ist.

IHS Markit Gesamt-Einkaufsmanagerindex USA

Das Wachstum der US-Wirtschaft liegt damit oberhalb des langfristigen Durchschnitts der Einkaufsmanagerdaten.

Starker Dollar, starker US-Aktienmarkt

Kein Wunder, dass sich der Dollar jüngst wesentlich stärker präsentierte als der Euro (siehe „Schwacher Euro, starker DAX“). Und so erklärt es sich auch, dass sich die US-Indizes jüngst wieder einmal stärker als der europäische und der deutsche Aktienmarkt präsentiert haben. Während der DAX zum Beispiel bereits unter sein ehemaliges Rekordhoch aus dem August zurückgefallen ist (siehe gestrige Börse-Intern), hat der Dow Jones dieses Niveau jüngst aus Sicht der Bullen erfolgreich von oben getestet.

Dow Jones - Chartanalyse

Zwar wurden dabei mehrere Aufwärtstrendlinien (grün im Chart) gebrochen, doch eine dient aktuell weiterhin als Unterstützung. Und die bisherigen Kursverluste kann man immer noch als normale ABC-Korrektur werten (rote Buchstaben, siehe auch Dow Jones-Analyse vom 17. November). Es besteht daher noch eine sehr gute Chance, dass sich der am September-Tief begonnene Aufwärtstrend fortsetzt und sogar im Rahmen einer Welle 5 auf neue Höhen schwingt (grüne Ziffern). Ein deutliches Signal für dieses Szenario wird weiterhin gesendet, wenn das Hoch der möglichen Welle B überschritten wird.

Sollte der Dow Jones aber auch die aktuelle Aufwärtstrendlinie brechen und unter sein August-Hoch fallen, wäre größere Vorsicht angebracht. Kritischer wird es aber unverändert erst, wenn der Dow Jones deutlich in den Bereich seiner monatelangen Seitwärtstendenz zurückfällt. Und gerät der Index dabei unter das Zwischenhoch der Welle 1 bei 34.975,19 Punkten, ist das bullishe Elliott-Wellen-Szenario in dieser Form aufgrund der Überschneidung in den Wellen 1 und 4 hinfällig und das Chartbild trübt sich stärker ein.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
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