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Hohe Volatilität erhöht die Gefahr von Fehlsignalen

Ausgabe vom 23.06.2020

Inhaltsverzeichnis

Anleger stecken schlechte Nachrichten erneut schnell weg

Heute wurden die Schnellschätzungen zu den Einkaufsmanagerindizes von IHS Markit unter anderem für Deutschland und die Eurozone veröffentlicht. Demnach ist der Index für die gesamte deutsche Wirtschaft, Industrie und Dienstleistung, im laufenden Monat auf 45,8 Punkte gestiegen, von 32,3 im Vormonat.

IHS Markit Gesamt-Einkaufsmanagerindex Deutschland

Für die Eurozone stieg der Gesamt-Einkaufsmanagerindex auf 47,5 Punkte, von 31,9 im Vormonat.

IHS Markit Gesamt-Einkaufsmanagerindex Eurozone

Den aktuellen Daten kann man wieder sowohl Positives als auch Negatives abgewinnen. Positiv war sicherlich, dass die Konsensschätzungen jeweils recht deutlich geschlagen wurden. Beim Eurozonen-Index hatten von Reuters befragte Ökonomen zum Beispiel nur einen Anstieg auf 42,4 Punkte erwartet. Auch vorangegangene Daten fielen über den Markterwartungen aus, was die historisch einmalige Aktienmarktrally unterstützt hat.

Negativ muss man allerdings werten, dass die Frühindikatoren zwar zulegen konnten, aber nach wie vor unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten liegen. Das bedeutet, der Anstieg der Stimmungsindikatoren deutet nicht auf eine Zunahme der Wirtschaftsaktivität hin, sondern lediglich das Tempo der Schrumpfung lässt nach. Und das spricht erneut nicht für eine schnelle Erholung der Wirtschaft, sondern für eine relativ gemächliche Wende aus dem tiefen Tal hin zum Besseren.

Coronavirus: Neuinfektionen weltweit auf Rekordniveau

Doch die Börsen sind auf dem bearishen Auge weiterhin blind. Das gilt auch für die Entwicklung der Corona-Pandemie. Am Sonntag wurden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit so viele Corona-Infektionen gemeldet wie nie zuvor. Der größte Teil der Neuinfektionen entfiel dabei auf Nord- und Südamerika. Die Zahl der Neuinfektionen in den USA lag auf dem höchsten Niveau seit Wochen. In der vergangenen Woche gaben 12 der 50 US-Bundesstaaten Rekord-Anstiege bekannt. Außerdem verzeichnete die WHO einen Anstieg von Fällen in Ländern, die bislang erfolgreich gegen das Virus vorgegangen sind. Die Gesundheitsbehörden in Südkorea sprachen sogar erstmals von einer zweiten Infektionswelle im Land.

Natürlich hat all dies dämpfende Effekte auf die Konjunktur. Und die steigende Anzahl an Neuinfektionen wird die Erholung der Wirtschaft weiter bremsen. Aber die Mehrzahl der Anleger scheint das nicht zu interessieren. Oder sie ignorieren es einfach. Warum sollte man sich auch Sorgen machen, wenn die Aktienkurse einfach immer weiter steigen, scheinen sie sich zu denken.

Widersprüchliche Aussagen zum US-chinesischen Handelsabkommen

Selbst eine mögliche Eskalation im US-chinesischen Handelskonflikt kann die Anleger derzeit nur sehr kurzzeitig von ihren Anteilen trennen. US-Präsident Donald Trump schrieb kürzlich auf Twitter, eine „vollständige Entkoppelung“ von China sei unter gewissen Umständen eine „Politik-Option“. Und gefragt nach dem Phase-1-Handelsabkommen, erklärte der Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro heute Nacht (MESZ), das Abkommen zwischen den USA und China für gescheitert. „Es ist vorbei“, sagte er in einem Interview mit dem Sender Fox News.

Dies löste kurz nach 3 Uhr (MESZ) einen herben Kursrutsch am Aktienmarkt aus. Der Dow Jones gab zum Beispiel im CFD-Handel um rund 500 Punkte nach (siehe rote Ellipse im folgenden Chart).

Dow Jones - kurzfristige Chartanalyse
(Quelle: Comdirect)

Doch genauso schnell, wie die Verluste gekommen waren, wurden sie auch wieder aufgeholt. Navarro hatte wenig später behauptet, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen und hätten sich nicht auf das Handelsabkommen bezogen. Donald Trump sah sich genötigt, auf Twitter zu verkünden, dass das Handelsabkommen „völlig intakt“ sei.

Allerdings sollte man beachten, dass China zwar beteuert, verstärkt US-Agrarprodukte kaufen zu wollen, um die Bedingungen des Phase-1-Handelsabkommens zu erfüllen, das Land aber laut Medienberichten durch die Corona-Krise im Rückstand ist.

Welche Chancen stehen welchen Risiken gegenüber?

Jochen Steffens sagte Ende vergangener Woche zu mir, er traue dem Markt derzeit nicht über den Weg. Mir geht es genauso. Kapitalerhalt ist an der Börse die oberste Prämisse. Und es gilt stets, Chancen im richtigen Verhältnis zu den Risiken einzugehen. Die Chancen, die sich aktuell durch die exzessiven Kursgewinne an den Börsen ergeben, stehen in meinen Augen in einem krassen Missverhältnis zu den Risiken.

Und in einer solchen Phase halte ich mich einfach weitestgehend aus dem Markt heraus, gehe nur sehr vorsichtig kleinere Positionen ein und überlasse ihn ansonsten den Spekulanten. Ich kann es derzeit nur immer wieder sagen: Man muss nicht ständig im Markt investiert sein. Und man darf entgangenen Gewinnen nicht hinterhertrauern. Es ergeben sich immer wieder Chancen an den Börsen. Und daher wird man auch wieder investieren oder traden können, wenn die Lage nicht mehr so verrückt und unberechenbar ist, wie aktuell.

Man darf nicht vergessen, dass sich die Welt aktuell in einer historisch einmaligen Krise befindet. Dafür gibt es kein „Schema F“. Aktuell kann am Markt jederzeit alles passieren. Bei kaum einem Unternehmen kann man aktuell einigermaßen seriös die Umsatz- und Gewinnentwicklung prognostizieren. Anleger befinden sich daher in einem völligen Blindflug. Jeder Kauf gleicht daher einem Münzwurf.


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Hohe Volatilität erhöht die Gefahr von Fehlsignalen

Sicherlich. Die Charttechnik kann etwas helfen. Aber ich erinnere an die Chartanalysen der vergangenen Woche. Niemand kann derzeit mit Sicherheit sagen, ob wir uns gerade in Gegenbewegungen (ABC-Korrekturen) oder Trendbewegungen befinden. Und da die Volatilität extrem hoch ist, wechseln sich bullishe und bearishe Signale teilweise sehr schnell ab.

Holen wir uns dazu auch noch einmal den obigen Chart des Dow Jones mit einem etwas längeren Zeitausschnitt ins Blickfeld:

Dow Jones - kurzfristige Chartanalyse
(Quelle: Comdirect)

Hier sieht man, dass sich der Index seit dem 16. Juni in einer Konsolidierung befindet (roter Abwärtstrendkanal). Innerhalb dieser Konsolidierung fand seit gestern eine Aufwärtsbewegung statt (schwarzer Trendkanal). Durch das nächtliche wilde Auf- und Ab wurde der Aufwärtstrend gestört. Er setzte sich aber danach in diesem Trendkanal fort – es lag also ein massives Fehlsignal vor.

Kurz vor Beginn des offiziellen US-Handels brach der Dow Jones dann heute aus der übergeordneten Konsolidierung (roter Trendkanal) nach oben aus. Dabei wurde auch der kurzfristige Aufwärtstrendkanal (schwarz) nach oben verlassen. Es deutete sich damit ein bullisher Ausbruch inklusive Beschleunigung der kurzfristigen Aufwärtsbewegung an – ein sehr bullishes Signal. Doch dann fielen die Kurse wieder in den roten Trendkanal zurück und steuerten exakt das untere Ende des kurzfristigen Trendkanals an. Es lag wieder ein gravierendes Fehlsignal vor, das zweite innerhalb eines Handelstages.

Auf den roten Trendkanal kommt es an

Das Big-Picture im Dow Jones sieht übrigens aktuell wie folgt aus:

Dow Jones - Chartanalyse

Im Rahmen seiner Kurserholung konnte der Index die obere Linie eines ehemaligen Trendkanals (grün) bzw. einer vermeintlichen Trompetenformation (blau) erreichen. Es fehlten allerdings einige Punkte. Sowohl beim finalen Anstieg dorthin als auch bei dem anschließenden Rücksetzer wurde jeweils eine Kurslücke gebildet, so dass eine Inselumkehr vorliegt (rote Ellipse) – analog zum S&P 500. Das war bearish zu werten.

Es kam auch schon zu einem entsprechenden Rücksetzer. Dieser endete an einer Unterstützungslinie des Trendkanals (grün). Dadurch besteht aktuell grundsätzlich die Möglichkeit, dass sich der Index wieder innerhalb dieser Range einpendelt. Das muss sich aber natürlich noch bestätigen. Sollte der Index allerdings noch einmal stärker korrigieren, kann man die Fibonacci-Marken (graue Linien) heranziehen, um die Kraft der Bären bzw. Bullen einzuschätzen.

Kurzfristig entscheidend ist, ob dem Index der Ausbruch aus der aktuellen mehrtägigen Konsolidierung gelingt, die sich in den Charts oben und im folgenden Chart als Abwärtstrendkanal (rot) darstellt.

Dow Jones - Chartanalyse

Diese Konsolidierung ist bullish zu werten. Und ein nachhaltiger Ausbruch nach oben würde natürlich für weiter steigende Kurse sprechen. Eine Fortsetzung der Konsolidierung oder gar eine Beschleunigung der Abwärtstendenz könnte hingegen einen erneuten Test der Unterstützungslinie des grünen Trendkanals auslösen. Hält diese nicht, ist wohl ein Test des 38,20er Fibonacci-Retracement bei 24.002,18 Punkten zu erwarten.

Achten Sie dabei weiterhin auf die Möglichkeit von Fehlsignalen. Durch die jüngsten ist es auch gut möglich, dass der Index einfach in eine Seitwärtskonsolidierung übergeht und der Bruch der Trendlinien somit keine Konsequenzen hat.

Fazit

Grundsätzlich unterstützen aktuelle Wirtschaftsdaten die Erholung an den Aktienmärkten. Doch die Kurse sind zu schnell zu weit gestiegen, so dass sie die fundamentale Entwicklung überzeichnen. Zumal die Anleger potenzielle Störfaktoren (Neuinfektionen, Handelsstreit) scheinbar ignorieren. Das birgt hohe Risiken. Denn durch die hohe fundamentale Bewertung vieler Aktien darf man dem (weit fortgeschrittenen) Kursanstieg an den Aktienmärkten insgesamt nicht (mehr) trauen. Und durch die hohe Volatilität sind charttechnische Signale mit Vorsicht zu genießen (Fehlsignale).

Mein Rat lautet daher: Agieren Sie aktuell sehr vorsichtig an den Börsen. Fühlen Sie sich nicht genötigt, zwingend im Markt zu sein, weil Sie entgangene Gewinne fürchten. Es kommen immer wieder neue Chancen, mit einem angemessenen Risiko. Neuinvestments würde ich derzeit zurückstellen oder nur als kleine Positionen eingehen, um gegebenenfalls zu günstigeren Kursen nachkaufen zu können. Primär würde ich mich um das Managen eventuell noch bestehender Positionen kümmern. Hier gilt es, rechtzeitig auszusteigen, wenn die Stimmung am Markt dreht.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


Anleger stecken schlechte Nachrichten erneut schnell weg

von Sven Weisenhaus

Heute wurden die Schnellschätzungen zu den Einkaufsmanagerindizes von IHS Markit unter anderem für Deutschland und die Eurozone veröffentlicht. Demnach ist der Index für die gesamte deutsche Wirtschaft, Industrie und Dienstleistung, im laufenden Monat auf 45,8 Punkte gestiegen, von 32,3 im Vormonat.

IHS Markit Gesamt-Einkaufsmanagerindex Deutschland

Für die Eurozone stieg der Gesamt-Einkaufsmanagerindex auf 47,5 Punkte, von 31,9 im Vormonat.

IHS Markit Gesamt-Einkaufsmanagerindex Eurozone

Den aktuellen Daten kann man wieder sowohl Positives als auch Negatives abgewinnen. Positiv war sicherlich, dass die Konsensschätzungen jeweils recht deutlich geschlagen wurden. Beim Eurozonen-Index hatten von Reuters befragte Ökonomen zum Beispiel nur einen Anstieg auf 42,4 Punkte erwartet. Auch vorangegangene Daten fielen über den Markterwartungen aus, was die historisch einmalige Aktienmarktrally unterstützt hat.

Negativ muss man allerdings werten, dass die Frühindikatoren zwar zulegen konnten, aber nach wie vor unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten liegen. Das bedeutet, der Anstieg der Stimmungsindikatoren deutet nicht auf eine Zunahme der Wirtschaftsaktivität hin, sondern lediglich das Tempo der Schrumpfung lässt nach. Und das spricht erneut nicht für eine schnelle Erholung der Wirtschaft, sondern für eine relativ gemächliche Wende aus dem tiefen Tal hin zum Besseren.

Coronavirus: Neuinfektionen weltweit auf Rekordniveau

Doch die Börsen sind auf dem bearishen Auge weiterhin blind. Das gilt auch für die Entwicklung der Corona-Pandemie. Am Sonntag wurden laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit so viele Corona-Infektionen gemeldet wie nie zuvor. Der größte Teil der Neuinfektionen entfiel dabei auf Nord- und Südamerika. Die Zahl der Neuinfektionen in den USA lag auf dem höchsten Niveau seit Wochen. In der vergangenen Woche gaben 12 der 50 US-Bundesstaaten Rekord-Anstiege bekannt. Außerdem verzeichnete die WHO einen Anstieg von Fällen in Ländern, die bislang erfolgreich gegen das Virus vorgegangen sind. Die Gesundheitsbehörden in Südkorea sprachen sogar erstmals von einer zweiten Infektionswelle im Land.

Natürlich hat all dies dämpfende Effekte auf die Konjunktur. Und die steigende Anzahl an Neuinfektionen wird die Erholung der Wirtschaft weiter bremsen. Aber die Mehrzahl der Anleger scheint das nicht zu interessieren. Oder sie ignorieren es einfach. Warum sollte man sich auch Sorgen machen, wenn die Aktienkurse einfach immer weiter steigen, scheinen sie sich zu denken.

Widersprüchliche Aussagen zum US-chinesischen Handelsabkommen

Selbst eine mögliche Eskalation im US-chinesischen Handelskonflikt kann die Anleger derzeit nur sehr kurzzeitig von ihren Anteilen trennen. US-Präsident Donald Trump schrieb kürzlich auf Twitter, eine „vollständige Entkoppelung“ von China sei unter gewissen Umständen eine „Politik-Option“. Und gefragt nach dem Phase-1-Handelsabkommen, erklärte der Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro heute Nacht (MESZ), das Abkommen zwischen den USA und China für gescheitert. „Es ist vorbei“, sagte er in einem Interview mit dem Sender Fox News.

Dies löste kurz nach 3 Uhr (MESZ) einen herben Kursrutsch am Aktienmarkt aus. Der Dow Jones gab zum Beispiel im CFD-Handel um rund 500 Punkte nach (siehe rote Ellipse im folgenden Chart).

Dow Jones - kurzfristige Chartanalyse
(Quelle: Comdirect)

Doch genauso schnell, wie die Verluste gekommen waren, wurden sie auch wieder aufgeholt. Navarro hatte wenig später behauptet, seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen und hätten sich nicht auf das Handelsabkommen bezogen. Donald Trump sah sich genötigt, auf Twitter zu verkünden, dass das Handelsabkommen „völlig intakt“ sei.

Allerdings sollte man beachten, dass China zwar beteuert, verstärkt US-Agrarprodukte kaufen zu wollen, um die Bedingungen des Phase-1-Handelsabkommens zu erfüllen, das Land aber laut Medienberichten durch die Corona-Krise im Rückstand ist.

Welche Chancen stehen welchen Risiken gegenüber?

Jochen Steffens sagte Ende vergangener Woche zu mir, er traue dem Markt derzeit nicht über den Weg. Mir geht es genauso. Kapitalerhalt ist an der Börse die oberste Prämisse. Und es gilt stets, Chancen im richtigen Verhältnis zu den Risiken einzugehen. Die Chancen, die sich aktuell durch die exzessiven Kursgewinne an den Börsen ergeben, stehen in meinen Augen in einem krassen Missverhältnis zu den Risiken.

Und in einer solchen Phase halte ich mich einfach weitestgehend aus dem Markt heraus, gehe nur sehr vorsichtig kleinere Positionen ein und überlasse ihn ansonsten den Spekulanten. Ich kann es derzeit nur immer wieder sagen: Man muss nicht ständig im Markt investiert sein. Und man darf entgangenen Gewinnen nicht hinterhertrauern. Es ergeben sich immer wieder Chancen an den Börsen. Und daher wird man auch wieder investieren oder traden können, wenn die Lage nicht mehr so verrückt und unberechenbar ist, wie aktuell.

Man darf nicht vergessen, dass sich die Welt aktuell in einer historisch einmaligen Krise befindet. Dafür gibt es kein „Schema F“. Aktuell kann am Markt jederzeit alles passieren. Bei kaum einem Unternehmen kann man aktuell einigermaßen seriös die Umsatz- und Gewinnentwicklung prognostizieren. Anleger befinden sich daher in einem völligen Blindflug. Jeder Kauf gleicht daher einem Münzwurf.

Hohe Volatilität erhöht die Gefahr von Fehlsignalen

von Sven Weisenhaus

Sicherlich. Die Charttechnik kann etwas helfen. Aber ich erinnere an die Chartanalysen der vergangenen Woche. Niemand kann derzeit mit Sicherheit sagen, ob wir uns gerade in Gegenbewegungen (ABC-Korrekturen) oder Trendbewegungen befinden. Und da die Volatilität extrem hoch ist, wechseln sich bullishe und bearishe Signale teilweise sehr schnell ab.

Holen wir uns dazu auch noch einmal den obigen Chart des Dow Jones mit einem etwas längeren Zeitausschnitt ins Blickfeld:

Dow Jones - kurzfristige Chartanalyse
(Quelle: Comdirect)

Hier sieht man, dass sich der Index seit dem 16. Juni in einer Konsolidierung befindet (roter Abwärtstrendkanal). Innerhalb dieser Konsolidierung fand seit gestern eine Aufwärtsbewegung statt (schwarzer Trendkanal). Durch das nächtliche wilde Auf- und Ab wurde der Aufwärtstrend gestört. Er setzte sich aber danach in diesem Trendkanal fort – es lag also ein massives Fehlsignal vor.

Kurz vor Beginn des offiziellen US-Handels brach der Dow Jones dann heute aus der übergeordneten Konsolidierung (roter Trendkanal) nach oben aus. Dabei wurde auch der kurzfristige Aufwärtstrendkanal (schwarz) nach oben verlassen. Es deutete sich damit ein bullisher Ausbruch inklusive Beschleunigung der kurzfristigen Aufwärtsbewegung an – ein sehr bullishes Signal. Doch dann fielen die Kurse wieder in den roten Trendkanal zurück und steuerten exakt das untere Ende des kurzfristigen Trendkanals an. Es lag wieder ein gravierendes Fehlsignal vor, das zweite innerhalb eines Handelstages.

Auf den roten Trendkanal kommt es an

Das Big-Picture im Dow Jones sieht übrigens aktuell wie folgt aus:

Dow Jones - Chartanalyse

Im Rahmen seiner Kurserholung konnte der Index die obere Linie eines ehemaligen Trendkanals (grün) bzw. einer vermeintlichen Trompetenformation (blau) erreichen. Es fehlten allerdings einige Punkte. Sowohl beim finalen Anstieg dorthin als auch bei dem anschließenden Rücksetzer wurde jeweils eine Kurslücke gebildet, so dass eine Inselumkehr vorliegt (rote Ellipse) – analog zum S&P 500. Das war bearish zu werten.

Es kam auch schon zu einem entsprechenden Rücksetzer. Dieser endete an einer Unterstützungslinie des Trendkanals (grün). Dadurch besteht aktuell grundsätzlich die Möglichkeit, dass sich der Index wieder innerhalb dieser Range einpendelt. Das muss sich aber natürlich noch bestätigen. Sollte der Index allerdings noch einmal stärker korrigieren, kann man die Fibonacci-Marken (graue Linien) heranziehen, um die Kraft der Bären bzw. Bullen einzuschätzen.

Kurzfristig entscheidend ist, ob dem Index der Ausbruch aus der aktuellen mehrtägigen Konsolidierung gelingt, die sich in den Charts oben und im folgenden Chart als Abwärtstrendkanal (rot) darstellt.

Dow Jones - Chartanalyse

Diese Konsolidierung ist bullish zu werten. Und ein nachhaltiger Ausbruch nach oben würde natürlich für weiter steigende Kurse sprechen. Eine Fortsetzung der Konsolidierung oder gar eine Beschleunigung der Abwärtstendenz könnte hingegen einen erneuten Test der Unterstützungslinie des grünen Trendkanals auslösen. Hält diese nicht, ist wohl ein Test des 38,20er Fibonacci-Retracement bei 24.002,18 Punkten zu erwarten.

Achten Sie dabei weiterhin auf die Möglichkeit von Fehlsignalen. Durch die jüngsten ist es auch gut möglich, dass der Index einfach in eine Seitwärtskonsolidierung übergeht und der Bruch der Trendlinien somit keine Konsequenzen hat.

Fazit

Grundsätzlich unterstützen aktuelle Wirtschaftsdaten die Erholung an den Aktienmärkten. Doch die Kurse sind zu schnell zu weit gestiegen, so dass sie die fundamentale Entwicklung überzeichnen. Zumal die Anleger potenzielle Störfaktoren (Neuinfektionen, Handelsstreit) scheinbar ignorieren. Das birgt hohe Risiken. Denn durch die hohe fundamentale Bewertung vieler Aktien darf man dem (weit fortgeschrittenen) Kursanstieg an den Aktienmärkten insgesamt nicht (mehr) trauen. Und durch die hohe Volatilität sind charttechnische Signale mit Vorsicht zu genießen (Fehlsignale).

Mein Rat lautet daher: Agieren Sie aktuell sehr vorsichtig an den Börsen. Fühlen Sie sich nicht genötigt, zwingend im Markt zu sein, weil Sie entgangene Gewinne fürchten. Es kommen immer wieder neue Chancen, mit einem angemessenen Risiko. Neuinvestments würde ich derzeit zurückstellen oder nur als kleine Positionen eingehen, um gegebenenfalls zu günstigeren Kursen nachkaufen zu können. Primär würde ich mich um das Managen eventuell noch bestehender Positionen kümmern. Hier gilt es, rechtzeitig auszusteigen, wenn die Stimmung am Markt dreht.


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