In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die jüngsten Kursreaktion auf die Verschärfung des Handelsstreit scheinen widersprüchlich. Oder doch nicht? Diese Woche kann die Entscheidung bringen. ...
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Inhaltsverzeichnis

Zurück im Sorglos-Modus?

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

bevor ich zu meinem heutigen Thema über die Chancen einer Jahresendrally und die Gefahren eines Tops komme, erlauben ich mir einige Anmerkungen in eigener Sache.

Gestern haben Sie die Informationen zu meinem neuen Börsendienst „Geldanlage-Brief“ erhalten. Ich bin fest davon überzeugt, dass „Geldanlage“ eines der wichtigsten Themen unserer Zeit ist und zwar unabhängig davon, wie alt man ist oder welchen Beruf man hat oder wo man im Leben steht.

Gründe gibt es genug: finanzielle Unabhängigkeit, eine mögliche Rentenlücke zu schließen oder die eigene Familie langfristig – eventuell sogar auch die nächste Generation – abzusichern.  Aber gute Beratung dazu ist selten. Viele Finanzberater arbeiten nur mit Blick auf die Provisionen, Bankberater müssen die eigenen Produkte verkaufen. Wer sich tatsächlich mal gegen Honorar gut beraten lässt, tut dies meist nur einmalig – schon der Kosten wegen. Und selbst viele Wohlhabende, die sich eine Vermögensberatung leisten, werden dort nur nach Schema F behandelt. Die Folge – wie mir immer wieder Leser und Kunden gestehen – ist, dass sich die meisten Anleger mit ihrer Geldanlage nicht wohlfühlen und nach Alternativen suchen.

Mein neues Konzept für Ihre persönliche Geldanlage!

Daher freue ich mich, dass Stockstreet mir die Gelegenheit gibt, Ihnen das Thema Geldanlage ab sofort in meinem Geldanlage-Brief neutral, unabhängig und allein zu Ihren Gunsten umfassend näherzubringen (also auch jenseits von Aktien, Anleihen und Co.).

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Ihr Torsten Ewert

PS: Am Ende des heutigen Textes habe ich Ihnen das aktuelle Wachstums-Depot angehängt, das 1 :1 von der alten Stockstreet-Investment-Strategie übernommen wurde. Die Stockstreet-Investment-Strategie war schon gut, der Geldanlage-Brief wird noch besser…


Und nun zur Gemengelage an den Aktienmärkten nach dem großem Verfallstag und vor der Fed-Sitzung:

Haben Sie sich auch verwundert die Augen gerieben, als die Börsen in der Vorwoche neue Zölle der USA gegen China mit steigenden Kursen beantwortet haben (siehe Börse-Intern vom 18.09.2018)? Gut, solche scheinbar „unlogischen“ Reaktionen der Märkte sieht man häufiger, aber es ist stets ratsam, die vermeintlichen Gründe dafür zu hinterfragen.

Groteske Erklärungen

Nun ist es ja immer so eine Sache zu ergründen, weshalb die Kurse diese oder jene Richtung eingeschlagen haben. Dabei ist man zunächst auf die „Begründungen“ der Medien und Analysten angewiesen. Mitunter erhält man dort auch Erklärungen, die durchaus plausibel klingen. Sehr bedenklich ist es allerdings, wenn diese „Erklärungen“ von vornherein grotesk wirken – so wie in diesem Fall.

So soll laut einem Pressebericht der Kursanstieg die Erleichterung der Anleger ausdrücken, dass mit der jüngsten Entscheidung nicht „Trumps ursprüngliche Drohung“ wahr wurde, wonach „er noch Strafabgaben in Höhe von zehn Prozent auf sämtliche Einfuhren aus dem Reich der Mitte erwogen“ hatte, sondern „die nun verhängten US-Zölle […] sich auf Importe im Umfang von ‚nur‘ 200 Milliarden Dollar [beziehen]. Das entspricht weniger als der Hälfte der gesamten Importe aus China“ in die USA. (Dabei lassen wir mal dahingestellt, dass 10 % auf 100 % immer noch weniger sind, als 25 % auf 50 %, die laut der neuen Verfügung ab Januar, also bereits in gut drei Monaten, fällig sind.)

Weitere skurrile „Gründe“ für die Reaktion der Märkte

Ein anderer Analyst rechnete vor, dass die 200 Mrd. Dollar „nicht mehr als 2,5 % des Welthandels“ ausmachen. Dies könne „die recht robuste Weltkonjunktur nicht wirklich beeinträchtigen“. Und apropos „beeinträchtigen“: Bisher lassen sich ja noch keine messbaren negativen Effekte der Zölle ausmachen – schon gar nicht für die USA. Also was soll’s?

Meine absolute Lieblingsbegründung ist allerdings, dass die USA mit dem 200-Mrd.-Dollar-Zollpaket endgültig in Vorteil gegenüber China gekommen seien. Denn nun könne China nicht mehr mit gleicher Münze zurückzahlen – die USA exportieren schließlich nach China nur Waren im Wert von 127 Mrd. Dollar…

Nun kann es ja sein, dass ich der Einzige bin, dem diese „Gründe“ skurril und an den Haaren herbeigezogen erscheinen. Aber der geneigte Beobachter fragt sich natürlich schon, warum die Börsen bisher auf deutlich niedrigere Strafzölle zum Teil klar negativ reagiert haben, nun dagegen scheinbar so gelassen bleiben.

Negative Kursreaktionen durch den Handelsstreit

Immerhin fiel der Shanghai Composite Index seit Ende Januar – als die USA den Handelsstreit begonnen haben – um mehr als 26 %. Erst in der Vorwoche bildete der Index aufgrund der neuen Zollbeschlüsse ein neues Jahrestief und landete damit auf dem Niveau von Anfang 2016.

Die Schwäche unseres heimischem DAX als Reaktion auf die Handelsstreitigkeiten haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten stets hautnah verfolgt. Hier waren die direkten Kursausschläge (vor allem bei Einzelwerten) eindeutig zu sehen, z.B. als die USA Autozölle angekündigt haben oder der Trump-Juncker-Deal diesbezüglich Entspannung verhieß.

Aber nicht nur die Aktienmärkte haben auf den Handelsstreit reagiert: Anfang April, nachdem die USA Zölle auf Stahl und Aluminium ankündigten, stieg der Stahlpreis um rund 20 %, der Aluminiumpreis sogar um mehr als 30 %. Und seitdem Anfang Juli Chinas Gegenzölle – unter anderem auf viele landwirtschaftliche Produkte aus den USA – in Kraft traten, fiel vor allem der Preis für Sojabohnen kräftig (ca. -20 %).

Erst hü, jetzt hott?

Und nun, wenn das vierfache Volumen aller bisherigen Zollmaßnahmen beschlossen wird, machen die Börsianer urplötzlich auf ganz entspannt? Das ist doch sehr unwahrscheinlich.

Es gibt daher aus meiner Sicht nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Märkte sind tatsächlich zu einer ganz anderen Sichtweise gelangt oder die positive Kursreaktion der Vorwoche hatte andere Ursachen.

Wie ich es auch drehe und wende – eine grundsätzlich andere Sichtweise auf diese bislang ungebremste Verschärfung des Konflikts will mir nicht gelingen. Und zwar aus drei Gründen:

3 Gründe, warum Gelassenheit fehl am Platz ist

Erstens ist bisher kein Ende des Handelsstreits zwischen den USA und China in Sicht, auch wenn einige Beobachter glauben, „inzwischen Signale dafür zu erkennen, dass beide […] eigentlich eine […] Beilegung des Handelsstreits anstreben“ und der Meinung sind, dass „selbst die nun neu beschlossenen Zölle […] zumindest teilweise wieder zurückgenommen werden“ könnten.

Dieser vermeintliche Optimismus scheint eher Wunschdenken zu sein, wie die von mir unterstrichenen Passagen dieser Formulierung andeuten. Denn die bisherige Erfahrung zeigt, dass die USA noch jeder Ankündigung Taten folgen ließen. Und Anfang September machte der US-Präsident klar, dass das damals schon im Raum stehende 200-Mrd.-Dollar-Zollpaket (das nun in der Vorwoche beschlossen wurde) durch Zölle auf chinesische Importe im Wert von weiteren 267 Mrd. Dollar aufgestockt werden könnte – „je nachdem, was passiert“. Gemeint waren damit sicherlich chinesische Gegenmaßnahmen.

Mit diesen 267 Mrd. Dollar unterlägen dann tatsächlich nahezu 100 % aller US-Exporte aus China irgendwelchen Zöllen – die eingangs erwähnten Argumente wären damit endgültig hinfällig. Und selbst dann ist der Handelsstreit nicht automatisch am Ende; die Zollsätze könnten weiter erhöht oder andere Maßnahmen beschlossen werden.

Wie China doch noch zurückschlagen kann

Und damit sind wir auch schon beim zweiten Grund, warum Gelassenheit fehl am Platz ist. China kann zwar nicht mit Zöllen auf gleich große Importe reagieren, hat aber eine Reihe von anderen Möglichkeiten, den USA Paroli zu bieten. So erwarten Beobachter z.B. diverse Behinderungen von US-Firmen in China durch die Behörden als Reaktion auf weitere Handelsbarrieren, etwas das vermutlich recht leicht umzusetzen ist und nahezu beliebig verschärft werden kann.

Als weltgrößter Stahl-, Aluminium- und Kupferproduzent hat China zudem viele Möglichkeiten, Mengen und Preise auf den Rohstoffmärkten zu beeinflussen, was viele US-Unternehmen (z.B. Flugzeugbau, Automobilbranche) ebenfalls unter Druck bringen könnte. Und als ultimative Waffe hat China natürlich noch seine Dollar-Reserven in Form von US-Staatsanleihen, die das Land – zumindest theoretisch – auf den Markt werfen könnte, was wohl die Zinsen in den USA kräftig steigen lassen würde.

Da war doch mal was mit China

Der dritte und eigentlich naheliegendste Grund, warum für die Börsianer kein Anlass zur Gelassenheit besteht, sollte die Sorge um China selbst sein. Wie oben schon erwähnt, ist der dortige Aktienmarkt gerade erst auf sein Niveau von Anfang 2016 gefallen. Die Anleger sehen also offenbar einige Gefahren auf China zukommen – und das sicherlich auch und gerade wegen des Handelsstreits.

Aber war da 2016 nicht was? Richtig, es gab doch ab Mitte 2015 eine kräftige Korrektur an den Aktienmärkten – und das weltweit! Der Grund waren Sorgen um die Konjunktur in China, die dortige Überschuldung, und, und, und. Das alles scheint aber längst aus dem Fokus der meisten Anleger gerückt zu sein; man könnte auch sagen „vergessen“.

Aber damals waren es auch eher die üblichen allgemeinen Bedenken über die Nachhaltigkeit des chinesischen Wirtschaftswachstums, die in größeren Abständen regelmäßig die Runde machen (und die ich das China-Syndrom nenne). Hinzu kam ein veritabler Aktiencrash, den sich die Regierung durch ihre Hauruck-Regulierung der Börsen selbst eingebrockt hatte.

Ist das China-Syndrom inzwischen überwunden?

Diesmal droht China tatsächlich ein (zumindest vorübergehender) Einbruch ihrer US-Exporte, die immerhin rund 4 % ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen. Das dürfte an Chinas Wirtschaft nicht spurlos vorbeigehen, da reichen auch Wachstumsraten von 6 % nicht. Wann also, wenn nicht jetzt, sollten die Anleger sich Sorgen um China machen? Oder ist das China-Syndrom inzwischen überwunden?

Wenn also der Kursanstieg der Vorwoche tatsächlich ein Zeichen der Gelassenheit oder ein Gewöhnungseffekt angesichts des andauernden Handelsstreits ist, dann wäre dies eine unter Umständen fatale Sorglosigkeit der Anleger.

Sorglosigkeit wäre nichts Neues

Aber auch das ist ja nichts Neues. Das sahen wir viele Monate lang im vergangenen Jahr, als die Kurse ununterbrochen stiegen und die Börsianer geradezu eingelullt wurden. Damals gab es nur die allgemeinen Warnsignale einer solchen sorglosen Marktphase, auf die ich zuletzt Mitte Dezember 2017 hinwies – knapp eineinhalb Monate, bevor es zur erwarteten Korrektur kam.

Jetzt gibt es ziemlich konkrete Gefahren und trotzdem sollen die Anleger ähnlich sorglos sein? Möglich ist das zwar, aber eben doch wenig wahrscheinlich.

Ein alternatives Szenario

Ich vermute daher, dass Sorglosigkeit – wenn überhaupt – bestenfalls ein Teil der Erklärung für die Stärke der Aktienmärkte in der Vorwoche ist. Vor allem im DAX könnten wir zudem eine veritable Short Squeeze im Vorfeld des großen Verfallstags gesehen haben. Immerhin war der DAX Anfang September massiv überverkauft, worauf ich auch in meiner Verfallstagsanalyse hingewiesen habe. Das könnten die Stillhalter genutzt haben, um den Kurs zurück in Richtung ihrer Zielzone zu treiben – die ja schließlich sogar erreicht wurde (siehe Börse-Intern vom Freitag).

Nachdem nun dieser Aufwärtsdruck durch die Stillhalter entfällt, wird sich zeigen, ob die Bullen auf die Koppel getragen wurden oder selbst gestürmt sind. In dieser Woche dürften die Kurse bis zur Fed-Entscheidung am Mittwoch eher stagnieren. Und ob nach der zu erwartenden Zinserhöhung die Bullen die Rally weiter vorantreiben können oder es – wie bisher stets in diesem Jahr – erneut zu fallenden Kursen nach einer Zinsentscheidung kommt, bleibt abzuwarten.

Was bei Kursrückfällen droht

Ein Rückfall könnte bei den US-Indizes zu bearishen Fehlausbrüchen führen. (Ein Hinweis auf dieses Szenario ist die jüngste Schwäche des NASDAQ 100, der trotz neuer Hochs von S&P 500 und Dow Jones kein neues Allzeithoch mehr markieren konnte!) Im DAX könnte eine erneute Abwärtswelle die Top-Formation beenden, die immer noch droht, und ihn damit in den Bärenmodus schicken.

Aber womöglich haben die Anleger angesichts der jüngsten Allzeithochs tatsächlich alle Gefahren ausgeblendet und lassen die Kurse wie 2017 in eine weitere Übertreibungsphase laufen. Dann kann man diese Rally (die dann zur Jahresendrally werden könnte) natürlich einfach mitmachen – aber immer mit einer Hand am Notauslöser.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

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Trader-Sentiment für 39. KW 2018 (24.09. - 28.09.)

Der DAX tat sich in der vergangenen Handelswoche (dunkles Rechteck im folgenden Chart) zunächst schwer und pendelte am Montag und Dienstag lediglich um den Schlusskurs der Vorwoche (blaue Linie). Ein Grund dafür kann das Sentiment gewesen sein. Denn in der Umfrage zuvor hatten sich 57,16 % der Anleger für steigende Kurse ausgesprochen. Und gemäß der Sentimenttheorie verhindert ein hoher Optimismus regelmäßig Kursgewinne.

Letztlich setzten sich die Bullen aber durch und trieben den DAX bis zum Schlusskurs von 12.430,88 Punkten auf einen Wochengewinn in Höhe von 306,55 Punkten bzw. 2,5 %.

Allerdings trauen die Anleger diesem Kursanstieg nicht. Denn in der aktuellen Umfrage sehen nur noch 47,08 % der Voting-Teilnehmer weiter steigende Kurse.

Doch mit dieser gedämpften Stimmung könnte sich die dynamische Aufwärtsbewegung noch etwas fortsetzen.


Ihr
Sven Weisenhaus
- Stockstreet-Team -
www.trader-sentiment.de


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