In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Wie kommt es bei der Target-Trend-Methode zu Rechteckverschiebungen - und wie erkennt man sie? Ein aktuelles Praxisbeispiel zeigt es! ...
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Inhaltsverzeichnis

Inside Target-Trend-Methode

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

das Thema, das heute die Schlagzeilen in den Medien bestimmt – die gescheiterten Vorgespräche zu einer Regierungsbildung in Deutschland – spielte an den Börsen nur eine untergeordnete Rolle. Die vorbörslichen Verluste im DAX waren schon am Vormittag wieder aufgeholt. Politische Börsen haben eben kurze Beine.

Verfallstag mit mehr Einfluss auf den DAX als die Politik

Wichtiger aus unserer Sicht ist, dass der DAX sich nicht nur an die Verfallstagsprognose hielt (wie Sven Weisenhaus schon am Freitag betonte), sondern dabei auch dem Szenario folgte, das ich am vergangenen Montag hier entwarf: Ein Hin und Her an der 13.000er Marke, bei dem an einigen der genannten Marken tatsächlich lukrative kurzfristige Trades möglich waren.

Genau aus diesem Grund stellen wir Ihnen etliche kostenlosen Börsen-Tools auf unserer Webseite zur Verfügung – nicht nur das Verfallstagsdiagramm, sondern auch das Google-Trend-Trading, saisonale Charts und andere, die wir in der Börse-Intern ebenfalls immer wieder verwenden. Nutzen Sie also diese Möglichkeiten für Ihren Börsenerfolg!

Auch heute gehe ich näher auf ein Thema ein, das Sie nur bei Stockstreet finden. Zudem ist es ein Thema, das viele von Ihnen interessiert, denn wir erhalten immer wieder Anfragen dazu: Rechteckverschiebungen in der Target-Trend-Methode. Dazu bleibt uns heute genügend Zeit, denn nach dem Verfallstag und den Ereignissen des Wochenendes dürften etliche Anleger erst einmal abwarten.

Wenn der Target-Trend-Chart nicht mehr funktioniert

Unsere Target-Trend-Methode verwendet bekanntlich Rechtecke, um Charts zu strukturieren. Sie kennen das aus dem Target-Trend-Chart des DAX, den Ihnen Sven Weisenhaus regelmäßig präsentiert. Normalerweise sind die Rechtecke überraschend lange stabil. Kurzfristige Abweichungen sind meist sehr schnell hinfällig.

Viele Leser fragen daher, wie man eventuelle Abweichungen erkennt. Aktuell ergibt sich die Gelegenheit, diesen Prozess live zu verfolgen, denn beim NASDAQ 100 bahnt sich derzeit ein möglicher Rechteckversatz an. Das erkennt man besonders gut in dem folgenden Target-Trend-Chart, den ich den Lesern meiner Aktien-Perlen seit vielen Monaten in den Wochenupdates präsentiere:

NASDAQ100-Tageschart (TTM)

Die „alten“ Rechtecke sind hier wie üblich blau dargestellt. Sie sehen, dass sich der NASDAQ 100 bis Ende Oktober sehr gut an diese Rechtecke hielt (siehe grüne Kreise). Dann kam es zu einem fulminanten Kurssprung (siehe blauer Pfeil). Danach schwenkte der NASDAQ 100 offenbar auf die gelben Rechtecke ein – denn auf einmal häuften sich die Kontakte mit den „neuen“ gelben Rechtecken.

Sie brauchen einen „Anfangsverdacht“

Diese gelben Rechtecke haben exakt dieselbe Höhe wie die blauen, sind jedoch um einen geringen Betrag gegenüber den blauen nach unten verschoben. Diesen Betrag, den wir in der Target-Trend-Methode „Versatz“ nennen, habe ich im Chart mit dem kleinen roten Rechteck dargestellt.

Aber wie findet man nun diese neuen Rechtecke? Dafür gibt es leider kein Patentrezept. Sie brauchen also einen „Anfangsverdacht“. Doch nicht jede Abweichung von den „alten“ Rechtecken ist gleich eine Rechteckverschiebung. Häufig zeigt der Kurs auch nur eine vorübergehende oder generelle Schwäche, wenn er eine Rechteckkante nicht erreicht – und dreht dann in die Gegenrichtung. Daher ist es auch so wichtig, dass man möglichst schnell erkennt, ob eine solche Schwäche vorliegt oder eben eine Rechteckverschiebung!

So erkennen Sie rechtzeitig Veränderungen

Der NASDAQ 100 machte es uns dabei verhältnismäßig einfach: Mitte Oktober fiel er relativ dynamisch zurück, nachdem er deutlich vor der Rechteckkante bei 6.155,88 Punkten wieder nach unten drehte (siehe roter Pfeil). Zuvor war er endlich nach längerer Seitwärtsbewegung aus dem nächsttieferen blauen Rechteck nach oben ausgebrochen. Da jedoch die Dynamik nach diesem Ausbruch etwas zu wünschen übrig ließ, interpretierte ich den scheinbar verfrühten Rückfall zunächst als Schwächesignal. Dieses Signal wäre bestätigt worden, wenn der NASDAQ 100 wieder unter seine alten Hochs zurückgefallen wäre.

Dazu kam es aber nicht, sondern der Kurs drehte schon vor dem Ausbruchsniveau wieder nach oben (siehe rechter grüner Kreis) und schoss kurz danach höchst dynamisch mit dem schon erwähnten Kurssprung auf neue Hochs (siehe blauer Pfeil). Allerdings verfehlte er danach erneut die Oberkante des blauen Rechtecks und drehte abermals zu früh nach unten ab (siehe grüner Pfeil).

Welche Auslöser für Chart-Verschiebungen infrage kommen

Das war der Moment, an dem in mir der Anfangsverdacht aufkeimte, dass es zu einem Rechteckversatz kommt. Ich verschob also das blaue Rechteck um den kleinen Betrag des roten Kästchens nach unten – und siehe da, die beiden Hoch lagen wieder perfekt im Raster meiner bisherigen Rechtecke! Als in den beiden Folgetagen der Kurs von der Mittellinie des neu gefundenen gelben Rechtecks wieder nach oben drehte (siehe dunklerer roter Kreis) und danach auf neue Hochs stieg, war die Sache ziemlich klar. (Das war auch der Zeitpunkt, zu dem ich die Leser meiner Aktien-Perlen darüber informierte.) Und tatsächlich wurden die nächsten Hochs erneut durch die gelben Rechtecke markiert (in diesem Fall durch deren Mittellinien).

Natürlich ist es überaus hilfreich, wenn man durch längere Chartanalysen den Blick für solche Auffälligkeiten geschärft hat. Aber in diesem Fall gab es noch ein weiteres Indiz für die sich anbahnende Rechteckverschiebung: Das war der gewaltige Kurssprung von Ende Oktober (siehe blauer Pfeil).

Solche Kurssprünge sind häufiger (aber nicht immer!) Auslöser von Rechteckverschiebungen. Das ist auch logisch: Irgendetwas ist im Markt passiert, das die Anleger zu einer neuen Einschätzung der Lage bewegt hat – sonst würde es ja gar nicht zu einem solchen Kurssprung kommen! Mitunter ist es dann eben so, dass dieses Ereignis die Kurse quasi auf eine neue Ebene hievt. Im Chart äußert sich das dann durch eine solche Rechteckverschiebung.

Die Eskalationsstufen für einen Paradigmenwechsel

Nehmen wir also an, Sie stoßen in einem Ihrer Target-Trend-Charts auf eine solche auffällige Kursänderung. In deren unmittelbarer Folge bemerken Sie dann auch noch Abweichungen von Ihren bisherigen Chartstrukturen. Dann ist die Chance groß, dass es zu einem sogenannten „Paradigmenwechsel“ gekommen ist. Dieser kann übrigens nicht nur – wie in diesem Beispiel des NASDAQ 100 – ein einfacher Versatz sein (Rechteckverschiebung mit gleicher Höhe von alten und neuen Rechtecken), sondern auch eine „richtige“ Verschiebung, bei der die neuen Rechtecke eine andere Höhe als die alten haben.

Aber keine Sorge, diese neue Höhe finden Sie recht schnell heraus, wenn Sie einen Anfangsverdacht haben und wissen, wie Sie Rechtecke generell bestimmen. Ein wenig schwieriger wird es nur, wenn (auch) die Parallel- und/oder Konsolidierungslinien von diesem „Paradigmenwechsel“ betroffen sind. Und wenn Sie trotz allem nicht weiterkommen: Dann zeichnen Sie den Chart am besten komplett neu – denn sehr häufig stoßen Sie dann auf ganz neue Strukturen, die Sie womöglich bisher völlig vernachlässigt haben.

Es geht nicht nur „vorwärts“, sondern auch „rückwärts“

Aber selbst, wenn wir – wie hier beim NASDAQ 100 – schnell die neuen Rechtecke usw. gefunden haben, stellt sich natürlich eine wichtige Frage: Bleibt es nun auch bei dieser Änderung oder „springt“ der Kurs eventuell wieder in seine alten Bahnen zurück?

Wie bei fast allem in der Charttechnik gibt es keine eindeutige Antwort. Beides ist möglich. Es gibt jedoch auch hier Indizien und Wahrscheinlichkeiten. Der Versatz, den wir aktuell im NASDAQ 100 erleben, ist sozusagen der einfachste Paradigmenwechsel (Rechtecke gleicher Höhe). Ein solcher Versatz, der wie hier durch einen starken Kurssprung in die eine oder andere Richtung ausgelöst wurde, kann relativ schnell wieder verschwinden.

Das ist z.B. häufig bei Aktien der Fall: Da kommt eine Nachricht, die kräftige Kursbewegungen auslöst – und eben auch zu einem Versatz führt. Mitunter stellt sich dann aber heraus, dass diese kursbewegende Nachricht doch nicht so bedeutsam ist. Oder die Anleger nehmen die Folgen dieser Nachricht letztlich nicht so wichtig. In beiden Fällen fällt der Kurs bald wieder in seinen alten Trott – sprich die alten Rechtecke usw. – zurück.

Wie sich ein „Rückfall“ andeutet

Auch beim NASDAQ 100 ist das möglich. Dieser Index ist bekannt dafür, dass es recht häufig zu stärken Kursbewegungen und vielen, auch großen Kurslücken kommt. Womöglich kommt es dabei dazu, dass die alten blauen Rechtecke wieder die Führung übernehmen. Am wahrscheinlichsten ist natürlich, dass dies bei einem Rückfall geschieht.

Hierfür gibt es sogar schon ein mögliches Indiz: So setzte der Kurs am vergangenen Mittwoch wieder auf der Mittellinie eines blauen Rechtecks auf (siehe schwarzer Pfeil). Aber ist das schon wieder die Rückkehr in die alten Bahnen? Nein, denn auch das ist ein häufiges Phänomen – nach einem Paradigmenwechsel kommt es noch einige Zeit dazu, dass hin und wieder beide Strukturen getestet werden.

Der Kampf Alt gegen Neu

Auch das ist aber nur logisch: Schließlich gibt es trotz neuer marktbewegender Nachrichten immer noch Anleger, die diese Nachrichten für nebensächlich halten oder gar nicht zur Kenntnis genommen haben. Sie werden sich daher an den bisherigen Kriterien orientieren, egal, ob charttechnisch oder fundamental. Es stehen sich also zwei Lager gegenüber, die „Neuen“ und die „Alten“. Und erst mit der Zeit wird sich herausstellen, welches Lager die Masse der Anleger von seiner Meinung überzeugt. Davon hängt dann ab, welche Chartstrukturen sich durchsetzen.

Ich werde also noch eine Weile beide Varianten – die blauen und die gelben Rechtecke – beobachten. Momentan sind allerdings die gelben relevanter und daher werde ich sie bis auf weiteres zur Signalgebung benutzen.

Viel Erfolg wünscht allen Target-Trend-Tradern

Ihr Torsten Ewert


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Quelle der Charts: (sofern nicht anders angegeben)
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Trader-Sentiment für 47. KW 2017 (20.11. - 24.11.)

Vor einer Woche waren die Pessimisten leicht in der Überzahl (51,72 %). Und das, obwohl der DAX zuvor relativ starke Verluste erlitten hatte (siehe helles Rechteck im folgenden Chart). Doch offenbar war für den Rest der Voting-Teilnehmer schwer zu glauben, dass es auch mal zwei Verlustwochen in Folge geben könnte. Denn das hatte es seit Anfang Juli nicht mehr gegeben. Und gemäß der Sentimenttheorie hätte dies auch so bleiben sollen, weil die leicht bearishe Stimmung für ein schnelles Ende der Kursverluste sprach.

Doch wir mahnten zur Vorsicht. "Denn in Anbetracht der Gesamtumstände - und man sollte das Sentiment nie isoliert betrachten - ist eine größere Korrektur längst überfällig. Und es sind genug Bullen über, die noch verkaufen und ins Bärenlager wechseln können", hieß es vor einer Woche am Ende der Analyse.

Tatsächlich musste der DAX anschließend noch weitere Verluste hinnehmen (siehe dunkles Rechteck). Bis zum Tief am Mittwoch verlor der Index gegenüber dem Schlusskurs der Vorwoche (blaue Linie) rund 280 Punkte bzw. 2,1 %.

Es kam dann zwar zu einem Ende der Kursverluste und einer deutlichen Kurserholung - mit einem Schlusskurs von 12.993,73 Zählern blieben letztlich nur noch 133,74 Punkte bzw. 1,02 % Verlust übrig, womit die Verluste halbiert wurden - doch das Sentiment war in der vergangenen Woche nur bedingt ein nützlicher Indikator.

Zur Verteidigung der Sentimenttheorie lässt sich aber sagen, dass die Stimmung meist nur bei großen Ungleichgewichten - also bei hohem Pessimismus bzw. Optimismus - ein guter (Kontra-)Indikator ist. Und so könnte das Stimmungsbild aus der aktuellen Umfrage ein klarer Hinweis auf den weiteren Kursverlauf des DAX sein. Denn mit 55,80 % Bullen herrscht ein klares Übergewicht auf Seiten der Optimisten.

Dieses spricht dafür, dass die Kurserholung im DAX lediglich eine Gegenbewegung im Abwärtstrend war.


Ihr
Sven Weisenhaus
- Stockstreet-Team -
www.trader-sentiment.de


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